»Das Risiko ist die Bugwelle des Erfolges.«

Interview mit Andreas Männicke, Geschäftsführer der ESI East Stock Informationsdienste GmbH

Andreas Männicke

ESI East Stock
Informationsdienste GmbH
Jüthornstraße 88
22043 Hamburg

Tel.: 040 65 70 883
Fax: 040 65 70 884

E-Mail: info[at]eaststock.de
Web: www.andreas-maennicke.de

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08.05.2009

„Die meisten Unternehmen aus Osteuropa zieht es immer noch an die Londoner Börse...“

In unserem heutigen Interview steht uns der Ost-Europa-Experte Andreas Männicke Rede und Antwort. Als Geschäftsführer der ESI East Stock Informationsdienste GmbH berät Männicke institutionelle Investoren bei ihren Anlageentscheidungen im östlichen Teil Europas. Privaten Anlegern ist Männicke durch seine Beträge und Kolumnen in namhaften Medien bekannt. In seinen kostenlosen und -pflichtigen Publikationen informiert der Experte seine interessierte und stetig steigende Leserschaft.

Herr Männicke, haben wir die Finanzkrise bald überstanden?

Die Finanzkrise werden wir wohl hoffentlich in diesem Jahr so einigermaßen überstanden haben, aber noch nicht die globale Wirtschaftskrise. In diesem Jahr müssen alle Regierungen der Welt eine zu scharfe Rezession und vor allem Massenarbeitslosigkeit vermeiden, was eine Herkulesaufgabe ist. Zudem darf der Konsum in den USA nicht allzu sehr einbrechen, da dann auch der Export von Japan/China stark betroffen wäre. Ein nachhaltiger Wirtschaftsaufschwung ist erst dann in Sicht, wenn der Bankensektor wieder gesund ist und Kredite vergibt. Auch in Russland benötigen die Banken weiteres Kapital. In den letzten Monaten bekamen die Schwellenländerfonds zumindest wieder Zuflüsse, was Hoffnung macht.

Die Börse in Moskau erlebte im vergangenen Jahr massive Verluste. War ein Kollaps dieses Ausmaßes so zu erwarten?

Ich habe bereits im Sommer letzten Jahres in meinem Kolumnen und auch im Strategieteil meines Börsenbriefes „EAST STOCK TRENDS“ immer wieder auf einen möglichen Kollaps der Weltbörsen und mithin auch der Ostbörsen hingewiesen, wobei die Auswirkungen der Immobilienkrise von vielen Experten damals unterschätzt bzw. nicht erkannt wurden. Ich persönlich, und wohl auch die Leser des „EAST STOCK TRENDS“, waren mental auf einen Crash in der zweiten Jahreshälfte vorbereitet. Überraschend war allerdings dann doch die Dynamik in den Monaten September bis November, aber die Moskauer Börse hatte schon im August den Georgienkrieg zu verkraften und wurde hiernach durch den dramatischen Kapitalabzug, den Vertrauensverlust und den Margin calls bei den Oligarchen besonders hart getroffen. Auch die russischen Oligarchen haben sich zu früh über Kredite reich gerechnet, was sich nun rächt. Vielleicht waren die 380 Mrd. USD Wertverlust aber auch ein ganz gutes Lehrgeld für die neureichen Russen.

Russland galt neben China und Indien lange Zeit als Wachstumsmotor für die Globalisierung. Wie geht es dort weiter?

China bleibt die Konjunkturlokomotive der Welt; Indien hat in fast allen Bereichen auch enormes Entwicklungspotential. Beide Länder haben auch einen großen Binnenmarkt, China hat in den ersten beiden Monaten des Jahres schon genauso viele Kredite vergeben, wie in 2008. China versucht also anzukurbeln, wo es nur kann, auch durch Infrastruktur-investitionen. Möglicherweise befinden wir uns schon bald in einem Paradigmenwechsel, wo die großen Emerging Markets eine immer größere Rolle in der Weltwirtschaft spielen werden. Wenn das Chinawachstum weiter so dynamisch anhält, wird davon auch Russland als Rohstoffexporteur früher oder später profitieren, da dann auch wieder Rohstoffe mehr nachgefragt werden. Russland muss sich dennoch weiterhin bemühen, von den Rohstoffen unabhängiger zu werden, was aber nicht von heute auf morgen gelingen wird.

Wird die Führungsspitze Medwedew und Putin das Vertrauen der Bevölkerung für das Finanzsystem zurückgewinnen können?

Die russische Regierung tut im Moment alles, um das Finanzsystems und auch den Rubel zu stabilisieren; die moderate Rubelabwertung hat dazu schon jetzt beigetragen, dass Russland im Rohstoffsektor wettbewerbsfähig ist. Ich glaube daran, dass zumindest die vom Staat dominierten Unternehmen eine gute Ausgangsposition haben, die Krise gut zu überstehen und sogar gestärkt aus der Krise hervorzugehen. Wenn die Arbeitslosigkeit aber zu stark steigen sollte, werden es auch Medwedew und Putin schwer haben, die Bevölkerung ruhig zu halten.

Der neue US-Präsident Obama hat weltweit das Image eines Rockstars ohne Allüren. Ist er der richtige Mann für die Krisenbewältigung in den USA?

Obama ist schon der richtige Mann am richtigen Platz, vor allem ist er dialogfähig und er wird, dies ist jetzt schon erkennbar, eine andere, gemäßigte und mit anderen Ländern abgestimmte Außenpolitik gestalten, als sein Vorgänger Bush. Im Inland wird Obama aber an Popularität verlieren, weil die USA das Tal der Tränen nicht so schnell durchschreiten werden. Auch werden die Verschuldungsprobleme noch weitere Probleme nach sich ziehen. Von den Kapitalströmen aus den USA hängen aber wiederum im großen Maße auch die Börsenentwicklungen in den Schwellenländern, so auch in Russland, ab.

Wie wird es den USA gelingen, der drohenden Inflation, also der Geldentwertung, zu entkommen?

Noch haben wir ja ein Deflations-Szenario und noch kein Inflations-Szenario. Eine Deflation ist übrigens wesentlich schwieriger zu bekämpfen als eine Inflation. Immobilienpreise und Löhne könnten eher weiter sinken als steigen, wobei die Welt schon jetzt sehr differenziert betrachtet werden muss. Länder wie Russland und Ukraine haben schon jetzt ein Inflationsproblem, während in Japan und USA die Preise eher sinken als steigen. Sogar in der Türkei ist die Inflationsrate auf dem tiefsten Stand in den letzten 39 Jahren, obwohl sie noch 6,1% beträgt. Es ist alles relativ zu betrachten. Die FED wird versuchen, zu gegebener Zeit das wieder an Liquidität abzupumpen, was sie jetzt in den Geldkreislauf pumpt. In einer Rezession werden die Preise noch nicht stark anziehen. In der Zinspolitik ist wenig Spielraum, da steigende Zinsen die Konjunktur belasten würden. Ich rechne dennoch mit steigenden Zinsen am langen Ende, da die USA in Zukunft Probleme haben werden, die Billionen an Staatsanleihen zu platzieren, die jetzt auf den Markt kommen müssen.

Wie schätzen Sie einen Börsengang als Möglichkeit zur Unternehmensfinanzierung für Gesellschaften aus Ost-Europa ein?

Die Börse wird es in diesem Umfeld wohl noch ein Weile sehr schwer haben, als Ort der Kapitalbeschaffung für Unternehmen zu fungieren. Mehr gefragt sind jetzt Unternehmensanleihen als IPOs. Die Zeit wird sich wohl frühestens 2010 bessern, obwohl das zweitgrößte Wasserkraftwerk der Welt, Russhydro aus Russland, noch in diesem Jahr ein größeres IPO an der Londoner Börse wagen will.

Welchen Börsenplatz würden Sie Unternehmen aus Ost-Europa zur Erweiterung der Aktionärsstruktur empfehlen?

Ich würde durchaus die Frankfurter Börse aufgrund der niedrigen Kosten und der internationalen Anbindung über Xetra empfehlen, aber die meisten Unternehmen aus Osteuropa zieht es immer noch an die Londoner Börse, weil dort die Liquidität für Emerging Markets-Aktien wesentlich größer ist. Die Unternehmen werden immer an die Börse gehen, wo die höchste Liquidität zu erwarten ist. Hier hat die Deutsche Börse AG den Zug wohl verpasst. Bisher sind zwar schon über 150 Unternehmen aus Osteuropa an deutschen Börsen gelistet, IPOs aus Osteuropa in Frankfurt kann man aber an einer Hand ablesen. Ein wichtiger Faktor für die Wahl des Börsengangs ist übrigens die Sprache. Viele Osteuropäer vor allem im Finanzmanagement sprechen perfektes englisch, kaum aber einer spricht deutsch.

Wo glauben Sie, wird der DAX und RTS am Jahresende notieren?

Eine immer wieder gerne gestellte Frage, die keiner aufgrund der ungewissen wirtschaftlichen Zukunft seriös beantworten kann, aber jeder wissen will. Ich glaube per Saldo an eine volatile Seitwärtsbewegung, also im Sommer an eine kräftige Korrektur und dann an eine Rallye zum Jahresende. Sagen wir mal DAX 5.000 und RTS 850. Damit wäre ich in diesem Jahr schon zufrieden. Ein Rücksetzer nach unten wäre für mich zwischenzeitlich keine Überraschung.

Würden Sie jetzt Gold kaufen?

Gold kann man als Portfolio-Beimischung kaufen, vor allem wer an eine Währungsreform glaubt, sollte dann in physischer Form wie Goldmünzen anlegen. Gold sollte aber nur ein Baustein in einem ausgewogenen Portfolio sein. Ich bin aber sehr für einen Multi-Asset Management-Ansatz nach dem Total Return-Konzept, was ich auch bei meinem nächsten ESI-Ostbörsen-Seminar am 27. Mai in Frankfurt vorstellen werde.

Herr Männicke, vielen Dank für das Gespräch.

 

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