»Kapital gibt dem Unternehmen die Kraft zu handeln.«

MediNavi AG CEO Jürgen Popp über Potenziale in der eHealth-Szene der Gesundheitsbranche

Juergen Popp

Jürgen Popp,
CEO MediNavi AG

Aumillerstr. 1
D-82340 Starnberg/Feldafing
Tel. +4917630414656

Email: jpopp[at]medikompass.com
Internet: www.medinavi.de

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Im heutigen Gespräch haben wir uns mit Jürgen Popp, CEO der börsennotierten MediNavi AG, über Lösungen für die Gesundheitsbranche unterhalten. Popp war Seed-Finanzierer und ist aktuell größter Einzel-Aktionär des Unternehmens, das seit 2010 börsennotiert ist.

Herr Popp, was genau macht die MediNavi AG?

Die MediNavi AG besteht derzeit aus zwei Geschäftsbereichen, die rechtlich unabhängig voneinander organisiert sind, aber in den gleichen Räumen eng miteinander und füreinander arbeiten. Es handelt sich einmal um die MediKompass GmbH. Diese ist die Betreiberin von Ausschreibungsplattformen für planbare medizinische Leistungen. Mit den Onlineseiten www.medikompass.de, www.zahngebot.de, und www.schoenheitsgebot.de hat die MediKompass GmbH innovative eHealth-Marktplätze geschaffen mit den derzeitigen Schwerpunkten Zahnbereich und Schönheits-Chirurgie. Nach der kostenlosen Anmeldung können Nutzer ihren Behandlungswunsch eingeben und Angebote von Ärzten bzw. Kliniken einholen; (Youtube: http://www.youtube.com/watch?v=d75ycS3vCcw). Diese Angebote können sich nach zeitlicher Verfügbarkeit, Behandlungsmethode, verwendetem Material, dem Preis und anderen Kriterien unterscheiden. Im Durchschnitt sparen die Versicherten ca. 30% auf die Gesamtkosten und ca. 50% auf den Zuzahlungsanteil. Das Team der MediKompass GmbH besteht derzeit aus 5 Personen. Die MediNavi AG hält 98,5% der Anteile der MediKompass GmbH, 1,5% liegen bei der German Media Pool Venture Capital, Berlin, die uns mit Medienkooperationen unterstützt.

Unsere zweite Tochtergesellschaft, die DocMatch GmbH, betreibt und vermarktet die Online-Arztterminvereinbarungs-Plattform www.arztbuchen24.de. Die Gesellschaft gehört der MediNavi AG zu 100%. Die Notwendigkeit, Arzttermine online buch- und verwaltbar, im Sinne eines modernen Customer/Patienten-Relationship-Managements zu machen, ist aus dem konkreten Bedarf unserer MediKompass-Kooperationsärzte entstanden. „Kleine“ Behandlungswünsche sollen nicht einem Ausschreibungsprozess unterworfen werden. Es sollen einfach Terminoptionen angeboten werden, die der Patient je nach Bedarf nutzen kann. Das Leistungsangebot kann man z.B. mit OpenTable im Restaurantbereich etc. vergleichen. In vielen Anwendungsgebieten ist Online-Terminierung etabliert, in der Medizin kommt dieser Trend gerade auf.

Sie haben auf die Bundestagswahl-Programme 2013 der großen Volksparteien SPD und CDU mit Corporate News reagiert. Was war Ihr Gedanke hinter diesen Meldungen?

Es ist außergewöhnlich, dass politische Parteien, also potenzielle „Macher“ von Gesetzten, das Geschäftsmodell eines Internet-Dienstleisters fast im Wortlaut, insbesondere bei der CDU, als wünschenswerten Zustand bzw. die Verfügbarkeit eines Informations- und Verhaltenssystems beschreiben, noch dazu in einem so bedeutenden Bereich wie dem Gesundheitswesen. Transparenz über Leistungen und Preise zu erzielen ist nicht neu, aber gleichzeitig damit die Fähigkeit des Patienten zu fördern und zu ermöglichen, selbstbewusst und „informiert“ seinem Dienstleister Arzt gegenüber zu treten, das ist sicherlich neu. Hätten wir Lobbyisten in Berlin, dann hätten die eine super Arbeit gemacht (lacht). In der Konsequenz gehen wir deshalb davon aus, dass eine derart deutliche Beschreibung des Modelles als wünschenswerten Service zur Selbsthilfe des Patienten, sich früher oder später in den Nutzerzahlen und damit natürlich auch in den Geschäftszahlen der MediKompass GmbH und DocMatch GmbH niederschlagen wird. Insbesondere in den Chefetagen der großen Krankenkassen dürften sich solch deutliche Forderungen der Politik auf die Bereitschaft, die Verfügbarkeit solcher Informationen, wie sie der Patient durch uns erhält, den Versicherten aktiv näher zu bringen, deutlich positiv auswirken. Da trotz unserer Medienkooperation mit Axel Springer immer noch über 95% der Menschen in Deutschland unser Angebot gar nicht kennen, und wir gerade einmal ca. 21.000 von fast 7,5 Mio. Heil- und Kostenplänen p.a. im Zahnbereich in Deutschland abwickeln, was einem Marktanteil von nur ca. 0,03% entspricht, sollte eine Informationsoffensive der Krankenkassen an ihre Versicherten unser Geschäftsmodell enorm beflügeln. Wir halten dies für einen unumkehrbaren Trend, dessen Konsequenzen uns entgegenkommen.

Die Halbjahreszahlen der MediKompass GmbH sind mit einer 30%tigen EBIT-Marge verhältnismäßig hoch. Wie erreichen diese Kennzahl und wohin kann sich das entwickeln?

Unsere Geschäftsmodelle sind in höchstem Masse skalierbar. D.h., dass es fast keine Rolle spielt, wie viele z.B. Heil- und Kostenpläne im Zahnbereich, wir abwickeln. Die Kosten unserer Leistungserbringung verändern sich durch den hohen Grad an Automation nur geringfügig. Würden wir z.B. die Anzahl der Kostenpläne und damit des Provisionsumsatzes für vermittelte Patienten-Arzt-Beziehungen verdoppeln, so müssten wir nur geringfügig das Service-Team ausbauen, damit die prozentual geringen persönlichen Anfragen und Abstimmungsprozesse zwischen Patienten und Ärzten abgearbeitet werden können. Würden wir also im Zuge der obigen Parteien-Initiativen statt 21.000 ca. 75.000 Heil- und Kostenpläne durch unser System schleusen können, was dann einem Marktanteil von 1% entspräche, dann würden wir ca. 2 Mio. Euro Umsatz mit der MediKompass GmbH machen, bei einem EBT-Marge von bestimmt 50%. Wenn man bedenkt, dass in den letzten 3 Jahren, seit und inkl. dem Börsengang im November 2010, gerade einmal ca. 1 Mio. Euro in das Unternehmen geflossen sind, ist das eine hervorragende Quote und spricht für unser transaktionsorientiertes Geschäftsmodell. Bei den meisten Geschäftsmodellen in der Internet-Medizin- bzw. Gesundheitsbranche handelt sich um ein redaktionelles Angebot, welches gigantischen Traffic auf den Portalen erzeugen muss, um über Werbung die hohen Organisationskosten zu refinanzieren. Wir hingehen betreiben Geschäftsmodelle, die hohe EBT-Margen erzeugen, wenn der „richtige“ Traffic auf die Website trifft. Die großen Verlage verfügen mit ihren Gesundheitswebsite über diesen Traffic und werden sich früher oder später sicher Gedanken dazu machen, in wie fern unser Geschäftsmodell den erhofften Profit aus deren Nutzermassen generiert.

Welche Business-Trigger haben ihre Geschäftsmodelle und wie wirken diese?

Bei MediKompass spielen neben dem Aufbau der Marke MediKompass, für transparente, planbare und preiswürdige medizinische Leistungen, die Krankenkassen eine entscheidende Rolle. Die Krankenkassen können in einer einzigartigen Art- und Weise den Patienten im Augenblick der Konfrontation mit Kosten, z.B. beim Versenden der Kostenübernahmeerklärungen, die Information über die Existenz von unseren und vergleichbaren Plattformen mitteilen. Viele kleinere Kassen tun das bereits in mehr oder weniger deutlicher Form. Folgt man den Forderungen z.B. des CDU-Wahlprogrammes, so könnte man alsbald von einer Informationspflicht sprechen. Es ist nicht einzusehen, warum Patienten die Existenz solcher Portale mühsam im Netz recherchieren müssen, statt bei Bedarf sofort darüber proaktiv durch ihre Kasse informiert zu werden. Insbesondere die großen gesetzlichen Kassen, mit über 1 Mio. Mitgliedern fürchten noch die Auseinandersetzung mit den Kassenärztlichen Vereinigungen, die naturgemäß wenig von Transparenz und Vergleichbarkeit begeistert sind. Wir merken aber in den Gesprächen, dass dies gerade dreht. Konkret in Zahlen, basierend auf Erfahrungswerten mit kleineren Kassen, heißt das aber, das im aktiven Kooperationsfalle ca. 5% der Heil- und Kostenpläne, die eine Kasse p.a. im Jahr abwickelt, durch unser System gehen. Bei einer der Top-Kassen, die 5-7 Mio. Mitglieder haben, mit ca. 750.000 Heil- und Kostenplänen (HKPs) p.a. wären das über 30.000 HKPs p.a. Nun können sie errechnen, wie sich dies auf den Umsatz und den Ertrag der MediKompass GmbH auswirken würde. Das Problem der Markenbekanntheit von MediKompass lösen wir übrigens durch die Medienkooperation mit Axel Springer. Die Anzeigen in Die Welt, der Bild-Zeitung etc., sowie spezielle Kampagnen zu Sonderthemen, was sie bald erleben werden, wären für ein Klein-Unternehmen normalerweise nicht finanzierbar. Es gibt also eine ganz attraktive Form der Zusammenarbeit, die für uns sensationell ist und quasi einen kostenlosen Markenaufbau ermöglicht.

Sie befinden sich momentan in einem Rechtsstreit mit einem Wettbewerber und haben kürzlich dazu auch eine Corporate News veröffentlicht. Wie sehen Sie das Thema?

Da es sich im aktuellen Fall, auf den wir in einer Corporate News eingegangen sind, um ein schwebendes Verfahren handelt, kann und darf ich nichts Konkretes dazu sagen. Die Beweis- und Klageerwiderungsargumentation machen mich jedoch zuversichtlich, dass dieses erneute Verfahren keinen substanziellen Effekt auf das Geschäft der MediKompass GmbH hat. Obwohl man Herrn Lehmann, dem Geschäftsführer der 2ten Zahnarztmeinung, hoch anrechnen muss, dass er das Geschäftsmodell gegen die Klagen der Kassenzahnärztlichen Vereinigung im Dezember 2010 bis vor den BGH gebracht und gewonnen hat, sollte man meinen, dass Unternehmer, noch dazu in kleinen Firmen wie die unsrigen, sich ausschließlich mit der Frage beschäftigen, wie sie ihr Geschäft erfolgreich nach vorne bringen können. Streitereien unter Wettbewerbern hat es immer gegeben. Sie legen sich meistens dadurch, dass jeder bemüht ist, das Bestmögliche aus dem Markt herauszuholen. In diesem Fall jedoch findet die rechtliche Auseinandersetzung mit dem einzigen Wettbewerber in einer Intensität, Dauerhaftigkeit und Aggressivität von einer Seite statt, die ich noch nie erlebt habe. Das kostet Zeit, Energie und finanzielle Mittel, die an anderer Stelle für beide Seiten sicher sinnvoller einzusetzen wären. Man könnte aber auch auf die Idee kommen, dass die zu erwartenden Ergebnissen aus Klagen, vielleicht durchaus einen systematischen wirtschaftlichen Charakter haben. Wir sehen das ruhig und sachlich und werden durch die von uns beauftrage Kanzlei Grünecker unsere Interessen vertreten lassen. Leider wird Herr Lehmann bereits einen Teilerfolg dadurch erringen, dass die Rechtsvertretung wieder einmal Geld kostet, welches natürlich ein Ergebnis belastet. Besonders ärgerlich ist, dass durch die andauernde Stimmungsmache gegen MediKompass und die jeweilige Geschäftsleitung Kleinaktionäre verunsichert werden, die möglicherweise Verluste realisieren oder Chancen verpassen, weil wiederholt Falschmeldungen auf Wallstreet-Online verbreitet werden. So wird z.B. dauerhaft behauptet, dass Stornos im Umsatz unkorrekt verbucht würden. Dies ist alleine schon deshalb falsch, weil wir einen Wirtschaftsprüfer haben, mit dem wir alle Aspekte unseres Geschäftsbetriebes diskutieren und testieren lassen. Es wäre einfach, sich kritisch zu äußern, in dem man eine Aktie kauft, auf die Hauptversammlung kommt und Fragen stellt oder die angegebene Telefonnummer des AG-Kontaktes anruft und nachfragt, wie Sachverhalte gehandhabt werden. Stattdessen werden Behauptungen aufgestellt. Bei großen Unternehmen spielt das keine Rolle, bei kleinen Firmen sind die Kleinaktionäre die Leidtragenden, denn diese folgen allzu oft Panikmachern, statt konkret beim Unternehmen nachzufragen. Wir merken aber auch, dass die Gefolgschaft für persönliche Verunglimpfungen und Denunzierungen merklich abnimmt. Die Öffentlichkeit hat ein Gespür dafür, wann es genug ist. Die Stimmung kippt zu unseren Gunsten, insbesondere auch bei Geschäftspartnern, die diesen Stil entschieden ablehnen.

Kommen wir zurück zum Business. Gibt es Pläne für Auslandsaktivitäten?

Wie Sie wissen haben wir Länder wie UK und Niederlande schon einmal aus eigenen Mitteln angegangen. Aus heutiger Sicht war das ein Fehler. Sie benötigen ein lokales Management, welches die Plattform auf lokale Gegebenheiten anpasst und in der Öffentlichkeit verankert bzw. vertritt. Das kostet viel mehr Geld als ursprünglich gedacht. Wir haben daher unsere bestehenden Plattformen auf wirtschaftlich sinnvolle Restwerte abgeschrieben. Wir erleben jedoch gegenwärtig Anfragen aus dem Ausland, unser Know How und die MediKompass-Plattformen durch lokale Partner in Brasilien, USA, Spanien und Holland zu vermarkten. Wir sondieren derzeit nun diese Kooperations- bzw. Joint-Venture-Möglichkeiten insbesondere in den USA, da dort die Unterschiede im Preis etc. für planbare medizinische Leistungen am dramatischsten sind. Vor kurzem hat mich ein Anruf der New York Times erreicht, wo man zur Kenntnis genommen hat, dass es doch tatsächlich eine Firma gibt, die planbare medizinische Leistungen „ausschreibbar“ und damit vergleichbar macht. Es ist schon erstaunlich, dass dies Journalisten aus den USA auffällt. Von daher sind wir optimistisch, dass unser Modell bei einem der möglichen Partner in den USA durchaus auf Umsetzungs-Interesse stößt. Dort sieht man die gigantischen Möglichkeiten. Wir reden mit zwei Firmen in den USA und werden dort unser Konzept in Kooperation umsetzen, wenn Investoren vor Ort die Lokalisierung des Geschäftsmodells von MediKompass finanzieren. Ich nehme dazu Anfang September auf einer eHealth Konferenz in New York statt, um unser Konzept lokalen Investoren zu präsentieren.

Auch ihre DocMatch GmbH meldet bereits neue Kooperationen. Wo steht die Gesellschaft mit ihren Nutzerzahlen und dem Umsatz bzw. EBIT?

Im Geschäftsbereich DocMatch GmbH (www.arztkosten24.de) sind die Skalierungsmöglichkeiten möglicherweise noch extremer als bei MediKompass. Investitionen von ca. 200.000 Euro in den letzten 18 Monaten in die neue Plattform, stehen bereits erste Umsätze und demnächst fast 2.000 registrierte Ärzte gegenüber. Dies liegt insbesondere an der „Plattform-as-a-Service“ Konfiguration unserer Anwendung und dem „Lean Startup-Konzept“ unserer DocMatch GmbH. Das Konzept Plattform-as-a-Service bedeutet, dass der Arzt die komplette Funktionalität eines Patienten-Management-System zur Verfügung gestellt bekommt, ohne dass er dies selbst besitzen bzw. softwaretechnisch pflegen muss. Dies ist extrem effizient, da der Arzt die Online-Buchbarkeit z.B. über ein Widget auf seiner bereits bestehenden Homepage integrieren kann, ohne teure Features vom Hersteller seiner gesamten Praxissoftware, zu kaufen. Zudem erhält er über die Plattform „Neu-Kunden/Patienten“, da diese Plattform ja auch gegenüber Patienten durch Medienpartnerschaften vermarktet wird. Die Basisnutzung ist zunächst kostenlos und wandelt sich erst in Abonnement-Kosten von 20 Euro im Monat, wenn der Arzt das System auch wirklich ernsthaft nutzt. Derzeit vermitteln wir mehrere Dutzend Patienten pro Tag. Die Preise unserer Services bei gleichzeitig voll funktionsfähiger Lösung für den Arzt sind nur möglich, mittels unserem „Lean Startup“-Ansatz. D.h., wir haben nach Erreichen der vollen Funktionalität, die vorzuhaltenden Service-Organisation wieder auf ein Minimum reduziert. Im Vertrieb setzen wir ausschließlich auf Kooperationen, denn der physische Kontakt zum Arzt durch Direktvertrieb verbietet sich von selbst, hat der Arzt doch ganz andere Themen, die er heute mittels persönlicher Termine erledigt. Die ersten implementierten Kooperationen haben wir mit der Stiftung Gesundheit, Herausgeber der Deutschen Arzt-Auskunft, und neuerdings mit der Plattform Facharzt24.de umgesetzt. In beiden Fällen überzeugen unser technisches Konzept und eine attraktive Revenue-Share-Komponente. So können wir mit kleinster Organisation eine möglichst flächendecke Anzahl an Ärzten gewinnen, ganz ohne vorzuhaltende Vertriebsorganisation. Trotzdem werden wir dieses Jahr wohl einen geplanten Verlust von ca. 90.000 Euro machen; eine geringe Summe, wenn man das Potenzial des Modells sieht. Weitere Kooperationen stehen vor dem Abschluss und werden in Kürze bekanntgegeben. Im Ergebnis sehen wir hier ein zum MediKompass-Geschäftsmodell komplementäres Modell, welches in 1-2 Jahren mindestens in gleicher Höhe Umsatz und EBT bringen sollte, wie die MediKompass GmbH auch.

Wie sehen Sie die Bewertung der MediNavi AG und welchen Wert würden Sie der MediKompass GmbH und der DocMatch GmbH als nicht börsennotierten Unternehmen zugestehen?

Der aktuelle Börsenwert der MediNavi AG kann nicht der Wert sein, den wir als gerechtfertigt sehen. Wenn man in Betracht zieht, dass das Unternehmen dieses Jahr wohl mit 20% im Umsatz wächst und eine EBT-Marge auf Jahresbasis von mindestens 25% erzielt, allerdings ohne die Kosten des wiederholt unnötigen Rechtsstreits mit unserem Wettbewerber, dann sieht man das Potenzial des Geschäftskonzeptes in 2-3 Jahren, wenn die Forderungen der Parteien in ihren Wahlprogrammen in einem proaktiven Informationsstil der Krankenkassen angekommen sind. Fast 200.000 registrierte Patienten, ein Netz an preiswürdig arbeitenden Ärzten, erhebliche Erfahrungen im eHealth-Markt und enorme Einsparungen für Patienten sollten deutlich mehr wert sein, als die aktuelle Bewertung der MediNavi AG, ca. 2 Mio. Euro, die diese heute am Kapitalmarkt erzielt.

Das Geschäftsmodell der MediKompass GmbH hat das Potenzial das Gesundheitswesen zu verändern; die Art wie Patienten sich zukünftig planbaren medizinischen Leistungen nähern. Dies in einem Markt von 22 Mrd. Euro p.a.(nur Zähne und Schönheit) alleine in Deutschland.

Wenn man also davon ausgehen darf, dass derzeit nur die MediKompass GmbH zur Bewertung der AG herangezogen wird, so vergisst man völlig den Wert unserer zweiten Tochtergesellschaft, der DocMatch GmbH, die die Plattform www.arztbuchen24.de betreibt. Hat noch vor Kurzem die renommierte Tageszeitung Die Welt unsere Plattform Arztbuchen24.de mit den beiden Wettbewerbern Doxter.de und Arzttermine.de in einem Artikel als eine der drei relevanten Online-Arzttermine-Buchungsplattformen genannt, so darf man die Plattform sicherlich auf Augenhöhe zu den Wettbewerben sehen. Zu den Geschäftschancen und unseren Konzepten habe ich mich bereits geäußert, deshalb konzentriere ich mich hier auf den Versuch eines Bewertungsansatzes. Im Falle Doxter.de ist das einfach, denn die Gesellschaft hat ihr und damit auch unser Geschäftskonzept dankenswerter Weise auf der Crowdfinancing-Plattform Companisto.de online gestellt und auf einer Bewertungsbasis von ca. 1,6 Mio. Euro einen sechsstelligen Euro-Betrag bei Anlegern (Companisten) eingesammelt. Da wir keinen wesentlichen Vorteil der Plattform gegenüber unserer Plattform feststellen können, dürfte deren Bewertung eine erste Indikation für den Wert unserer Plattform darstellen. Widmet man sich der Plattform Arzttermine.de, so stellt man via der Informationsplattform Gründerszene.de fest, dass Arzttermine.de inzwischen auf einer Bewertungsbasis von ca. 5 Mio. Euro, Kapital u.a. durch den Greven-Verlag erhalten hat. Wir sehen in Arzttermine.de den Haupt-Wettbewerber, sehen dort aber bisher keinen entscheidenden Produktvorteil. Wir sind davon überzeugt, dass unsere Plattform arztbuchen24.de und unsere Erfahrung im Gesundheitsmarkt, insbesondere was mit Ärzten in der Umsetzung von internetbasierten Lösungen möglich ist, zusammen mit kreativen Kooperationen, deren Status gleichwertig ist. D.h. eine 5 Mio. Bewertung könnte also die zweite Indikation der aktuellen Bewertung der DocMatch GmbH darstellen. Wir haben es bisher nicht für geboten gehalten, Kapital extern für die DocMatch GmbH direkt zu gewinnen, da wir die Aufbaufinanzierung aus den Überschüssen der MediKompass GmbH und dem Investmentkapital der MediNavi AG finanzieren können. Sobald wir jetzt aber mit den Vermarktungs-Kooperationen in der DocMatch GmbH Fahrt aufnehmen, werden wir uns dem Thema „externe“ Investoren widmen. Zählt man den obigen Bewertungsansatz der MediKompass GmbH und wenigstens die 1,6 Mio. Euro Bewertungsvariante für die DocMatch GmbH zusammen, gelangt man zu deutlich höheren Werten als dem aktuellen Wert der MediNavi AG. Wir sind seit diesem Jahr mit der MediKompass GmbH operativ hoch profitabel und trotzdem weniger wert, als viele Berliner-Startups. Leider ist es derzeit leichter, Kapital und damit natürlich auch Bewertung außerbörslich aufzunehmen bzw. zu erzielen. VCs und Fonds meiden derzeit börsennotierte Klein-Unternehmen, weil sie dort auf einen realen Tageswert treffen und keine „Wunschbewertung“ zum Stichtag vornehmen lassen können. Zudem sind die Aktionärsrechte gegenüber Rechten von Gründern, Mit-Gesellschaftern oder Sammel-Gesellschaftern (wie z.B. bei Crowdfinancing-Plattformen) oder Investoren aller Art, durch das Aktiengesetzt zum Vorteil des Aktionärs klar geregelt. Wir gehen aber davon aus, dass gute Geschäftszahlen früher oder später entdeckt und entsprechend bewertet bzw. gewürdigt werden. Wir stellen ein aufkommendes Investoren-Interesse an unserer MediNavi AG fest, was sich auch in den bereits gemeldeten neuen strategischen Investoren-Partnerschaften äußert. Zudem wird durchaus registriert, dass wir eine langfristige Media-Kooperation mit Axel Springer haben. Allein dieser Vertrag stellt einen Millionenwert da.

Welche Auswirkungen erwarten Sie vom eHealth-Boom in den USA, insbesondere der Erfolgsstory ZocDoc Inc., auf die MediNavi AG?

Wir sehen uns für den aufkommenden eHealth-Trend aus den USA, zeitverzögert in Deutschland, perfekt positioniert. In den USA zeigt sich der Trend darin, dass es nun sogar eigene Incubatoren für eHealth-Services wie z.B. RockHealth.com gibt. Die üppigen Finanzierungen von Websites wie ZocDoc.com, Brighter.com, docmate.com etc., zeigt die Bedeutung solcher Portale in den USA für Nutzer aber auch Investoren. Dies hat sich leider in Deutschland in der Investorenwelt noch nicht herumgesprochen; wird aber kommen. Insbesondere ZocDoc.com hat schon mehrere hundert Million US$ an Finanzierung erhalten und hat derzeit bereits eine Bewertung von über 1 Mrd. US$. Die müssen demnächst global tätig werden, um den Anspruch eines Medizin-Facebooks gerecht zu werden. Investoren wie Peter Thiel (Facebook), Yuri Milner (DST) und Goldman-Sachs etc. haben das Potenzial von eHealth-Lösungen längst erkannt. Ein Markteintritt in Europa insbesondere Deutschland wird immer wahrscheinlicher. Das sollte den Markt für eHealth-Plattformen in Deutschland in Bewegung bringen und zur Konsolidierung beitragen. Die großen Traffic-Websites der Verlage wie jameda (Tomorrow-Focus AG/Burda), netdoktor (Holtzbrinck) und imedo (noch unabhängig) sind nicht gerade Cash-Cows, wie man hört. Geschäftsmodelle wie die unsrigen können aus reichweitenstarken Websites hochprofitable Websites im eHealth-Markt machen. Der jahrelange Aufbau von vertrauensvollen Leistungserbringern (Ärzten) auf unseren Plattformen ist dabei ein einzigartiger Wettbewerbsvorteil. Das wird sicherlich entdeckt werden und für die Entwicklung unseres Leistungsangebotes und damit Firmenwertes nützlich sein. Der Markteintritt amerikanischer Plattformen wird diesen Prozeß definitiv beschleunigen.

Wo könnte die MediNavi AG in 2-3 Jahren stehen?

Gemäß unserer internen Planung gehen wir davon aus, dass wir die eine oder andere große Krankenkasse mit über 1 Mio. Mitgliedern als Partner für die Vermarktung der MediKompass-Plattformen in den nächsten beiden Jahren gewinnen. Dann sollten bei der MediKompass GmbH deutlich höherer Umsätze in dann siebenstelligen Regionen möglich sein. Das Gleiche erwarten wir bei der DocMatch GmbH, wenn sich der Markt in Bewegung setzt. Das Ausland bietet zusätzlich Möglichkeiten; dies aber nur mit lokalen Partnern. Es sollte also ein ganz anderes Unternehmen entstehen, als wir es heute kennen.

Herr Popp, vielen Dank für das Gespräch.

 

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