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07.09.2026 | 05:30

Siemens, First Hydrogen und SpaceX wollen vom 200-Milliarden-Tech-Superzyklus aus KI, Robotik und Weltraum profitieren

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Wir befinden uns auf dem Weg in eine neue wirtschaftliche Epoche, die von drei verbundenen Megatrends geformt wird: Künstlicher Intelligenz, Robotik und der Eroberung des Weltraums. Während KI den Denkapparat bereitstellt, übersetzt Robotik diese Intelligenz in physische Handlungen, und der Weltraum avanciert zur ultimativen Quelle für Rohstoffe, Energie und Datenbandbreite. Gemeinsam automatisieren sie nicht nur Prozesse, sondern werden die Industrien von morgen bestimmen. Analysten schätzen die Investitionen für diese KI-getriebene Hardware-Offensive auf bis zu 200 Mrd. USD. Als Investor sollte man diesen Trend nicht verpassen. Wir sehen uns daher die Strategien von Siemens, First Hydrogen und SpaceX genauer an.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Armin Schulz
ISIN: SIEMENS AG NA O.N. | DE0007236101 , First Hydrogen Corp. | CA32057N1042 | TSXV: FHYD , SPACE EXPLORATION TECHNOLOGIES CORP | US84615Q1031 | NASDAQ: SPCX

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Inhaltsverzeichnis:


    Siemens - zwischen KI-Offensive und Rekordnachfrage

    Siemens befindet sich im Wandel vom klassischen Industriekonzern zum Technologieunternehmen. Unter dem Slogan "ONE Tech Company" integriert das Unternehmen Software, Hardware und künstliche Intelligenz zu einem Ökosystem. Das zeigt sich in den milliardenschweren KI-Investitionen und den strategischen Partnerschaften mit NVIDIA und Microsoft. Hier sticht die Kooperation für ein "Industrial AI Operating System" hervor und könnte langfristig Maßstäbe setzen. Der Konzern kann so von zwei Seiten des KI-Booms profitieren, einmal als Lieferant von Industriewerkzeugen und als Anbieter von Infrastruktur für Rechenzentren.

    Die KI-Rechenzentren brauchen Strom, und das hat die Nachfrage nach elektrischer Infrastruktur angefacht und bei Smart Infrastructure für einen Auftragsschub gesorgt. Im 3. Quartal hat die Sparte erstmals einen Auftragseingang von über 8 Mrd. EUR verzeichnet. Das entspricht einem dreistelligen Wachstum im Jahresvergleich. In den ersten 9 Monaten lag der Umsatz bei knapp 6 Mrd. EUR in diesem Segment. Um die Nachfrage zu bedienen, investiert Siemens über 200 Mio. USD in neue US-Produktionsstätten. Die Umrüstung auf 800-Volt-Gleichstromarchitekturen wird noch einige Jahre dauern, dürfte dann aber zu höheren Leistungsdichten führen und damit zusätzliches Potenzial bieten.

    Auch sonst überzeugt die operative Entwicklung. Der Auftragsbestand von 132 Mrd. EUR bietet Planungssicherheit und der Free Cashflow erreichte 4,1 Mrd. EUR. Digital Industries verzeichnet wieder starkes Wachstum, während das Softwaregeschäft mit einem Umsatzplus von 18 % die gesteckten Ziele sogar übertroffen hat. Die geplante Zusammenlegung der vier Automationseinheiten soll sowohl die Innovation als auch die Skalierbarkeit verbessern. Allerdings bleibt die Abhängigkeit von Großaufträgen im Rechenzentrumsgeschäft ein Unsicherheitsfaktor. Zudem ist die Bewertung mit einem KGV von rund 27 nicht mehr günstig. Der Kurs hat die verbesserten Fundamentaldaten bereits eingepreist.

    First Hydrogen - vom Wasserstoff zum Technologie-Ökosystem

    First Hydrogen startete als innovativer Entwickler von wasserstoffbetriebenen Nutzfahrzeugen nach dem Best-of-Ansatz. Die Demonstrationsfahrzeuge mit Ballard-Brennstoffzellen und über 500 km Reichweite bildeten den Kern des Geschäfts. Dazu kamen Wasserstoffproduktion durch Elektrolyse und der Aufbau einer Betankungsinfrastruktur. Das "Hydrogen-as-a-Service"-Modell sollte wiederkehrende Einnahmen sichern. Parallel dazu erforschte die Tochter First Nuclear den Einsatz von Small Modular Reactors (SMRs) als grundlastfähige Energiequelle für die Wasserstoffproduktion.

    Seit Februar 2026 baut das Unternehmen mit der Übernahme von 60 % an Exodus Actuation Solutions mit über 30 Patenten im Bereich Hochleistungsaktuatoren ein zweites Standbein auf. Diese Technologie ist das "Muskelwerk" für autonome Systeme und ermöglicht präzise Bewegungen in der Industrierobotik, in Elektromobilitätssystemen und autonomen Plattformen wie Drohnen. Mit der Gründung von First Humanoid und der Sicherung relevanter Domains adressiert First Hydrogen den von Morgan Stanley prognostizierten 5 Billionen USD Markt für humanoide Robotik. Damit ist das Unternehmen an der Schnittstelle von Energieautonomie und Künstlicher Intelligenz positioniert.

    Die neueste Pressemeldung des Unternehmens vom September 2026 markiert den nächsten Schritt. First Hydrogen sicherte sich exklusive weltweite Rechte an einer patentierten unbemannten Bodenplattform (UGV). Das Fahrzeug kombiniert acht semi-robotische Beine mit Rad-Einheiten für amphibische Einsätze und extremes Gelände. Die modulare Ladefläche ermöglicht Drohnenstarts, Materialtransport oder Sicherheitseinsätze. Mit einer vereinbarten zweijährigen Entwicklungsphase bis zur Kommerzialisierung und dem vollständigen Besitz des geistigen Eigentums sowie aller Arbeitsergebnissen hat das Unternehmen den Einstieg in den wachsenden Verteidigungs- und Logistikmarkt gesichert. Die Verknüpfung von Wasserstoffantrieb, autonomer Navigation und KI-Sensorik schafft ein neues Ökosystem für emissionsfreie, unbemannte Mobilität in anspruchsvollen Einsatzumgebungen.

    SpaceX – viel Potenzial braucht Kapital

    SpaceX präsentiert sich nach dem Börsengang nicht als reines Raumfahrtunternehmen, sondern als komplexes Technologie-Konglomerat. Die drei operativen Segmente sind Space, Connectivity und AI. Sie entwickeln sich mit unterschiedlicher Dynamik. Während das Connectivity-Geschäft mit Starlink eine profitable Cashcow hat, treibt die KI-Sparte das Wachstum mit einer Verdreifachung der Umsätze im Jahresvergleich an. Derzeit liefert die Raumfahrt mit fast 1 Mrd. USD Umsatz zwar den geringsten Beitrag, sollte aber aufgrund der strategischen Bedeutung von Starship nicht unterschätzt werden. Diese vertikale Integration erlaubt es SpaceX, eigene Satelliten günstiger zu positionieren und langfristig sogar KI-Rechenzentren und Server, die nicht auf der Erde, sondern in Satelliten-Umlaufbahnen im Weltall stehen, aufzubauen.

    Das sind faszinierende Aussichten, die aber auch einen gewaltigen Kapitalbedarf haben. Mit Investitionen in Höhe von 18,4 Mrd. USD allein im 2. Quartal und einem negativen freien Cashflow von 25 Mrd. USD im ersten Halbjahr steht SpaceX vor einer Zerreißprobe. Die KI-Infrastruktur verschlingt den Löwenanteil der Mittel, soll sich aber laut CFO innerhalb von einem Jahr amortisieren und profitiert dann von der langlebigeren Infrastruktur. Die operative Umsetzung verläuft nicht reibungslos. Es gab Personalwechsel im Datencenter-Management und technische Probleme bei den Anlagen. Daher bleibt für Investoren die Frage, ob die ehrgeizigen Ziele von geplanten 20 Gigawatt bis Ende 2027 realistisch sind. Der Zugang zu Nvidias neuesten GPUs könnte diesen Engpass entschärfen.

    Die Analystenschätzungen für SpaceX gehen weit auseinander, was die Unsicherheit in der Bewertung unterstreicht. Die Bandbreite der Kursziele von 117 bis 450 USD spiegelt die Schwierigkeit wider, die zukünftigen Margen und das Wachstumspotenzial präzise zu modellieren. Besonders die Akquisition von xAI und die Verschmelzung mit der X-Plattform verändern das Unternehmensprofil fundamental. Die Aussicht auf 100 Mrd. USD annualisierte Umsatzrate bis Jahresende und das ehrgeizige 1 Billion USD Ziel bis 2030 zeigen das enorme Vertrauen des Managements. Als Anleger muss man abwägen zwischen dem riesigen Potenzial und den erheblichen Ausführungsrisiken.


    Der 200-Milliarden-Superzyklus aus KI, Robotik und Raumfahrt formt eine neue Wirtschaftsära. Siemens gelingt mit der "ONE Tech Company"-Strategie der profitable Brückenschlag zwischen industrieller KI-Infrastruktur und Rekordnachfrage. First Hydrogen wandelt sich vom Wasserstoffpionier zum vielversprechenden Robotik-Ökosystem mit gesicherten Exklusivrechten. SpaceX hingegen kämpft trotz visionärer Weltraum-KI-Pläne mit erheblichem Kapitalbedarf und operativen Unsicherheiten.


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    Der Autor

    Armin Schulz

    Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.

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