21.07.2026 | 04:15
Übernahmen im Finanzsektor – 100 % bei PayPal ist der Anfang, was machen Allianz, Commerzbank, RE Royalties und Müchener Rück?
Steigende Zinsen und überbordende Staats-Kreditaufnahme. Der Finanz-Sektor steht wieder im Fokus. Einem öffentlichen Interesse folgend, muss der Sektor seit einiger Zeit sicherstellen, dass ESG-Kreditvergabe-Richtlinien eingehalten werden. Denn einen Banken-Skandal wie zuletzt mit der Credit Suisse in der Schweiz möchte man in der EU nicht erleben, schon gar nicht in den USA. Somit richtet sich der globale Finanzsektor immer mehr an Nachhaltigkeitskriterien aus. Führt dazu, dass innovative ESG-Finanzierungen mittlerweile rund 30 % der strategischen Kernallokation bei führenden Branchenakteuren ausmachen. Der Versicherungskonzern Allianz nimmt hierbei eine Vorreiterrolle ein, indem er über seine Fondstochter AllianzGI gezielt Blended-Finance-Strukturen nutzt, um über einen milliardenschweren Klimafonds privates Kapital für grüne Projekte in Schwellenländer zu lenken. Auch der weltgrößte Rückversicherer Munich Re setzt auf ein striktes, eigenständiges Green-Bond-Framework zugunsten einer mehr kohlenstoffarmen Wirtschaft. Einen anderen, stark sozial geprägten ESG-Schwerpunkt setzt der Zahlungsdienstleister PayPal, der den Fokus auf die soziale Säule sowie die weltweite finanzielle Inklusion legt. Hier könnte es demnächst zu einer Übernahme kommen, die man auch bei dem sehr günstigen Green-Finance-Spezialisten RE Royalties schon längst erwartet. Wir gehen noch tiefer!
Lesezeit: ca. 4 Min.
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Autor:
André Will-Laudien
ISIN:
RE ROYALTIES LTD | CA75527Q1081 | TSXV: RE , OTCQX: RROYF , ALLIANZ SE NA O.N. | DE0008404005 , MUENCH.RUECKVERS.VNA O.N. | DE0008430026 , COMMERZBANK AG | DE000CBK1001 , PAYPAL HDGS INC.DL-_0001 | US70450Y1038
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Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
André Will-Laudien
Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.
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Allianz und Münchener Rück – Zwei starke Adressen aus Bayern
Nicht nur die ESG-Programme begeistern die Aktionäre von Allianz und Munich Re – dem international eher bekannteren Titel der Münchener Rück, sondern auch das normale Versicherungs- und Anlagegeschäft. Beide Konzerne konnten in 2026 ihre Erwartungen in den Kerngeschäftsbereichen knapp erfüllen, Allianz sogar selektiv übertreffen. Rein kurstechnisch übertraf die Allianz mit 425 EUR im Juli sogar das sehr alte Hoch aus dem Jahr 2000. Zwischenzeitlich war das Papier wegen der Finanzkrise in 2008 sogar unter die Marke von 50 EUR gefallen, seither gab es einen Anstieg um 800 %. Der Aktienkurs der Munich Re verzeichnete in den vergangenen 12 Monaten eine spürbare Konsolidierung und verlor seit Jahresbeginn rund 8 % an Wert, nachdem die Aktie bereits zuvor nahe ihrem Allzeithoch notiert hatte. Ein wesentlicher Belastungsfaktor war der zunehmende Preisdruck auf dem globalen Rückversicherungsmarkt, da die Preise bei den jüngsten Erneuerungsrunden im Frühjahr und Sommer spürbar nachgaben. Zudem drückten erhebliche negative Währungseffekte durch den zeitweise schwächeren US-Dollar auf die in Euro ausgewiesenen Versicherungseinnahmen. Trotz einer insgesamt soliden Ertragslage belasteten zudem Milliardenkosten durch schwere Naturkatastrophen, wie die verheerenden Waldbrände in Los Angeles zu Beginn des Jahres 2026. Aktuell brennt es sehr heftig in Kanada, was weitere Befürchtungen unter den Investoren auslöst. Beide Konzerne kaufen derzeit Aktien in der Größenordnung von mehr als 2 Mrd. EUR zurück, damit dürften die Kursziele auf der Plattform LSEG Refinitiv i.H.v. 418 bzw. 557 EUR nicht so abwegig sein. Während die Münchener Rück noch 7 % Kursspielraum hat, lief die Allianz schon deutlich höher. Beide Titel eignen sich wegen ihrer niedrigen Volatilität zur langfristigen Depotstabilisierung.
RE Royalties – Wird der Energiewende-Finanzierer zum Übernahmeziel?
Von groß zu klein! Die Energiewende wird zu einem der größten Kapitalprojekte der kommenden Jahrzehnte. Für die Klimaneutralität bis 2050 müssen allein in Europa jährlich dreistellige Milliardenbeträge mobilisiert werden. Der entscheidende Engpass ist dabei zunehmend nicht die Technologie, sondern die Finanzierung. Hier setzt RE Royalties an: Das kanadische Unternehmen finanziert Entwickler erneuerbarer Energieprojekte und könnte aber dabei durch den laufenden strategischen Prüfprozess selbst zum Übernahmeziel werden. Denn RE Royalties hat ein Erfolgsmodell aus dem Rohstoffsektor auf die Energiewende übertragen. Statt eigene Wind- oder Solarparks zu betreiben, stellt das Unternehmen Kapital bereit und erhält im Gegenzug langfristige, umsatzabhängige Vergütungen. Das Modell verbindet wiederkehrende Cashflows mit dem Wachstum von Solarenergie, Windkraft, Batteriespeichern, Wasserkraft und Biogas. Das Portfolio umfasst inzwischen mehr als 130 Projekte in mehreren Regionen, darunter Nordamerika, Mexiko, Chile, Südasien und Puerto Rico.
Seit der Gründung im Jahr 2016 wurden nach Unternehmensangaben über 80 Mio. CAD investiert. Die bislang erzielte interne Rendite liegt bei mehr als 19 %, während rund 41 % der Umsätze aus bestehenden Kundenbeziehungen stammen. Besonders attraktiv ist die Nischenposition: RE Royalties finanziert häufig Projekte im Bereich von 10 bis 20 Mio. CAD, ein Segment, das für große Banken oder Private-Equity-Investoren oft zu klein ist, aber für einen Spezialisten hohe Renditen ermöglicht. Für Phantasie sorgt die strategische Überprüfung gemeinsam mit dem Wirtschaftsprüfer PwC. Dabei werden verschiedene Optionen geprüft – von strategischen Partnerschaften über Co-Investments bis hin zu einem möglichen Unternehmensverkauf. Ein ähnliches Muster zeigte sich beispielsweise bei der Übernahme der Renewable Energy Group durch Chevron Corporation im Jahr 2022, als ein Spezialist für nachhaltige Energie durch einen globalen Energiekonzern zur Beschleunigung der eigenen Transformationsstrategie übernommen wurde.
Auch die Bewertung eröffnet Spielraum: RE Royalties schüttete zuletzt 0,04 CAD je Aktie aus, was einer Dividendenrendite von über 10 % entspricht. Gleichzeitig wächst die Projektpipeline weiter: Rund 20 Mio. CAD an kurzfristig realisierbaren Investments stehen bereit, zusätzlich werden weitere Chancen mit einem Volumen von etwa 200 Mio. CAD geprüft. Die Kombination aus zweistelliger Ausschüttungsrendite, einer Bewertung von nur 17 Mio. CAD und einer zu erwartenden, deutlichen Transaktionsprämie macht die Aktie zu einem spannenden Nischenwert im globalen Energiewende-Markt. Anleger sollten daher in allen möglichen Szenarien denken!
COO Peter Leighton erläuterte auf dem 19. International Investment Forum seine Strategie für das laufende Jahr. Hier geht´s zum Video.
PayPal – 53 Mrd. USD sind noch nicht genug
Schließlich kommen wir zur ehemaligen Ebay-Tochter PayPal. Nach einigem Gerangel liegt nun ein aufgebessertes Übernahmeangebot des Konkurrenten Stripe und dem Finanzinvestor Advent vor. Es beträgt 53 Mrd. USD oder ganze 60,50 USD je Aktie. „Zu wenig!“ ruft CEO Enrique Lores, denn er möchte sein gerade gestartetes Restrukturierungsprogramm erst beenden und sieht danach einen wesentlich höheren Börsenwert. Um die gigantische Transaktion finanziell abzusichern, haben die beiden US-Großbanken J.P. Morgan und Morgan Stanley bereits ein umfassendes Kreditpaket in Höhe von 50 Mrd. USD zugesagt. Neben finanziellen Differenzen dürfte ein möglicher Zusammenschluss der beiden Branchenriesen Stripe und PayPal aber aufgrund der enormen Marktmacht weltweit auf massive kartellrechtliche Hürden stoßen. Branchenanalysten teilen die Auffassung des CEOs und verweisen auf den starken freien Cashflow von PayPal, weshalb das Angebot am Markt als unzureichend angesehen wird. Aktuell bezahlt die Börse knapp 57 USD – ein kleiner Abschlag zum öffentlichen Angebot. Höchst spannend!

Das Übernahme-Karussell kommt wieder in Gang. Nun steht die allseits bekannte PayPal im Fokus, auch Commerzbank wird sich wohl bald bei der Unicredit wiederfinden. Was man im Finanzsektor nicht mehr sehen möchte, sind Verwerfungen alla Credit Suisse, die ihren Bilanzsanierer in der UBS gefunden hat. Allianz und Münchener Rück machen „business as usual“ und bei RE Royalties könnte die verdächtige Stille auf viel Aktion im Hintergrund hinweisen.
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