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08.06.2026 | 04:45

Cleantech zeigt Stärke: Die Aktien von Nordex, Pure One und Linde im Check!

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Bildquelle: Pure One

In kaum einem Bereich rücken so viele neue und alte Firmen wieder ins Rampenlicht der Börse wie bei Cleantech-Aktien. Von Solar, über Windkraft bis zu neuen Technologien, die die Welt zu einem besseren und oft effizienteren Ort machen können. Und damit können Anleger auch viel Geld verdienen, wenn sie früh an Bord gehen. Wir blicken heute deshalb auf die Aktie von Pure One, die im Wasserstoff-Sektor vor einem großen Wachstumsschub steht. Doch es gibt auch etablierte Player, die aufs Radar gehören. Das Ur-Gestein Linde, das schon lange nicht mehr nur „alte“ Industrien beliefert, hat sich einen kaum zu bezwingenden Burggraben gebaut. Zudem lohnt sich wieder der Fokus auf Nordex. Nach dem Comeback-Jahr 2025 sind die Hanseaten stramm auf Wachstumskurs.

Lesezeit: ca. 6 Min. | Autor: Tarik Dede
ISIN: NORDEX SE O.N. | DE000A0D6554 , PURE ONE CORPORATION LIMITED | AU0000442865 | ASX: P1E , LINDE PLC EO 0_001 | IE00BZ12WP82

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Inhaltsverzeichnis:


    Nordex: Hausaufgaben gemacht!

    Große Umsätze sind toll, doch wenn die Marge enttäuscht, dann nehmen Anleger Reißaus! Nordex gehörte lange Jahre in diese Kategorie. Die Branche wuchs zwar, doch der Wettbewerb blieb stets hart. Doch Nordex scheint inzwischen die Kurve nachhaltig gekriegt zu haben. Die Ende April vorgelegten Zahlen für das erste Quartal 2026 untermauern den operativen Turnaround. So sprang der Konzernumsatz um 10,6 % auf rund 1,59 Mrd. EUR. Beim Ergebnis gab es geradezu eine Explosion: das EBITDA schoss um 64,3 % auf 130,7 Mio. EUR nach oben. Mit einer EBITDA-Marge von 8,2 % steht man nun sehr solide da. Netto blieben 53,6 Mio. EUR übrig, ein massives Plus gegenüber den mageren 7,9 Mio. EUR im Vorjahreszeitraum.
    Ein Wehrmutstropfen war das Minus beim Auftragseingang im Segment Projekte von -14 %. Wichtig ist aber, dass das Preisumfeld stabil blieb. Die Haupttreiber bei den Bestellungen waren Deutschland, die Türkei und Schweden. Der Gesamtauftragsbestand ist mit 17 Mrd. EUR prall gefüllt und entspricht damit fast zwei Jahren des Umsatzes. Die Guidance hat das Management für das Gesamtjahr 2026 bestätigt: Der Umsatz soll zwischen 8,2 und 9 Mrd. EUR landen, die EBITDA-Marge bei 8 % bis 11 % liegen. Mittelfristig sollen die Margen weiter steigen. Neben dem Volumenwachstum in Europa und Nordamerika soll dabei das hochprofitable Service-Geschäft (Marge von 19 % im Q1) eine wichtigere Rolle spielen. Nun soll auch die Wende bei den Ausschüttungen kommen. Ab 2027 sind bei Nordex entweder eine Dividende oder Aktienrückkäufe möglich.
    Die Analysten haben sich trotz des Turnarounds 2025 und der Bestätigung in diesem ersten Quartal noch nicht so richtig mit der Aktie anfreunden können. So hat sich das Papier seit Anfang vergangenen Jahres in etwa vervierfacht. Die Marktbeobachter betonen immer wieder die Zyklik des Geschäfts. Dabei spricht schon die Netto-Cash-Position von 1,5 Mrd. EUR Bände. Die Kursziele reichen von Skeptikern wie RBC (35 EUR) bis zu Optimisten wie Berenberg (50 EUR) und Goldman Sachs (49,60 EUR). Klar ist: Ganz günstig ist die Aktie kurzfristig nicht mehr. Allerdings signalisiert der Markt gerade viel Stabilität: An einem Ausverkaufstag wie dem jüngsten Freitag gab Nordex nur rund 1 % ab.

    Pure One: Der reine Wasserstoff-Play!

    Der Hype um Wasserstoff-Aktien mag für Anleger, die erst seit ein paar Jahren an der Börse aktiv sind, neu wirken. Doch die ersten Firmen gingen schon im Laufe der 1990er Jahre an die Kapitalmärkte. Gut 30 Jahre später stehen nun die Unternehmen vor dem Durchbruch. Pure One ist einer der Vorreiter in Australien, allerdings mit globalen Ambitionen. Das Unternehmen kommt derzeit auf einen Börsenwert von rund 25 Mio. AUD und bietet laut Analysten extrem viel Potenzial nach oben. Wenn das Management die Pläne erfolgreich umsetzt, sollte die Aktie in einigen Jahren in ganz anderen Sphären notieren.
    Das größte und aussichtsreichste Geschäftsfeld von Pure One ist die Zero-Emission Mobility (HDrive International). Hier befindet sich das Herzstück des operativen Geschäfts und der größte Umsatztreiber. Über die Mehrheitsbeteiligung an HDrive International fungiert Pure One als Anbieter von schweren Nutzfahrzeugen. Im Gegensatz zur Konkurrenz geht Pure One dabei äußerst sparsam mit dem Kapital der Aktionäre um. Man entwickelt die Fahrzeuge von Grund auf neu und lässt sie bei Wisdom Motor in China zusammenbauen – eine Art Foxconn für LKW und Busse. Die Brennstoffzelle wird wiederum aus Nordamerika geliefert.
    Die Aufträge sollten nun hereinkommen. So hat man die ersten Müllfahrzeuge an JJ’s Waste & Recycling geliefert. Das Potenzial ist riesig, denn allein dieser australische Versorger betreibt eine Flotte von über 2.000 Fahrzeugen. Mit dem Solo Resource Recovery hat man einen weiteren großen Australier als Partner an Bord, der sich derzeit noch in der Testphase der Fahrzeuge befindet. Getestet wird zudem auch mit Großkonzernen wie PepsiCo und Barwon Water. Zur Produktpalette gehören zudem diverse Busse, Kühltransporter und Gabelstapler. In der Heimat, aber auch in Nordamerika und Südostasien baut Pure One nun den Vertrieb mit Partnern aus. In Australien arbeitet man zudem an der Vergrößerung eines dezentralen Tankstellennetzes. Nicht zuletzt wird ergänzend wird am Problem der langen Ladezeiten gearbeitet. Dabei setzt Pure One auf den Austausch der Batterien um stundenlange Standzeiten an Ladesäulen zu vermeiden.
    Die Analysten von Trim Capital sehen erhebliches Potenzial in der Aktie und haben ein Kursziel von 0,557 AUD ausgegeben. Das ist in etwa das Neunfache des aktuellen Preises. Das Researchhaus erwartet, dass die Umsätze ab dem Geschäftsjahr 2027 geradezu auf knapp 39 Mio. AUD explodieren und dann auch vor Steuern erstmals schwarze Zahlen geschrieben werden. Sie setzen vor allem auf die Lieferketten-Effizienzen des Geschäftsmodells und eine größere, weltweite Akzeptanz von E-Nutzfahrzeugen (BEV) sowie Wasserstoff-Lkw im schweren Transportsektor. Rückenwind gibt aktuell aber auch der hohe Ölpreis, der die Produkte wettbewerbsfähiger macht. Für Trim Capital ist der entscheidende Wachstumstreiber aber der Übergang von Test-Flotten zu verbindlichen Großbestellungen bei den Wasserstoff-Müllwagen und Schwerlast-Lkw. Finanziell kann Pure One übrigens auf diverse Aktienpakete bauen, die man hält. Dies sollte die Verwässerung der Aktionäre in Grenzen halten.

    Linde: Kein Zykliker, sondern ein Margenriese!

    Eigentlich werfen Anleger und Analysten Industrieaktien in den Zykliker-Topf. Sobald der Wirtschaftsmotor mal stottert, fliegen diese Werte oft aus den Depots. Doch es gibt wohltuende Ausnahmen: Firmen, die sich über Jahre und Jahrzehnte einen Burggraben aufgebaut haben, den die Konkurrenz nur schwer überwinden kann. Das gilt auch für Linde, einst ein deutscher Vorzeigekonzern, der leider vom Management an die US-Amerikaner weitergereicht wurde. Inzwischen handelt die Aktie hauptsächlich in New York.
    Der Konzern besitzt einen der tiefsten und stabilsten wirtschaftlichen Burggräben der gesamten globalen Industrie. Dieser stützt sich im Wesentlichen auf vier Hauptpfeiler. Zum einen baut Linde seine Gaseanlagen oft direkt auf oder neben dem Werksgelände seiner Großkunden, also in Chemieparks, Stahlwerken oder Halbleiter-Fabriken. Die Gase werden dann direkt per Pipeline geliefert, was die Kosten für Linde niedrig hält. Für den Kunden wäre ein Wechsel des Anbieters mit erheblichen Aufwendungen und operativen Risiken verbunden. Wer ganze Pipelines baut, um sein Produkt zu liefern, hat auch in der Regel extrem lange Lieferverträge, die typischerweise bei 15 bis 20 Jahren liegen. Dabei gibt es meistens eine sogenannte Take-or-Pay-Klausel, so dass der Kunde eine festgelegte Mindestmenge an Gas abnehmen muss, selbst wenn die Fabrik weniger Bedarf hat. Diese Power und wenig globale Konkurrenz gibt Linde eine extreme Preismacht. Dazu kommt, dass Gase für die Kunden oft nur einen geringen Kostenfaktor darstellen. Wenn die Preise erhöht werden, wird in der Regel akzeptiert.
    So hat sich Linde überall auf der Welt quasi-Monopole in einzelnen Industrieregionen aufgebaut. Die Zahlen zum ersten Quartal 2026 zeigen, wie stark die Marktmacht von Linde inzwischen ist. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 8 % auf 8,78 Mrd. USD. Der bereinigte operative Gewinn kletterte um 8 % auf 2,63 Mrd. USD. Damit erreichte die bereinigte operative Marge die magische Marke von 30 %. Linde schafft es also, aus jedem Dollar Umsatz fast ein Drittel als operativen Gewinn einzufahren. Das schafft kaum ein Unternehmen auf der Welt.
    CEO Sanjiv Lamba hob die Prognose für das Gesamtjahr leicht an. Erwartet wird nun ein bereinigtes EPS von 17,60 bis 17,90 USD. Damit kommt die Aktie auf ein akzeptables KGV von 24. Die Aktie läuft seit Kriegsbeginn Ende Februar weitgehend seitwärts mit leicht Tendenz nach oben. Rückschläge wie im September 2025 sollten langfristig orientierte Anleger als Kaufchance sehen.


    Fazit: Linde hat sich über Jahrzehnte Preis- und Marktmacht aufgebaut und kann deshalb hohe Margen einfahren. Rückschläge können langfristig orientierte Anleger zum Einstieg nutzen. Pure One könnte zum Wachstumschampion der kommenden Jahre werden. Wer früh aufsteigt, kann laut Analysten auf eine Vervielfachung der Aktie hoffen. Nordex ist ein alter Haudegen im Windgeschäft, dem gewinnseitig das Comeback gelungen ist. Die Aktie ist nicht billig, aber derzeit auch in einem ungemütlichen Umfeld sehr stabil.


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    Der Autor

    Tarik Dede

    Schon als Primaner in Norddeutschland entwickelte sich seine Begeisterung für den Neuen Markt. Small- und Midcaps standen dabei von Beginn an im Mittelpunkt. Der gelernte Bankkaufmann vertiefte sein Wirtschaftswissen später im Volkswirtschaftsstudium und in verschiedenen Stationen der Frankfurter Finanzbranche. Heute ist er seit über 25 Jahren privat wie beruflich an der Börse aktiv.

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