25.09.2026 | 05:00
Bei Drohnen werden die Karten neu gemischt: Rheinmetall kämpft, DroneShield erfindet sich neu und Volatus Aerospace besteht den ersten Blindflug
Ein Schalter wird umgelegt und plötzlich verlieren ehemals gefürchtete Drohnen die Orientierung. Auf den Schlachtfeldern dieser Welt reicht oft eine einfache Frequenzüberlagerung aus, um die bei Drohnen weit verbreitete GPS-Navigation komplett lahmzulegen. Diese Situation zwingt die gesamte Drohnen-Industrie zum Umdenken und eröffnet Chancen: Wer trotz Störsendern zuverlässig navigieren kann, ist für die Zukunft gerüstet. Wir stellen aktuelle Entwicklungen bei Rheinmetall, DroneShield und Volatus Aerospace vor.
Lesezeit: ca. 3 Min.
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Autor:
Nico Popp
ISIN:
VOLATUS AEROSPACE INC | CA92865M1023 | TSXV: FLT , OTCQB: TAKOF , RHEINMETALL AG | DE0007030009 , DRONESHIELD LTD | AU000000DRO2
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Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Nico Popp
In Süddeutschland zuhause, begleitet der leidenschaftliche Börsianer die Kapitalmärkte seit rund zwanzig Jahren. Mit einem Faible für kleinere Unternehmen ausgestattet, ist er ständig auf der Suche nach spannenden Investmentstorys
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Rheinmetall und die Tücken des Wachstums
Rheinmetall dominiert die westliche Rüstungslandschaft und zeigt, dass enormes Wachstum immer auch Wachstumsschmerzen mit sich bringt: Der Düsseldorfer Konzern vermeldete im ersten Halbjahr 2026 zwar einen Rekord-Backlog (inklusive erwarteter Abrufe aus Rahmenverträgen) von 80,5 Mrd. EUR bei satten 5,23 Mrd. EUR Umsatz, doch dieses Wachstum kostet. Der operative freie Cashflow stürzte auf minus 1,616 Mrd. EUR ab, da sich Kundenanzahlungen verschoben, der Konzern Vorräte aufbaute und weiterhin stark investierte. Gleichzeitig hängt die gesamte Branche „am Tropf“ der Politik. Nach der plötzlichen Streichung des F126-Programms musste das Management die eigene Umsatzprognose um 300 Mio. EUR senken. Im Bereich der Luftverteidigung ist Rheinmetall mit Systemen wie Skyranger stark aufgestellt, die Drohnen weitgehend automatisiert erfassen und kinetisch bekämpfen können. Das Air-Defence-Geschäft steigerte seinen Umsatz im ersten Halbjahr um 62 % auf 478 Mio. EUR. Rheinmetall ist trotzdem ein gutes Beispiel dafür, dass Größe und Wachstum nicht vor Turbulenzen schützen.
DroneShield: Der Pionier muss umdenken
Ähnlich stark spürt auch DroneShield den Wandel im Verteidigungssektor. Historisch setzte der australische Spezialist auf die Störung von Radiofrequenzen. Doch diese sogenannten Soft-Kill-Methoden stoßen bei autonomen Flugkörpern ohne Funkverbindung an ihre Grenzen. Auch an der Börse lief es zuletzt nicht rund: Obwohl der Umsatz im ersten Halbjahr 2026 um 74 % auf 125,8 Mio. AUD wuchs, notiert die Aktie über 70 % unter ihrem Höchststand. Belastet haben vor allem der Halbjahresverlust von 32,2 Mio. AUD und der Druck auf die Margen. Die Australier steuern nun gegen und kündigten im September eine Kooperation mit AIM Defence an: Der Fractl-Hochenergielaser wird mit DroneShields Plattform DroneSentry interoperabel. Das System schafft bis zu 50 Abfangvorgänge pro Akkuladung und „grillt“ optische Sensoren auf rund 1,5 km Distanz. Damit ergänzt DroneShield seine Störtechnik um eine handfeste Hard-Kill-Option.
Der Blindflug-Test von Volatus Aerospace
Während Unternehmen wie Rheinmetall und DroneShield umdenken müssen, setzt Volatus Aerospace auf eine andere Strategie. Zuletzt meldeten die Kanadier einen technologischen Meilenstein: In ersten Flugtests navigierte der hauseigene Flugregler V-Cortex eine Drohne ohne Satellitensignale. Dafür nutzte das System ausschließlich die standardmäßig verbauten Bordsensoren, ohne zusätzliche externe Sensorik und ohne Hochleistungsrechner. Weitere Tests und Demonstrationen sind für 2026 geplant.

Fast zeitgleich erhielt das Unternehmen einen Vertrauensbeweis der kanadischen Streitkräfte. Volatus Aerospace sicherte sich einen Fünfjahresvertrag zur Lieferung taktischer Aufklärungsdrohnen-Systeme. Der Deal umfasst eine feste Initialbestellung von 100 Systemen und gibt Kanada die Option auf bis zu 4.900 weitere Systeme. Der Beschaffungsrahmen sieht ein Gesamtvolumen von bis zu 25 Mio. CAD und einen Höchstpreis von 5.000 CAD pro System vor. Den tatsächlich vereinbarten Preis hält Volatus vertraulich. Das zeigt: Wer den zunehmend preisbewussten Regierungen Leistung zu konkurrenzfähigen Preisen bieten kann, hat bei Aufträgen die Nase vorn.
Es ist angerichtet: Produktionsstätte und volle Kassen bei Volatus
Um die Serienfertigung seiner Drohnentechnologie zu stemmen, eröffnete Volatus Aerospace im Juni eine 53.000 Quadratfuß große Produktionsstätte am Flughafen Montréal-Mirabel. Doch die Lieferketten spielten nicht ganz mit: Engpässe bei Motoren und Batterien verzögerten die Auslieferung eines Verteidigungsauftrags über rund 2,6 Mio. CAD, sodass der Umsatz im zweiten Quartal mit 8,4 Mio. CAD rund 20 % unter dem Vorjahr lag, gegenüber dem Vorquartal aber um 49,5 % zulegte. Das Umsatzplanziel für 2026 senkte das Management von 56,0 Mio. CAD auf 50,6 Mio. CAD, vor allem, weil geplante Übernahmen später kommen als erwartet. Doch aufgeschobene Umsätze sind keine aufgehobenen Umsätze. Verschiebungen im Liefer- und Zahlungstiming kennen auch Branchen-Giganten wie Rheinmetall. Finanziell steht Volatus auf einem soliden Fundament: Dank einer im Juni abgeschlossenen Kapitalerhöhung (Bought Deal) über 34,5 Mio. CAD verfügte das Unternehmen zur Jahresmitte über liquide Mittel in Rekordhöhe von 59,2 Mio. CAD. Mit diesem Polster kann das Management wichtige Bauteile für große Serienchargen vorfinanzieren und seine Innovationen ausrollen.
Fazit: Volatus Aerospace als spekulative Chance
Die Investmentstory von Volatus hängt direkt mit dem Rüstungsboom zusammen. Die Fähigkeit zur satellitenunabhängigen Navigation kann für staatliche Aufträge entscheidend sein. Zunächst einmal ist aber wichtig, ob Volatus den jüngsten Auftrag bedienen kann: Die pünktliche Auslieferung der ersten 100 Systeme ab dem vierten Quartal unter Einhaltung des Höchstpreises von 5.000 CAD je System dürfte vom Markt mit Argusaugen beobachtet werden. Gelingt die Fertigung im Werk Mirabel, könnte Kanada Optionen auf Tausende weitere Einheiten ziehen. Die kommenden Monate werden für Volatus Aerospace spannend. Die Aktie ist nicht ohne Risiko, birgt im Umkehrschluss aber auch erhebliche Chancen: Im Vergleich zu Rüstungs-Giganten ist das Unternehmen aktuell lediglich mit rund 464 Mio. CAD bewertet.
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