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21.08.2026 | 05:30

A.H.T. Syngas vor dem Durchbruch? Tonies boomt, RENK weckt Übernahmefantasie – drei interessante Aktien im Check

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Bildquelle: Pixabay

Vom gefeierten Highflyer zum vergessenen Micro Cap – die Aktie von A.H.T. Syngas ist tief gefallen. Neue Projekte, eine wachsende Pipeline und der Fokus auf skalierbare Energielösungen sorgen aber für frische Fantasie. Gelingt der operative Neustart, hat die Aktie das Zeug zum Vervielfacher. Auch die Aktie von Tonies verspricht noch Kurspotenzial. Der Hersteller der beliebten Audiowürfel für Kinder liefert weiterhin starkes Wachstum und legte jüngst gute Zahlen vor. Auch der Getriebehersteller und Rüstungskonzern RENK überzeugt operativ. Das Unternehmen sitzt auf einem Rekordauftragsbestand und gilt sogar als möglicher Übernahmekandidat. Drei Aktien mit völlig unterschiedlichen Risikoprofilen – aber jeweils klaren Kurstreibern. Wir stellen das Trio im Aktiencheck näher vor.

Lesezeit: ca. 7 Min. | Autor: Lars Winter
ISIN: A.H.T. SYNGAS TECH. EO 1 | NL0010872388 , RENK AG O.N. | DE000RENK730 , TONIES SE | LU2333563281

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Inhaltsverzeichnis:


    Der Autor

    Lars Winter

    Der gebürtige Nordhesse blickt auf eine über 25-jährige Laufbahn im Finanzjournalismus und aktiven Portfoliomanagement zurück und gilt als ausgewiesener Experte für deutsche Nebenwerte und Special Situations.

    Nach dem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Göttingen mit Schwerpunkt Bank- und Kapitalmarktrecht startete er zur Jahrtausendwende seine Karriere in der Frankfurter Finanzszene. Als Börsen- und Wirtschaftsjournalist schrieb der passionierte Hobbygolfer für führende Börsenbriefe, Finanzzeitungen und Wirtschaftsmagazine wie die Platow Börse, Capital Depesche, BÖRSE ONLINE, Capital und die Financial Times Deutschland.

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    A.H.T. SYNGAS: Hoffnungsvoller Vervielfacher

    Fans von kleinen Nebenwerten, die spannende Investmentstories mit viel Fantasie und hohem Kurspotenzial suchen, sollten sich die Aktie von A.H.T. Syngas näher anschauen. Der Micro Cap fristet an der Börse aktuell nur noch ein Schattendasein und wird von der breiten Anlegermasse überhaupt nicht mehr wahrgenommen. Die Kursentwicklung war in den vergangenen drei Jahren allerdings auch ein Trauerspiel. Nachdem sich die Aktie in den Jahren 2020 bis 2023 auf über 30 Euro mehr als verzehnfacht hatte, ging es danach wieder steil bergab. Der Aktienkurs dümpelt heute bei rund 2 Euro auf niedrigem Niveau vor sich hin. Der Börsenwert liegt nur noch bei rund 5 Mio. EUR und damit ebenfalls jenseits der Wahrnehmungsgrenze vieler Börsianer.

    Doch das Cleantech-Unternehmen arbeitet am Turnaround und will sich operativ neu aufstellen. Die Technologie wird standardisiert, die Pipeline wächst und der strategische Fokus geht klar in Richtung skalierbarer Geschäftsmodelle. Bei einem überschaubaren Börsenwert im einstelligen Millionenbereich reicht im Zweifel schon ein einziger größerer Auftrag, um die Wahrnehmung am Kapitalmarkt komplett zu verändern. Die nächsten Monate dürften dafür entscheidend werden. Nachholpotenzial ist allemal vorhanden, denn A.H.T. zählt auch zu den Profiteuren der explodierenden Energiepreise.

    Vereinfacht gesagt macht A.H.T. Syngas aus Abfall Energie. Der Spezialist nutzt ein patentiertes Doppelfeuerverfahren, um Holzreste, Gärreste, Klärschlamm oder andere biogene Stoffe thermochemisch in Synthesegas umzuwandeln. Dieses kann direkt vor Ort Strom, Wärme oder Heißgas erzeugen. Industriebetriebe können fossiles Erdgas ersetzen, Reststoffe verwerten und ihre Abhängigkeit von Netzen verringern.
    Industrieunternehmen müssen ihre CO2-Bilanz verbessern, während Stromnetze an Grenzen stoßen und große Wasserstoffprojekte nur langsam vorankommen. Dezentrale Anlagen lassen sich näher am Verbraucher errichten. Davon könnte A.H.T. auch beim Energiehunger von Rechenzentren und kleineren Industriebetrieben profitieren.

    Weitere Chancen eröffnen Verfahren zur Wasserstoffgewinnung aus Synthesegas und Biomasse. In Japan arbeitet die Firma daran, Kunststoffabfälle in wiederverwendbare Gase umzuwandeln. Kommerzielle Anlagen sind ab 2027 vorgesehen. Potenzial ist vorhanden, sichere Erlöse sind es noch nicht.

    Auch das Geschäftsmodell soll sich verändern. Bisher verkauft A.H.T. vor allem Anlagen – ein Geschäft mit langen Zyklen, hohen Vorleistungen und sprunghaften Erlösen. Künftig will das Unternehmen ausgewählte Anlagen mit Partnern selbst betreiben und Energie über langfristige Contracting-Verträge verkaufen. Wiederkehrende Einnahmen und höhere Margen wären die Belohnung. Zunächst steigt jedoch der Kapitalbedarf. Energieanlagen wachsen nun einmal nicht auf Bäumen, selbst wenn später Holzreste hineinkommen.

    Große Hoffnungen ruhen derzeit auf Polen. Dort kooperiert der Cleantech-Konzern seit März mit dem Projektentwickler Innotec. Nach Angaben des Unternehmens befinden sich bereits 17 Projekte in der Entwicklung. Selbst wenn davon zunächst nur ein Teil umgesetzt wird, könnte dies Umsatz und Auftragseingang spürbar beleben. Polen bietet dafür günstige Voraussetzungen: Das Land verfügt über große Mengen an Biomasse, ist aber weiterhin stark von fossilen Energieträgern abhängig. Erfolgreiche Referenzprojekte könnten zudem als Visitenkarte für weitere internationale Märkte dienen. Innotec ist im Mai als Aktionär bei A.H.T. eingestiegen. Für 2026 stellt das Unternehmen aus der Kooperation ein realisierbares Auftragsvolumen von mindestens 10 Mio. EUR in Aussicht. Das wäre für einen Konzern dieser Größe ein mächtiger Hebel.

    Eine zweite Wachstumssäule könnte Wasserstoff werden. Im Rahmen des geförderten BiDroGen-Projekts arbeitet A.H.T. an Lösungen zur dezentralen Herstellung von grünem Wasserstoff. Noch weitreichender sind die Pläne von Vorstandschef Gero Ferges. Er will die Gesellschaft schrittweise vom reinen Anlagenbauer zu einem Energieanbieter mit wiederkehrenden Erlösen entwickeln. Ein solcher Umbau braucht Zeit und Kapital, könnte dem Geschäftsmodell langfristig aber eine deutlich höhere Qualität verleihen – und damit auch eine andere Bewertung an der Börse rechtfertigen.

    Wie das Cleantech-Unternehmen seine strategische Transformation erfolgreich umsetzen will, erläuterte CEO Gero Ferges auf dem 19. International Investment Forum (IIF). Die Videopräsentation dazu sehen Sie hier:

    https://youtu.be/Xh7gCe7tKMQ

    Ohne Risiko ist die Spekulation selbstverständlich nicht. Zahlreiche Vorhaben befinden sich noch in einem frühen Stadium, die Planbarkeit der künftigen Erlöse bleibt begrenzt und zusätzliche Finanzierungsmaßnahmen könnten bestehende Aktionäre verwässern. A.H.T. Syngas ist daher ausschließlich eine Aktie für sehr risikobereite Anleger. Kommt die operative Wende aber tatsächlich in Gang, erscheint eine Rückkehr in deutlich höhere Kursregionen durchaus möglich. Das Augsburger Analystenhaus GBC Research traut der Aktie ein Kursziel von 8,50 EUR zu. Gemessen am aktuellen Niveau entspräche dies mehr als einer Vervierfachung.

    TONIES: USA BLEIBT WACHSTUMSMOTOR

    So viel Potenzial besitzt die Aktie von Tonies nicht mehr. Aber Analysten trauen dem Nebenwert noch hohe zweistellige Kurssteigerungen zu. Das Unternehmen wächst aktuell aber auch in einer anderen Gewichtsklasse. Am 20. August legte der Anbieter digitaler Audiosysteme für Kinder gute Zahlen für das zweite Quartal und das erste Halbjahr vor. Im ersten Jahressemester kletterte der Umsatz um 38 % auf 242,9 Mio. EUR, währungsbereinigt sogar um 41 %. Vor allem die Geschäfte in Nordamerika brummen. Die Erlöse legten in Übersee währungsbereinigt um 57 % auf 104,3 Mio. EUR zu; allein im zweiten Quartal betrug das Plus dort 85 %. Die Toniebox 2 trifft offenbar einen Nerv: Der Boxenumsatz sprang währungsbereinigt um 69 %, der Figurenumsatz um 36 %.

    Weil Hardware weniger profitabel ist und US-Zölle belasten, sank die bereinigte EBITDA-Marge allerdings von 2,1 auf 0,7 %. Der freie Cashflow lag wegen höherer Lagerbestände mit 64,3 Mio. EUR im Minus, soll auf Jahressicht aber positive Zuflüsse verzeichnen. Die Abhängigkeit vom US-Geschäft ist hoch: 2025 kamen laut Reuters gut 46 % des Umsatzes aus den USA. Nordamerika bleibt aber der wichtigste Wachstumsmotor. Jede zusätzliche Box öffnet allerdings die Tür für jahrelange, margenstärkere Figurenumsätze.

    Für zusätzliche Wachstumsimpulse könnte die zu Wochenbeginn neu angekündigte Toniebox Lite sorgen. Die kompaktere und günstigere Variante kommt zunächst in Nordamerika sowie anschließend in Großbritannien, Australien und Neuseeland auf den Markt und soll neue Kundengruppen für das Tonies-Ökosystem erschließen. Nur ein Jahr nach der Toniebox 2 unterstreicht die Einführung zudem das höhere Innovationstempo und den Ausbau der Plattform zu einem Ökosystem mit mehreren Geräten, Figuren und Zubehör. Für 2026 bestätigte das Management jüngst seine Ziele. Bis Silvester sollen mehr als 760 Mio. EUR Umsatz, eine bereinigte EBITDA-Marge von 9 bis 11 % und ein positiver freier Cashflow in den Büchern stehen. Bis 2030 soll der Umsatz sogar auf mehr als 1,4 Mrd. EUR steigen.

    Billig ist die Aktie allerdings nicht mehr zu haben. Der operativen Entwicklung steht ein Börsenwert von rund 1,5 Mrd. EUR entgegen. Der Analystenkonsens veranschlagt für 2026 ein KGV von 35 und ein EV/EBITDA von 19,6 - das ist wahrlich kein Pappenstiel. 2027 sollen die Werte laut Schätzungen jedoch beim KGV auf 22 und beim EV/EBITDA auf 13,7 sinken, was die Bewertung deutlich attraktiver macht. **Das durchschnittliche Kursziel der acht Banken und Researchhäuser, die die Aktie covern, liegt bei knapp 17 EUR, was ein Kurspotenzial von über 40 % eröffnet.

    RENK: AUFTRAGSBOOM TRIFFT ÜBERNAHMEFANTASIE

    Beim Getriebebauer und Rüstungshersteller RENK ist das Orderbuch schwerer als mancher Kampfpanzer. Im ersten Halbjahr stieg der Auftragseingang um knapp 30 % auf rund 1,2 Mrd. EUR. Der Gesamtauftragsbestand erreichte 7,4 Mrd. EUR, einschließlich Rahmenverträgen und sogenannter Soft Orders. Der Umsatz legte um 2,7 % auf 637,2 Mio. EUR zu, das bereinigte EBIT um 10,1 % auf 98,2 Mio. EUR. Die Marge verbesserte sich auf 15,4 %. Für 2026 peilt Renk mehr als 1,5 Mrd. EUR Umsatz und beim bereinigten EBIT die obere Hälfte der Spanne von 255 bis 285 Mio. EUR an.

    Zusätzlichen Schub liefert die geplante Übernahme von David Brown Defence. Der britische Getriebespezialist sorgt vor allem im Marinegeschäft und bei U-Boot-Antrieben für Verstärkung. JPMorgan-Analyst David Perry hält RENK selbst allerdings auch für ein attraktives Übernahmeziel eines größeren Branchenkonzerns und sieht den fairen Wert bei 75 EUR. Ein konkretes Gebot gibt es bislang allerdings nicht.

    Der Marktkonsens traut dem Getriebespezialisten weiterhin kräftiges Wachstum zu. Die Erlöse sollen von 1,37 Mrd. EUR im Jahr 2025 auf 1,56 Mrd. EUR in 2026, 1,81 Mrd. EUR in 2027 und 2,16 Mrd. EUR in 2028 steigen. Beim Gewinn je Aktie rechnen die Analysten mit einem Anstieg von 1,61 EUR auf 1,75 EUR, 2,17 EUR und schließlich 2,79 EUR. Zugleich soll sich der freie operative Cashflow von 70 Mio. EUR im vergangenen Jahr auf 150 Mio. EUR in 2026 und bis auf 220 Mio. EUR in 2028 mehr als verdreifachen. Das wäre der Beleg, dass aus dem Auftragsboom tatsächlich Bares wird.

    Billig ist diese Entwicklung allerdings nicht zu haben. Das erwartete KGV für 2026 liegt bei knapp 30, der Unternehmenswert beim 17-Fachen des prognostizierten EBITDA. Das ist wahrlich kein Schnäppchenniveau. Beide Multiplikatoren liegen über dem Branchenmedian. Bis 2028 würde das KGV bei Erreichen der Schätzungen allerdings auf unter 19 sinken.

    Seit dem Hoch vom Oktober 2025 hat die Aktie fast 50 % verloren. Der Kursrückgang hat viel Übertreibung aus der Bewertung genommen, die hohen Erwartungen und die Ausführungsrisiken aber noch nicht gänzlich beseitigt. Analysten bleiben dennoch ausgesprochen optimistisch: Aktuell raten 17 Banken und Researchhäuser zum Kauf, lediglich zwei Analysten vergeben Halte-Voten. Verkaufsempfehlungen gibt es derzeit nicht. Das mittlere Kursziel von knapp 65 EUR eröffnet rund 30 % Potenzial.

    FAZIT

    A.H.T. Syngas bietet den größten prozentualen Gewinnhebel, aber auch das höchste Risiko. Tonies überzeugt mit dem stärksten operativen Wachstum, RENK mit der besten Visibilität und den attraktivsten Auftragsbüchern. Wer sehr spekulativ investiert, behält A.H.T. Syngas wegen des Polen-Triggers eng im Blick. Wer bereits gelieferte Zahlen bevorzugt, findet in Tonies und RENK jetzt attraktive Kaufalternativen mit weniger Kurspotenzial, aber auch weniger Risiko.


    Interessenskonflikt

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    Lars Winter

    Der gebürtige Nordhesse blickt auf eine über 25-jährige Laufbahn im Finanzjournalismus und aktiven Portfoliomanagement zurück und gilt als ausgewiesener Experte für deutsche Nebenwerte und Special Situations.

    Nach dem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Göttingen mit Schwerpunkt Bank- und Kapitalmarktrecht startete er zur Jahrtausendwende seine Karriere in der Frankfurter Finanzszene. Als Börsen- und Wirtschaftsjournalist schrieb der passionierte Hobbygolfer für führende Börsenbriefe, Finanzzeitungen und Wirtschaftsmagazine wie die Platow Börse, Capital Depesche, BÖRSE ONLINE, Capital und die Financial Times Deutschland.

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