07.09.2026 | 05:00
Almonty: Analysten sprechen Tacheles – Airbus und Sandvik müssen sich bei Wolfram breiter aufstellen
Wenn riesige Turbinen auf dem Rollfeld aufheulen und tonnenschwere Passagierjets starten, denkt kaum jemand daran, wie moderne Flugzeuge gefertigt werden und worauf es dabei ankommt. Oft entscheidet ein einziges, extrem widerstandsfähiges Metall über den Takt der modernen Luftfahrt – Wolfram. Ohne Wolfram würden die Montagestraßen der Luftfahrtindustrie schlagartig stillstehen. Mit einer Dichte nahe an Gold und dem höchsten Schmelzpunkt aller Elemente trotzt das Schlüsselmetall extremen Belastungen und ist daher in der Luft- und Raumfahrt sowie in vielen anderen Zukunftstechnologien wie etwa der Fusionsenergie wichtig. Doch während der Westen die neuesten Jets entwickelt und baut, kontrolliert China über 80 % der globalen Wolfram-Produktion. Dieses Klumpenrisiko ist brandgefährlich, doch es gibt eine Lösung.
Lesezeit: ca. 4 Min.
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Autor:
Nico Popp
ISIN:
ALMONTY INDUSTRIES INC. | CA0203987072 | TSX: AII , NASDAQ: ALM , ASX: AII , SANDVIK AB | SE0000667891 , AIRBUS | NL0000235190
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Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Nico Popp
In Süddeutschland zuhause, begleitet der leidenschaftliche Börsianer die Kapitalmärkte seit rund zwanzig Jahren. Mit einem Faible für kleinere Unternehmen ausgestattet, ist er ständig auf der Suche nach spannenden Investmentstorys
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Airbus spürt den Engpass in den Fertigungsstraßen
Der europäische Flugzeugbauer Airbus blickt auf prall gefüllte Auftragsbücher für Verkehrsflugzeuge, die die Werke über Jahre hinaus auslasten. Doch die Fertigung von Modellen wie dem A350 oder Schmalrumpfjets aus der A320neo-Familie stößt an materialtechnische Grenzen. Um maximale aerodynamische Effizienz zu garantieren, setzen die Konstrukteure auf widerstandsfähige Legierungen auf Titan- und Nickelbasis. Diese hitzebeständigen Materialien lassen sich jedoch nur mit Werkzeugen bearbeiten, die überwiegend aus ultrahartem Wolframkarbid bestehen. Bei Schnittkantentemperaturen jenseits von 800 °C würde gewöhnlicher Stahl sofort die Segel streichen. Neben dem indirekten Fertigungsbedarf benötigen Flugzeugbauer wie Airbus das Schwermetall auch direkt an Bord. Wolfram-Schwermetalllegierungen wie Wolfmet dienen als Trimmgewichte zur Schwingungsdämpfung von Steuerflächen, während hochreines Wolfram empfindliche Flugsteuerungsrechner vor kosmischer Strahlung schützt. Der Materialanteil von Wolfram an einem Großraumjet ist zwar verschwindend gering, doch würde ein Mangel die Produktion schnell lahmlegen. Neue europäische Regelwerke zwingen die Flugzeugbauer inzwischen dazu, ihre Lieferketten zu diversifizieren, um Risiken überschaubar zu halten.
Sandvik kämpft mit dem Materialverschleiß
Über seine Kernsparte Sandvik Coromant bestimmt Sandvik das Geschäft mit Zerspanungs- und Hochleistungswerkzeugen. Mit der im Salzburger Land gelegenen Scheelitgrube Mittersill und dem modernen Hüttenwerk im steirischen St. Martin besitzt die Gruppe über ihre Tochtergesellschaft Wolfram Bergbau und Hütten bereits eigene Verarbeitungskapazitäten. Dort transformieren die Steirer Primärerze und Altmetalle mittels grünem Wasserstoff zu chemisch reinem Ammoniumparawolframat sowie feinstem Wolframkarbidpulver. Doch der Werkzeugriese leidet unter einem unlösbaren physikalischen Dilemma: dem kaum vermeidlichen Abrieb. Weltweit gehen laut Branchenverband ITIA schätzungsweise 70 % des industriell genutzten Wolframs dauerhaft verloren – durch Abrieb, dissipative Anwendungen und nicht-funktionales Recycling. Bei Zerspanungswerkzeugen selbst liegt die Rücklaufquote dagegen bereits bei über 95 %. Selbst wenn das Management eine vollständige Rücknahmequote für ausgediente Werkzeugköpfe forciert, lässt sich der ständige Verlust nicht durch Schrott-Recycling ausgleichen. Hinzu kommen die restriktiven Ausfuhrbeschränkungen der USA für Wolframschrott, die das Angebot am Sekundärmarkt verknappen.
Almonty und der Wolfram-Durchbruch in Südkorea
Genau hier kommt die westliche Wolfram-Alternative Almonty Industries ins Spiel. Das Flaggschiff-Projekt des Unternehmens liegt in der südkoreanischen Bergregion Gangwon: die historische Sangdong-Mine, deren Aufbereitungsanlagen seit Monaten hochfahren. Geologisch spielt die Liegenschaft in der Champions League: Während Minenbetreiber weltweit mit mageren Gehalten kämpfen, bietet Sangdong nachgewiesene Reserven von 7,90 Mio. t Erz bei einem herausragenden Gehalt von 0,45 % Wolframoxid. Selbst das minderwertigere Entwicklungserz aus der Anlaufphase übertrifft mit einem Gehalt von 0,25 % Wolframoxid den internationalen Branchendurchschnitt deutlich. Neben den hohen Erzgraden punktet die Lagerstätte mit ihrer Reinheit, da störende Begleitelemente wie Arsen, Phosphor oder Uran fast gänzlich fehlen. Dies vereinfacht die chemische Aufbereitung zu verkaufsfähigem Wolframoxid-Konzentrat. In der gerade anlaufenden Phase 1 verarbeitet die Mine jährlich 640.000 t Roherz zu rund 2.300 t reinem Wolframoxid-Konzentrat. Für die ab 2027 geplante Phase 2 strebt das Management eine Verdopplung des Durchsatzes auf 1,2 Mio. t Erz an. Dank der operativen Cash-Kosten von lediglich rund 110 USD je MTU (metric tonne unit) positioniert sich Sangdong als einer der weltweit kostengünstigsten Förderstandorte. Diese Eckdaten lockten schon vor Jahren internationale Finanzpartner an: Die deutsche KfW IPEX-Bank stützte das Vorhaben mit einem robusten Kreditpaket über 75,1 Mio. USD, flankiert von Direktinvestitionen der österreichischen Plansee-Gruppe.

Portugiesische Schätze und milliardenschwere Langfristverträge
Neben dem asiatischen Hauptvorkommen verfügt Almonty über weitere Projekte in Europa und den USA. Die traditionsreiche Untertage-Mine Panasqueira in Portugal fördert seit Jahrzehnten kontinuierlich hochwertiges Wolframit- und Zinnerz. Aktuell treibt das Team vor Ort ein umfassendes Tiefenexplorationsprogramm voran, um nach erfolgreicher Modernisierung jährlich rund 124.000 MTU Wolframoxid zu fördern. Die Nähe zu europäischen Abnehmern gewinnt durch das europäische Rohstoffgesetz an Brisanz: Das Regelwerk schreibt vor, dass die EU bis zum Jahr 2030 mindestens 10 % ihrer strategischen Rohstoffe selbst schürfen und 40 % im Binnenmarkt raffinieren muss, während die Abhängigkeit von einem einzelnen Land auf maximal 65 % sinken soll. Im Januar dieses Jahres unterzeichnete die portugiesische Tochtergesellschaft von Almonty einen langfristigen Liefervertrag mit der metallurgischen Konzerntochter von Sandvik. Dieser Kontrakt sichert dem schwedischen Werkzeughersteller den direkten Zugriff auf portugiesisches Konzentrat und lastet das Hüttenwerk in St. Martin langfristig aus. Zeitgleich sicherte sich Almonty eine Abnahmegarantie über 21 Jahre von Global Tungsten & Powders. Die Konditionen sehen feste Preisuntergrenzen vor und profitieren von steigenden Notierungen am Weltmarkt. Eine MTU Wolframkonzentrat kostet aktuell rund 3.000 USD.
Jefferies-Analysten heben bei Almonty den Daumen
Ab dem 1. Januar 2027 greift das US-Verteidigungsbeschaffungsgesetz, das den Einsatz von chinesischem, nordkoreanischem, russischem oder iranischem Wolfram in militärischen Systemen vollständig untersagt. In den kommenden Monaten will Almonty sein Gentung-Browns-Projekt im US-Bundesstaat Montana Schritt für Schritt in Produktion bringen – ein weiteres Detail, das zeigt, dass Almonty eines der Unternehmen der Stunde ist. Erst Anfang September sprach das US-Analysehaus Jefferies für die Aktie von Almonty eine Kaufempfehlung mit Kursziel 26,25 USD aus. Die Analysten von Jefferies argumentieren, dass Almonty Profiteur der westlichen Lieferkettenabsicherung bei Wolfram ist, da China rund 80 % des weltweiten Angebots kontrolliert und ab 2027 Beschränkungen der US-Verteidigungsbeschaffung greifen. Mit dem Hochlauf der Sangdong-Mine in Südkorea verfüge das Unternehmen über eines der weltweit größten und hochgradigsten Vorkommen außerhalb Chinas, das nach Phase 2 rund 40 % der Nachfrage außerhalb Chinas decken könnte. Langfristige Abnahmeverträge mit verbindlichen Mindestpreisen und die geplante vertikale Integration in den Downstream-Bereich böten zudem eine im Rohstoffsektor seltene Umsatz- und Margensicherheit, so die Experten von Jefferies.
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