24.06.2026 | 04:50
Allianz knackt den Rekord, Siemens Energy ist unter Strom und steht HPQ Silicon vor dem Durchbruch?
Am Aktienmarkt passieren aktuell Geschichten, die so unterschiedlich sind, wie man es sich kaum vorstellen könnte. Auf der einen Seite erleben wir beeindruckende Anstiege gerade im KI-Bereich oder im Umfeld von KI-Aktien und aber auch historische Meilensteine bei etablierten deutschen Großkonzernen, wie z. B. der Allianz. Rekordgewinne und volle Auftragsbücher treiben die Kurse in teils Höhen, die man sich noch vor Jahren nicht hat ausmalen können. Auf der anderen Seite rücken kleinere Technologieunternehmen ins Rampenlicht, die mit frischen Ideen und cleveren Kooperationen ganze Branchen umkrempeln wollen. Eben diese faszinierende Mischung schauen wir uns heute im Detail an. Wir blicken auf die rasante Wiederauferstehung eines echten Energieriesen aus Deutschland: Siemens Energy. Wir analysieren den historischen Befreiungsschlag eines Münchener Versicherungsgiganten: Allianz. Und wir beleuchten einen kanadischen Materialspezialisten, HPQ Silicon, dessen Aktie sich knapp vor einem entscheidenden Kursniveau bewegt und auch enorm spannende Neuigkeiten im Gepäck hat. Nehmen Sie sich einen Moment Zeit für drei völlig verschiedene Investment-Ideen, die jede für sich Spannung und auch vielleicht Gewinne im Depot versprechen könnte.
Lesezeit: ca. 5 Min.
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Autor:
Matthias Schomber
ISIN:
ALLIANZ SE NA O.N. | DE0008404005 , HPQ SILICON INC | CA40444L1031 | TSXV: HPQ , OTCQB: HPQFF , SIEMENS ENERGY AG NA O.N. | DE000ENER6Y0
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Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Matthias Schomber
Aufgewachsen im hessischen Gießen, entdeckte Matthias Schomber schon in den frühen 1990er Jahren seine Leidenschaft für die Finanzmärkte – in einer Zeit, als der Börsenhandel noch eher ein Metier für echte, eingefleischte Börsianer war. Er arbeitete dort nach seiner Banklehre für ein Privatbankhaus und erlebte auf dem Frankfurter Börsenparkett live und hautnah den Aufstieg und Fall des Neuen Marktes mit und zog daraus Lektionen, die bis heute sein Denken als Trader, Autor und Handelssystementwickler prägen.
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Siemens Energy: Der Überflieger
Siemens Energy hat in den vergangenen Monaten eine atemberaubende Rally und zuvor eine Wende, quasi eine 180 Grad Richtungsänderung, hingelegt. Aus dem ehemaligen Sorgenkind ist ein echter Highflyer auf dem Frankfurter Parkett geworden. Allein im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres kletterte der Umsatz im Vorjahresvergleich um rund 9 % auf beachtliche 10,3 Milliarden EUR. Das Ergebnis vor Sondereffekten legte sogar um knapp 30 % auf über 1,16 Milliarden EUR zu. Diese starke operative Leistung bescherte dem Konzern auch einen gewaltigen Auftragsbestand. Mittlerweile sitzen die Münchner auf Orders im Wert von riesigen 154 Milliarden EUR.
Die US-Bank Jefferies hat in Anbetracht dieser Dynamik das Kursziel der Aktie auf starke 215 EUR angehoben. Getrieben wird die Fantasie der Anleger auch von möglichen Umstrukturierungen. Derzeit kursieren Berichte, dass der Bereich Transformation of Industry (ToI) womöglich abgespalten werden könnte. Zudem möchte das Management Vertrauen demonstrieren und hat mit dem Start der zweiten Tranche eines laufenden Aktienrückkaufprogramms bereits rund 1,5 Millionen Papiere für knapp 235 Millionen EUR vom Markt genommen. Das sollte für zusätzliche Kursunterstützung sorgen. Auf Sicht von einem Jahr ist die Aktie top gelaufen. Die Aktie pendelte zuletzt knapp um die Marke von 160 EUR. Sie ist aber zuletzt schon unter den 50er SMA gefallen, d. h. die kurz- bis mittelfristige Aufwärtsdynamik hat nachgelassen. Die langfristige Richtung stimmt aber noch, denn auch der 200er SMA liegt bei 137,18 und damit noch deutlich unter dem aktuellen Kurs. Diese Marke bei 137 Euro wäre auch eine Warnmarke, denn sollte der Kurs darunter fallen, so wäre der Trend futsch. Glaubt man an das Analystenziel von Jefferies so könnte man jetzt einsteigen mit Kursziel 215 EUR und z. B. Stopp bei knapp unter 137 EUR.
Während Siemens Energy mit Wind und Strom die Depots der Anleger antreibt, sorgte ein anderer DAX-Konzern mit absoluter Beständigkeit zuletzt für Schlagzeilen. Wir wechseln daher von dem von der KI getriebenen Energiesektor zur Solidität der Versicherungsbranche.
Allianz: Allzeithoch
Die Aktie der Allianz hat vor kurzem echte Börsengeschichte geschrieben. Mehr als zwei Jahrzehnte mussten Anleger warten, doch nun wurde das „Uralt-Allzeithoch“ aus dem Jahr 2000 bei exakt 402,66 EUR tatsächlich übersprungen. Im weiteren Handel kratzte der Kurs sogar an darüberliegenden Kursmarken. Charttechnisch scheint es als sei damit erstmal der Deckel weggeflogen und es wurde dann somit auch ein Kaufsignal generiert. Dieser Ausbruch kommt auch nicht von ungefähr, denn das geschäftliche Fundament ist stabil.
Im ersten Quartal des Jahres erwirtschaftete der Versicherer einen beeindruckenden operativen Gewinn von 4,51 Milliarden EUR. Für das gesamte Jahr peilt der Vorstand starke 17,4 Milliarden EUR an. Trotz dieser Rekordzahlen bleibt das Papier attraktiv bewertet. Das KGV liegt bei moderaten 13. Gleichzeitig ist die Dividendenrendite mit über 4,6 % nicht zu vernachlässigen, was die Aktie zu einer echten Dividendenperle in fast jedem Depot macht. Die Analysten der Privatbank Berenberg sehen sogar noch massives Potenzial. Sie schraubten ihr Kursziel von ohnehin guten 504 EUR auf sehr hohe 684 EUR nach oben. Auch hier stützt bei der Allianz ein Aktienrückkaufprogramm den Kurs, für das insgesamt bis zu 2,5 Milliarden EUR zur Verfügung stehen.
Von den milliardenschweren DAX-Unternehmen des deutschen Leitindex machen wir nun einen spannenden Sprung über den großen Teich. Dort arbeitet ein kleines Technologieunternehmen an Materialien, die schon bald die großen Industrien prägen könnten.
HPQ Silicon: Ein Underdog positioniert sich
HPQ Silicon aus Kanada ist mit einer deutlich kleineren Marktkapitalisierung fernab der DAX-Schwergewichte unterwegs, arbeitet aber an hochinteressanten Projekten. Das Unternehmen konzentriert sich stark auf fortschrittliche Materialien wie siliziumbasierte Batterianoden, pyrogene Kieselsäure und die autonome Wasserstoffproduktion. Die vergangenen Wochen brachten hier gleich mehrere beachtliche Nachrichten, die aufhorchen lassen.
Bereits im Mai unterzeichnete die französische Tochter Novacium, an der HPQ einen Anteil von 36,8 % hält, eine wichtige Absichtserklärung mit GH Technologies. Auf der großen Batteriemesse CIBF vereinbarten die Unternehmen einen Rahmen für die mögliche Lieferung von GEN4-Lithium-Ionen-Zellen für den asiatisch-pazifischen Raum. Diese Zellen sollen eine exzellente Kapazität von über 6.600 mAh und eine enorm starke Energiedichte von 319,9 Wh/kg bieten.
Wenig später folgte ein weiterer strategischer Schachzug. HPQ gab Anfang Juni bekannt, dass Novacium gemeinsam mit Partnern ein vollständig integriertes Drohnenantriebssystem auf der Rüstungsmesse Eurosatory in Paris präsentieren wird. Diese Messe fand Mitte Juni statt und bot eine gute Bühne, um die hochleistungsfähigen Batterien in einem wachsenden europäischen Verteidigungs- und Sicherheitsumfeld zu zeigen.
An der Börse baut sich bei der Aktie von HPQ Silicon nun eine spürbare Spannung auf. Die Aktie könnte jetzt an Fahrt aufnehmen, wenn es ihr gelingt, nachhaltig nach oben auszubrechen. Momentan liegt das Papier bei rund 0,17 CAD. Gleichzeitig finden wir hier eine massive horizontale Unterstützung nach unten, die den Kurs auch knapp darunter noch sehr gut abfedert. Wenn der Ausbruch über die Marke von 0,19 CAD gelingt, könnte die Reise recht schnell in Richtung der oberen Begrenzung bei 0,23 beziehungsweise 0,24 CAD laufen. Dort befindet sich ein wichtiges Verlaufshoch, das als Zielmarke dient. Nach einem erfolgreichen Überwinden dieser Hürde könnte es dann sogar mittelfristig weiter in Richtung 0,30 CAD gehen. Die Weichen scheinen also gestellt.

Fazit:
Ziehen wir ein kurzes Resümee aus diesen drei Unternehmen. Siemens Energy beweist eindrucksvoll, wie ein erfolgreich umgesetzter Turnaround gepaart mit prall gefüllten Auftragsbüchern eine Aktie förmlich beflügeln kann.
Die Allianz wiederum zeigt, dass auch „schwerfällige Dickschiffe“ historische Marken knacken könnten und Investoren gleichzeitig durch absolut stabile Dividenden ruhig schlafen lassen können.
HPQ Silicon präsentiert sich derweil als innovativer Entwickler für fortschrittliche Materialien. Durch strategische Absichtserklärungen im asiatischen Raum und Auftritte auf europäischen Fachmessen sucht das Unternehmen Schritt für Schritt seinen Platz im Markt. Auch wenn der Weg für solch einen kleinen Technologiewert von Natur aus etwas volatiler bleiben dürfte, ist die aktuelle charttechnische Konstellation enorm verlockend. Man darf gespannt sein, ob hier bald der alles entscheidende Funke überspringt.
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