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26.08.2026 | 04:50

Perspektivenwechsel: Langfristiges Wachstum zum Discountpreis? Almonty Industries, Renk und Rheinmetall nach der Kurskorrektur!

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Bildquelle: Pixabay

Der westliche Rüstungsboom stößt auf einen wenig beachteten Engpass. Das Nadelöhr heißt Wolfram. Während China den Weltmarkt dominiert und Exporte beschränkt, fährt Almonty die strategisch bedeutende Sangdong-Mine in Südkorea hoch. Diese soll mittelfristig 40 % des westlichen Bedarfs außerhalb Chinas stillen. Diese Position, Höchstpreise bei Wolfram und ein großes Cashpolster, welches die Gesellschaft derzeit für Aktienrückkäufe nutzt, untermauern den großen Handlungsspielraum. Renk und Rheinmetall als Rüstungsunternehmen liefern das industrielle Gegenstück. Prall gefüllte Auftragsbücher, steigende Margen und ein Rüstungszyklus, der weit über das laufende Jahrzehnt hinausgeht sprechen für die Branche. Aber können die Gesellschaften auch das enorme Wachstum stemmen? Bietet die Kurskorrektur nun eine Chance oder sind die Zukunftserwartungen zu ambitioniert?

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Carsten Mainitz
ISIN: ALMONTY INDUSTRIES INC. | CA0203987072 | TSX: AII , NASDAQ: ALM , ASX: AII , RENK AG O.N. | DE000RENK730 , RHEINMETALL AG | DE0007030009

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Inhaltsverzeichnis:


    Almonty Industries – Aktienrückkaufprogramm kommt gut bei Anlegern an

    Die NATO-Mitglieder haben sich verpflichtet, bis 2035 jährlich insgesamt 5 % ihrer Wirtschaftsleistung für Verteidigung und sicherheitsrelevante Aufgaben aufzuwenden. Zudem stellt die Europäische Union mit SAFE bis zu 150 Mrd. EUR an Krediten für gemeinsame Beschaffungsvorhaben bereit. Damit wächst nicht nur die Nachfrage nach Panzern, Munition und Flugabwehr, gefragt sind ebenso Antriebe, Sensorik, Drohnen. Nicht zu vergessen die dafür benötigten strategischen Schlüsselrohstoffe.
    Wolfram führt unter den kritischen Rohstoffen immer noch ein Schattendasein. Dabei besitzt das Metall den höchsten Schmelzpunkt aller Metalle, ist extrem hart und hitzebeständig. Es wird vor allem als Wolframkarbid in Schneidwerkzeugen und verschleißfesten Bauteilen eingesetzt, ist aber auch für Halbleiter, Elektronik, Turbinen, Luft- und Raumfahrt sowie verschiedene Verteidigungsanwendungen relevant. Ohne Wolfram geraten daher nicht nur militärische, sondern auch zahlreiche industrielle Hightech-Lieferketten unter Druck.
    Der Wolframmarkt hat sich seit 2025 stark strukturell und nachhaltig verändert, die Angebotskonzentration hat sich nochmals verschärft. China stand annähernd für 80 % der weltweiten Minenproduktion, reduzierte dann die Förderung und verschärfte die Exportkontrollen. Als Spiegelbild der steigenden Nachfrage bei einem begrenzten Angebot schoss der Preis auf mehr als 3.000 USD je MTU.
    Seit diesem Jahr bildet Almonty mit Sangdong ein Gegengewicht. Die südkoreanische Wolframmine nahm die erste Produktionsphase auf. Eine bereits genehmigte zweite Phase soll die Verarbeitungskapazität 2027 auf bis zu 1,2 Mio. t und den Ausstoß auf rund 4.600 t jährlich annähernd verdoppeln. Bei vollständigem Ausbau könnte Sangdong nach Schätzung des Unternehmens ungefähr 40 % der Wolframnachfrage außerhalb Chinas abdecken.
    Es existieren wichtige langfristige Abnahmeverträge mit Global Tungsten & Powders, einem Unternehmen der österreichischen Plansee-Gruppe und bedeutenden Zulieferer der US-amerikanischen Industrie- und Verteidigungskette. Zuletzt wurde die Vereinbarung für die erste Sangdong-Ausbaustufe von 15 auf 21 Jahre verlängert.
    Die deutlich überzeichnete Wandelanleiheemission spülte zuletzt brutto 800 Mio. USD in die Kasse. Die unbesicherten Papiere laufen bis 2031, werden mit 2,25 % verzinst und sind anfänglich zu rund 27,40 USD je Aktie wandelbar. Damit kann das Unternehmen die Phase II von Sangdong, die Erweiterung der produzierenden Mine Panasqueira in Portugal sowie den Produktionshochlauf des im letzten Jahr erworbenen Gentung-Wolfram-Projekts in Montana parallel vorantreiben.
    Das kürzlich genehmigte Aktienrückkaufprogramm über bis zu 14,4 Mio. Anteilsscheine, rund 5 % des Grundkapitals, mit einem Volumen von maximal 300 Mio. USD kam bei Anlegern gut an. Aktuell notiert die Aktie bei rund 19 USD, womit die Gesellschaft mit 7,3 Mrd. USD bewertet wird. Die Analysten von GBC formulieren in ihrer aktuellen Studie ein Kursziel von 30 USD!

    Renk: Übernahmen werden Wachstum beschleunigen

    Renk liefert hochspezialisierte Getriebe, Antriebssysteme, Motoren, Gleitlager und Testsysteme für militärische Kettenfahrzeuge, Schiffe und industrielle Anwendungen. Die Deutschen haben sich über Jahrzehnte hinweg eine Spitzenposition erarbeitet und sind faktisch oft Alleinlieferant für Plattformen. Daraus entstehen hohe Eintrittsbarrieren und ein attraktives Ersatzteil- und Servicegeschäft.
    In den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres legte der Auftragseingang um 29,7 % auf 1,2 Mrd. EUR zu, der Auftragsbestand markierte mit 7,4 Mrd. EUR ein Rekordhoch. Das Umsatzwachstum vollzog sich mit einem Plus von 2,7 % auf 637,2 Mio. EUR moderat. Dadurch errechnet sich ein Book-to-Bill-Ratio von 1,9, was signalisiert, dass der Auftragseingang fast doppelt so hoch wie der realisierte Umsatz war.
    Das bereinigte EBIT legte im Berichtszeitraum um 10,1 % auf 98,2 Mio. EUR bei einer ausgeweiteten Marge zu. Für das Gesamtjahr bestätigte der Konzern die Guidance mit einem Umsatz von mehr als 1,5 Mrd. EUR und einem bereinigten EBIT von 255 bis 285 Mio. EUR.
    Der jüngste vielschichtige Newsflow erweitert die Perspektive. Renk und Rheinmetall haben den Rahmenvertrag für Antriebe des Schützenpanzers KF41 Lynx auf ein Volumen von mehr als 270 Mio. EUR einschließlich Optionen erhöht. Strategisch bedeutsam ist die geplante Übernahme der britischen Gesellschaft David Brown Defence, deren Vollzug in Q4 erwartet wird. Dadurch erhält Renk Zugang zum Five-Eyes-Program, zu geräuscharmen U-Boot-Getrieben sowie einer größeren Pipeline. Das Five-Eyes-Program bezeichnet das enge Geheimdienst- und Sicherheitsbündnis bestehend aus USA, Großbritannien, Kanada, Australien und Neuseeland.
    Bei einem aktuellen Kurs von 47 EUR haben sich die Anteilsscheine vom Hoch etwa halbiert. Die Marktkapitalisierung von 4,6 Mrd. EUR entspricht rund dem dreifachen des für dieses Jahr erwarteten Umsatzes. Das KGV für das kommende Geschäftsjahr 2027 liegt mit 24 auf einem moderaten Niveau. Das durchschnittliche Kursziel der Analysten signalisiert mit 65 EUR deutliches Aufwärtspotenzial für den Titel.

    Rheinmetall – Schwergewicht mit Schönheitsfehlern?

    Das Schwergewicht des europäischen Aufrüstungszyklus steigerte im ersten Halbjahr den Umsatz um 39 % auf 5,23 Mrd. EUR. Das operative Ergebnis legte deutlich überproportional um 74 % auf 786 Mio. EUR zu. Der Auftragsbestand wuchs auf 80,5 Mrd. EUR.
    Die Dynamik war dabei breit gestützt. Vehicle Systems steigerte den Umsatz um 28 %, Weapon and Ammunition um 33 % und Air Defence um 62 %. Zudem baut der Konzern weitere Felder, insbesondere durch Akquisitionen und Kooperationen auf. Die Aussichten der Bereiche Drohnen, Digitalisierung und satellitengestützte Aufklärung sind positiv, einzig der Marineschiffbau enttäuscht, da er bei einer milliardenschweren Ausschreibung gegenüber TKMS den Kürzeren zog.
    Als Konsequenz musste der Rüstungskonzern die Guidance für das laufende Jahr senken. Seitdem reagieren Marktteilnehmer empfindlich auf Spekulationen über Verzögerungen bei Aufträgen und deren Abarbeitung. Seit dem Hoch bei rund 2.000 EUR hat die Aktie deutlich korrigiert, allein 28 % seit Jahresbeginn. Das aktuelle Kursniveau von 1.120 EUR halten die meisten Experten für chancenreich und trauen dem Titel ein Upside von 50 % in den nächsten 12 Monaten zu.

    Fazit

    Renk zeichnet sich als spezialisierter Zulieferer mit starken Eintrittsbarrieren, großem Serviceanteil und zusätzlichem Potenzial durch die Internationalisierung des Marinegeschäfts aus. Rheinmetall ist als Systemanbieter breit aufgestellt und weist (noch) die höchste operative Dynamik auf. Das Auftragsbuch ist riesig, jedoch ist das Ausführungsrisiko nicht zu unterschätzen. Analysten sprechen Kaufempfehlungen für beide Rüstungswerte aus. Almonty Industries ist ein Hebel auf den Wolframpreis, Versorgungssicherheit, einen erfolgreichen Sangdong-Hochlauf sowie eine überzeugende Kapitalallokation. Das jüngst genehmigte Aktienrückkaufprogramm gefällt der Börse. Analysten sind ebenso bullish und bescheinigen dem Titel ein Aufwärtspotenzial von über 50 %.


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    Der Autor

    Carsten Mainitz

    Der gebürtige Rheinland-Pfälzer ist seit mehr als 25 Jahren leidenschaftlicher Börsianer. Nach seinem BWL-Studium in Mannheim arbeitete er als Journalist, im Equity Sales und viele Jahre im Aktienresearch.

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