04.09.2026 | 05:00
Daten, Chips und das große KI-Geschäft: Aspermont, Broadcom und Hewlett Packard im Aktien-Check
Künstliche Intelligenz ist mehr als das Rennen um den schnellsten Prozessor. Ebenso wichtig sind hochwertige Daten, Netzwerke und Server. Broadcom und Hewlett Packard Enterprise verdienen bereits Milliarden am Ausbau der KI-Infrastruktur. Der australische Micro Cap Aspermont steht dagegen erst am Beginn seiner Transformation – mit entsprechend großen Chancen und Risiken. Wir nehmen die drei interessanten Titel im Aktien-Check näher unter die Lupe.
Lesezeit: ca. 8 Min.
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Autor:
Lars Winter
ISIN:
ASPERMONT LTD. | AU000000ASP3 | ASX: ASP , HEWLETT PACKARD ENT. | US42824C1099 , BROADCOM INC. DL-_001 | US11135F1012 , RIO TINTO LTD | AU000000RIO1 , NVIDIA CORP. DL-_001 | US67066G1040 , ORACLE CORP. DL-_01 | US68389X1054
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Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Lars Winter
Der gebürtige Nordhesse blickt auf eine über 25-jährige Laufbahn im Finanzjournalismus und aktiven Portfoliomanagement zurück und gilt als ausgewiesener Experte für deutsche Nebenwerte und Special Situations.
Nach dem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Göttingen mit Schwerpunkt Bank- und Kapitalmarktrecht startete er zur Jahrtausendwende seine Karriere in der Frankfurter Finanzszene. Als Börsen- und Wirtschaftsjournalist schrieb der passionierte Hobbygolfer für führende Börsenbriefe, Finanzzeitungen und Wirtschaftsmagazine wie die Platow Börse, Capital Depesche, BÖRSE ONLINE, Capital und die Financial Times Deutschland.
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Aspermont: Hotstock mit Vervielfacherpotenzial
Das australische Unternehmen Aspermont ist in Deutschland bislang kaum bekannt, verfügt jedoch über fast 200 Jahre Branchenwissen rund um Bergbau und Rohstoffe und kann auf einen historischen Archivdatenschatz zurückgreifen, den Wettbewerber kaum nachbauen können. Die Medienfirma ist unter anderem Herausgeber von Fachtiteln wie Mining Journal oder Mining Magazine, die in der globalen Rohstoffbranche seit Jahrzehnten einen exzellenten Ruf genießen. Aspermont versorgt die Rohstoffbranche mit Nachrichten, Analysen und Veranstaltungen und will zukünftig aus fast 190 Jahren digitalisierter Bergbauhistorie, laufenden Branchendaten und Informationen zu mehr als 12.000 Projekten eine skalierbare Data-&-Intelligence-Plattform aufbauen.
Der Wandel des Geschäftsmodells von einem klassischen Fachverlag zu einer datengetriebenen Informationsplattform für den globalen Rohstoffsektor ist der Dreh für eine spannende Börsenstory. Statt nur Inhalte zu verkaufen, will das Unternehmen in Zukunft tiefgehende Informationen als Entscheidungsgrundlagen für Bergbaukonzerne, Investoren und Regierungen liefern. Ein wichtiges Asset im Portfolio von Aspermont ist die Plattform „Mining IQ“, mit der die Australier proprietäre Daten und historische Archive analysieren sowie Marktstudien und KI-gestützte Auswertungen erstellen können. Die Mining-IQ-Plattform ist das potenzielle Herzstück der nächsten Wachstumsphase.
Die jüngsten Zahlen liefern erste Belege, dass die Story auch fundamental trägt. Im dritten Quartal 2025/26 stieg der Umsatz um 25 % auf den Rekordwert von 4,5 Mio. AUD. Das normalisierte EBITDA erreichte die Gewinnschwelle, nachdem ein Jahr zuvor noch ein Minus von 0,6 Mio. AUD angefallen war. Die Erlöse aus Abonnements und Datenlizenzen legten um 4 % auf 2,6 Mio. AUD zu. Werbung, die Digitalagentur Nexus und Veranstaltungen sprangen um 73 % auf 1,9 Mio. AUD nach oben.
Nach neun Monaten steht ein Umsatzplus von 18 % auf 11,9 Mio. AUD in den Büchern. Die jährlich wiederkehrenden Erlöse liegen bei mehr als 11 Mio. AUD, die durchschnittlichen Erlöse je Kunde sind über neun Jahre mit 17 % pro Jahr gestiegen. Zudem meldete Aspermont bereits das 40. Quartal in Folge mit wachsenden Abonnementumsätzen. Dass die Aboerlöse verlässlich über einen langen Zeitraum in Folge steigen, spricht für eine stabile Kundenbindung und schafft eine verlässliche Basis für die neuen Datenprodukte.
Sogar der Bergbauriese Rio Tinto arbeitet mit Aspermont zusammen, um historische Datenbestände digital nutzbar zu machen. Rio Tinto könnte für Aspermont zum Türöffner für weitere Großkunden werden. Für den Bergbauriesen setzt Aspermont über Mining IQ einen Auftrag im Volumen von rund 550.000 AUD um. Nach Bereitstellung des historischen Archivs erhält Rio Tinto zunächst sechs Monate Zugang. Gelingt die Überführung in ein dauerhaftes Abonnement, wäre dies die Blaupause für weitere Großkunden. Anwendungen zur Bewertung politischer und operativer Projektrisiken sind bereits verfügbar. Weitere KI-Produkte sollen etwa Fördermengen, Beschaffungsbedarf oder bislang übersehene Rohstoffprojekte analysieren.
Das Unternehmen befindet sich allerdings noch in einer operativen Übergangsphase. Noch werden unter dem Strich Verluste geschrieben, weil massiv in Plattform, Datenstruktur und Vertrieb investiert wird. Doch genau darin könnte die Chance liegen. Denn die Kostenbasis ist nun weitgehend aufgebaut. Gelingt die Skalierung der höhermargigen Intelligence-Produkte, könnte der operative Hebel erheblich sein. Zusätzliche Umsätze sollten zukünftig überproportional in die Gewinne laufen.
Ein weiterer Pluspunkt ist die Bilanz. Aspermont ist praktisch schuldenfrei, hat die Liquidität verbessert und benötigt für Wachstum vergleichsweise wenig Kapital, weil es keine Fabriken bauen oder große Sachinvestitionen stemmen muss. Das Geschäftsmodell lebt von Daten, Inhalten und Plattformtechnologie. Das senkt das Finanzierungsrisiko deutlich. Ganz ohne Stolpersteine verläuft der Umbau dennoch nicht. Das vergleichbare Wachstum der wiederkehrenden Erlöse liegt derzeit bei 7 bis 8 % und damit unter dem Ziel von mehr als 10 %. Zudem haben sich zwei Nexus-Projekte mit zusammen rund 1,5 Mio. AUD verzögert.
Das Augsburger Analystenhaus GBC Research senkte deshalb die Umsatzprognose für 2025/26 von 16,9 auf 16,1 Mio. AUD und rechnet im Gesamtjahr weiter mit einem negativen EBITDA. Nachhaltig positiver operativer Cashflow wird allerdings für die zweite Hälfte des Geschäftsjahres 2026/27 angepeilt. Die Liquiditätsdecke ist relativ dünn. Ende Juni lagen nur 0,9 Mio. AUD in der Kasse. Die Finanzierungsposition ist nach Einschätzung von GBC jedoch solider, als es der reine Kassenbestand vermuten lässt.
Aspermont hält 15 Millionen Aktien an Taiko und damit einen Anteil von rund 5 % an dem Unternehmen. Diese Beteiligung eröffne zusätzliche Finanzierungsoptionen, da die bestehenden Escrow-Bindungen schrittweise auslaufen. Laut GBC verfüge Aspermont damit über zusätzliche Flexibilität, um den weiteren Ausbau seiner "Data & Intelligence"-Aktivitäten zu finanzieren, ohne dass hierfür zwangsläufig eine Kapitalerhöhung erforderlich wäre.
Bei einem Kurs von zuletzt rund 1,20 AUD bringt Aspermont nach der Aktienzusammenlegung lediglich etwa 14 Mio. AUD auf die Börsenwaage. GBC sieht den fairen Wert bei 5,20 AUD. Ein Potenzial von 330 %. Das klingt spektakulär, doch bei einem kleinen und marktengen Titel wie Aspermont sollte ein einzelnes Kursziel nicht überbewertet werden. Entscheidend sind neue Enterprise-Verträge, steigende wiederkehrende Erlöse und der Sprung in den positiven Cashflow. Geht die Rechnung auf, wird aus dem kleinen Fachverlag ein hoch bewertbares Datengeschäft. Dann ist auch an der Börse ein deutlich höheres Bewertungsniveau gerechtfertigt. Die Aktie ist aktuell eine spekulative Depotbeimischung für risikobereite Anleger, die Kaufaufträge unbedingt streng limitieren und Depotbestände anschließend mit Stoppkursen absichern sollten.
Hewlett Packard Enterprise: Wachstum mit Engpass
Wer es konservativer mag, kann sich die Aktie von Hewlett Packard Enterprise (HPE) näher anschauen. HPE liefert Hardware für KI-Anwendungen und Rechenzentren. Im jüngst vorgelegten dritten Geschäftsquartal schnellte der Umsatz um 33,7 % auf 12,21 Mrd. USD nach oben und lag damit über der Analystenschätzung von 11,9 Mrd. USD. Der bereinigte Gewinn je Aktie erreichte 1,11 USD und übertraf die Markterwartung von 0,93 USD sogar deutlich. Für 2026 hob das Management die Wachstumsprognose für den Umsatz zudem auf 34 bis 37 % an. Bislang standen 29 bis 33 % im Raum. Auch die Gewinnspanne wurde auf 3,75 bis 3,85 USD je Aktie erhöht. HPE legte obendrein die Messlatte für 2027 höher. Der Konzern erwartet im kommenden Jahr steigende Erlöse von 13 bis 17 % sowie ein Gewinnplus von 16 bis 20 %.
Trotz guter Zahlen gab die Aktie jüngst deutlich nach. Ein klassischer Fall von zu hohen Erwartungen – und ein Beleg dafür, wie nervös Anleger inzwischen auf mögliche Bremsspuren im KI-Geschäft reagieren. Der entscheidende Wachstumstreiber ist die kaum zu stillende Nachfrage nach KI-Servern und Netzwerktechnik. Finanzchefin Marie Myers zufolge übersteigen die Bestellungen das verfügbare Angebot deutlich. Genau darin liegt aber auch das Problem. Speicherchips, Prozessoren und andere Bauteile bleiben knapp. Langfristige Lieferverträge sollen HPE zwar einen besseren Zugriff auf die begehrten Komponenten sichern. Dennoch fürchten Anleger, dass Engpässe und steigende Einkaufspreise die Margen belasten und die Auslieferung der Aufträge verzögern könnten.
Zusätzlichen Schub verspricht die erweiterte Zusammenarbeit mit Oracle. Der Softwarekonzern will künftig Netzwerktechnik der HPE-Tochter Juniper in seinen KI-Rechenzentren einsetzen. Damit zahlt sich die Juniper-Übernahme immer stärker aus: HPE kann seinen Kunden nun Server, Netzwerke und Lösungen für hybride Cloud-Infrastrukturen aus einer Hand anbieten.
Der gesamte Markt bleibt dabei auf Wachstum programmiert. Allein die großen US-Technologiekonzerne wollen 2026 mehr als 700 Mrd. USD in KI-Infrastruktur investieren. Davon profitieren neben HPE auch Dell, Lenovo, Foxconn und Super Micro Computer. Die Serverhersteller können sich vor Bestellungen kaum retten.
Nach den Rekorden der vergangenen Quartale liegt allerdings bei HPE die Messlatte extrem hoch. Die jüngste Kursreaktion auf die aktuellen Zahlen zeigt anschaulich, dass Investoren nicht nur auf volle Auftragsbücher, sondern verstärkt auf Lieferfähigkeit und Margen achten. Fundamental hat HPE dennoch überzeugt. Langfristanleger, die auf einen anhaltenden Ausbau der KI-Rechenzentren setzen wollen, können den kräftigen Kursrücksetzer als Einstiegsgelegenheit nutzen und Positionen bei HPE aufbauen.
Broadcom: Die bessere Nvidia?
Wer glaubt, dass beim KI-Boom allein Nvidia das große Geld verdient, sollte einen Blick auf Broadcom werfen. Der US-Konzern entwickelt maßgeschneiderte KI-Chips und die dazugehörige Netzwerktechnik für Schwergewichte wie Google, Meta, Microsoft, Anthropic und OpenAI. Gerade die großen Technologiekonzerne suchen nach Alternativen zu Nvidia, um Kosten zu senken und ihre Abhängigkeit vom Marktführer zu begrenzen.
Wie dynamisch das Geschäft läuft, zeigen die jüngsten Zahlen. Im dritten Geschäftsquartal schoss der Umsatz um 86 % auf knapp 30 Mrd. USD nach oben. Der bereinigte operative Gewinn legte sogar um 92 % auf mehr als 20 Mrd. USD zu, die Marge verbesserte sich auf fast 68 %. Für das Schlussquartal stellt Konzernchef Hock Tan bereits Erlöse von knapp 35 Mrd. USD in Aussicht – ein weiteres Plus von 93 %.
Noch beeindruckender sind die mittelfristigen Ziele. Im laufenden Geschäftsjahr sollen die KI-Erlöse 58 Mrd. USD erreichen. Für 2026/27 peilt Broadcom bereits 115 Mrd. USD an, ein Jahr später sollen es 230 Mrd. USD sein. Auch beim Gewinn legt sich Tan die Latte hoch: Bis 2027/28 soll das bereinigte Ergebnis auf 30 USD je Aktie steigen. Im vergangenen Geschäftsjahr waren es noch knapp 7 USD. Diese Prognose lag über den bisherigen Erwartungen der Analysten.
An der Börse reichte das zunächst trotzdem nicht für Begeisterung. Die Aktie büßte nach den Zahlen trotzdem leicht ein. Seit dem Rekordhoch von 495 USD Anfang Juni ist der Kurs um rund ein Viertel zurückgekommen. Der Grund: Die langfristigen KI-Ziele lagen weitgehend im Rahmen der hochgesteckten Erwartungen, während der Ausblick für das Schlussquartal keine neue Überraschung lieferte.
Der Rücksetzer könnte sich als Chance erweisen. Broadcom verfügt neben seinen KI-Chips über ein hochprofitables Softwaregeschäft und etabliert sich als wichtigste Alternative zu Nvidia. Auch Analysten bleiben ausgesprochen optimistisch: 57 von 62 bei Bloomberg erfassten Experten raten zum Kauf. Das durchschnittliche Kursziel von knapp 530 USD liegt deutlich über dem aktuellen Niveau und sogar oberhalb des bisherigen Rekordhochs. Goldman Sachs und Bernstein hoben ihre Ziele nach den Zahlen nochmals an. Die Bewertung bleibt aber ambitioniert, doch wenn Broadcom seine Gewinnziele erreicht oder sogar übertrifft, ist die jüngste Kursschwäche eine interessante Einstiegsgelegenheit.
Fazit
Bei HPE und Broadcom ist der KI-Boom bereits in Milliardenumsätzen sichtbar. Aspermont muss dagegen erst beweisen, dass sich sein historischer Datenschatz profitabel heben lässt. Broadcom ist der Qualitätswert, HPE die günstiger bewertete Infrastrukturwette und Aspermont die spekulative Turnaround-Chance mit Vervielfachungspotenzial, aber auch mit den höchsten Verlustrisiken.
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