Menü schließen




12.06.2026 | 05:30

Biotech- und Life-Science-Boom: Evotec, BioNxt Solutions und Merck – wo lohnt sich ein Investment?

  • Evotec
  • BioNxt Solutions
  • Merck
  • Wirkstoffentwicklung
  • Biotech
  • Biologics
  • Dünnfilmformulierung
  • Patente
  • Psychedelische Wirkstoffe
  • Übernahmen
  • Lungenkrebs
Bildquelle: pixabay.com

Die Life-Science- und Pharma-Branche erlebt einen strukturellen Wandel. Nicht mehr einzelne Blockbuster-Wirkstoffe, sondern Plattformtechnologien, Patentportfolios und strategische Deals treiben die Wertschöpfung. Diese neue Kapitalmarktlogik belohnt Unternehmen mit schützbarem geistigen Eigentum und klugen Lizenzvereinbarungen – nicht nur reine Pipeline-Entwickler. Für Privatanleger ergeben sich renditestarke Nischen bei reduzierten Zulassungsrisiken. Die entscheidende Frage lautet: Wer kontrolliert die Hebel im Innovationsökosystem? Wer diese Struktur früh erkennt, kann überproportional profitieren. Im Fokus stehen heute Evotec, BioNxt Solutions und Merck.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Armin Schulz
ISIN: EVOTEC SE INH O.N. | DE0005664809 , Bionxt Solutions Inc. | CA0909741062 | CSE:BNXT , OTCQB: BNXTF , MERCK CO. DL-_01 | US58933Y1055

Hole Dir die spannenden Kommentare direkt als Newsletter per E-Mail.

Jetzt kostenlos abonnieren

Inhaltsverzeichnis:


    Evotec - zwischen Transformationsdruck und Pipeline-Hoffnung

    Das 1. Quartal fiel beim Hamburger Wirkstoffforscher erwartungsgemäß schwach aus. Mit 156,6 Mio. EUR Umsatz lag man rund 22 % unter dem Vorjahreswert, das bereinigte EBITDA rutschte auf minus 21,9 Mio. EUR. Im Vorjahresquartal hatte noch ein einmaliger Lizenzverkauf die Zahlen verbessert. Dazu kamen Währungseffekte und eine verhaltene Nachfrage im frühen Forschungsmarkt. Das Management hält dennoch an der Jahresprognose fest. Die zweite Jahreshälfte soll deutlich stärker ausfallen, getragen von Markterholung und internen Effizienzgewinnen.

    Mit dem „Horizon“-Programm stemmt Evotec eine grundlegende Neuausrichtung. 75 Mio. EUR wurden an Restrukturierungsaufwendungen bereits im 1. Quartal gebildet für Abfindungen und Wertminderungen. Die Zahl der Standorte soll weiter von 14 auf 10 schrumpfen, bis zu 800 Stellen fallen weg. Bis Ende 2027 peilt das Unternehmen jährliche Kosteneinsparungen von rund 75 Mio. EUR an. Parallel prüfen Morgan Stanley und Moelis die Konzernstruktur, von Portfolio über Kapital bis zur Eigentümerfrage. Aktivisten wie MAK Capital drängen auf eine Abspaltung der Biologics-Tochter.

    Die Führungsetage wurde neu besetzt. Claire Hinshelwood übernahm im Mai von Paul Hitchin das Finanzressort, Ingrid Müller den operativen Bereich. Beide sollen die Horizon-Umsetzung vorantreiben. Operativ gibt es Lichtblicke. Mit Almirall wurde ein präklinischer Kandidat in der Dermatologie nach nur zwei Jahren erreicht, deutlich schneller als branchenüblich. Die Gates Foundation stockte ihre Tuberkulose-Förderung auf. Zudem fließt im 2. Quartal Geld aus dem Tubulis-Exit. Hier winken rund 100 Mio. USD von Gilead. Ob der Wandel gelingt, zeigt die zweite Jahreshälfte. Derzeit ist die Aktie für 4,658 EUR zu haben.

    BioNxt Solutions - Patente und ein Griff nach dem Milliardenmarkt

    Wer sich fragt, wie man etablierte Wirkstoffe neu verpacken kann, findet bei BioNxt Solutions einen interessanten Kandidaten. Das kanadische Unternehmen hat seine Forschung und GMP-Produktion in Deutschland angesiedelt. Genauer gesagt in Uttenweiler, wo 2019 die Vektor Pharma TF GmbH übernommen wurde. Die Kernkompetenz sind sublinguale Wirkstofffilme, die unter der Zunge zergehen und so den Magen-Darm-Trakt umgehen. Das Unternehmen hat sich patentrechtlich abgesichert. Ein europäisches Unitary Patent (EP4539857) deckt 18 Länder ab, dazu kommt ein eurasisches Patent für 8 Staaten. Ein US-Fast-Track-Verfahren läuft. Statt auf komplett neue Moleküle zu setzen, reformuliert BioNxt bereits zugelassene Wirkstoffe. Das ist ein pragmatischer Weg mit kalkulierbaren Risiken.

    Das Semaglutid-Programm geht in die aktive Entwicklungsphase. Zusammen mit dem deutschen Partner Gen-Plus arbeitet BioNxt an einem GLP-1-Wirkstoff-Film, also jener Substanzklasse, die hinter Ozempic und Wegovy steckt. Der Markt für diese Peptid-Therapien wird bis 2034 auf über 250 Mrd. USD geschätzt. Das Unternehmen will eine nadelfreie, patientenfreundliche Alternative zu Spritzen bieten. Die erste Phase umfasst 6 - 9 Monate Formulierungsarbeit und Proof-of-Concept-Studien. Parallel laufen die Vorbereitungen für die humane Bioäquivalenzstudie mit Cladribin (BNT23001) bei Multipler Sklerose. Das ist der wichtigste Meilenstein im Flaggschiff-Programm.

    BioNxt blickt über bekannte Indikationen hinaus. Das Unternehmen evaluiert den Einsatz seiner Dünnfilm-Technologie für psychedelische Wirkstoffe. Hintergrund ist der wachsende regulatorische Rückenwind in den USA und Europa. Eine eigene Bibliothek neuartiger Moleküle existiert bereits, eine Patentanmeldung wurde eingereicht. Die Idee ist eine präzise Dosierung und kontrollierte Wirkung, beides zentral für psychische Erkrankungen wie PTBS oder Depressionen. Kommerziell setzt das Unternehmen auf Partnerschaften, nicht auf eigene teure Vertriebswege. Eine erste nicht-bindende Absichtserklärung für eine Lizenzierung im eurasischen Raum liegt vor. Das reduziert den Finanzierungsbedarf, aber ein Großteil der Wertschöpfung geht an Partner. Aktuell notiert die Aktie bei 0,39 CAD.

    Merck - mehr als nur Keytruda

    Der Pharmariese aus New Jersey steckt mitten im schwierigsten Kapitel seiner jüngeren Geschichte: Das Megablockbuster-Patent für Keytruda läuft 2028 aus. Doch wer nur auf diesen Risikofaktor schaut, übersieht die grundlegende Neuaufstellung. Merck hat in den vergangenen 18 Monaten mit Übernahmen wie Cidara für 9,2 Mrd. USD und Terns für 6,7 Mrd. USD sowie der Daiichi Sankyo-Partnerschaft die Weichen für die Zeit nach dem Patentverlust gestellt. Die Pipeline umfasst über 20 fortgeschrittene Wirkstoffkandidaten, die zusammen mehr als 70 Mrd. USD adressieren sollen. Das Management liegt eigenen Angaben zufolge sogar vor dem Zeitplan, denn einige Studienergebnisse kamen ein Jahr früher als erwartet.

    Besonders spannend ist das TROP2-ADC sac-TMT aus der Kelun Biotech-Kooperation. In der Phase-3 Studie OptiTROP-Lung05 zeigte die Kombination mit Keytruda bei Lungenkrebs klinisch relevante Vorteile. Das Management ist überzeugt, dass sich die EVOKE-03-Studie eines Mitbewerbers nicht auf dieses Molekül übertragen lässt. Hinzu kommen drei weitere ADCs aus der Daiichi-Partnerschaft, darunter I-DXd mit PDUFA-Termin im Oktober für kleinzelligen Lungenkrebs, eine Indikation mit nur 4 % Fünf-Jahres-Überlebensrate. Dazu kommen die HIV-Kombination aus Islatravir und Lenacapavir, die in zwei Phase-3 Studien erfolgreich getestet wurde und als wöchentliche Pille gut umsetzbar im Alltag ist.

    Die aktuelle Bewertung lässt Spielraum nach oben. Zwar drückt die Cidara-Übernahme kurzfristig den Gewinn. Der bereinigte Verlust im 1. Quartal 2026 von 1,28 USD je Aktie ist eine Sonderbelastung. Doch Goldman Sachs, UBS und Bank of America haben ihre Kursziele zuletzt auf 120 bis 130 USD angehoben. Die Analystenmeinungen sind überwiegend positiv. 47 % haben sogar ein „Strong Buy“ vergeben. Wer die Pipeline-Value versteht, sieht ein Unternehmen, das den schwierigen Übergang aktiv gestaltet. Die Umsatzprognose liegt bei knapp 67 Mrd. USD für 2026 und man arbeitet an einer langfristigen Wachstumsstory jenseits von Keytruda. Die Dividende liegt derzeit bei 0,85 USD je Aktie. Momentan kostet eine Aktie 119,09 USD.


    Evotec kämpft mit Restrukturierungskosten und Nachfrageschwäche, doch das Horizon-Programm könnte den Wandel bringen. BioNxt Solutions adressiert mit seinen sublingualen Wirkstofffilmen patentgeschützt den Milliardenmarkt für Semaglutid und hat damit kalkulierbare Risiken. Merck gestaltet den schwierigen Post-Keytruda-Übergang aktiv, dank starker ADC-Pipeline und Übernahmen liegen die Analystenkursziele bei bis zu 130 USD. Während Evotec und BioNxt auf einem guten Weg sind, bietet Merck bereits heute Stabilität mit Potenzial.


    Interessenskonflikt

    Gemäß §85 WpHG weisen wir darauf hin, dass die Apaton Finance GmbH sowie Partner, Autoren oder Mitarbeiter der Apaton Finance GmbH (nachfolgend „Relevante Personen“) derzeit Aktien oder andere Finanzinstrumente der genannten Unternehmen hält bzw. halten und auf deren Kursentwicklungen spekulieren. Sie beabsichtigen insofern Aktien oder andere Finanzinstrumente der Unternehmen zu veräußern bzw. zu erwerben (nachfolgend jeweils als „Transaktion“ bezeichnet). Transaktionen können dabei den jeweiligen Kurs der Aktien oder der sonstigen Finanzinstrumente des Unternehmens beeinflussen.
    Es besteht insofern ein konkreter Interessenkonflikt bei der Berichterstattung zu den Unternehmen.

    Die Apaton Finance GmbH ist daneben im Rahmen der Erstellung und Veröffentlichung der Berichterstattung in entgeltlichen Auftragsbeziehungen tätig.
    Es besteht auch aus diesem Grund ein konkreter Interessenkonflikt.
    Die vorstehenden Hinweise zu vorliegenden Interessenkonflikten gelten für alle Arten und Formen der Veröffentlichung, die die Apaton Finance GmbH für Veröffentlichungen zu Unternehmen nutzt.

    Risikohinweis

    Die Apaton Finance GmbH bietet Redakteuren, Agenturen und Unternehmen die Möglichkeit, Kommentare, Interviews, Zusammenfassungen, Nachrichten u. ä. auf www.kapitalerhoehungen.de zu veröffentlichen. Diese Inhalte dienen ausschließlich der Information der Leser und stellen keine Handlungsaufforderung oder Empfehlungen dar, weder explizit noch implizit sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die Inhalte ersetzen keine individuelle fachkundige Anlageberatung und stellen weder ein Verkaufsangebot für die behandelte(n) Aktie(n) oder sonstigen Finanzinstrumente noch eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von solchen dar.

    Bei den Inhalten handelt es sich ausdrücklich nicht um eine Finanzanalyse, sondern um journalistische oder werbliche Texte. Leser oder Nutzer, die aufgrund der hier angebotenen Informationen Anlageentscheidungen treffen bzw. Transaktionen durchführen, handeln vollständig auf eigene Gefahr. Es kommt keine vertragliche Beziehung zwischen der der Apaton Finance GmbH und ihren Lesern oder den Nutzern ihrer Angebote zustande, da unsere Informationen sich nur auf das Unternehmen beziehen, nicht aber auf die Anlageentscheidung des Lesers oder Nutzers.

    Der Erwerb von Finanzinstrumenten birgt hohe Risiken, die bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen können. Die von der Apaton Finance GmbH und ihre Autoren veröffentlichten Informationen beruhen auf sorgfältiger Recherche, dennoch wird keinerlei Haftung für Vermögensschäden oder eine inhaltliche Garantie für Aktualität, Richtigkeit, Angemessenheit und Vollständigkeit der hier angebotenen Inhalte übernommen. Bitte beachten Sie auch unsere Nutzungsbedingungen.


    Der Autor

    Armin Schulz

    Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.

    Mehr zum Autor



    Weitere Kommentare zum Thema:

    Kommentar von Nico Popp vom 07.07.2026 | 05:00

    Dem Krebs den Stecker ziehen: Agios Pharmaceuticals, Revolution Medicines und Vidac Pharma

    • Warburg-Effekt
    • Krebs
    • Biotech
    • Innovation

    Ohne Gesundheit ist alles nichts. In den vergangenen Jahren haben Unternehmen aus den Bereichen Pharma und Biotech bereits große Erfolge erzielt, wenn es darum geht, die Leiden chronisch Kranker oder auch von Krebspatienten zu lindern. Fortschritt gibt es zunehmend dank innovativer Plattform-Ansätze, die es möglich machen, verschiedene Technologien miteinander zu kombinieren. Ein Beispiel sind thermodynamische und metabolische Plattformen. Wir beleuchten die neuesten Trends und erklären, wie auch Investoren von Innovationen der Biotechnologie profitieren können.

    Zum Kommentar

    Kommentar von Armin Schulz vom 24.06.2026 | 05:30

    Krebs bleibt die heißeste Wette im Pharmamarkt: Bayer, Vidac Pharma und Pfizer kämpfen um die nächste Therapiegeneration

    • Bayer
    • Vidac Pharma
    • Pfizer
    • Glyphosat
    • Klagen
    • Pharma
    • Warburg-Effekt
    • Krebstherapie
    • Krebsforschung
    • Biotech

    Der Onkologie-Markt ist der heißeste Bereich der Pharmaindustrie. Während globale Schwergewichte ihre milliardenschweren Pipelines in Stellung bringen, setzt ein kleines Biotech auf einen wissenschaftlichen Ansatz, der direkt an den Stoffwechsel der Tumorzelle ansetzt. Für Anleger stellt sich die Frage: Geht der Sieg über den Krebs künftig über massive Breitenwirkung, über zielgerichtete Toxin-Konjugate oder über die gezielte Attacke auf den zellulären Stoffwechsel? Die unterschiedlichen Antworten von Bayer, Vidac Pharma und Pfizer versprechen nicht nur medizinische, sondern auch finanzielle Weichenstellungen für das kommende Jahrzehnt.

    Zum Kommentar

    Kommentar von Tarik Dede vom 24.06.2026 | 04:51

    Innovation in der Forschung: Chancen bei Vertex Pharmaceuticals, BioNxt Solutions und BioNTech!

    • Pharma
    • Gesundheit
    • Vertex Pharmaceuticals
    • BioNTech
    • BioNxt Solutions
    • Krebs
    • Wirkstofffilm
    • Brustkrebs

    In Sozialen Medien findet man allerlei negative Kommentare und Memes zum Pfizer Konzern. Eine sehr populäre Behauptung lautet, dass der von deutschen Einwanderern in New York gegründete Konzern (Karl Pfizer und Karl Erhart) in seiner 177-jährigen Geschichte noch nie eine Krankheit geheilt hat. Das ist zumindest zum Teil richtig, denn Pfizer sorgt insbesondere bei chronischen Volkskrankheiten wie Bluthochdruck oder erhöhtem Cholesterin dafür, dass Symptome, aber nicht die Ursache therapiert werden. Es stimmt aber auch, dass Pfizer im Zweiten Weltkrieg der weltweit erste und größte Massenproduzent von Penicillin war. Diesen Vorwurf erheben Kritiker gegenüber vielen Pharmakonzernen. Dennoch gibt es zahlreiche Unternehmen, die mit innovativen Ansätzen daran arbeiten, Krankheiten wirklich besiegen und das Leben der Menschen verbessern wollen. Und ganz nebenbei soll natürlich auch eine Menge Geld verdient werden. Wir blicken deshalb heute auf die Aktien von Vertex Pharmaceuticals, BioNxt Solutions und BioNTech.

    Zum Kommentar