»Finanzielle Unabhängigkeit ist in vielen Situation existentiell.«

Interview mit Alexander Braun, Geschäftsführer von Equity Analyst Ltd.

Alexander Braun

Equity Analyst Limited
Lerchenstraße 28
22767 Hamburg
Tel.: 040 / 41111 37-77

Web: www.EquityAnalyst.de
E-Mail: braun[at]equity-analyst.de

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15.04.2009

"Die aktuelle Krise ist immer die schlimmste, so wird das auch in Zukunft sein."

Guter Rat ist teuer - meistens jedenfalls. In der aktuellen Finanzkrise ist der Bedarf an guten und richtigen Informationen wichtig. Das Team um Alexander Braun von Equity Analyst bietet interessierten Nutzern auf den Portalen www.aktien-meldungen.de sowie www.EquityAnalyst.de kostenlose Hintergrundinformationen zu Unternehmensmeldungen an, sodass vor allem private Investoren schnell erfahren, ob eine Nachricht positive oder negative Folgen haben wird.

Herr Braun, Sie sind mit Ihren Portalen erst seit kurzem online. Sind Sie mit dem bisherigen Ergebnis zufrieden?
Wir sind sogar sehr zufrieden. Insbesondere der große Zuspruch für www.aktien-meldungen.de hat uns positiv überrascht. Mit dieser Seite sind wir ja erst seit knapp 3 Monaten online. Und glauben Sie mir, bezogen auf die Zugriffszahlen gehören wir schon jetzt zu den relevanten Newsportalen.

Die Internetbranche ist hart umkämpft und das Informationsangebot von kostenlosen Diensten ist inflationär. Wie wollen Sie langfristig überleben?

Da haben Sie recht. Ich bin auch jeden Tag wieder aufs Neue überrascht, wenn ich noch eine neue Seite oder ein neues Forum entdecke. Spaß beiseite. Natürlich ist das Angebot inflationär, aber das gilt ganz sicher nicht für Seiten, die einzigartigen Content erstellen. Und damit meine ich nicht das Umschreiben von Pressemeldungen. Unser Geschäftsmodell geht in eine ganz andere Richtung. Auf www.EquityAnalyst.de veröffentlichen wir Research zu deutschen Nebenwerten. Auf www.aktien-meldungen.de verfolgen wir ein einzigartiges Konzept. Bei uns schreiben Analysten die News. Sie bekommen oftmals eine Art Kurzanalyse – manchmal nur wenige Minuten nachdem das Unternehmen die Ad-hoc Meldung veröffentlicht hat. Einen derartigen Service bekommen sonst höchstens die professionellen Investoren von ihren Banken. Insofern revolutionieren wir mit unserem Angebot den Nachrichtenmarkt. Leider hat das aber noch nicht jeder Privatanleger begriffen. Und natürlich müssen wir noch an der Struktur der Meldungen arbeiten. Zum Beispiel planen wir, zukünftig an jede Kurzanalyse ein Fazit anzufügen.

Die meisten Analysten und Rating-Agenturen haben das Ausmaß der aktuellen Krise nicht vorgesehen oder sind sogar mitverantwortlich. Glauben Sie, dass sich so eine Krise noch mal wiederholen könnte?

Natürlich werden sich solche Krise wiederholen. Ich bin erst 31 und erlebe trotzdem schon die dritte Börsenkrise aktiv mit. Und glauben Sie mir, die aktuelle Krise ist immer die schlimmste, so wird das auch in Zukunft sein. Wenn Sie die Aktien-Analysten meinen, so sehe ich sie, was das Vorhersagen der Krise angeht, nicht in der Verantwortung. Derartige Vorhersagen sind Aufgabe der Volkswirte. Allerdings tragen wir Analysten eine Teilschuld. Noch vor knapp zwei Jahren konnte der Leverage-Effekt bei den Unternehmen gar nicht groß genug sein. Auf die Risiken der Fremdkapitalfinanzierung hat damals kaum jemand hingewiesen. Auch habe ich manchmal das Gefühl, dass vielen Analysten der Mut fehlt, die eigene Meinung zu vertreten. Wenn sie nämlich eine negative Kursempfehlung aussprechen kommt gehöriger Gegenwind auf. Von Seiten des Unternehmens, von Seiten der investierten Investoren, von Seiten der IR-Agentur, ja selbst von Seiten der investierten Privatanleger. Da wird dann jedes Wort und jede Zahl im Research genau kontrolliert. Bei Kauf-empfehlungen konnte ich das so noch nicht feststellen. Insofern ist es vielleicht sogar menschlich, wenn Analysten diesen Konflikt umgehen wollen.

Wie lange wird die aktuelle Rezession in Deutschland anhalten?

Tja, wenn ich das wüsste. Mich würde im Moment aber auch viel mehr interessieren, ob alles vielleicht noch einmal schlimmer wird. Noch hat die Finanzkrise ja kaum auf den Arbeitsmarkt durchgeschlagen. Die Massenarbeitslosigkeit als gesellschaftliches Problem hat eine ganz andere Qualität als Buchverluste auf dem Depotauszug. Insbesondere durch die Einschnitte im Bereich der sozialen Absicherung muss man sich ja Gedanken um den sozialen Frieden machen. Ich hoffe, dass sich die Krise nicht weiter verschlimmert und dass Mittel wie die Kurzarbeit über die vor uns liegenden, schwierigen Monate hinweghelfen.

Sind Sie der Meinung, dass die Bundesregierung die richtigen Mittel gegen die Krise einsetzt?

Als positiv empfinde ich, dass länderübergreifend zusammengearbeitet wird. Und dass wir noch relativ wenig Protektionismus sehen. Ob Mittel, wie die Abwrackprämie, die sicherlich sehr erfolgreich ist, in die richtige Richtung abzielen, würde ich an dieser Stelle bezweifeln.

Auf welche Branche würden Sie sich als privater Anleger in den kommenden Monaten konzentrieren?

Ich würde raten – und das gilt eigentlich für alle Konjunkturphasen – möglichst breit zu diversifizieren. Schließlich gelten die alten Faustregeln heutzutage nicht mehr. Ob nun Versorger oder Telekommunikation, auch diese Werte konnten sich der Finanzkrise nicht entziehen. Jeder Anleger sollte darauf achten, dass sich Titel aus verschiedenen Branchen in seinem Depot befinden. Und er sollte wirklich konsequent mit Stopkursen arbeiten. Dann kann es nämlich nicht passieren, dass ein Depot 70% oder mehr im Minus ist.

Würden Sie derzeit einen Börsengang als Möglichkeit zur Unternehmensfinanzierung empfehlen?

Empfehlen würde ich das schon, fraglich ist, ob ein Going Public derzeit überhaupt realisierbar ist. Der IPO-Markt ist vollkommen tot. Der letzte Börsengang liegt doch schon mehr als 10 Monate zurück. Und die Bilanz von IPOs in den letzten beiden Jahren kann man getrost als desaströs bezeichnen. ITM Technology, CARGOFRESH oder Estavis haben ja seit Börsengang mehr als 90% an Wert verloren. Da fragt man sich doch, was da bei der Preisfeststellung falsch gelaufen ist, bzw. ob diese Kandidaten überhaupt fit für den Börsengang waren.

Haben wir die Tiefststände im DAX in diesem Jahr schon gesehen und wo glauben Sie, wird dieser am Jahresende notieren?

Ich hoffe, dass wir das Jahrestief gesehen haben. Das Bewertungsniveau ist mittlerweile äußerst attraktiv und viele professionelle Marktteilnehmer wie Versicherungen warten nur auf den richtigen Zeitpunkt, wieder in Aktienmärkte zu investieren. Die werden nicht ewig mit derart niedrigen Aktienquoten agieren können. Aber wie gesagt, die Finanzkrise hat viele Wirtschaftzweige noch gar nicht erreicht und auch der Arbeitsmarkt ist weiterhin recht stabil. Sollte sich das mal ändern, kann ich mir auch ganz andere Szenarien vorstellen. So weit wird es aber hoffentlich nicht kommen.

Herr Braun, vielen Dank für das Gespräch.

 

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