02.10.2026 | 04:50
Absolut unterschätzt! Die nächste Robotik-Welle rollt an - First Hydrogen, BMW und Schaeffler positionieren sich!
Wasserstoff, KI und Robotik verändern die Mobilität und eröffnen neue Geschäftsfelder. Während BMW mit humanoiden Robotern den Einsatz in der eigenen Produktion vorantreibt, entwickelt Schaeffler zentrale Komponenten für die nächste Generation der Robotik. Besonders spannend sind die Entwicklungen bei First Hydrogen. Die Kanadier entwickeln sich vom Wasserstoff-Nutzfahrzeug-Spezialisten zum Anbieter unbemannter Bodenfahrzeuge sowie Robotik und adressieren damit ein enormes Marktpotenzial. Veränderungen stehen für Chancen. Wer kann bis Ende des Jahres die meisten PS auf die Straße bringen?
Lesezeit: ca. 4 Min.
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Autor:
Carsten Mainitz
ISIN:
First Hydrogen Corp. | CA32057N1042 | TSXV: FHYD , BAY.MOTOREN WERKE AG ST | DE0005190003 , SCHAEFFLER AG | DE000SHA0100
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Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Carsten Mainitz
Der gebürtige Rheinland-Pfälzer ist seit mehr als 25 Jahren leidenschaftlicher Börsianer. Nach seinem BWL-Studium in Mannheim arbeitete er als Journalist, im Equity Sales und viele Jahre im Aktienresearch.
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First Hydrogen: Den nächsten boomenden Markt im Visier
Bekannt wurde First Hydrogen mit Brennstoffzellen für Nutzfahrzeuge. Zum strategischen Ansatz gehören außerdem Wasserstoffproduktion und -versorgung. Forschungsarbeiten zu kleinen modularen Kernreaktoren runden das Profil ab. Nun hat die Gesellschaft ihren Schwerpunkt auf Robotik und autonome Systeme gelegt und adressiert damit einen riesigen Markt. Ziel ist es eine breit aufgestellte Technologiegruppe erfolgreich zu etablieren.
Drohnen haben die Kriegsführung grundlegend verändert. Nun rücken unbemannte Systeme am Boden verstärkt in den Fokus. Ukrainische Einheiten setzen diese sogenannten UGVs (Unmanned Ground Vehicles) inzwischen für Logistik, Verwundetenevakuierung, Minenräumung und zunehmend auch für offensive Einsätze, wie zuletzt im Rahmen der Operation Vivaldi geschehen, ein. Fortune Business Insights erwartet, dass der weltweite UGV-Markt von knapp 13 Mrd. USD auf mehr als 32 Mrd. USD im Jahr 2034 wachsen könnte.
Von diesem riesigen Marktpotenzial wollen sich die Kanadier ein Stück abschneiden. Das Unternehmen hat sich kürzlich exklusiv weltweite Rechte zur Weiterentwicklung und Kommerzialisierung einer patentierten, KI-gestützten UGV-Plattform gesichert. Das Konzept ist modular aufgebaut und soll sowohl autonom als auch per Fernsteuerung betrieben werden können. Gerade wurde die erste Einheit fertiggestellt. Wechselbare Aufbauten ermöglichen unterschiedliche Einsätze, darunter Transport, Überwachung und Kommunikation. Der demonstrierte Aufbau enthält eine automatisch öffnende Start- und Transporteinheit für Flugdrohnen.
Bereits zuvor hatte First Hydrogen eine definitive Vereinbarung zum Erwerb von 60 % an Exodus Actuation Solutions bekannt gegeben. Dafür sollen schrittweise zwei Millionen eigene Aktien ausgegeben und 2 Mio. USD für die Technologieentwicklung bereitgestellt werden. Exodus besitzt oder lizenziert laut Mitteilung 26 erteilte und zehn angemeldete Patente rund um Motoren, Getriebe und Aktuatoren.
Damit wollen die Kanadier eine eigene technologische Basis für autonome und humanoide Robotik aufbauen. Die Aktivitäten werden in der Tochtergesellschaft First Humanoid Corp. gebündelt.
Die Aktie hat bislang nicht auf die strategische Neupositionierung reagiert. Aktuell notieren die Anteilsscheine bei 0,385 CAD, womit das Unternehmen einen Börsenwert von 35 Mio. CAD aufweist. Dem stehen die Potenziale eines stark wachsenden Zukunftsmarkts gegenüber.
BMW - Erwartungsmanagement
Der Autobauer setzt vermehrt auf Robotik, um die eigene Produktion zu verbessern. Bereits im vergangenen Jahr wurde ein Pilotprojekt mit dem US-Robotik-Unternehmen Figure AI unter Einsatz des humanoiden Roboters Figure 02 im amerikanischen Werk Spartanburg erfolgreich durchgeführt. Nach BMW-Angaben unterstützte Figure 02 innerhalb von zehn Monaten die Produktion von mehr als 30.000 BMW X3.
Für den Standort Leipzig kündigte BMW ein weiteres Robotik-Pilotprojekt mit dem schwedischen Hexagons AEON, dem humanoiden Roboter der schwedischen Hexagon Robotics an, welcher unter anderem in der Batterie- und Komponentenfertigung eingesetzt werden soll. Parallel entwickelt BMW die Brennstoffzelle weiter. Vor wenigen Wochen berichtete der Konzern über die Erprobung und Produktionsvorbereitung des iX5 Hydrogen. Wasserstoff bleibt damit eine zusätzliche Antriebsoption, deren Erfolg auch von Versorgung und Betriebskosten abhängt.
Dies sind zwar innovative und erfreuliche Entwicklungen, vorerst dominieren jedoch die Herausforderungen des Kerngeschäfts bei den Bayern. Im zweiten Quartal lag die EBIT-Marge im Automobilsegment lediglich bei 2,3 %. Aktuell notieren die Anteilsscheine bei 55 EUR, womit die Gesellschaft eine Marktkapitalisierung von 33 Mrd. EUR aufweist. Noch Ende letzten Jahres wurden nahezu 100 EUR an der Börse bezahlt. Analysten erkennen im Durchschnitt ein Upside von rund 30 %.
Jüngst stimmte der neue CEO Milan Nedeljkovic die Börse auf eine anhaltende Schwächephase ein. Die operative Marge im Autogeschäft soll 2028 lediglich 3 bis 5 % erreichen, während die angestammte Zielspanne von 8 bis 10 % erst Anfang des kommenden Jahrzehnts wieder erreichbar sein soll. Hauptproblem bleibt China, wo BMW mit einem verschärften Preiskampf und sinkender Nachfrage nach teuren ausländischen Fahrzeugen kämpft. Die Gegenmaßnahmen des Konzerns umfassen Kostensenkungen, eine stärkere Lokalisierung in China sowie einen Abbau von Tausenden Stellen. Gleichzeitig sollen Investitionen und Entwicklungsausgaben sinken. Rückenwind verspricht sich BMW durch den Ausbau von KI entlang der gesamten Wertschöpfungskette sowie durch die Einführung eines neuen Vertriebsmodells in Europa.
Schaeffler: Kompetenz ist Trumpf
Schaeffler entwickelt Bewegungs- und Antriebstechnik für Fahrzeuge und Industrieanlagen und will diese Kompetenz zunehmend für den Bereich Robotik nutzen. Im Sommer stellten die Deutschen ein umgeformtes Wellgetriebe für humanoide Roboter vor. Diese kompakten Getriebe übertragen Kraft und Bewegung auf die Gelenke und sind damit zentrale Komponenten von Roboter-Aktuatoren. Das neue Fertigungsverfahren soll die Produktionskosten um mehr als 25 % und den Materialverbrauch um mehr als 75 % senken. Der Serienanlauf für mehrere Hersteller ist im kommenden Jahr geplant.
Nach Unternehmensangaben wurden bereits mehr als zwei Millionen umgeformte Wellgetriebe für die Automobilindustrie produziert. Neben Wellgetrieben kommen Präzisionslager, Linear- und Antriebstechnik, Sensorik sowie Motion-Control-Lösungen als mögliche Anwendungen für die Robotik infrage. Das passt zur breiteren Aufstellung des Konzerns, der mit E-Mobility, Powertrain & Chassis, Vehicle Lifetime Solutions sowie Bearings & Industrial Solutions inzwischen deutlich mehr als ein klassischer Wälzlagerhersteller ist.
Finanziell bleibt der Konzern allerdings gefordert. Im ersten Halbjahr erzielte Schaeffler rund 11,7 Mrd. EUR Umsatz. Das Segment E-Mobility belastete mit einem operativen Verlust (EBIT) vor Sondereffekten von 402 Mio. EUR. Der freie Cashflow vor Unternehmenskäufen und -verkäufen lag bei minus 300 Mio. EUR. Das Unternehmen ist bei dem aktuellen Aktienkurs von 6,30 EUR mit 6 Mrd. EUR bewertet. Analysten trauen den Anteilsscheinen in den kommenden 12 Monaten ein Aufwärtspotenzial von rund 40 % zu.
Fazit
BMW, Schaeffler und First Hydrogen setzen an unterschiedlichen Stellen derselben Zukunftsthemen wie Physical AI, autonome Systeme und neue Antriebstechnologien an. BMW bringt humanoide Roboter und Brennstoffzellen in konkrete Pilot- und Entwicklungsprojekte, Schaeffler liefert mit Antrieben, Getrieben und Aktuatoren zentrale Komponenten. First Hydrogen baut eine eigene technologische Basis für autonome UGV- und Robotiksysteme auf. Die Aktivitäten werden in der Tochtergesellschaft First Humanoid Corp. gebündelt.
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