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07.07.2026 | 05:00

Dem Krebs den Stecker ziehen: Agios Pharmaceuticals, Revolution Medicines und Vidac Pharma

  • Warburg-Effekt
  • Krebs
  • Biotech
  • Innovation
Bildquelle: KI

Ohne Gesundheit ist alles nichts. In den vergangenen Jahren haben Unternehmen aus den Bereichen Pharma und Biotech bereits große Erfolge erzielt, wenn es darum geht, die Leiden chronisch Kranker oder auch von Krebspatienten zu lindern. Fortschritt gibt es zunehmend dank innovativer Plattform-Ansätze, die es möglich machen, verschiedene Technologien miteinander zu kombinieren. Ein Beispiel sind thermodynamische und metabolische Plattformen. Wir beleuchten die neuesten Trends und erklären, wie auch Investoren von Innovationen der Biotechnologie profitieren können.

Lesezeit: ca. 3 Min. | Autor: Nico Popp
ISIN: VIDAC PHARMA HOLDING PLC | GB00BM9XQ619 , AGIOS PHARMACEUT. DL-_001 | US00847X1046 , REVOLUTION MED. DL-_0001 | US76155X1000

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Inhaltsverzeichnis:


    Agios Pharmaceuticals setzt konsequent auf Hämatologie – Risiken bleiben

    Agios Pharmaceuticals vollzog 2021 einen radikalen Strategiewechsel und veräußerte sein gesamtes Onkologie-Portfolio für 1,8 Mrd. USD an Servier. Agios fokussiert sich seitdem auf seltene Erkrankungen mit einem Schwerpunkt auf Hämatologie. Nach der US-Zulassung von Vorasidenib im August 2024 flossen Agios erhebliche Meilenstein-Zahlungen zu. Dank eines Monetarisierungsabkommens mit Royalty Pharma verfügt das Unternehmen inzwischen über eine solide Cashposition. Der Marktstart des Pyruvatkinase-Aktivators Mitapivat unter dem Handelsnamen Aqvesme zur Behandlung seltener Bluterkrankungen ist geglückt: Im ersten Quartal 2026 kletterte der weltweite Nettoproduktumsatz um 138 % im Vergleich zum Vorjahresquartal auf 20,7 Mio. USD. Trotz dieses kommerziellen Erfolgs verläuft das Geschäft nicht ohne Rückschläge. Ende Mai gab das Unternehmen bekannt, die Entwicklung des dualen Aktivators Tebapivat gegen Erkrankungen des Knochenmarks für bestimmte Anwendungsfälle einzustellen. Grund sind verfehlte Ziele in der klinischen Phase-2b-Studie. Um die Pipeline zu diversifizieren, entwickelt das Management jetzt das siRNA-Therapeutikum AG-236 weiter.

    Revolution Medicines: Der Star gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs

    Bauchspeicheldrüsenkrebs ist noch immer oft ein Todesurteil. Doch Revolution Medicines macht Patienten große Hoffnung: Ende Mai präsentierte das Unternehmen die Daten der Phase-3-Zulassungsstudie RASolute 302. Der Wirkstoff Daraxonrasib verdoppelte das mediane Gesamtüberleben gegenüber einer Standard-Chemotherapie von 6,7 Monaten auf 13,2 Monate. Dieses Ergebnis löste bei Fachleuten und an den Kapitalmärkten Euphorie aus. Nach Bekanntgabe der Daten platzierte das Unternehmen Aktien und vorrangige Wandelschuldverschreibungen, die rund 2,1 Mrd. USD einspielten. Damit verfügt das Unternehmen über Reserven, die den operativen Betrieb bis 2029 finanzieren. Angesichts einer aufgrund von fünf parallel verlaufenden Phase-3-Studien hohen Cash-Burn-Rate, gibt diese Kapitalausstattung dem Markt Sicherheit.

    Vidac Pharma: Umkehrung des Warburg-Effekts möglich? Klinische Meilensteine voraus

    Vidac Pharma unter der Leitung von CEO Prof. Max Herzberg setzt auf die pharmakologische Umkehrung des Warburg-Effekts. Krebszellen verhalten sich beim Stoffwechsel völlig anders als gesunde Zellen. Sie sind regelrecht süchtig nach Zucker und nutzen einen sehr ineffizienten Weg der Energiegewinnung, die sogenannte aerobe Glykolyse. Dieser Vorgang ist in der Medizin als Warburg-Effekt bekannt. Gesteuert wird dieser fatale Zustand durch die Überproduktion eines bestimmten Eiweißes namens Hexokinase-2 (HK2), das als metabolischer Kontrollpunkt dient. Bei Krebszellen heftet sich dieses HK2-Eiweiß direkt an die Außenwand der zelleigenen Kraftwerke (Mitochondrien) an einen Kanal namens VDAC1. Diese Verbindung wirkt wie ein Schutzschild: Sie sichert der Krebszelle dauerhaft Energie und verhindert gleichzeitig, dass die Zelle den Befehl zum Absterben ausführt - sie macht die Tumorzelle unsterblich.

    Spannende Technologie: Vidac Pharma

    Hier setzt der führende Wirkstoffkandidat VDA-1102 (Tuvatexib) von Vidac Pharma an. Der Wirkstoff spaltet die gefährliche Verbindung im Tumor auf, indem es das HK2-Eiweiß von den VDAC1-Kanälen der Zellkraftwerke ablöst. Ohne diesen Schutzschild wird die Energieversorgung der Krebszelle abrupt unterbrochen. Gleichzeitig aktiviert der Wirkstoff den natürlichen Zelltod der Zelle wieder, sodass sich die Tumorzelle selbst zerstört, während gesunde Zellen unbeschadet bleiben. Zusätzlich repariert dieser Mechanismus das lokale Immunsystem, indem er bestimmte Abwehrzellen in der Umgebung des Tumors wieder aktiviert, damit der Körper den Krebs eigenständig bekämpfen kann.

    Vidac Pharma: Studien schreiten voran – Analysten positiv

    Das am weitesten fortgeschrittene Programm von Vidac ist VDA-1102 in Form einer topischen Salbe zur Behandlung der aktinischen Keratose, einer chronischen UV-induzierten Vorstufe von hellem Hautkrebs. Während Standardtherapien oft extreme Hautreaktionen und starke Schmerzen verursachen, zeigte VDA-1102 in Studien ein außergewöhnlich günstiges Verträglichkeitsprofil auf Placebo-Niveau. Im Juni vermeldete das Unternehmen den erfolgreichen Abschluss der Patientenrekrutierung für die Phase-2b-Studie in Deutschland.
    Gute Studienergebnisse und die weiteren Fortschritte untermauern das Potenzial von Vidac Pharma und seines Ansatzes. Sphene Capital bestätigte im vergangenen November seine Kaufempfehlung mit einem Zielkurs von 4,10 EUR. Trotz dieses großen Potenzials sollten Investoren die Risiken nicht außer Acht lassen. Die Aktie bleibt ein spekulatives Biotech, doch scheint Vidac Pharma mit dem Fokus auf dem Energiestoffwechsel von Krebszellen eine vielversprechende Nische zu verfolgen, die zu verschiedenen Therapieformen anschlussfähig ist.


    Interessenskonflikt

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    Der Autor

    Nico Popp

    In Süddeutschland zuhause, begleitet der leidenschaftliche Börsianer die Kapitalmärkte seit rund zwanzig Jahren. Mit einem Faible für kleinere Unternehmen ausgestattet, ist er ständig auf der Suche nach spannenden Investmentstorys

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