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28.08.2026 | 05:55

Wind, Wasserstoff, Weltklasse-Dividende: Nordex und Enapter kämpfen, RE Royalties sahnt ab

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Bildquelle: Pixabay KI generiert

An der Energiewende zeigen sich alle Facetten des Börsenwahnsinns. Die Aktie von Nordex hat sich vervielfacht, doch plötzlich sorgen Politik und Analysten für Gegenwind. Enapter hingegen liegt am Boden und will zurück nach oben. Am anderen Ende der Skala steht ein kanadischer Nebenwert, der von neuen Energien profitiert, ohne selbst ein Windrad oder einen Elektrolyseur zu bauen: RE Royalties. Seit Jahren zahlt das Unternehmen zuverlässig hohe Dividenden, nur der Kurs will sich partout nicht bewegen. Anleger haben die Wahl zwischen Wasserstoff-Absturz, Windkraft-Achterbahn und Weltklasse-Dividende.

Lesezeit: ca. 6 Min. | Autor: Jens Castner
ISIN: RE ROYALTIES LTD | CA75527Q1081 | TSXV: RE , OTCQX: RROYF , NORDEX SE O.N. | DE000A0D6554 , ENAPTER AG INH O.N. | DE000A255G02

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Inhaltsverzeichnis:


    RE Royalties: Der stille Financier der Energiewende

    In Kürze legt RE Royalties die mit Spannung erwarteten Zahlen zum zweiten Quartal vor – ein guter Anlass, sich das Geschäftsmodell des kanadischen Spezialfinanzierers genauer anzusehen. Denn wer den Namen zum ersten Mal hört, fragt sich: Was hat es mit Royalties eigentlich auf sich? Der Begriff stammt aus dem Rohstoffsektor. Dort erhält ein Geldgeber, der einem Bergbauunternehmen Kapital für den Aufbau einer Mine bereitstellt, im Gegenzug einen festen Anteil der geförderten Rohstoffe. RE Royalties überträgt dieses Prinzip auf erneuerbare Energien. Das Unternehmen baut selbst keine Solarparks, Biogasanlagen oder Windräder, sondern stellt externen Projektentwicklern Kapital zur Verfügung und erhält dafür eine Beteiligung am Bruttoumsatz der fertigen Anlage – über Laufzeiten von 15 bis 20 Jahren, meist abgesichert durch langfristige Stromabnahmeverträge. Mehr als 80 % der Projekte liegen in Kanada und den USA, gut 41 % der Pipeline stammen von wiederkehrenden Kunden.

    Damit koppelt sich das Unternehmen von den Kostenrisiken der Betreiber ab. Steigen Bau-, Wartungs- oder Finanzierungskosten, trifft das die Projektgesellschaft, nicht aber die Lizenzeinnahmen von RE Royalties. Diese richten sich allein nach dem Umsatz, was für planbare und weitgehend inflationsresistente Cashflows sorgt. Seit der Gründung wurden so mehr als 82 Mio. CAD in über 130 Solar-, Wind-, Speicher-, Wasser- und Biogasprojekte investiert, was seit Beginn zu einer durchschnittlichen Verzinsung von 16 % geführt hat. Die Projekt-Pipeline ist mit über 200 Mio. CAD gut gefüllt. Eine Kooperation mit dem US-Partner Solaris Energy wurde kürzlich verlängert. Die beiden Unternehmen haben eine unverbindliche Absichtserklärung über bis zu 67,5 Mio. USD unterzeichnet. Davon wurden 4,8 Mio. USD bereits ausgezahlt. 13,7 Mio. USD sind für 13 vertraglich gebundene Solarprojekte vorgesehen. Die restlichen 49 Mio. USD werden für 83 weitere Projekte in der Entwicklungsphase vorgehalten.

    Dem stehen ein Börsenwert von gerade mal 17 Mio. CAD und ein Aktienkurs von 0,39 CAD (in Deutschland 0,23 EUR) gegenüber. Die Unternehmensführung um CEO Bernard Tan und COO Peter Leighton ist mit beidem unzufrieden und hat die Unternehmensberatung PwC beauftragt, verschiedene Optionen zu prüfen – von Partnerschaften und Co-Investments bis hin zum Verkauf des gesamten Unternehmens. Sollten die Quartalszahlen nicht die Wende bringen, könnten die Tage des Unternehmens an der Börse gezählt sein. Für Dividendenjäger wäre die dann fällige Übernahmeprämie wohl ein schwacher Trost, denn zweistellige Renditen finden sich meist nur in Ausnahmesituationen, nicht aber in der Verlässlichkeit, mit der RE Royalties auszahlt. 25 Quartale in Folge schüttete das in Vancouver ansässige Unternehmen 0,01 CAD je Aktie aus – ohne eine einzige Kürzung. Im Dezember 2025 stellte der Verwaltungsrat auf jährliche Ausschüttungen um, doch darunter muss die Dividende nicht leiden. Analysten rechnen auch fürs laufende Jahr mit 0,04 CAD, was weiterhin einer Rendite von über 10 % entspricht.

    Nordex: Politischer und charttechnischer Gegenwind

    Nordex ist hierzulande deutlich bekannter als RE Royalties – und mit einem Börsenwert von gut 9 Mrd. EUR um ein Vielfaches größer. Der Hamburger Windturbinenhersteller zeigt jedoch in aller Deutlichkeit, wie riskant der direkte Einstieg in einen Technologieanbieter aus der Welt der regenerativen Energien sein kann. Fundamental steht das Unternehmen mit der wechselvollen Börsengeschichte inzwischen solide da: Im zweiten Quartal wuchs der Umsatz um 16,3 % auf knapp 2,2 Mrd. EUR, die EBIT-Marge verbesserte sich von 3,5 % auf 8,1 %, der Auftragsbestand kletterte auf 18,4 Mrd. EUR (Vorjahr: 14,3 Mrd. EUR). Trotzdem bleiben Analysten zurückhaltend: RBC senkte das Kursziel zuletzt von 38 auf 36 EUR, Barclays erhöhte die Schätzung für den fairen Wert zwar deutlich von 15,80 auf 35 EUR, bleibt damit aber ebenfalls unter dem aktuellen Niveau von 39,40 EUR. Als Belastungsfaktor gilt vor allem das von Wirtschaftsministerin Katharina Reiche geplante Netzpaket, das den Ausbau der Windenergie in Deutschland bremsen könnte. Bärbel Heidebroek, die Präsidentin des Bundesverbands WindEnergie, schlägt bereits Alarm und warnt vor einem faktischen Investitionsstopp.

    Am 2. April feierten die Hanseaten ihr 25-jähriges Börsenjubiläum. Der Kurs bewegte sich zu diesem Zeitpunkt auf einem 20-Jahres-Hoch bei 45 EUR und kletterte bis Mai sogar zeitweise über die Marke von 50 EUR. Das Allzeithoch kurz nach dem Börsengang am Neuen Markt lag sogar über 90 EUR – ehe der Kurs im Zuge des Platzens der Dotcom-Blase bis 2005 auf nur noch 1,30 EUR zusammenbrach. Seither hat die Aktie drei weitere Hausse-Phasen durchlaufen, die jedes Mal wieder in einem Absturz endeten.

    Die aktuelle vierte Phase liest sich zunächst beeindruckend: 85 % Plus in 12 Monaten, mehr als das Doppelte auf Zweijahressicht. Doch seit Anfang Mai befindet sich die Aktie in einer hartnäckigen Korrektur. Rutscht der Kurs unter die wichtige Marke von 35 EUR, drohen laut Chartanalysten weitere Abgaben bis in den Bereich von 30 EUR – ein Rückschlagpotenzial von rund 25 %. Die fundamentale Bewertung hingegen erscheint angesichts des starken Quartalsberichts moderat: Das geschätzte Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für 2027 liegt zwischen 15 und 16. Auf kurze Sicht könnten politischer und charttechnischer Gegenwind die Oberhand behalten, früher oder später sollten sich die ausgezeichneten, im Auftragseingang dokumentierten Langfristperspektiven aber durchsetzen.

    Enapter: Der Weg zurück in die Spur führt nach China

    Bei Enapter verläuft die jüngere Kursgeschichte spiegelverkehrt zu Nordex. Stand die Aktie 2021 noch bei über 25 EUR, notiert sie inzwischen nur noch bei rund 1 EUR. Entsprechend sank der Börsenwert auf knapp 33 Mio. EUR, ein KGV ist wegen zu erwartender Verluste nicht messbar. Nun soll eine radikale Restrukturierung die Wende einleiten – unter anderem durch die umfassende Verlagerung der Produktion nach China. Enapter stellt Elektrolyseure her, die mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen grünen Wasserstoff für verschiedenste Anwendungen erzeugen: von der Stromversorgung von Industrieanlagen und Schmelzöfen über Antriebe von Fahrzeugen, Booten oder Drohnen bis hin zur CO₂-neutralen Beheizung von Wohnquartieren. Kernstück jeder dieser Anlagen sind die sogenannten Stacks: ein Stapel einzelner Zellen, in denen die eigentliche chemische Reaktion abläuft – vergleichbar mit dem Motor, der die elektrische Energie in Wasserstoff umwandelt. Enapters patentierte AEM-Technologie (Anionenaustauschmembran) kommt dabei ohne teure und seltene Rohstoffe wie Iridium aus, die andere Elektrolyseur-Bauarten benötigen. Dank der schnellen Reaktionsfähigkeit und betrieblichen Flexibilität ist diese Technologie für Wind- und Sonnenenergie prädestiniert. Mehr als 12.000 AEM-Stacks in 55 Ländern produzieren mittlerweile grünen Wasserstoff.

    Grundlage der Restrukturierung ist die inzwischen erfolgte Einigung mit dem Anleihegläubiger Patrimonium. Flankiert wird sie durch eine Überbrückungsfinanzierung der Großaktionäre von 3 Mio. EUR. Nach der Hauptversammlung am 22. September ist eine Kapitalerhöhung geplant, an der sich ein strategischer Investor mit 10 bis 12 Mio. EUR beteiligen will. Operativ steigt Enapter auf ein sogenanntes Asset-Light-Modell um: Unternehmenssitz und Verwaltung bleiben in Deutschland, die chemische Herstellung der Elektroden – das eigentliche technologische Know-how – im italienischen Pisa. Die aufwändige Serienfertigung der Stacks und der kompletten Elektrolyseure übernehmen künftig externe Partner in den USA und in China. Dort hat Enapter mit Runqing Hydrogen Technology in Shenzhen bereits die Produktion aufgenommen. Zusätzlich wird das Angebot um alkalische Elektrolyseure erweitert. Mit dieser Kombination kann der Wasserstoffspezialist Großanlagen im Multimegawatt- und Gigawattbereich errichten. Damit erschließt sich Enapter einen völlig neuen und wachstumsstarken Markt.

    Obwohl der Vorstand die bisherige Prognose für 2026 (Umsatz 30 bis 40 Mio. EUR, EBITDA zwischen minus 3 und plus 1 Mio. EUR) vorerst ausgesetzt hat, bleiben die Analysten zuversichtlich: First Berlin Equity Research bestätigte zuletzt die Kaufempfehlung, senkte das Kursziel aber von 1,90 auf 1,40 EUR – ein Potenzial von 40 %. MWB Research geht weiter und bekräftigt „Spekulativ Kaufen“ mit einem Kursziel von 3,00 EUR, was einer Verdreifachung des Kurses entspräche. Deutlich spürbare positive Effekte der Restrukturierung auf das Ergebnis erwartet Enapter ab 2027. Für risikofreudige Anleger mit etwas Geduld könnte das Papier zur interessanten Turnaround-Spekulation werden.

    Eine Frage der Nerven: Mitfiebern oder Mitverdienen?

    Die drei Werte zeigen exemplarisch, wie unterschiedlich sich die Risiken der Energiewende verteilen. Enapters Absturz und Nordex' Achterbahnfahrt machen deutlich, wie volatil direkte Wetten auf einzelne Technologien – ob Wasserstoff oder Windkraft – ausfallen können. Beide Aktien haben ihre Reize, sind aber alles andere als Witwen- und Waisenpapiere. Wer heftigen Kursausschlägen aus dem Weg gehen will, findet in RE Royalties die passende Alternative: ein Geschäftsmodell, das über feste, umsatzgebundene Lizenzeinnahmen an praktisch jeder Technologie der Branche mitverdient, ohne selbst das Entwicklungs- oder Baukostenrisiko zu tragen. Die Dividendenrendite von 10 % entschädigt für den aktuellen Seitwärtstrend, der sich im Fall von Übernahmespekulationen schnell nach oben auflösen könnte.


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    Der Autor

    Jens Castner

    Der gebürtige Nürnberger ist seit mehr als 30 Jahren im Finanzjournalismus und am Kapitalmarkt aktiv, zuletzt als Chefredakteur von Börse Online. Seit April 2026 ist er selbstständig tätig, um sich voll und ganz seiner großen Leidenschaft zu widmen: der Identifikation unterbewerteter Aktien, mit besonderem Fokus auf das Nebenwertesegment.

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