»Finanzielle Unabhängigkeit ist in vielen Situation existentiell.«

Interview mit Mark Wechselmann, Gründer von GMW Projekt

Mark Wechselmann

Dipl.-Ing. Mark Wechselmann
Gründer und Geschäftsführer

GMW Projekt mbH & Co. KG
Adenauerallee 4
30175 Hannover

Tel. +49(0)511 90 58 94 10
Fax +49(0)511 90 58 94 20

info[at]gmw-projekt.de
www.gmw-projekt.de

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Heute trafen wir uns mit dem Energiemanager Dipl.-Ing. Mark Wechselmann, um mit ihm über die Gewinnsteigerung von Unternehmen durch aktives Energiemanagement zu sprechen. Wechselmann ist Gründer von der GMW Projekt (Gesellschaft für Mittelstands-Wachstum), ein Beratungsunternehmen tätig im Energiebereich seit 1993.

Herr Wechselmann, das Thema Energie beschäftigt zunehmend die Unternehmens-lenker in Deutschland. Wann kommen Sie ins Spiel?

Als Beratungsunternehmen mit dem Schwerpunkt Energiemanagement bieten wir vielfältige Dienstleistungen an. Unsere Kunden profitieren in der Regel nachhaltig und oftmals ohne Investitionen durch die von uns durchgeführte Rechnungskontrolle, Vertragsoptimierung und Energie-Beschaffung. Die staatlich geförderte Energieeffizienzberatung wird von Unternehmen und versorgungsintensiven Organisationen zunehmend in Anspruch genommen, um Energiekosten zu senken. Damit verbunden ist auch die Verringerung der CO2-Emissionen, die zunehmend eine wichtige Rolle bei Entscheidungen in Unternehmen spielt.

Für welche Branche ist aktives Energiemanagement ratsam?

Für fast jede Branche. In den vergangenen Jahren haben wir mehr als 300 produzierende und nicht produzierende Unternehmen aus den Bereichen Maschinenbau, Chemie, Einzelhandel, Textilindustrie, Gesundheitswesen, Hotelgewerbe, Systemgastronomie, Bankenwesen, Transport sowie in kommunalen Einrichtungen beraten.
Sobald die Einsparpotenziale unserer Tätigkeiten deutlich wurden, hat sich in der Regel eine langjährige Kundenbeziehung ergeben. Das liegt oftmals daran, dass nicht nur der Gesetzgeber oder die Versorger Änderungen vornehmen, sondern sich auch der Bedarf der Unternehmen verändert. In den meisten Fällen werden wir von unseren Kunden erfolgs-abhängig für unsere Tätigkeit vergütet, d.h., wir bekommen einen Anteil der tatsächlich eingesparten oder rückerstatteten Energiekosten, wenn diese beim Kunden auch angekommen sind.

Können Sie uns ein Beispiel aus der Praxis nennen?

Wir hatten kürzlich bei einem Kunden aus der Kunststoffbranche, mit einem Jahresumsatz von 12 Mio. Euro, durch Rückerstattung von Steuern auf Energie und Senkung des Energiepreises im laufenden Vertrag eine Einsparung in Höhe von 173.000 Euro erzielt. Die Gewinnmarge auf den Umsatz des Unternehmens lag vor unserer Tätigkeit mit 365.000 Euro bei rund 3%. Wir konnten also den Gewinn um rund 50% auf eine Rendite von rund 4,5% steigern, bzw. hätte das Unternehmen theoretisch bei gleichbleibender Umsatzmarge den Umsatz um rund 6 Mio. Euro erhöhen müssen, um auf einen gleichen Gewinnbetrag zu kommen.

Wie bewerten Sie die Entwicklung am Energiemarkt?

Die kontinuierlich steigenden Energiekosten, Energiesteuern und Energieabgaben, die Komplexität der Gesetze des Energiemarktes sowie die Bewusstseinsänderung aller Marktteilnehmer machen eine professionelle Betrachtung und Analyse unumgänglich.

Der Beratungsbedarf bei den Unternehmen nimmt auf Grund der ständigen Gesetzesänderungen im Energiemarkt fortlaufend zu. Die eigenen Mitarbeiter haben meistens nicht das Wissen oder die Zeit, um sich dem komplexen Thema Energie zu widmen. Die meisten Energieeffizienzmaßnahmen werden auf Grund von Liquiditätslücken bzw. falsche Prioritäten einfach nur zögerlich umgesetzt.

Wie beginnt Ihre Arbeit beim Kunden?

Der Hebel zum Einsparen liegt ganz klar in der Bewertung der IST-Situation von Unternehmen. Aus meiner Erfahrung schlummert bei jedem ein Einsparpotential, das einfach nur aufgedeckt werden muss. Neben dem bürokratischen Rahmen und den Einkaufs-bedingungen spielen natürlich auch Energieeffizienzmaßnahmen eine zukünftige Rolle. Je mehr wir über unseren Kunden und dessen Verbrauch wissen, desto besser können wir dessen Interessen am Markt umsetzen / wahrnehmen.

Ist das Energiesteuergesetz für Endkunden überhaupt verständlich?

Das aktuelle Energiesteuergesetz ist so aufwendig und umständlich formuliert, dass nur jemand, der sich mit der Materie intensiv beschäftigt hat dies optimal anwenden kann. Mit der jüngsten Änderung des Gesetzes sollte das sogenannte „Papier-Contracting“ zur Erstattung der Ökosteuer für nicht-produzierende Unternehmen abgestellt werden.

Das diese nun auch die produzierenden Unternehmen getroffen hat, ist ein herber Schlag für die Wirtschaft. Gerade bei energieintensiven Unternehmen macht ein halber Euro-Cent je kWh einen großen Betrag aus. Hier muss/sollte die Praxistauglichkeit dringend überprüft werden. Insgesamt sind die gesetzlichen Rahmenbedingungen der Energiewirtschaft von ständigen Veränderungen geprägt. Neue Gesetze für Energiedienstleistungen und Energieeffizienz sowie die Ausgleichsmechanismusverordnung sorgen für Planungsunsicherheit.

Aber hier liegen auch Chancen. Die meisten Gesetze enthalten Regelungen, durch die der Gesetzgeber bestimmte Branchen oder Verfahren subventioniert, diese bieten Ansätze zur Kostenminderung. Häufig werden diese Potentiale von den Endkunden jedoch aufgrund von Unkenntnis gar nicht oder nicht vollständig genutzt.

Welche Meinung vertreten Sie in der aktuellen Atomstrom-Debatte?

Wie man an der Preisentwicklung von Energie in den vergangenen Jahren erkennen kann, steigen die Energiekosten kontinuierlich. Gerade wenn man sich die derzeitige weltpolitische Lage anschaut und auch die Diskussionen über die Atomkraftwerke verfolgt, wird man um ein Umdenken nicht hinwegkommen. Hier sollte man aber nicht nur auf erneuerbare Energien umschwenken, sondern vor allem versuchen weniger zu verbrauchen.

Durch mehr Energieeffizienz könnten wir in Deutschland schon heute Strom von zehn Atomkraftwerken einsparen. Laut der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz e. V. können allein im Stromsektor jährlich 68,3 Mrd. Kilowattstunden durch optimalen Energieeinsatz eingespart werden. Meines Erachtens sollte man auch in diesem Bereich die vorhandenen Möglichkeiten umsetzen, um die Umwelt nachhaltig zu schützen.

Herr Wechselmann, vielen Dank für das Gespräch.

 

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