23.07.2026 | 05:00
Patentklippe kann Milliarden kosten: Wie Bayer und Merck & Co. gegensteuern und wie komplementäre Therapien wie die von Vidac Pharma durchstarten
In modernen Onkologie-Zentren ist schon lange klar, dass der Kampf gegen den Krebs nicht von dem einen Wirkstoff gewonnen wird. Immer mehr wird deutlich, dass es um das Zusammenspiel mehrerer Faktoren gehen muss, um Patienten nachhaltig zu heilen. Jahrelang verließen sich Mediziner auf die Chemiekeule in Form klassischer Chemotherapien. Doch Tumore zeigten sich immer wieder robust und verlangen komplexere Therapien. Da bei vielen Wirkstoffen ohnehin die Patente auslaufen, gewinnen neue, ergänzende Therapieformen an Bedeutung. Eine dieser Therapien setzt am gestörten Energiestoffwechsel der Krebszellen an und verspricht Fortschritt. Wir beleuchten den Markt und stellen ein spannendes Biotech vor, das nur wenige Experten kennen.
Lesezeit: ca. 3 Min.
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Autor:
Nico Popp
ISIN:
BAYER AG NA O.N. | DE000BAY0017 , MERCK CO. DL-_01 | US58933Y1055 , VIDAC PHARMA HOLDING PLC | GB00BM9XQ619
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Der Autor
Nico Popp
In Süddeutschland zuhause, begleitet der leidenschaftliche Börsianer die Kapitalmärkte seit rund zwanzig Jahren. Mit einem Faible für kleinere Unternehmen ausgestattet, ist er ständig auf der Suche nach spannenden Investmentstorys
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Bayer kämpft an gleich mehreren Fronten
Der Leverkusener Konzern Bayer stellt sich unter der Führung von Bill Anderson dem schwierigen Umfeld. Im Geschäftsjahr 2025 erwirtschaftete das Unternehmen einen Konzernumsatz von 45,575 Mrd. EUR, was währungs- und portfoliobereinigt ein leichtes Plus von 1,1 % bedeutet. Allerdings drückten Rechtskosten im US-Glyphosat-Streit in Höhe von 6,185 Mrd. EUR das operative Ergebnis tief ins Minus, sodass am Ende ein Konzernfehlbetrag von 3,620 Mrd. EUR in den Büchern stand. Für das Gesamtjahr 2026 stellt das Management Einnahmen zwischen 45,0 und 47,0 Mrd. EUR sowie ein bereinigtes EBITDA von 9,6 bis 10,1 Mrd. EUR in Aussicht. Hoffnungsschimmer kommen aus der Pharmasparte, wo das Krebsmedikament Nubeqa im vergangenen Jahr 2025 ein imposantes Erlösplus von 62,4 % brachte. Weiterhin überzeugte die neuartige Alpha-Therapie BAY 3563254 in einer Phase-I-Studie bei fortgeschrittenem Prostatakrebs über alle Dosierungen mit einer Krankheitskontrollrate von 83 %.
Merck & Co. baut Schutzwall gegen die Patentklippe
Beim US-Pharmariesen Merck & Co. bestimmt das auslaufende Patent für den immunonkologischen Kassenschlager Keytruda die strategische Planung. Das Medikament spülte im Jahr 2024 allein 29,5 Mrd. USD in die Kassen und machte damit rund 46 % der gesamten Pharma-Erlöse des Konzerns aus. Da der Patentschutz in den USA Ende 2028 ausläuft, droht ab 2029 durch nachrückende Biosimilars ein Umsatzeinbruch - Schätzungen nennen einen möglichen Rückgang um 19 %. Um gegenzusteuern, setzt das Management auf die subkutane Variante Keytruda Qlex, die im ersten Quartal 2026 bereits 128 Mio. USD einbrachte und die Verabreichungszeit von 30 Minuten auf lediglich 1 bis 2 Minuten verkürzt. Parallel dazu entwickelte sich das Lungenhochdruck-Präparat Winrevair zum Wachstumsmotor und steigerte seinen Quartalsumsatz ebenfalls im ersten Quartal um satte 88 % auf 525 Mio. USD. Auch bei Merck gibt es Erfreuliches aus der Forschung: Das neuartige Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Sac-TMT senkte in Kombination mit Pembrolizumab das Risiko eines Krankheitsfortschritts bei Lungenkrebs in einer Phase-III-Studie um beeindruckende 65 % gegenüber der bisherigen Monotherapie. Das zeigt: Sich ergänzende Therapien machen Sinn und begünstigen die Heilung von Krebs.
Vidac Pharma knackt den Energie-Code der Tumore
Eine dieser vielversprechenden Komplementär-Therapien treibt Vidac Pharma voran. Das Unternehmen besetzt die Nische der metabolischen Onkologie. Die Technologie des Unternehmens basiert auf der Umkehrung des sogenannten Warburg-Effekts. Krebszellen decken ihren Energiebedarf bevorzugt über eine beschleunigte Vergärung von Glukose und binden dafür das Enzym Hexokinase 2 fehlerhaft an die Mitochondrien. Diese Bindung kappt das natürliche Zelltod-Signal und lässt den Tumor ungehindert wachsen. Vidac Pharma setzt hier mit neuartigen Wirkstoffen an, welche das Enzym selektiv vom Mitochondrium lösen und so den programmierten Zelltod der Krebszelle wieder reaktivieren. Zudem setzt Vidac auf für Patienten angenehme Darreichungsformen: Der Wirkstoff VDA-1102 wird als Salbe verabreicht und erzielte in einer Phase-2b-Studie bei Patienten mit aktinischer Keratose eine vollständige Abheilungsrate der Hautveränderungen von 40 % sowie eine Reduzierung der Gesamtläsionen um 80 %.

Bei der Behandlung des kutanen T-Zell-Lymphoms dokumentierten Mediziner im Rahmen einer Phase-2a-Zwischenanalyse eine objektive Ansprechrate von 56 % und eine Vollremission bei 22 % der Probanden innerhalb von 8 bis 12 Wochen. Der Wirkstoff-Kandidat VDA-1275 zeigte in Laborversuchen mit menschlichem Leberzellkarzinom eine synergistische Zellhemmung von 74,4 % in Kombination mit dem Wirkstoff Cisplatin, während die Einzelmedikation mit dem Chemotherapeutikum lediglich 3,5 % Inhibition mit sich brachte. Der Ansatz am Zellstoffwechsel, wie ihn Vidac verfolgt, macht bestehende Therapien also besser.
Vidac Pharma: Ansätze auch bei Schuppenflechte
Auch über die Onkologie hinaus sieht Vidac Pharma Einsatzmöglichkeiten seiner Plattform und weitet diese aus. Im Februar dieses Jahres startete der Biotech-Pionier ein präklinisches Programm bei der chronischen Hautkrankheit Psoriasis (Schuppenflechte), da auch dort fehlgesteuerte Hautzellen einen aus dem Ruder gelaufenen Zuckerstoffwechsel zeigen. Vidac Pharma bietet mit seinem Geschäftsmodell ein spannendes Profil an der Schnittstelle von Stoffwechselforschung und Krebsbekämpfung. Zu den wesentlichen Kurstreibern dürften das rasche Fortschreiten der klinischen Phase-2-Studien bei Hautkrebs sowie potenzielle Partnerschaften mit großen Pharmakonzernen zählen. Die Analysten von Sphene Capital nannten im November 2025 ein Kursziel für die Aktie von Vidac Pharma bei 4,10 EUR.
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