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12.06.2026 | 05:30

Biotech- und Life-Science-Boom: Evotec, BioNxt Solutions und Merck – wo lohnt sich ein Investment?

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Die Life-Science- und Pharma-Branche erlebt einen strukturellen Wandel. Nicht mehr einzelne Blockbuster-Wirkstoffe, sondern Plattformtechnologien, Patentportfolios und strategische Deals treiben die Wertschöpfung. Diese neue Kapitalmarktlogik belohnt Unternehmen mit schützbarem geistigen Eigentum und klugen Lizenzvereinbarungen – nicht nur reine Pipeline-Entwickler. Für Privatanleger ergeben sich renditestarke Nischen bei reduzierten Zulassungsrisiken. Die entscheidende Frage lautet: Wer kontrolliert die Hebel im Innovationsökosystem? Wer diese Struktur früh erkennt, kann überproportional profitieren. Im Fokus stehen heute Evotec, BioNxt Solutions und Merck.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Armin Schulz
ISIN: EVOTEC SE INH O.N. | DE0005664809 , Bionxt Solutions Inc. | CA0909741062 | CSE:BNXT , OTCQB: BNXTF , MERCK CO. DL-_01 | US58933Y1055

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Inhaltsverzeichnis:


    Evotec - zwischen Transformationsdruck und Pipeline-Hoffnung

    Das 1. Quartal fiel beim Hamburger Wirkstoffforscher erwartungsgemäß schwach aus. Mit 156,6 Mio. EUR Umsatz lag man rund 22 % unter dem Vorjahreswert, das bereinigte EBITDA rutschte auf minus 21,9 Mio. EUR. Im Vorjahresquartal hatte noch ein einmaliger Lizenzverkauf die Zahlen verbessert. Dazu kamen Währungseffekte und eine verhaltene Nachfrage im frühen Forschungsmarkt. Das Management hält dennoch an der Jahresprognose fest. Die zweite Jahreshälfte soll deutlich stärker ausfallen, getragen von Markterholung und internen Effizienzgewinnen.

    Mit dem „Horizon“-Programm stemmt Evotec eine grundlegende Neuausrichtung. 75 Mio. EUR wurden an Restrukturierungsaufwendungen bereits im 1. Quartal gebildet für Abfindungen und Wertminderungen. Die Zahl der Standorte soll weiter von 14 auf 10 schrumpfen, bis zu 800 Stellen fallen weg. Bis Ende 2027 peilt das Unternehmen jährliche Kosteneinsparungen von rund 75 Mio. EUR an. Parallel prüfen Morgan Stanley und Moelis die Konzernstruktur, von Portfolio über Kapital bis zur Eigentümerfrage. Aktivisten wie MAK Capital drängen auf eine Abspaltung der Biologics-Tochter.

    Die Führungsetage wurde neu besetzt. Claire Hinshelwood übernahm im Mai von Paul Hitchin das Finanzressort, Ingrid Müller den operativen Bereich. Beide sollen die Horizon-Umsetzung vorantreiben. Operativ gibt es Lichtblicke. Mit Almirall wurde ein präklinischer Kandidat in der Dermatologie nach nur zwei Jahren erreicht, deutlich schneller als branchenüblich. Die Gates Foundation stockte ihre Tuberkulose-Förderung auf. Zudem fließt im 2. Quartal Geld aus dem Tubulis-Exit. Hier winken rund 100 Mio. USD von Gilead. Ob der Wandel gelingt, zeigt die zweite Jahreshälfte. Derzeit ist die Aktie für 4,658 EUR zu haben.

    BioNxt Solutions - Patente und ein Griff nach dem Milliardenmarkt

    Wer sich fragt, wie man etablierte Wirkstoffe neu verpacken kann, findet bei BioNxt Solutions einen interessanten Kandidaten. Das kanadische Unternehmen hat seine Forschung und GMP-Produktion in Deutschland angesiedelt. Genauer gesagt in Uttenweiler, wo 2019 die Vektor Pharma TF GmbH übernommen wurde. Die Kernkompetenz sind sublinguale Wirkstofffilme, die unter der Zunge zergehen und so den Magen-Darm-Trakt umgehen. Das Unternehmen hat sich patentrechtlich abgesichert. Ein europäisches Unitary Patent (EP4539857) deckt 18 Länder ab, dazu kommt ein eurasisches Patent für 8 Staaten. Ein US-Fast-Track-Verfahren läuft. Statt auf komplett neue Moleküle zu setzen, reformuliert BioNxt bereits zugelassene Wirkstoffe. Das ist ein pragmatischer Weg mit kalkulierbaren Risiken.

    Das Semaglutid-Programm geht in die aktive Entwicklungsphase. Zusammen mit dem deutschen Partner Gen-Plus arbeitet BioNxt an einem GLP-1-Wirkstoff-Film, also jener Substanzklasse, die hinter Ozempic und Wegovy steckt. Der Markt für diese Peptid-Therapien wird bis 2034 auf über 250 Mrd. USD geschätzt. Das Unternehmen will eine nadelfreie, patientenfreundliche Alternative zu Spritzen bieten. Die erste Phase umfasst 6 - 9 Monate Formulierungsarbeit und Proof-of-Concept-Studien. Parallel laufen die Vorbereitungen für die humane Bioäquivalenzstudie mit Cladribin (BNT23001) bei Multipler Sklerose. Das ist der wichtigste Meilenstein im Flaggschiff-Programm.

    BioNxt blickt über bekannte Indikationen hinaus. Das Unternehmen evaluiert den Einsatz seiner Dünnfilm-Technologie für psychedelische Wirkstoffe. Hintergrund ist der wachsende regulatorische Rückenwind in den USA und Europa. Eine eigene Bibliothek neuartiger Moleküle existiert bereits, eine Patentanmeldung wurde eingereicht. Die Idee ist eine präzise Dosierung und kontrollierte Wirkung, beides zentral für psychische Erkrankungen wie PTBS oder Depressionen. Kommerziell setzt das Unternehmen auf Partnerschaften, nicht auf eigene teure Vertriebswege. Eine erste nicht-bindende Absichtserklärung für eine Lizenzierung im eurasischen Raum liegt vor. Das reduziert den Finanzierungsbedarf, aber ein Großteil der Wertschöpfung geht an Partner. Aktuell notiert die Aktie bei 0,39 CAD.

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    Merck - mehr als nur Keytruda

    Der Pharmariese aus New Jersey steckt mitten im schwierigsten Kapitel seiner jüngeren Geschichte: Das Megablockbuster-Patent für Keytruda läuft 2028 aus. Doch wer nur auf diesen Risikofaktor schaut, übersieht die grundlegende Neuaufstellung. Merck hat in den vergangenen 18 Monaten mit Übernahmen wie Cidara für 9,2 Mrd. USD und Terns für 6,7 Mrd. USD sowie der Daiichi Sankyo-Partnerschaft die Weichen für die Zeit nach dem Patentverlust gestellt. Die Pipeline umfasst über 20 fortgeschrittene Wirkstoffkandidaten, die zusammen mehr als 70 Mrd. USD adressieren sollen. Das Management liegt eigenen Angaben zufolge sogar vor dem Zeitplan, denn einige Studienergebnisse kamen ein Jahr früher als erwartet.

    Besonders spannend ist das TROP2-ADC sac-TMT aus der Kelun Biotech-Kooperation. In der Phase-3 Studie OptiTROP-Lung05 zeigte die Kombination mit Keytruda bei Lungenkrebs klinisch relevante Vorteile. Das Management ist überzeugt, dass sich die EVOKE-03-Studie eines Mitbewerbers nicht auf dieses Molekül übertragen lässt. Hinzu kommen drei weitere ADCs aus der Daiichi-Partnerschaft, darunter I-DXd mit PDUFA-Termin im Oktober für kleinzelligen Lungenkrebs, eine Indikation mit nur 4 % Fünf-Jahres-Überlebensrate. Dazu kommen die HIV-Kombination aus Islatravir und Lenacapavir, die in zwei Phase-3 Studien erfolgreich getestet wurde und als wöchentliche Pille gut umsetzbar im Alltag ist.

    Die aktuelle Bewertung lässt Spielraum nach oben. Zwar drückt die Cidara-Übernahme kurzfristig den Gewinn. Der bereinigte Verlust im 1. Quartal 2026 von 1,28 USD je Aktie ist eine Sonderbelastung. Doch Goldman Sachs, UBS und Bank of America haben ihre Kursziele zuletzt auf 120 bis 130 USD angehoben. Die Analystenmeinungen sind überwiegend positiv. 47 % haben sogar ein „Strong Buy“ vergeben. Wer die Pipeline-Value versteht, sieht ein Unternehmen, das den schwierigen Übergang aktiv gestaltet. Die Umsatzprognose liegt bei knapp 67 Mrd. USD für 2026 und man arbeitet an einer langfristigen Wachstumsstory jenseits von Keytruda. Die Dividende liegt derzeit bei 0,85 USD je Aktie. Momentan kostet eine Aktie 119,09 USD.


    Evotec kämpft mit Restrukturierungskosten und Nachfrageschwäche, doch das Horizon-Programm könnte den Wandel bringen. BioNxt Solutions adressiert mit seinen sublingualen Wirkstofffilmen patentgeschützt den Milliardenmarkt für Semaglutid und hat damit kalkulierbare Risiken. Merck gestaltet den schwierigen Post-Keytruda-Übergang aktiv, dank starker ADC-Pipeline und Übernahmen liegen die Analystenkursziele bei bis zu 130 USD. Während Evotec und BioNxt auf einem guten Weg sind, bietet Merck bereits heute Stabilität mit Potenzial.


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    Der Autor

    Armin Schulz

    Armin Schulz

    Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.

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