»Kapital gibt dem Unternehmen die Kraft zu handeln.«

Gerechtigkeitsforscher Markus Schollmeyer über die FIFA und Korruptionsstrukturen

Markus Schollmeyer

Markus Schollmeyer

Aequalitas Institut für Gerechtigkeitsforschung
Erhardtstr. 8
80469 München

Tel.: +49-89-38380628
E-Mail: m.schollmeyer[at]aequalitas.org
Web: www.aequalitas.org

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Markus Schollmeyer ist Rechtsanwalt auf dem Gebiet des Wirtschaftsstrafrechts und Leiter des Aequalitas Institutes für Gerechtigkeitsforschung (IOSACI) und Krisenkommunikation in München. Vor rund 16 Monaten haben wir bereits an dieser Stelle ein Interview mit Schollmeyer über den Umgang mit den Menschrechten in Katar und der bevorstehenden Fußballweltmeisterschaft 2022 geführt. Das Interview finden Sie hier.

Die FIFA wird derzeit von einem erneuten Skandal erschüttert. Obwohl es ja hinlänglich bekannt war, dass dort einiges im Argen liegt, hat es sehr lange gedauert, bis die Behörden etwas unternommen haben. Wieso hat das so lange gedauert?

Man kann hier den Behörden sicher keinen Vorwurf machen, denn sie haben es mit einem übermächtigen Gegner zu tun. Die FIFA nutzt jedes Schlupfloch und – wie mir scheint – auch sehr viel kriminelle Energie, um etwaige Korruption zu verschleiern. Da mussten erst das FBI und die CIA kommen, um mit deren Möglichkeiten die nötigen Beweise zu sammeln. Mit herkömmlichen Ermittlungsmethoden wäre das vermutlich nicht gelungen.

Wie genau kann man denn derartige Beträge von über 100 Millionen US-Dollar verstecken?

Das funktioniert nach den Methoden der Mafia. Mafia steht hierbei als Synonym für das organisierte Verbrechen. Auch dort werden Gelder gewaschen und versteckt. In wirtschaftsstrafrechtlichen Fällen, die ich betreut habe, war ich immer wieder erstaunt, mit welcher Kreativität dies geschieht. Alle Kreativität nützt jedoch nichts, wenn einer ausplaudert, was passiert. Deshalb gibt es ein eisernes Gesetz des Schweigens. Wenn man dann die Geldflüsse von der eigentlichen korrupten Handlung trennt, wie zum Beispiel durch Bezahlung eines anderen Geschäfts, dann wird es schwer den Zusammenhang nachzuweisen. Dazu bräuchte man nämlich wieder jemanden der es ausplaudert. Erst die moderne Überwachungstechnik macht es möglich, den Tätern auf die Schliche zu kommen

Was haben die FIFA Mitglieder für Strafen zu befürchten?

Nun, das hängt vom anwendbaren Recht ab. Werden sie nach US-amerikanischen Recht angeklagt, wird es teurer, als wenn Schweizer Recht zur Anwendung kommt, welches eher lasch bei solchen Delikten ist. Ich gehe hier aber von amerikanischem Recht aus, dann kann so was schnell 20 Jahre Haft bringen.

Halten Sie die verdächtigen FIFA-Bosse für Einzeltäter oder vermuten Sie ein System hinter dem Ganzen?

Ich gehe von einem System aus, denn Einzeltäter hätten gar nicht die Möglichkeit gehabt, solange ungeschoren davon zu kommen. Die wären viel schneller aufgefallen. Und zwar den Verantwortlichen der FIFA selbst, die sich ja in der Presse jetzt als Opfer darstellt. Die Frage ist deshalb viel mehr, ob hier die Verantwortlichen nur weggeschaut haben oder ob sie ein Teil dieses Systems sind. Letzteres ist wahrscheinlicher.

Was würden Sie denn den Ausrichtern der nächsten beiden WMs raten, die ja auch gehörig in der Kritik stehen?

Russland und Katar sollten sich ihre Rolle überlegen. Schließlich wird ja mittlerweile auch ein Boykott diskutiert und auch die Sponsoren sollten und werden es sich genau überlegen, ob eine solche skandalbehaftete WM noch die geeignete Bühne ist. Die beiden Ausrichterländer sollten deshalb besser reinen Tisch machen und sich auf die Seite der Mehrheit schlagen. Und die Mehrheit will eben eine saubere WM und keine Korruption. Die Garde alter Männer in der FIFA mag sich vielleicht noch ganz gut verschanzt haben, aber ewig werden die das auch nicht durchhalten. Klug wäre es deshalb, heute schon die richtige Position zu beziehen und das auch richtig zu kommunizieren. Bei den Katarern könnte ich mir das sogar vorstellen, bei den Russen in der heutigen Aufstellung eher nicht. Die WM 2018 wird deshalb auch ein Muster ohne Wert, ähnlich der Formel 1 oder des Wrestlings. In beiden Veranstaltungen regiert nur der Profit, auf den Sport kommt es nur noch am Rande an. Das lässt einem jeden Fußballfan das Herz bluten.

Herr Schollmeyer, vielen Dank für das Gespräch.

 

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