25.09.2026 | 05:00
Werden wir Quanten-Weltmeister? Wie Aqarios Quantum Technologies BASF, E.ON und IBM überzeugt – Innovationen auch bei Quantum eMotion und Amazon
Die Welt wird immer komplexer – dieser Aussage werden wohl nur die Wenigsten widersprechen. Blickt man bei Logistik, Produktion oder auch Rechenzentren in den Maschinenraum, zeigt sich noch viel mehr Komplexität. Der Grund: Immer mehr Daten. Klassische Computer stoßen angesichts dieser neuen Situation an ihre Grenzen. Doch es gibt eine Lösung: Quantencomputing. Inzwischen schafft es immer mehr Quanten-Technologie aus den Universitäten in die Praxis. Quantenberechnungen werden vom Forschungsobjekt zum Werkzeug für mehr Wertschöpfung. Während Tech-Riesen wie Amazon und NVIDIA weit in die Zukunft denken, zeigen spezialisierte Software-Pioniere bereits heute, wie sich komplexe Abläufe in Unternehmen drastisch beschleunigen lassen. Das Erfreuliche dabei: Ein vielversprechender Quanten-Pionier kommt aus Deutschland und handelt seit einiger Zeit als einzige deutsche lupenreine Quanten-Aktie an der Börse.
Lesezeit: ca. 4 Min.
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Autor:
Nico Popp
ISIN:
AQARIOS QUANTUM TECHNOLOGIES AG | DE000A40UU44 , SAP SE O.N. | DE0007164600 , SIEMENS AG NA O.N. | DE0007236101 , IBM | US4592001014 , Quantum eMotion Corp | CA74767K1030 , AMAZON.COM INC. DL-_01 | US0231351067
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Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Nico Popp
In Süddeutschland zuhause, begleitet der leidenschaftliche Börsianer die Kapitalmärkte seit rund zwanzig Jahren. Mit einem Faible für kleinere Unternehmen ausgestattet, ist er ständig auf der Suche nach spannenden Investmentstorys
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Quantum eMotion setzt auf IT-Sicherheit
In der öffentlichen Wahrnehmung etwas weiter ist das Thema Quantencomputing in Nordamerika. Hier hat sich das kanadische Unternehmen Quantum eMotion bereits einen Namen gemacht. Während die Rechenpower weltweit exponentiell steigt, wächst im Gegenzug die Bedrohung für die IT-Sicherheit. Cyberkriminelle und Geheimdienste praktizieren längst das systematische Abgreifen und Zwischenspeichern verschlüsselter Datenströme, um diese später mit Hilfe von Quantenrechnern zu knacken. Das an der TSX Venture sowie der NYSE American gelistete kanadische Unternehmen Quantum eMotion hat dieser Entwicklung den Kampf angesagt. Im Geschäftsjahr 2025 erzielte Quantum eMotion praktisch keinen zählbaren Umsatz und verbuchte einen Jahresfehlbetrag von 10,5 Mio. CAD. Die Kanadier setzen technologisch nicht auf photonische Ansätze, sondern auf einen patentierten Quanten-Zufallszahlengenerator, der auf der unberechenbaren Bewegung von Tunnelelektronen basiert. Zusammen mit dem weltgrößten Chiphersteller TSMC hat Quantum eMotion einen winzigen Sicherheits-Chip in Simulationen erfolgreich getestet, der pro Sekunde 1,8 Milliarden völlig unvorhersehbare Zufallssignale aus der Quantenwelt erzeugt. Laut einer Marktanalyse von ICV könnte der weltweite Markt für solche Chips von 150 Mio. USD im Jahr 2024 bis 2033 auf 2 Mrd. USD wachsen. Doch solange Quantum eMotion keine nennenswerten Umsätze generiert, bleibt diese Wachstumsperspektive hypothetisch.
Amazon und die Quanten-Fehlerkorrektur
Große Geschütze fahren die US-Cloud-Riesen auf, um die physikalischen Grenzen der Hardware neu zu setzen. Amazon bietet über seine Cloud-Sparte mit dem Dienst Braket zwar Zugang zu verschiedenen Quantensystemen, forscht im hauseigenen Center for Quantum Computing jedoch auch an eigenen Chips. Kernproblem für Amazon und andere Vertreter der Branche bleibt die Fragilität der Qubits (=Quantenbit: Dateneinheit im Quanten-Computing analog zum „Bit“) gegenüber thermischem und elektromagnetischem Rauschen. Supraleitende Rechner benötigen oft bis zu tausend physische Qubits, um nur ein einziges stabiles, fehlerkorrigiertes Qubit darzustellen. Das verschlingt enorme Ressourcen. Amazon stellte mit seinem Prototyp-Chip Ocelot ein innovatives Verfahren auf Basis von Cat Qubits vor, das den immensen Ressourcenaufwand für die quantenmechanische Fehlerkorrektur um bis zu 90 % senkt. Bei dieser Architektur unterdrücken mikrowellenfrequente Photonen in speziellen Hohlraumresonatoren Irritationen rein physikalisch. Der Ocelot-Chip von Amazon kombiniert mehrere dieser Verfahren, um die Fehlerquote größtmöglich zu senken. Um massentauglich zu werden, dürfte Amazon jedoch noch weiteres Kapital nachschießen müssen.
Aqarios Quantum Technologies: Deutscher Quanten-Pionier überzeugt schon heute Weltkonzerne
Wo andere Unternehmen noch über Architekturen streiten, setzt das Münchener Quanten-Unternehmen Aqarios Quantum Technologies bereits Standards. Das Unternehmen entstand 2021 als direkte universitäre Ausgründung aus dem Münchner QAR-Lab der Ludwig-Maximilians-Universität. Herzstück von Aqarios ist die Softwareplattform Luna. Diese Software ist universelle Übersetzungsebene zwischen betriebswirtschaftlichen Kernfragen und komplexen Quantenrechnern. Kunden von Aqarios müssen also weder Physiker einstellen noch tief in kryptische Quantenschaltkreise eintauchen. Luna nimmt Planungsdaten auf, überführt sie in binäre quadratische Optimierungsmodelle und leitet sie vollautomatisch an das am besten geeignete Backend weiter – sei es klassisches Supercomputing, Quanten-Annealer von D-Wave oder gatterbasierte Prozessoren. Wie schlagkräftig dieses Konzept ist, demonstrieren Praxisanwendungen.
Für ein komplexes Bahnnetz mit 47 Gleisen, 6 Bahnhöfen und 6 Zügen reduzierte Aqarios die Rechenlast durch mathematische Dekomposition so elegant, dass ein Quanten-Annealer das Problem mit weniger als 240 Qubits nahe des Optimums löste. Auf einem gatterbasierten Quantenprozessor genügten unter Verwendung eines besonderen Algorithmus (QAOA) sogar weniger als 40 Qubits, um eine dem Optimum nahekommende Lösung zu erzielen. Großkonzerne wie BMW, BASF, E.ON und SAP greifen bei komplexesten Aufgaben bereits auf das Know-how von Aqarios zurück. Für das junge Unternehmen sind diese Geschäftsbeziehungen ein Ritterschlag. Vor wenigen Tagen kam auch noch eine Zusammenarbeit mit IBM hinzu: Ab sofort ist eine neue Quantenoptimierungssoftware von Aqarios unter dem Namen „Constrained Quantum Optimizer” im IBM Qiskit Functions Catalog verfügbar. IBM stellt seinen Kunden damit Quanten-Lösungen bereit.
Aqarios profitiert von Fördermillionen – gute Ausgangslage
Die Münchner verlassen sich keineswegs allein auf kurzfristige Beratungsaufträge, sondern treiben die Skalierung ihres Portfolios auch mittels Forschung voran. Zusammen mit Partnern wie SAP und BASF ist Aqarios treibende Kraft im Verbundprojekt QuCUN. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) fördert QuCUN mit einem Gesamtvolumen von 14,2 Mio. EUR, um den Technologietransfer von Quantensoftware in den Mittelstand zu beschleunigen. Auch die bilanzielle Aufstellung des Unternehmens hebt sich positiv von der teils hochriskant agierenden Konkurrenz aus Übersee ab: Aqarios ist schuldenfrei und steht auf einem soliden Eigenkapitalfundament. Im Geschäftsjahr 2025 erzielte Aqarios einen Rohertrag von 1,06 Mio. EUR bei einem überschaubaren Jahresfehlbetrag von lediglich knapp 459.000 EUR. Nach dem Börsengang im Rahmen eines Reverse Takeovers im Juli notiert Aqarios als erster reiner deutscher Quanten-Softwarewert im Freiverkehr an der Börse Düsseldorf. Das Grundkapital umfasst 2,5 Mio. Stückaktien, wobei die T.A.R Equity als stabiler Ankeraktionär rund 60 % der Anteile hält. Die restlichen 40 % verbleiben im Streubesitz. Mit einer Börsenbewertung von rund 35 Mio. EUR handelt Aqarios bislang weitgehend unter dem Radar der Märkte.
Ein Blick auf die internationale Konkurrenz zeigt mitunter extreme Bewertungen: US-Wettbewerber wie Rigetti oder D-Wave werden zeitweise mit astronomischen Kurs-Umsatz-Verhältnissen von 795 beziehungsweise 314 gehandelt, während das Vorzeigeunternehmen IonQ mit einem KUV von 82 bewertet ist. Aqarios hingegen ist bei einem Kurs von rund 14,00 EUR mit einem Kurs-Rohertrag-Multiple von rund 32,6 bewertet (bezogen auf den Rohertrag 2025 von 1,06 Mio. EUR, der neben Umsatzerlösen auch Fördermittel enthält). Zwar sind derartige Vergleiche vereinfachend und haben isoliert keine entscheidende Aussagekraft, doch spricht vieles für Aqarios: Das anziehende Momentum rund um die Quanten-Technologie, die illustre Liste von Aqarios‘ Kunden und Kooperationspartner sowie der wachsende Bedarf in einer immer komplexeren Welt dürften die Equity Story weiter stützen. Aqarios bringt alles mit, um eine der nächsten Erfolgsgeschichten „Made in Germany“ zu werden.
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