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20.08.2026 | 05:00

Wolfram-Schock für Sandvik und Lockheed Martin – Almonty mit perfekter Ausgangslage

  • Wolfram
  • Industrie
  • Exportbeschränkungen
Bildquelle: Nano Banana KI

Wenn Rüstungsgüter oder Industriewerkzeuge an ihre Leistungsgrenzen stoßen, hilft oft ein gefragtes Schwermetall weiter: Wolfram widersteht mit seinem Schmelzpunkt von 3.422 °C selbst enormer Hitze und erreicht eine Dichte, die nahezu identisch mit Gold ist. Doch ausgerechnet beim Schlüsselrohstoff Wolfram geraten die westlichen Industriestaaten unter Druck. Peking kontrolliert über 80 % der weltweiten Förderung und verschärfte die Ausfuhrkontrollen in den vergangenen Jahren deutlich. Da das Reich der Mitte im Jahr 2025 selbst zum Nettoimporteur aufstieg und die westliche Rüstungsindustrie vor strengen Beschaffungsverboten steht, entbrennt ein Wettlauf um Minenkapazitäten in sicheren Jurisdiktionen. Hier kommt Almonty Industries ins Spiel, das als führender westlicher Wolfram-Produzent gilt. Wir beleuchten den Markt.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Nico Popp
ISIN: ALMONTY INDUSTRIES INC. | CA0203987072 | TSX: AII , NASDAQ: ALM , ASX: AII , SANDVIK AB | SE0000667891 , LOCKHEED MARTIN DL 1 | US5398301094

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Inhaltsverzeichnis:


    Sandvik und die Grenzen des Recyclings

    Als einer der weltweit führenden Produzenten von Schneid- und Bohrwerkzeugen spürt Sandvik die geopolitische Lage täglich. Der schwedische Konzern steuert über seine österreichische Tochter Wolfram Bergbau und Hütten eine eigene Veredelungslinie samt der Untertage-Scheelitgrube Mittersill im Salzburger Land, wo die Zerkleinerung in einer modernen Kaverne tief im Berg erfolgt. Im steirischen St. Martin im Sulmtal betreibt Sandvik eine der wenigen verbliebenen hydrometallurgischen Hütten der westlichen Welt, um Roherze und Schrotte zu hochreinen Pulvern aufzubereiten. Um genug Material zu erhalten, peilt die Zerspanungssparte Sandvik Coromant bis zum Jahr 2028 eine Rückkaufquote für verbrauchte Hartmetallwerkzeuge an. Dennoch stößt der geschlossene Kreislauf an Grenzen: Bei der Hochgeschwindigkeitsbearbeitung von hitzebeständigen Superlegierungen wie Inconel 718 oder Titanlegierungen für Flugzeugrümpfe entsteht immer Abrieb. Für Kenner der Materie ist klar: Weltweit gehen rund 70 % des industriell eingesetzten Wolframs durch abrasiven Verschleiß und andere Mechanismen dauerhaft verloren und können nicht recycelt werden. Das zwingt die Skandinavier zu kontinuierlichen Zukäufen von Wolfram auf dem angespannten Weltmarkt.

    Lockheed Martin und das Exportverbot

    Am Ende der Wertschöpfungskette sieht sich Lockheed Martin mit regulatorischen Hürden konfrontiert. Der US-Rüstungsriese sitzt auf einem Auftragsbestand von über 230 Mrd. USD, muss jedoch seine gesamten Lieferketten auf ein neues Gesetzesregime einstellen: Eine Pentagon-Richtlinie untersagt ab dem 1. Januar 2027 die Auslieferung von Militärgütern, deren Wolfram in China, Russland, Nordkorea oder dem Iran abgebaut oder veredelt wurde. Für den Konzern bedeutet das einen enormen Aufwand, da Wolfram auch in Munition steckt. Ein einzelner Gefechtskopf enthält rund 180.000 vorgeformte Wolfram-Splitter, um eine panzerbrechende Wirkung ohne Blindgängerrisiken zu erzielen. Weil auch Abfangraketen wie PAC-3 und THAAD auf Ballastgewichte mit hoher Dichte angewiesen sind, erfordert die Produktion von Munition enorme Mengen Wolfram.

    Almonty: Das Flaggschiff Sangdong ist auf Kurs

    Inmitten der angespannten Versorgungslage übernimmt Wolfram-Produzent Almonty eine entscheidende Rolle. Das Flaggschiff-Projekt des Unternehmens liegt in der südkoreanischen Provinz Gangwon: die historische Sangdong-Mine, die einst weite Teile des weltweiten Bedarfs deckte. Almonty sanierte die Lagerstätte mit Unterstützung eines 75,1 Mio. USD schweren Kreditpakets der deutschen KfW IPEX-Bank sowie Eigenkapital der österreichischen Plansee. Geologisch hebt sich das Projekt deutlich vom Wettbewerb ab. Die nachgewiesenen und wahrscheinlichen Reserven beziffert das Unternehmen auf 7,90 Mio. t Erz mit einem Gehalt von 0,45 % WO3, womit die Erzgüte mehr als doppelt so hoch liegt wie der globale Branchendurchschnitt. In der nun hochfahrenden Phase 1 verarbeitet die automatisierte Flotationsanlage jährlich 640.000 t Roherz zu etwa 2.300 t WO3-Konzentrat, bevor bis 2027 der Ausbau auf 1,2 Mio. t Jahreskapazität folgt. Mit geschätzten operativen Förderkosten von rund 110 USD je MTU sichert sich Almonty bei aktuellen Marktpreisen von über 3.000 USD je MTU außergewöhnlich hohe Cashflow-Margen. Die Vermarktung des Wolframs ist längst gesichert: Im Juli 2026 weitete Almonty den Abnahmevertrag mit Global Tungsten & Powders auf 21 Jahre und ein Gesamtvolumen von 4,41 Mio. MTU aus, was einem jährlichen Vertragswert von etwa 490 Mio. USD entspricht. Dieser Kontrakt deckt rund 90 % der ersten Ausbaustufe ab und beinhaltet eine feste Preisuntergrenze von circa 183 bis 235 USD je MTU nebst voller Beteiligung an steigenden Notierungen am Weltmarkt.

    Comeback voraus? Die Aktie von Almonty baute zuletzt Stärke auf.

    Almonty kann noch mehr: Breites Projektportfolio und strategische Expansion

    Neben dem Flaggschiff in Südkorea verfügt Almonty über weitere Projekte in westlichen Rechtsräumen. In Portugal liefert die Panasqueira-Mine seit über 125 Jahren ununterbrochen hochreine Wolframitkonzentrate mit Gehalten von über 65 % WO3. Derzeit treibt das Management die Erschließung der tiefer gelegenen Ebene 4 voran, um den jährlichen Durchsatz zu verdoppeln und die Lebensdauer der Mine signifikant zu verlängern. Gleichzeitig fasst der Bergbaukonzern direkt in den USA Fuß: Das im vergangenen Jahr erworbene Projekt Gentung Browns Lake im US-Bundesstaat Montana soll in den kommenden Monaten schrittweise in Produktion überführt werden. In Spanien runden die Wiederaufbereitung der Halden am Standort Los Santos mit 3,77 Mio. t Reserven bei 0,13 % WO3 und das Zinn-Wolfram-Projekt Valtreixal mit 2,58 Mio. t Reserven bei 0,35 % WO3 das Portfolio ab. Zudem erschließt Almonty am Standort Sangdong ein separates Molybdänvorkommen, dessen Produktion bereits über eine feste Vereinbarung mit SeAH M&S vermarktet ist und in die USA gehen wird.

    Mit der US-Gesetzeslage ab 2027 rückt Almonty zunehmend in den Mittelpunkt des Interesses der Industrie. Nach vollständiger Inbetriebnahme soll allein Sangdong zwischen 30 % und 40 % des gesamten Wolframkonzentrats außerhalb Chinas bereitstellen. Hinzu kommen weitere Potenziale aus bestehenden Projekten und die satte Kapitalausstattung des Unternehmens, das sich im Sommer eine Finanzierungslinie über 800 Mio. USD gesichert hat. Zuletzt kündigte man zudem ein Programm zum Rückkauf eigener Aktien mit einem Volumen von 300 Mio. USD an. Letzteres dürfte das Risiko für Ausverkäufe, wie sie in den vergangenen Monaten erfolgten, deutlich senken. Almonty hat, was viele dringend brauchen: Wolfram. Die Aktie muss daher als interessant gelten. Das sehen auch Analysten von Bank of America oder Oppenheimer so, die dem Wert Kurspotenzial jenseits der Marke von 20 USD attestieren.


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    Der Autor

    Nico Popp

    In Süddeutschland zuhause, begleitet der leidenschaftliche Börsianer die Kapitalmärkte seit rund zwanzig Jahren. Mit einem Faible für kleinere Unternehmen ausgestattet, ist er ständig auf der Suche nach spannenden Investmentstorys

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