»Das Risiko ist die Bugwelle des Erfolges.«

Finoa Co-Founder Christopher May und Henrik Gebbing zur Unternehmensvision und Marktentwicklung digitaler Assets

Henrik Gebbing

Henrik Gebbing
Co-Founder

Christopher May

Christopher May
Co-Founder

Finoa AG
Dammstrasse 16
6300 Zug
Schweiz

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Finoa

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Im heutigen Interview mit Christopher May und Henrik Gebbing, Co-Founder der Finoa AG, erhalten wir Einblicke in den Bereich Digital Asset Banking, Ziele der Gesellschaft und Einschätzungen zur allgemeinem Marktentwicklung.

Guten Tag Herr May, Herr Gebbing, die Finoa AG entwickelt eine institutionelle Custody & Brokerage Platform für "Digitale Assets". Was verstehen Sie eigentlich unter diesem Begriff?

Christopher May: Wenn man sich die Definition von digitalen Assets anschaut, werden diese als Vermögenswert in Binärform beschrieben. Wir differenzieren diese Definition aber etwas stärker und fokussieren uns auf Blockchain-basierte Vermögenswerte, die digital auf sogenannten "Token" repräsentiert werden. Viele Leser werden bei dem Begriff Blockchain sofort an die Kryptowährung Bitcoin denken, wobei es sich hier nur um eine von vielen weiteren Anwendungsarten Blockchain-basierter Vermögenswerte handelt. Unter "Digitalen Assets" verstehen wir bei Finoa das gesamte Spektrum traditioneller Vermögenswerte mit Potential zur Abbildung auf digitalen Tokens ("Tokenisierung") – hierzu zählen sehr wohl auch digitale Zahlungsinstrumente, sogenannte Kryptowährungen wie Bitcoin, Litecoin oder Dash deren Vision der Ersatz bzw. die Ergänzung traditioneller Währungen wie Euro oder US-Dollar ist , aber insbesondere auch Wertpapiere (Aktien, Fonds, Genussscheine etc.) und Schuldtitel (Anleihen, Schuldscheine etc.). All diese Finanzinstrumente haben das Potential durch Blockchain-Technologie ein digitales Zuhause zu bekommen – die Vorteile liegen hier insbesondere in der erhöhten Liquidität, Handelbarkeit und bei marginalen Ausgabe- und Transaktionskosten. Unsere Vision geht aber noch weiter: wir nennen es "Die Ära der Tokenisierung" – diese wird Einfluss auf Besitzrechte haben, wie es die Digitalisierung auf die Medien-Industrie hatte. Hierzu gehören mittel- und langfristig die Tokenisierung von Infrastruktur-Projekten, Rechtsdokumenten, Immobilienwerten und bisher unbekannten Vermögenswerten.

Hierzu haben Sie kürzlich ebenfalls eine Studie veröffentlicht?

Henrik Gebbing: Ganz genau, wir haben ein holistisches und granulares Marktwachstums-Szenario simuliert, welches wir auf Hackernoon publiziert haben. Wir erwarten das bis 2027 rund 10% des weltweiten GDP durch Blockchain-Technologie unterstützt wird. Die "Ära der Tokenisierung" hat daher schätzungsweise ein Potential von mehr als 24 Trillionen US-Dollar.
Custody-Banken (deutsch: Verwahrstellen) übernehmen in der traditionellen Finanzwelt die Sicherungsverwahrung von Finanzinstrumenten (bspw. Wertpapiere), da gemäß Investmentgesetz eine Kapitalanlagegesellschaft das ihr anvertraute Vermögen nicht selbst verwahren darf.

Warum ist in der "dezentralen, digitalen Finanzwelt" eine Verwahrstelle noch immer notwendig?

Henrik Gebbing: Eine sehr gute Frage. Der Dezentralisierungsgedanke, der den Ursprung der Blockchain-Technologie besiegelte, sieht ein Finanzsystem ohne Vermittler und Zwischenhändler vor. Jeder Endnutzer hält über sogenannte Private Keys den Zugang zu seinen "digitalen Assets" (bspw. Bitcoin) auf der jeweiligen Blockchain selber. Transaktionen/Überweisungen können direkt P2P (Peer-to-Peer) abgewickelt werden, Finanzinstitute (bspw. Banken) werden hierbei nicht benötigt. Das heißt aber auch, dass bei Verlust oder Diebstahl der Private Keys die jeweiligen Vermögenswerte dem Totalverlust ausgesetzt sind. Zudem benötigen Sie, wenn Sie z.B. traditionelle Zahlungsinstrumente (Euro/USD) in "digitale Assets" Bitcoin tauschen, bzw. Ihre Bitcoins gegen andere "digitale Assets" (bspw. Ethereum) tauschen möchten, sogenannte Exchanges (deutsch: Börsen). Allein als privater Investor sind bis zu 5 unterschiedliche Exchange-Accounts nötig, um zumindest einen repräsentativen Teil des Portfolios "digitaler Assets" abzubilden. Der Großteil dieser Exchanges ist weder reguliert, noch führen diese einen Unternehmenssitz in Europa. Hier gibt es bereits zahlreiche Beispiele, wie Millionen Euro an digitalen Vermögenswerten auf diesen Exchanges gehacked oder veruntreut wurden und insbesondere private Investoren mit Millionen-Schäden zurückblieben.

Nun können Sie sich sicher vorstellen, warum institutionelle Investoren den Markt derzeit noch vorsichtig betrachten und ihre wesentlich signifikanteren Vermögenswerte noch nicht im größeren Stile im Markt platzieren.

Und hier setzen sie also mit Finoa an?

Christopher May: Ganz genau, unsere Custody & Brokerage Solution ist auf eben diese institutionellen Investoren ausgerichtet, die bereits erste Investitionen in "digitale Assets" vorgenommen haben und derzeit auf der Suche nach professionellen Financial Services Anbietern sind bzw. auf Investoren, welche eben aufgrund der fehlenden Professionalität des derzeitigen Ökosystems mit Ihren Investitionen noch zögern. Wir sind darüber hinaus fest davon überzeugt, dass der derzeit noch relativ unregulierte Markt der "digitalen Assets" schon bald Regulierung widerfahren wird. Wir erwarten hier eine Entwicklung analog zur traditionellen Finanzwelt, mit Anforderungen an qualifizierten Verwahrstellen von "digitalen Assets" – Investoren-Schutz wird auch im digitalen Finanzbereich das Maß aller Dinge der Regulatoren.

Warum glauben Sie, dass die Finoa AG der zukünftige Anbieter für "Digital Asset Banking" sein wird und eben nicht traditionelle Finanzinstitute?

Christopher May: Traditionelle Finanzinstitute stehen Innovationen zu "digitalen Assets" gesamtheitlich noch etwas zögerlich gegenüber. Das liegt zum einen daran, dass die Finanzinstitute das Know-How zur neuen Technologie-Entwicklung zum Teil einfach noch nicht "in-house" aufgebaut haben oder aber Ihre traditionellen Geschäftsmodelle zunehmend in Gefahr sehen. Zusätzlich ist es technisch herausfordernd ein Kernbankensystem in Live-Produktion auf die technischen Anforderungen "digitaler Assets" umzustellen. Das fängt mit dem so trivial klingenden Problem der abzubildenden Nachkommastellen an: ein traditionelles Kernbankensystem kann in der Regel bis zu 6 Nachkommastellen buchen. Die bekanntesten Kryptowährungen laufen bereits mit 8 (Bitcoin) bzw. bis zu 32 Nachkommastellen (Ethereum) und sind de facto für einen Großteil der Kernbankensysteme nicht buchbar. Auf der Technikseite haben wir unser Managementteam mit Matthias Albrecht und Thomas Zimmer enorm verstärken können und uns einen Wettbewerbsvorteil verschafft. Matthias hat früher in seiner Karriere als Vorstand der biw Bank unter anderem den Online-Broker Flatex.de aufgebaut und hinsichtlich Kryptographie und Private Key Methodik enormes Fachwissen gesammelt. Thomas Zimmer, als ehemaliger CTO der 1&1 Internet AG, ist insbesondere hinsichtlich Kernbankensystematik und eBanking-Interfaces eine absolute Verstärkung für unser Team. Die Kombination aus signifikantem Technikwissen in beiden Welten (traditioneller Bankentechnologie und Blockchain), einem auf institutionelle Kunden spezialisiertem Produkt-Angebot und Agilität in der Anpassung von neuen Blockchain-Protokollen/Entwicklungstrends sehen wir als klaren Wettbewerbsvorteil gegenüber traditionellen Finanzinstituten. Das ist uns auch in zahlreichen Gesprächen mit potenziellen Kunden und Partnern signalisiert worden.

Welche Vorteile bietet Finoa's Angebot in technischer Hinsicht gegenüber der Konkurrenz?

Henrik Gebbing: In diesem Kontext sollte sicherlich erwähnt werden, dass unsere Architektur auf einer "hot-storage" Online-Verwahrung der "digitalen Assets" basiert. Der Großteil unserer Konkurrenz entwickelt sogenannte "cold-storage" Offline-Verwahrungen, bei denen die Private Keys zum Teil in Hochsicherheits-Bunkern oder Tresoren deponiert werden. In dieser Variante sind die Assets aber alles andere als "Digital" und können beispielsweise essentielle Funktionen der Blockchain-Protokolle nicht oder nur teilweise ausführen. Es bedarf zum Teil bis zu 48 Stunden, bis die Assets auf Anfrage der Kunden wieder liquide zur Verfügung stehen und gehandelt oder ausgelöst werden können. Wir positionieren uns hier mit einer wesentlich schnelleren technologischen Lösung, die aber die gleichen Sicherheitsstandards aufweist.

Wo steht Finoa als Projekt und was sind die Meilensteine der kommenden Wochen?

Henrik Gebbing: Finoa ist derzeit im Entwicklungsstadium und wird in Q1 2019 an mit der ersten Produktversion an den Markt gehen. Unser Tech-Team konnte bereits im Spätsommer ein erfolgreiches Proof-of-Concept (deutsch: Nachweis zur Machbarkeit) unserer geplanten Tech-Architektur für Ethereum durchführen. Seither wurde das Kernbankensystem auf Blockchain-/Private Key Methodik umgestellt und weitere Blockchain-Protokolle zur Anbindung in unsere Custody Solution vertestet.
Zusätzlich ist die Finoa AG gerade in der ersten externen Finanzierungsrunde ("Seed") und daher derzeit in fortgeschrittenen Gesprächen mit bekannten Venture Capital, Business Angels und weiteren FinTech-Investoren. Wir sind zuversichtlich die derzeitige Finanzierungsrunde noch bis Ende 2018 abzuschließen.

Herr May, Herr Gebbing, vielen Dank für das Gespräch.

 

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