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24.07.2026 | 05:30

Jetzt zuschlagen!? PayPal, Aspermont und Adobe scheinen günstige Einstiegskurse zu bieten – die Analyse

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Manchmal reagieren Märkte über und der faire Wert digitaler Geschäftsmodelle mit stabilen Umsätzen wird oft unterschritten, obwohl die operative Ertragsbasis intakt bleibt. Der Markt bestraft kurzfristige Verunsicherung, blendet die nachhaltige Substanz jedoch aus. Das eröffnet Investoren ein Einstiegsfenster, um Qualitätsaktien mit einem Abschlag zu erwerben. Wer die Fundamentaldaten prüft erkennt, wo die Notierungen hinter der Realität zurückbleiben. Wir sehen uns heute mit PayPal, Aspermont und Adobe drei Unternehmen an, bei denen so mancher Experte an Kurspotenzial glaubt.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Armin Schulz
ISIN: PAYPAL HDGS INC.DL-_0001 | US70450Y1038 , ASPERMONT LTD. | AU000000ASP3 | ASX: ASP , ADOBE INC. | US00724F1012

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Inhaltsverzeichnis:


    PayPal - der verborgene Wert eines Zahlungsgiganten

    Die Übernahmeoffensive von Stripe und Advent hat den Marktwert von PayPal schlagartig wieder in den Fokus gerückt. 60,50 USD je Aktie ist auf den ersten Blick kein schlechtes Angebot. Aber schaut man genauer hin, wirkt das Gebot fast schon mager. Immerhin spült der Konzern jährlich mehr als 6 Mrd. USD an freiem Cashflow in die Kassen. Bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von ca. 10,4 und einem Abschlag von etwa 12 % auf den Branchenschnitt liegt die Vermutung nahe, dass die Börse die tatsächliche Substanz deutlich unterschätzt. Eine Korrektur nach oben wäre in den kommenden Monaten mehr als plausibel.

    Denn da ist noch Venmo. Das P2P-Geschäft läuft wie geschmiert, mit einem Umsatzplus von 20 % und 67 Mio. monatlich aktiven Nutzern. Es ist ein echter Wachstumstreiber, der bei Weitem nicht ausgereizt ist. Unter der neuen Führung von Enrique Lores geht es zudem ans Eingemachte. Er will 1,5 Mrd. USD jährliche Einsparungen in 3 Jahren umsetzen und den Konzern in Geschäftseinheiten aufspalten. Das sind ehrgeizige Ziele, die für frischen Wind sorgen. Wenn die Pläne aufgehen, dürften die Margen spürbar steigen und der Aktie ordentlich Schub geben.

    Aus Bewertungssicht ergibt sich hier gerade ein interessantes Bild. Selbst wer konservativ rechnet, kommt auf einen fairen Wert, der klar über dem aktuellen Niveau liegt. Ein nachgebessertes Angebot der Käuferseite wäre kaum überraschend, denn die strategische Tragweite von PayPals zweiseitigem Netzwerk mit über 400 Mio. Nutzern ist enorm. Kurzfristig wird es wohl noch schwanken, aber wer durchhält, findet ein durchaus attraktives Chancen-Risiko-Verhältnis vor. Die Voraussetzungen für ein neues Kapitel an der Börse sind damit eigentlich schon gegeben. Derzeit ist die Aktie für 55,51 USD zu haben.

    Aspermont - vom Traditionsverlag zur Wachstumsstory

    Was Aspermont von klassischen Medienhäusern unterscheidet, ist die konsequente Neuausrichtung auf wiederkehrende Erlöse. Mit über 4.000 Firmenabonnements in 150 Ländern und einer Netto-Kundenbindungsrate von 100 % hat sich das Unternehmen ein stabiles Fundament geschaffen. Die Halbjahreszahlen untermauern diesen Kurs. Der Umsatz stieg um 11 % auf 7,5 Mio. AUD, bei gleichzeitiger Rückkehr in die operative Gewinnzone. Besonders beachtlich ist, dass das Unternehmen den Aufbau seiner Data-Intelligence-Plattform aus eigener Kraft finanziert, ohne externe Kapitalzuführung. Der operative Cashflow verbesserte sich sequenziell um 1,5 Mio. AUD, und für das 3. Quartal wird bereits eine positive Entwicklung erwartet.

    Während das Abonnementgeschäft als solide Basis dient, liegt das eigentliche Potenzial in der Datenplattform Mining IQ. Hier transformiert Aspermont sein 190-jähriges Archiv in strukturierte, KI-gestützte Entscheidungshilfen für den Bergbausektor. Die Validierung durch einen Tier-1-Kunden wie Rio Tinto mit einem Enterprise-Vertrag über umgerechnet rund 550.000 AUD ist ein starkes Signal für die Zahlungsbereitschaft im Markt. Der adressierbare Markt ist mit rund 80.000 potenziellen Firmenkunden bei aktuell nur 5 % Penetration enorm. Die Plattform ist technisch weitgehend skalierbar, was bei steigenden Umsätzen überproportional auf die Margen durchschlagen sollte.

    Die GBC-Analyse sieht Aspermont auf einem klaren Wachstumspfad und bestätigt mit einem Kursziel von 5,00 AUD das erhebliche Aufwärtspotenzial. Die Erwartungen für die kommenden Jahre sind ambitioniert. Die Analysten prognostizieren einen Umsatzanstieg auf 21,3 Mio. AUD bis 2028, bei einer EBITDA-Steigerung auf knapp 3 Mio. AUD. Die Kombination aus einem stabilen Abonnementgeschäft, der Skalierung von Mining IQ und der wachsenden Nexus-Marketingagentur schafft ein diversifiziertes und widerstandsfähiges Modell. Wer auf die Digitalisierung traditioneller Branchen setzt, findet hier ein Unternehmen, das seinen Wandel selbst finanziert und mit einer klaren Strategie aufwartet. Aktuell notiert die Aktie bei 1,475 AUD.

    Adobe - warum der KI-Absturz eine Chance sein könnte

    Die jüngste Kurskorrektur bei Adobe erscheint angesichts der operativen Kennzahlen übertrieben. Im 2. Quartal legte der Umsatz um 13 % auf 6,62 Mrd. USD zu, der bereinigte Gewinn je Aktie übertraf mit 5,96 USD die Erwartungen deutlich. Die KI-Erlöse verdreifachten sich im Jahresvergleich und überschritten erstmals die 0,5 Mrd. USD. Die jährlichen wiederkehrenden Umsätze von 27,1 Mrd. USD wachsen weiter zweistellig. Während der Markt gebannt auf eine mögliche KI-Disruption schaut, generiert Adobe solide Cashflows von über 2 Mrd. USD im Quartal und peilt für das Gesamtjahr einen Umsatz von bis zu 26,6 Mrd. USD an.

    Adobes Push in ein stärker freemium-geprägtes Modell ist kein Zeichen von Schwäche, sondern eine durchdachte Reaktion auf verändertes Nutzerverhalten. Mit über 90 Mio. monatlich aktiven Nutzern im Creative-Bereich und mehr als 850 Mio. bei Acrobat und Express wird die Basis für zukünftige Monetarisierung gelegt. Die Übernahme von Topaz Labs stärkt zudem die KI-Positionierung im Videobereich. Die Partnerschaften mit Accenture, Omnicom und WPP zeigen, dass große Unternehmen weiterhin auf Adobes Ökosystem setzen. Der Fokus auf agentische KI-Systeme, die bestehende Workflows intelligenter machen, adressiert die eigentliche Herausforderung: nicht die Verdrängung, sondern die Produktivitätssteigerung professioneller Anwender.

    Mit einem KGV von ca. 13 und einer Rendite auf den freien Cashflow von über 11 % notiert Adobe auf einem Niveau, das an die Finanzkrise erinnert. Die jüngste Senkung der Prognose für die jährlich wiederkehrenden Umsätze ist größtenteils auf verschobene Preisanpassungen zurückzuführen. Das 25 Mrd.-USD-Rückkaufprogramm wird bei diesen Bewertungen besonders effektiv sein. Analysten wie HSBC und CLSA sehen die Sorgen übertrieben und haben ihre Einstufungen angehoben. Während die Führungswechsel Unsicherheit bringen, bleibt das fundamentale Geschäft intakt. Für Anleger bietet Adobe derzeit eine seltene Gelegenheit, ein marktführendes Softwareunternehmen zu einem Preis zu erwerben, der kaum Wachstum einpreist. Momentan kostet die Aktie 218,36 USD.


    Die aktuelle Marktverunsicherung eröffnet bei den drei vorgestellten Kandidaten ein attraktives Chancen-Risiko-Profil. PayPal notiert mit einem KGV von 10,4 weit unter dem Branchenschnitt, obwohl der starke freie Cashflow und das wachsende Venmo-Geschäft eine deutliche Unterbewertung signalisieren. Der Traditionsverlag Aspermont treibt mit Mining IQ die Digitalisierung des Bergbaus voran und besticht durch eine selbstfinanzierte Transformation mit skalierbaren Margen. Adobe schließlich bietet mit einer Free-Cashflow-Rendite von über 11 % einen seltenen Einstieg, während der Konzern seine KI-Offensive beschleunigt. Entscheidend wird nun sein, ob die Unternehmen ihre Wachstumsstorys im zweiten Halbjahr weiter untermauern können.


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    Der Autor

    Armin Schulz

    Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.

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