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24.05.2019 | 15:45

Deutsche Bank - Aufstand der Aktionäre auf der Hauptversammlung läuft ins Leere

  • Hauptversammlung
  • Bank

Mit lautem Radau wurde die Hauptversammlung der Deutschen Bank bereits „vorgefeiert“. Am Ende des Tages müssen wir festhalten: Es war wohl eher ein Zwergenaufstand. Auch die Aussprache mit den Aktionären bot skurriles: Neuerdings finden sich dort auch die Vertreter von „Friday for Futures“. Im Film Wall Street gab es dort eine schöne Aussage: „Dieses Land rauscht noch schneller in den Keller, als bei diesem Dreckskerl Roosevelt“. Dieses Beispiel mag der Ein oder Andere drastisch finden, beschreibt die Situation aber ziemlich genau. Ein Paradebeispiel ist da leider auch die Deutsche Bank. Die Abstimmungsergebnisse sahen dann so aus: Während Vorstandschef Christian Sewing mit 75,23 % entlastet wurde, bekam Achleitner 71,63 % der abgegebenen Stimmen. Vor einem Jahr hatte Achleitner noch 84,40 % Zustimmung bekommen. Das sind sie also, die großen, unzufriedenen Aktionäre, die selbst einem Paul Achleitner die Entlastung erteilen. Man könnte meinen, dass man vorher besser nicht so viel herumprosaunt hätte.

Lesezeit: ca. 2 Minuten. Autor: Sven Kleinhans


Matthias Hach, Vertriebs- und Marketingvorstand, comdirect bank AG
"[...] Als erste haben wir zudem den Kontowechsel komplett digitalisiert [...]" Matthias Hach, Vertriebs- und Marketingvorstand, comdirect bank AG

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Ursache und Wirkung nicht vergessen

Zugegeben: Der Zustand der Bank ist weiterhin als kritisch zu bezeichnen. Die angeblich tickende Zeitbombe „Derivate“ in der Bilanz lassen wir aktuell einmal außen vor. Die Personenkreise, die sich darüber öfter auslassen, wissen in Wirklichkeit gar nicht einmal von was sie da eigentlich reden. Im Gleichklang werden aktuell zum Vergleich die US-Institute herangezogen. Ja, da muss man jedoch herzlich lachen. Während hier sich ein Regulierer nach dem anderen die Klinke in die Hand gibt und den Banken eine Handschelle nach der anderen angelegt wird, hat man es in den USA geschafft, die Banken wieder etwas von der Leine zu lassen und ihnen bei Kapitalmarktgeschäften zu mehr Freiheiten verholfen. Strafzahlungen hin oder her: Die US-Institute strotzen nur so vor Kraft, während hier Regierungen und Behörden nichts Besseres zu tun hatten, als die eigenen Banken in den Boden zu rammen. So viel Unvermögen und wirtschaftliches Unverständnis ist in Deutschland wirklich einmalig. Laut Aussagen des Managements der Deutschen Bank, soll sich das Verhältnis seit Kurzem wieder gebessert haben. Das wird sich noch erweisen müssen.

Einschnitte in der Investmentbank und dann?

„Uns ist klar, dass wir noch viel tun müssen, um den Wertpapierhandel angemessen profitabel zu machen“, sagte Finanzvorstand James von Moltke dem Handelsblatt. Und harte Einschnitte soll es auch noch geben. Wie soll das funktionieren? Von 25,3 Mrd. Euro Ertrag kamen allein über 13 Mrd. Euro aus der Investmentbank. Das ein Ergebnis vor Steuern von 530 Mio. Euro da nicht ausreichend ist, dürfte klar sein. Das liegt aber weniger an der Ertragsschwäche, die trotz schwieriger Märkte immer noch über 50 Prozent der Erträge bringt, sondern viel mehr an der Kostenbasis. Eine Aufwand-/Ertragsrelation von 95 % ist einfach zu viel. Zumal ein nicht unwichtiger Anteil der Transaktionsbank zuzuschreiben ist. Demnach scheint der Handel Tief in den roten Zahlen zu stecken. Das lässt eben nur zwei Schlüsse zu: Die Kosten sind zu hoch und das Personal scheinbar nicht profitabel genug. Ob die DWS wieder zu neuer Ertragsstärke findet ist trotz eines verwalteten Vermögens der Oberklasse fraglich. Laut einer Studie sind die Angebotsbreite ein großes Problem, da nicht ausreichend Skaleneffekte erzielt werden können. Etwas besser könnte es in der Privat- und Geschäftskundenbank laufen. Hier dürften ebenfalls noch massive Einsparungen und Automatisierungen anfallen, um Erträge profitabler zu machen. Auch die Digitalisierung muss hier als Stütze begriffen werden. Insgesamt wird der Turnaround nur mit dem besten Personal zu schaffen sein. Eventuell greift man auch hier einmal zum Rotstift.

Was tun mit der Aktie?

Über der Bank hängt noch ein weiterer Backstein: Das Gerücht einer erneuten Kapitalerhöhung. Die Aktie befindet sich derzeit im freien Fall Richtung 6 Euro, die Analysten senken reihenweise den Daumen. Das Ergebnis ist ein neues Rekordtief nach dem anderen, während die Marktkapitalisierung in sich zusammenfällt. Es ist einfach nicht realistisch einzuschätzen, wann ein Sentiment Wechsel zu erwarten ist bzw. wie man ihn erkennen könnte. Es hilft nur fleißiges beobachten, welche genauen Schritte das Management unternimmt. Bis dahin heißt es: Zuschauen und an der Cola schlürfen.
(SK)


Lexikon:

  1. Aktie – Als Aktie wird ein Wertpapier bezeichnet, welches einen Anteil am Eigenkapital einer Aktiengesellschaft darstellt.
  2. Bank – Das Kreditwesengesetz (KWG) regelt in Deutschland die erlaubten Geschäfte einer Bank.
  3. Kapitalerhöhung – Erhöhung des Eigenkapitals eines Unternehmens
  4. Wertpapierhandel – Der Wertpapierhandel kann standardisiert über eine Börse stattfinden.


Interessenskonflikt & Risikohinweis

Gemäß §34b WpHG weisen wir darauf hin, dass die Apaton Finance GmbH sowie Partner, Autoren oder Mitarbeiter der Apaton Finance GmbH ggf. Aktien der genannten Unternehmen halten und somit ggf. ein Interessenskonflikt besteht. Näheres regelt unser Interessenskonflikt & Risikohinweis.


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