15.10.2026 | 05:35
Chancen und Risiken: Aktien von ASML, Almonty Industries und Lynas Rare Earths im Fokus!
Ob Zinssorgen, Geopolitik oder hohe Ölpreise: derzeit ist es nicht ganz leicht, am Markt Geld zu verdienen. In diesen Zeiten gilt es auf die operative Entwicklung einzelner Unternehmen zu blicken. Wer die Gewinne solide steigern und Gegenwinden am Markt trotzen kann, sollte auch in einem schwierigen Umfeld am Aktienmarkt punkten können. Dabei könnte die immer noch anhaltende Euphorie um die Künstliche Intelligenz möglicherweise das Endstadium des Booms erreicht haben. Wie Analysten errechnet haben, fließen allein in den USA inzwischen Beträge im Bereich von 3 % des BIP in die KI-Industrie. Damit ist dieser Boom noch größer als der Börsenrun auf Eisenbahn-Aktien im 19. Jahrhundert. Wir blicken heute deshalb auf die Aktie von ASML und prüfen die Chancen und Risiken bei Almonty Industries und Lynas Rare Earths.
Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Tarik Dede
ISIN: Almonty Industries Inc | CA0203987072 , ASML HOLDING EO -_09 | NL0010273215 , LYNAS CORP. LTD | AU000000LYC6
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Der Autor
Tarik Dede
Schon als Primaner in Norddeutschland entwickelte sich seine Begeisterung für den Neuen Markt. Small- und Midcaps standen dabei von Beginn an im Mittelpunkt. Der gelernte Bankkaufmann vertiefte sein Wirtschaftswissen später im Volkswirtschaftsstudium und in verschiedenen Stationen der Frankfurter Finanzbranche. Heute ist er seit über 25 Jahren privat wie beruflich an der Börse aktiv.
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ASML: Margen auf Rekordniveau!
ASML bleibt auf Rekordkurs. Der niederländische Hersteller von Lithografiesystemen für die Chipindustrie konnte mit seinen Zahlen zum dritten Quartal 2026 die Markterwartungen einmal mehr übertreffen. So erreichte man einen Umsatz von 11,66 Mrd. EUR und einen Nettogewinn von knapp 5 Mrd. EUR (+136 %). Die Bruttomarge erreichte gigantische 57,5 %. Da ASML ein Monopol in diesem Markt hat, profitiert man extrem vom Bau neuer Chipfabriken, die infolge des KI-Booms vor allem in Asien und Nordamerika entstehen.
Auch im Schlussquartal will ASML die Bruttomarge hoch halten und 57 % erreichen. Die Nachfrage für die kommenden beiden Jahre übersteige weiterhin das Angebot, nicht alle Anfragen könnten bedient werden, heißt es. Daher prüfe das Management aktuell, ob man die Kapazitäten 2028 um weitere 30 % ausbaut.
Die Aktie von ASML reagierte mit leichten Verlusten auf das Zahlenwerk. Offenbar hatten die sogenannten Flüsterschätzungen, insbesondere für den Ausblick, noch ein wenig höher gelegen. ASML bleibt zwar auf Wachstumskurs, doch bildet der Kurs inzwischen auch die Aufholjagd Chinas wieder. Von dort kommen immer wieder Meldungen, dass sich chinesische Unternehmen nicht mehr weit vom Niveau der ASML-Maschinen befinden.
Die Aussichten bleiben generell rosig, doch die Frage steht im Raum, wie lange die Sonderkonjunktur dank KI noch anhält. Im Sektor kommen die Einschläge näher. Zudem fragen immer mehr Analysten, wie insbesondere die Anbieter von LLM wie Anthropic oder OpenAI Geld die Investitionen wieder reinholen wollen. Die Papiere von ASML notieren aktuell rund 15 % unter dem Niveau des Allzeithochs aus dem Juni. Mit einem Börsenwert von rund 662 Mrd. USD ist ASML alles andere als ein Schnäppchen auf dem Parkett. Sollte sich das KI-Wachstum abschwächen, dürfte ASML als Ausrüster dies relativ früh spüren. Noch zeigt die Bilanz aber keine Kratzer.
Almonty Industries: Doppeltief und dann wieder hoch?
Ende Juli kostete eine Aktie von Almonty Industries knapp 11 USD. Danach ging es binnen weniger Woche um rund 40 % bergauf. Die Kursgewinne wurden aber seither wieder abverkauft. Nun steht die Aktie wieder bei knapp 11 USD und könnte somit ein Doppeltief markieren. Gelingt es hier, einen charttechnischen Boden einzuziehen, könnte es dann schnell wieder bergauf gehen.
Operativ hat sich in dieser Zeit übrigens nichts zum Negativen verändert. Almonty Industries fährt die Sangdong-Mine in Südkorea weiter hoch. Wie CEO Lewis Black nun in seinem Aktionärsbrief schrieb, wurden das erste Wolfram exportfähig gemacht. Der Fokus liegt allerdings bereits auf der zweiten Phase, der Erweiterung der Mine. Das Unternehmen will so die Verarbeitungskapazität im kommenden Jahr auf 1,2 Mio. Tonnen verdoppeln. Almonty wird so zum größten, nicht-chinesischen Produzenten von Wolfram.
Bisher kontrolliert Beijing etwa 80 % des Weltmarkts, wie der US Geological Survey (USGS) berechnet hat. Addiert man noch die Anteile Russlands und Nordkoreas hinzu, steigt dieser Anteil auf rund 95 %. Wolfram ist bei zahlreichen Gütern quasi unersetzlich – sei es in der Raumfahrt, der Rüstung, der Werkzeugindustrie oder in der Medizintechnik. Der Vorteil des Materials liegt in dem extrem hohen Schmelzpunkt von 3422 °C sowie der Dichte, die fast der von Gold entspricht. Diese Charakteristika machen Wolfram extrem kratzfest und hart, aber spröde.
Da China den Markt kontrolliert, fällt Almonty Industries eine Schlüsselposition für den Westen zu. Konkurrenz gibt es kaum und bis weitere westliche Minen in den Markt eintreten, dürfte noch viel Zeit vergehen. Die Analysten sind jedenfalls optimistisch für die Aktie von Almonty Industries. Die Investmentbank Stifel hatte im September ein Kursziel von 25 USD ausgegeben und auf die hohen Wolfram-Preise verwiesen. Damit hätte die Aktie das Potenzial zum Verdoppler. Die aktuelle Schwäche könnte mit der Vorlage der Zahlen zum Q3 überwunden werden. Da sich Almonty eine Cashposition von rund 1,2 Mrd. USD aufgebaut hatte, läuft auch bereits das erste Aktienrückkaufprogramm im Volumen von 300 Mio. USD. Aktien im Wert von rund 48 Mio. USD wurden bereits erworben, wie Black mitteilte.
Lynas Rare Earths: Aktie spielt den Blues!
Die Aktien im Bereich Seltene Erden wurden vor allem im vergangenen Jahr gehypt. Der Handelskonflikt zwischen den USA und China war erneut eskaliert und Washington machte klar, dass man bei kritischen Rohstoffen eine eigene, westliche Lieferkette aufbauen will. So soll die Unabhängigkeit von China sukzessive abgebaut werden.
Am Aktienmarkt konnten Anleger somit 2025 viel Geld mit entsprechenden Papieren verdienen. In diesem Jahr setzte aber der Blues ein. Der Euphorie folgte die Ernüchterung. So markierte der VanEck Rare Earth, Strategic Metals & Lithium ETF vor wenigen Tagen ein neues 52-Wochen-Tief. Seit dem Hochpunkt im März hat sich der breit aufgestellte Index nahezu halbiert.
Bei Lynas Rare Earths wurde das Jahreshoch im April erreicht. Danach hat auch dieser Titel fast die Hälfte seines Wertes verloren. Der Börsenwert schrumpfte von mehr als 20 Mrd. USD auf aktuell rund 11,65 Mrd. USD. Operativ profitiert der größte westliche Produzent von Seltenen Erden von den höheren Marktpreisen. So konnte der Umsatz im abgelaufenen Geschäftsjahr um 75 % verbessert, das EBITDA sogar mehr als verdreifacht werden (per 30.6.). Die Frage ist, was das Management mit dem Cash-Bestand von inzwischen 1,2 Mrd. USD machen wird. Teure Übernahmen sind es wohl nicht. Zu Monatsbeginn meldete man den Kauf von Meteoric Resources. Bezahlt wurde dieser Deal allerdings komplett in Aktien.
Spekuliert wird am Markt und in Aktienforen vor allem über einen größeren Deal. So könnte Großaktionärin Gina Rinehart über ihre Rohstofffirma Hancock Prospecting eine Übernahme anstreben oder an einen Zusammenschluss mit der US-Firma MP Materials forcieren, an der sie ebenfalls beteiligt ist. Zudem werden die Mining-Riesen BHP und Rio Tinto als mögliche Käufer genannt. Nachdem sich die Bewertung bei Lynas deutlich reduziert hat, könnten diese Szenarien tatsächlich Realität werden.
Fazit
Mit Lynas Rare Earths setzen Anleger auf das Comeback von Seltene Erden-Aktien. Die Fantasie über eine Übernahme der Australier bleibt auch auf diesem Kursniveau bestehen. Bei Almonty Industries wird dieses Jahr die erste Ernte aus der Wolfram-Mine Sangdong eingefahren. Die Q3-Zahlen könnten der Aktie wieder Schub geben. Hohe Margen und ein Monopol sprechen für ein Investment in ASML. Doch irgendwann endet der Chip-Boom und dann dürfte der niederländische Ausrüster dies als einer der ersten spüren.
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