»Kapital bietet dem Unternehmer die Flexibilität für Erfolg.«

Interview mit Hans J.M. Manteuffel von "Czerwensky intern"

Hans J.M. Manteuffel

Hans J.M. Manteuffel
Geschäftsführer
vid Vereinigte Informationsdienste GmbH & Co. KG
manteuffel[at]vid-news.com
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"Die Zeiten waren selten besser."

Hans J.M. Manteuffel, Herausgeber von "Czerwensky intern", ist heute unser Gesprächspartner. Er berichtet über die aktuellen Marktbedingungen aus der Sicht eines Mittelständlers. Als Rechtsanwalt, Unternehmensberater und Verleger pflegt Manteuffel intensive Geschäftsbeziehungen zu Entscheidern in Politik und Wirtschaft.

Herr Manteuffel, die Krise ergreift die deutsche Wirtschaft, welche Tipps können Sie Mittelständlern nun geben?

Ruhe bewahren. Sich nicht von der Panik anstecken lassen. Mehr auf die Chancen schauen, und verpassten Gelegenheiten nicht hinterher laufen. Gerade Inhaber-geführte, mittelständische Unternehmen sind in Regel mit auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Geschäftsmodellen am Markt. Und damit wesentlich stabiler aufgestellt als so manches Großunternehmen. Sie können deshalb auch flexibler auf Marktstörungen oder auf partielles Wegbrechen von Umsatz reagieren.

In Ihrer Publikation "Czerwensky intern" geben Sie mehrmals wöchentlich Informationen zu Unternehmen bekannt. Wie ist die Stimmung bei Ihren Gesprächspartnern?

In der Finanz-Community wenig euphorisch bis katastrophal. Die z.T. exorbitant hohen Wertberichtigen, Auslagerungen in Risiko- und Abschirmgesellschaften sowie das nach wie vor nicht vorhandene Vertrauen untereinander führt zu einem Anhalten des Zustands oder weiterem Rückgang. Da noch lange nicht alle Risiken transparent gemacht wurden, dürfen wir noch einiges erwarten. Im Bereich der klassischen Wirtschaft, v.a. in den mittelständischen Strukturen, sehen die Akteure schon eher Licht am Ende des Tunnels. Freilich nicht so sehr bei den stark Export-orientierten Unternehmen. Hier werden noch weitere Tiefschläge, mit Auswirkungen bis in 2010 hinein, erwartet.

Glauben Sie, dass es die Mehrheit der Unternehmenslenker auf dem falschen Fuß erwischt hat?

Da der Mittelstand die ganz große Mehrheit stellt: Nein. Wohl aber viele Banken und Unternehmen, die in Konzernstrukturen organisiert sind. Hier haben viele ihre Hausaufgaben nicht gemacht. Und nutzen jetzt z.T. die Krise, unter Verweis auf die Finanzkrise, was ich für unredlich halte, um Ballast abzuwerfen und sich neu aufzustellen.

Haben Sie den Eindruck, dass die deutsche Bundesregierung die richtigen Maßnahmen zur Bekämpfung der Krise eingeleitet hat?

Im Prinzip ja, jedenfalls mit Blick auf die Finanz-Community, die ja für die Grundversorgung mit Kapital für die Gesamtwirtschaft verantwortlich ist. Klares nein, wenn ich sehe, wie jetzt, was volkswirtschaftlich grundfalsch ist, darüber nachgedacht wird, jedem Großen, der nach dem Staat ruft, geholfen werden soll.

Häufig beklagen Kleine und Mittelständische Unternehmen, dass den großen Konzernen geholfen wird, während sie ihrem Schicksal überlassen werden. Können Sie dem zustimmen?

Meine vorstehende Antwort ergänze ich um ein Zitat des ehemaligen Chefs des Bundeskartellamtes, Prof. Kartte: "Der Mittelstand stirbt still und leise. Das macht ihn so sympathisch." Um Missverständnissen vorzubeugen: Das war ironisch gemeint, trifft aber den Kern der Sache.

Die weltweite Wirtschaftskrise ist u.a. durch das Platzen der Immobilienblase in den USA entstanden. Wie können die Risiken der Globalisierung zukünftig eingeschränkt werden?

Risiken können zwar minimiert, aber nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden. Es wird immer findige Köpfe geben, die sehr schnell Lücken in jedem System ausfindig machen. Und es wird immer genügend Nachfrager geben, die nach dem Motto "die Gier vernebelt das Hirn" darauf anspringen. Zweifellos richtig jedoch ist, international Kontrollsysteme zu installieren, die früher und effizienter als bisher auf sich abzeichnende Verwerfungen reagieren können.

Welche Lösung kann es für die deutsche Automobilbranche überhaupt geben?

Mit dem richtigen Geschäftsmodell, will sagen, den Produkten, die der Markt nachfragt und deshalb abnimmt, werden die übrig bleibenden Hersteller auch eine Zukunft haben. Nicht jedoch mit Überkapazitäten und Produkten, die keine Abnehmer mehr finden. Wir haben, weltweit, ein Know-how und einen Standard in der Automobilbranche, der seinesgleichen sucht. Da sollte es uns eigentlich gelingen, unsere Spitzenstellung zu behaupten.

Die Solarbranche hat einen Nachfrageboom hinter sich. Welche Zukunft sehen Sie in der Regenerativen Energie?

Unsere traditionellen Ressourcen sind endlich. Wir kommen deshalb nicht umhin, uns auch jetzt schon und intensiv mit den sich bietenden Chancen der Regenerativen auseinanderzusetzen. Dass das auch die großen Anbieter erkannt haben und sich mit Investitionen dort engagieren, spricht für sich. F&E in diesem Bereich attestiere ich eine gute Zukunft. Das gilt auch für die dort tätigen Menschen. Deshalb sind Investitionen in Bildung, Aus- und Weiterbildung Assets, die sich rechnen werden.

Würden Sie derzeit mit einer guten Idee ein Unternehmen Gründen?

Ja. Die Zeiten waren selten besser.

Herr Manteuffel, vielen Dank für dieses Gespräch.

 

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