»Kapital gibt dem Unternehmen die Kraft zu handeln.«

Interview mit Enno Spillner, CEO/CFO der 4SC AG zur Kapitalerhöhung 2015

Enno Spillner

Enno Spillner
CEO/CFO
4SC AG
Am Klopferspitz 19a
82152 Martinsried

Kontakt:
Jochen Orlowski
public(at)4sc.com

Web:
www.4SC.com
www.capital.4SC.com

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Im Interview spricht der Vorstandsvorsitzende und Vorstand für Finanzen Enno Spillner von der 4SC AG über das Geschäftsmodell der Gesellschaft und die Perspektiven im Bereich der Krebsforschung. Das Unternehmen erforscht und entwickelt nach eignen Angaben zielgerichtet wirkende, niedermolekulare Medikamente für die Behandlung von Krebs- und Autoimmunerkrankungen in Indikationen mit hohem medizinischem Bedarf und mit großem wirtschaftlichem Potenzial.

Sehr geehrter Herr Spillner, die 4SC AG gab am 22. Juni eine Kapitalerhöhung bekannt. Was ist der Grund für die Kapitalerhöhung?

Kurz gesagt: Wir wollen eine klinische Studie durchführen, die uns im Erfolgsfall direkt zur Marktzulassung unseres ersten Krebsmedikaments führt.
Konkret beabsichtigen wir mit unserem Krebswirkstoff Resminostat eine klinische Phase-II-Studie in Europa in der Indikation des sog. kutanen T-Zell-Lymphoms, kurz CTCL, durchzuführen. Insgesamt verfügt 4SC über eine vielversprechende Pipeline mit drei innovativen Krebswirkstoffen in der klinischen Entwicklung. Unsere Leitsubstanz Resminostat wurde bereits bei über 250 Krebspatienten erprobt – mit guten Ergebnissen zur Verträglichkeit und Wirksamkeit. Jetzt möchten wir so schnell wie möglich eine Marktzulassung erreichen und mit verhältnismäßig moderatem Aufwand und Risiko eine zulassungsrelevante Studie durchführen. Die besten Voraussetzungen dafür sehen wir in der Indikation CTCL.

Wie groß ist das Volumen der Kapitalerhöhung?

Insgesamt streben wir im Rahmen einer Bar-Kapitalerhöhung über Bezugsrechte einen Emissionserlös von 24 bis 29 Mio. Euro an. Dabei bieten wir zunächst den bestehenden Aktionären bis zu ca. 8,2 Mio. neue Aktien zum Bezug an. Im Anschluss sollen die über die Bezugsrechte nicht bezogenen Aktien bei ausgewählten institutionellen Investoren platziert werden. Des Weiteren werden im Rahmen einer Sach-Kapitalerhöhung bis zu ca. 2,0 Mio. neue Aktien als Gegenleistungsaktien ausgegeben, um wesentliche Teile eines bestehenden Darlehens der Großaktionärin Santo Holding gegen Eigenkapital einzubringen.

Was sind die weiteren Konditionen der Bar-Kapitalerhöhung?

Das Bezugsverhältnis beträgt 5:4, das heißt, fünf alte Aktien berechtigen zum Bezug von vier neuen Aktien. Die Bezugsfrist begann am 23. Juni 2015 und endet voraussichtlich am 6. Juli 2015 um 24 Uhr. Der Bezugspreis je neuer Aktie wird voraussichtlich am 3. Juli 2015 unter Berücksichtigung des volumengewichteten Durchschnittskurses (VWAP) der 4SC AG abzüglich eines möglichen und ggf. noch festzusetzenden Abschlags festgelegt. Der Bezugspreis wird höchstens EUR 5,00 betragen.

Warum wird der Preis der neuen Aktien erst gegen Ende der Bezugsfrist bekannt gegeben und ab wann sollen die neuen Aktien gehandelt werden?

Dieses Vorgehen ist absolut üblich und hat sich in der Praxis bewährt. Es ermöglicht die Preisfestsetzung im größtmöglichen Einklang mit den Marktgegebenheiten. Wenn der Bezugspreis festgelegt ist, haben die Aktionäre und Investoren drei Handelstage, ihren Auftrag bei den Depotbanken zu platzieren. Voraussichtlich ab dem 10. Juli 2015 sollen die neuen Aktien dann im regulierten Markt der Frankfurter Wertpapierbörse (Prime Standard, ISIN DE000A14KD72) gehandelt werden.

Haben Sie denn die Unterstützung Ihrer Hauptaktionäre?

Unsere Hauptaktionärin Santo Holding unterstützt die Entwicklungsstrategie für Resminostat und erwägt, sich in signifikantem Umfang ebenfalls an der Bar-Kapitalerhöhung zu beteiligen. Insgesamt beabsichtigt Santo, einen Anteil von 50% am Grundkapital der Gesellschaft nicht zu überschreiten.

Bekommt Santo im Zuge der Sach-Kapitalerhöhung Aktien billiger als die Aktionäre in der Bar-Kapitalerhöhung?

Natürlich nicht. Die Sach-Kapitalerhöhung soll selbstverständlich zu identischen Konditionen, insbesondere demselben Ausgabepreis wie die Bar-Kapitalerhöhung stattfinden. Alle Aktionäre werden gleich behandelt. Durch die Einbringung wesentlicher Teile des bestehenden Darlehens der Santo Holding gegen Eigenkapital stärken wir insgesamt die finanzielle Situation der 4SC, da wir die Schuldenlast in erheblichem Umfang reduzieren und in Eigenkapital umwandeln.

Wie soll die Mittelverwendung erfolgen? Können Sie die geplanten Maßnahmen etwas spezifizieren?

Die direkten Kosten für die geplante CTCL-Studie mit voraussichtlich 120 Patienten schätzen wir auf rund 10 Mio. Euro. Das kutane T-Zell-Lymphom (CTCL) ist eine relativ seltene Tumorerkrankung, die Zellen des Immunsystems befällt. Bei der Krankheit wandern bösartig entartete weiße Blutkörperchen in die Haut ein. Die Kosten von 10 Mio. Euro für diese Studie setzt sich unter anderem aus den Ausgaben für die finale Studienvorbereitung einschließlich Vorabkoordination mit den Zulassungsbehörden, für die Dienstleistungspartner zur Durchführung der Studie (die sog. CROs), für die europäischen Studienzentren sowie für Produktion, Verpackung und Logistik der Medikation zusammen.
Die weiteren angestrebten Emissionserlöse von 14-19 Mio. Euro sollen die Finanzierung des Unternehmens bis zum Vorliegen der erwarteten Ergebnisse der CTCL-Studie in der zweiten Jahreshälfte 2018 sichern sowie zusätzliche Forschungs- und Geschäftsaktivitäten ermöglichen. Unter anderem werden damit die internen Kosten für Studie wie Projektmanagement und Monitoring abgedeckt. Daneben wollen wir die klinische Weiterentwicklung unserer anderen Krebswirkstoffe 4SC-202 und 4SC-205 vorbereiten. Für unseren zweiten Krebswirkstoff 4SC-202 sind wir in Gesprächen mit Partnern für eine Phase-II-Studie, für unsere dritte onkologische Substanz 4SC-205 wollen wir klinische Kooperationen vorbereiten. Schließlich wollen wir die Lizenzierungsaktivitäten für alle unsere Wirkstoffe vorantreiben und die allgemeinen Forschungs- und Verwaltungstätigkeiten finanzieren.

Welches Marktpotenzial sehen Sie für CTCL?

Im fortgeschrittenen Krankheitsstadium gibt es in Europa wenig Behandlungsoptionen und derzeit keine Heilungsmöglichkeit. CTCL ist also eine Erkrankung mit einem sehr hohen medizinischen Bedarf. In Europa gibt es in dieser Indikation laut statistischen Quellen bis zu 46.000 Krankheitsfälle und bis zu 4.600 Neuerkrankungen pro Jahr. Wir sehen in dieser Indikation ein attraktives Marktpotenzial. Die möglichen Spitzenumsätze von Resminostat in Europa lägen nach unserer aktuellen Einschätzung bei bis zu 140 Millionen Euro pro Jahr. Insbesondere sehen wir in dieser Indikation die Chance, eine rasche Marktzulassung in Europe zu erhalten, bei vergleichsweisen moderaten Kosten und Entwicklungsrisiken. Denn in Europa steht die epigenetische Wirkstoffklasse der Histon-Deacetylase (HDAC) Inhibitoren – zu der auch Resminostat zählt – in dieser Indikation noch nicht zur Verfügung. In den USA wurden inzwischen zwei HDAC-Inhibitoren für die Behandlung von CTCL zugelassen, die die Wirksamkeit dieser Wirkstoffklasse gezeigt haben und was uns ausgesprochen optimistisch für Resminostat in CTCL stimmt. In Europa wurden diese Produkte jedoch nach unserer Kenntnis vor allem aufgrund des verwendeten Studiendesigns sowie der gezeigten Nebenwirkungen von der zuständigen Behörde nicht zugelassen bzw. kein Zulassungsantrag gestellt. Wir planen deshalb unsere CTCL-Phase-II-Studie bereits im Vorfeld möglichst eng mit den europäischen Zulassungsbehörden abzustimmen. Wir möchten mit Resminostat, das bisher in klinischen Studien sehr gut vertragen wurde, genau in diese Therapielücke in Europa hineinstoßen und den CTCL-Patienten damit eine neue Behandlungsoption bieten.

Wie wir Ihrem Newsflow entnehmen, haben Sie über Resminostat in der Indikation CTCL hinaus noch andere Projekte in der Pipeline.

Ja, wir sehen in den nächsten Jahren weitere attraktive Möglichkeiten, die größtenteils unabhängig von unserer jetzigen Finanzierung sind, um zusätzliches Wertsteigerungspotenzial für 4SC und seine Aktionäre zu schaffen. Durch unseren Fokus auf Epigenetik fühlen wir uns gut positioniert und attraktiv für Partnerschaften. Ich denke hier vor allem an die beiden laufenden klinischen Phase-II-Studien unseres Pharmapartners Yakult Honsha in Asien in den Blockbuster-Indikationen Leberkrebs und Lungenkrebs, deren Ergebnisse wir im Laufe des nächsten Jahres erwarten. Und gerade kürzlich hat Yakult eine weitere Studie in den Indikationen Bauchspeicheldrüsen- und Gallengangkrebs begonnen. Darüber hinaus sehen wir für unseren zweiten klinischen Krebswirkstoff 4SC-202 attraktive Weiterentwicklungsmöglichkeiten. Hier haben wir Anfang des Jahres sehr positive Ergebnisse in einer Phase-I-Studie bei Patienten mit fortgeschrittenem Blutkrebs erzielt. Derzeit prüfen wir verschiedene Optionen für die klinische Weiterentwicklung in Phase II. Schließlich hat unser dritter Wirkstoffkandidat 4SC-205 kürzlich erfolgreich eine Phase I abgeschlossen. Auch ihn wollen wir gerne im nächsten Schritt weiterentwickeln, idealerweise zusammen mit akademischen Partnern.

Sie Herr Spillner, vielen Dank für das Gespräch.

 

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