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05.11.2026 | 05:34

Wie First Hydrogen, Schaeffler und SpaceX auf den Billionenmarkt der humanoiden Roboter setzen

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Bildquelle: Nano Banana KI

Die künstliche Intelligenz lernt laufen, doch dafür braucht sie Muskeln aus Stahl und hochpräzise Getriebe. Während der Raumfahrtkonzern Space Exploration Technologies (SpaceX) Milliarden in neue KI-Infrastruktur steckt und der Automobilzulieferer Schaeffler bereits eine Fabrik betreibt, in der Roboter Roboterteile montieren, wagt nun auch der kanadische Wasserstoff-Pionier First Hydrogen den Sprung in die Robotik. Der Wettlauf um die Gelenke der Maschinen hat begonnen, und die Rollen darin werden gerade neu verteilt.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Nico Popp
ISIN: First Hydrogen Corp | CA32057N1042 , DE000SHA0100 , SPACE EXPLORATION TECHNOLOGIES CORP | US84615Q1031

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Inhaltsverzeichnis:


    Schaeffler: Roboter bauen Roboter

    Der fränkische Automobilzulieferer Schaeffler stemmt sich gegen das absehbare Ende des Verbrennungsmotors. Wie hart der Umbau ist, zeigt die Ankündigung von Anfang November: Netto 3.460 Stellen in Europa fallen weg, davon rund 2.660 in Deutschland, mehrere Standorte werden geschlossen. Gleichzeitig baut der Konzern die Robotik als neues Standbein aus. Im Oktober eröffnete er im chinesischen Taicang eine 7.500 Quadratmeter große Vorzeigefabrik, in der sechs humanoide Roboter an fünf Stationen Gelenkantriebe für die nächste Generation humanoider Roboter montieren. Schaeffler verbucht in diesem Segment inzwischen einen Auftragseingang von rund 400 Mio. EUR und hat sich mit Lieferverträgen, unter anderem mit Neura Robotics und Hexagon Robotics, früh positioniert. Produkte aus Schaefflers Kernkompetenz, also Gelenkantriebe und Präzisionsgetriebe, machen nach Angaben des Konzerns mindestens die Hälfte der Materialkosten eines humanoiden Roboters aus. Die Abläufe in Taicang testet das Unternehmen vorab an einem digitalen Zwilling der Fertigungslinie. Gemeinsam mit dem Technologiepartner NVIDIA bildet es seine Antriebe zudem in Simulationen ab, damit Roboter virtuell erprobt werden können, bevor sie real zum Einsatz kommen.

    SpaceX: KI-Fabriken auf dem Mond

    Elon Musk denkt derweil in interplanetaren Dimensionen. SpaceX erzielt inzwischen mehr Umsatz mit künstlicher Intelligenz als mit Raketenstarts und Satelliteninternet zusammen. Im dritten Quartal stieg der Umsatz um 161 % auf 14,6 Mrd. USD, davon entfielen 7,56 Mrd. USD auf die KI-Sparte „Super Intelligence“. Getragen wird das unter anderem von neuen Cloud-Verträgen über Rechenkapazität, das Satellitennetz Starlink folgte mit 5,25 Mrd. USD. Der Hunger nach Rechenleistung hat seinen Preis: Von 19,6 Mrd. USD Investitionen im Quartal flossen 16,4 Mrd. USD in die KI-Infrastruktur – und Rechenzentren dieser Größe verbrauchen enorme Mengen Strom. Musk plant deshalb über die Erde hinaus. Anfang August bekräftigte er auf der ersten Telefonkonferenz als börsennotiertes Unternehmen Pläne, auf dem Mond Fabriken für KI-Rechensatelliten zu errichten, die anschließend als Rechenzentren im All arbeiten sollen. Humanoide Roboter sollen dort Aluminium, Titan und Silizium aus dem Mondgestein verarbeiten, nur die Chips kämen weiter von der Erde.

    First Hydrogen greift nach dem Patent-Schatz

    Mitten in diesem industriellen Umbruch bringt sich nun der kanadische Entwickler First Hydrogen in Stellung. Bislang kannte man die Kanadier vor allem für zwei Wasserstoff-Transporter mit Straßenzulassung in Großbritannien, nun rückt geistiges Eigentum in den Fokus. Am 2. November genehmigte die Börse TSX Venture Exchange die endgültige Vereinbarung über den Erwerb einer Mehrheitsbeteiligung von 60 % an der Exodus Actuation Solutions Inc. für 2 Mio. Stammaktien und eine gestaffelte Investition von 2 Mio. USD. Beide Komponenten sind an vereinbarte Budgets gebunden, hinzu kommen 523.475 Aktien als Vermittlungsprovision. Damit sichert sich First Hydrogen den Zugriff auf 26 erteilte und 10 angemeldete Patente für Aktuatoren, Getriebe und Hochleistungsmotoren, die Exodus besitzt oder lizenziert. Die Robotik-Aktivitäten bündelt das Unternehmen in der hundertprozentigen Tochter First Humanoid. Die Antriebe sollen die Reibung verringern, die Effizienz erhöhen und Roboterbewegungen flüssiger und natürlicher machen. Exodus ist dabei kein reines Konzept-Startup, sondern hat nach eigenen Angaben bereits mehr als 500 Motoren und Getriebe gefertigt und an Kunden aus der Robotik-, Automobil- und Verpackungsindustrie ausgeliefert.

    Die Aktie von First Hydrogen gab seit Mai deutlich nach – bringt die Robotik die Wende?
    Die Aktie von First Hydrogen gab seit Mai deutlich nach – bringt die Robotik die Wende?

    Unbemannte Bodenfahrzeuge für extreme Einsätze

    Neben den Gelenken für Humanoide zielt First Hydrogen auf militärische und logistische Nischen. Eine separate Vereinbarung mit Exodus sichert dem Unternehmen die exklusiven Weltrechte an einer patentierten mobilen Boden-Drohnen-Plattform. Das robuste Fahrzeug mit formveränderlichen Rädern soll auch nach Beschädigungen weiterfahren und ist unter anderem für militärische Unterstützung, Transporte und als Start- und Tankplattform für Luftdrohnen gedacht. Ende September meldete First Hydrogen den Abschluss des Baus. Damit hat das Unternehmen den vereinbarten Entwicklungsmeilenstein erreicht und hält die Exklusivrechte für die restliche Laufzeit des Patents, gegen eine Lizenzgebühr von 1 % auf den Bruttoumsatz. Die Entwicklungskosten trägt First Hydrogen, das daraus entstehende geistige Eigentum gehört vollständig dem Unternehmen. Hier schließt sich der Kreis zum Wasserstoffgeschäft, denn autonome Logistikfahrzeuge und Drohnen können von leisen Brennstoffzellen fernab jeder Ladeinfrastruktur profitieren.

    Fazit: Milliardenmarkt für mechanische Muskeln

    Die Zahlen zeigen, wie groß dieser Markt werden könnte. Analysten von RBC Capital Markets schätzen, dass der globale Markt für humanoide Robotik bis zum Jahr 2050 ein Volumen von rund 9 Bio. USD erreichen könnte. Allein der Markt für Roboteraktuatoren soll laut The Business Research Company bis 2030 auf fast 68 Mrd. USD wachsen. Während Schaeffler auf industrielle Serienfertigung setzt und SpaceX Milliarden in KI-Infrastruktur investiert, wählt First Hydrogen den Weg über geistiges Eigentum und zielt auf die Kraftübertragung, eine Schlüsselstelle der Robotik. Ohne präzise Gelenke bleiben die besten neuronalen Netze starr und Fabriken auf dem Mond reine Fiktion. Dennoch ist der finanzielle Kraftakt für First Hydrogen angesichts fortlaufender operativer Verluste beträchtlich, zumal die Aktie mit rund 0,30 CAD deutlich unter vergangenen Höchstkursen notiert. Das macht das Papier trotz der Fantasie zu einem spekulativen Investment.


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    Der Autor

    Nico Popp

    Nico Popp

    In Süddeutschland zuhause, begleitet der leidenschaftliche Börsianer die Kapitalmärkte seit rund zwanzig Jahren. Mit einem Faible für kleinere Unternehmen ausgestattet, ist er ständig auf der Suche nach spannenden Investmentstorys

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