23.07.2026 | 05:20
Erneutes Aufflammen des Iran-Konflikts befeuert die Öl-Industrie: BP, Zefiro Methane und Shell
Die erneute Zuspitzung im Nahen Osten entfaltet am Öl- und Gasmarkt eine unmittelbare Sogwirkung. Bereits die bloße Wahrscheinlichkeit von Unterbrechungen der Seewege oder der Energieinfrastruktur treibt die Notierungen und lässt die Risikoprämie steigen. Für Anleger eröffnet diese Gemengelage aus plötzlicher Volatilität und struktureller Knappheit ein lohnendes Spielfeld. Wer die unterschiedlichen Geschäftsmodelle richtig deutet, kann von der aktuellen Marktbewegung überdurchschnittlich profitieren. Ein Blick auf BP, Zefiro Methane und Shell zeigt, wo die größten Hebel für den Investor in der Ölindustrie liegen.
Lesezeit: ca. 5 Min.
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Autor:
Armin Schulz
ISIN:
BP PLC DL-_25 | GB0007980591 , ZEFIRO METHANE CORP | CA98926D1069 | NEO: ZEFI , Shell PLC | GB00BP6MXD84
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Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Armin Schulz
Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.
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BP – mit konjunkturellem Rückenwind
BP verschlankt zum 1. Juli seine operative Gliederung von drei auf zwei Segmente: Upstream und Downstream. Konzernchefin Meg O'Neill treibt damit ihre Vision einer fokussierten Öl- und Gasausrichtung voran. Die Investitionen in alternative Kraftstoffe werden drastisch von über 5 auf künftig nur 1,5 - 2,0 Mrd. USD jährlich reduziert. Stattdessen fließen rund 10 Mrd. USD in die Öl- und Gasförderung. Parallel läuft ein ehrgeiziges Desinvestitionsprogramm. Bis 2027 sollen Veräußerungen im Volumen von 20 Mrd. USD realisiert werden. Ein konkretes Beispiel ist der Verkauf des österreichischen Mobilitätsgeschäfts mit 250 Tankstellen an die Schweizer Volenergy AG.
Die Handelsmitteilung von Mitte Juli zeigt ein zwiespältiges Bild. BP profitiert auch im 2. Quartal vom angestiegenen Ölpreis. Ob der Brent-Preis im Schnitt höher war als im 1. Quartal, da lag er bei 103,85 USD pro Barrel, bleibt bis zu den offiziellen Zahlen offen. Die Raffineriemarge verdoppelte sich nahezu. Die positiven Preiseffekte sollen das operative Ergebnis um bis zu 2,1 Mrd. USD verbessern. Andererseits geht die Upstream-Förderung auf 2,17 - 2,22 Mio. Barrel zurück, bedingt durch Wartungsarbeiten und den Nahost-Konflikt. Die Nettoverschuldung sinkt auf 22 - 23 Mrd. USD, eine Reduktion um bis zu 3,3 Mrd. USD.
Die Einschätzungen fallen gemischt aus. Berenberg senkte das Kursziel leicht, hob aber die Gewinnprognosen für 2026 um 9 % an. Mizuho startete die Coverage mit einer Kaufempfehlung und einem Kursziel von 51 USD je ADR an der NYSE. Für Anleger bleibt BP ein ambivalentes Investment. Die strategische Neuausrichtung dürfte mittelfristig die Cashflow-Generierung verbessern, doch milliardenschwere Transformationskosten belasten weiterhin. Die Abhängigkeit von volatilen Rohölpreisen und geopolitischen Risiken bleibt bestehen. Der 4. August 2026, der Tag der vollständigen Quartalsveröffentlichung, wird ein wichtiger Gradmesser sein. Derzeit notiert die Aktie bei 6,309 EUR.
Zefiro Methane - das Milliardengeschäft mit Amerikas Altlasten
Zefiro Methane ist unabhängig von den Ölpreis-Schwankungen durch den Iran-Krieg und das macht das Geschäftsmodell für Investoren besonders interessant. Das Unternehmen hat sich auf die Stilllegung alter Öl- und Gasquellen in den USA spezialisiert, ein Milliardengeschäft, das gleichzeitig eine riesige Marktchance darstellt. Während die USA 4,7 Mrd. USD für die Sanierung bereitgestellt haben, wird der tatsächliche Bedarf auf 400 bis 600 Mrd. USD geschätzt. Diese Lücke zwischen staatlichen Mitteln und notwendigen Investitionen schafft eine strukturelle Angebotsknappheit, von der spezialisierte Dienstleister wie Zefiro profitieren.
Im Juli hat Zefiro eine strategische Partnerschaft mit der renommierten Non-Profit-Organisation Well Done Foundation geschlossen. Der erste Auftrag sieht die Versiegelung von 10 Bohrlöchern im Deep Fork National Wildlife Refuge in Oklahoma vor, mit Option auf weitere 20 Projekte. Diese Zusammenarbeit öffnet Türen zu neuen Bundesstaaten und etabliert Zefiro als bevorzugten Dienstleister in 18 US-Bundesstaaten in denen die Well Done Foundation aktiv ist. Bereits im Juni hatte das Unternehmen sein operatives Geschäft mit einem Fokus auf Energieinfrastrukturprojekte ausgeweitet, etwa die Versiegelung von Bohrlöchern für den Bau von KI-Rechenzentren. Zudem sicherte sich die Tochter Plants & Goodwin Aufträge im Wert von 2,4 Mio. USD vom Bundesstaat Ohio. Das ist ein klares Signal für die wachsende Nachfrage in diesem Sektor.
Die GBC-Studie sieht Zefiro auf einem soliden Wachstumspfad. Das neue Management hat das Unternehmen operativ neu ausgerichtet, die Margen verbessert und die Verschuldung reduziert. Für das laufende Geschäftsjahr wird mit einem Umsatz von rund 45,18 Mio. USD und einem positiven EBITDA von 3,73 Mio. USD gerechnet. Das Kursziel der GBC liegt bei 2,12 CAD. Das größte Risiko bleibt der akute Fachkräftemangel. Das Problem geht das Unternehmen mit eigenen Schulungsprogrammen und überdurchschnittlichen Gehältern an. Wer hier investiert, setzt auf einen wachsenden, staatlich subventionierten Markt mit einem etablierten Player, der sich in einer gut geschützten Nische positioniert hat. Aktuell notiert die Aktie bei 0,65 CAD.
Shell - zwischen geopolitischen Stürmen und Neuausrichtung
Shell vollzieht unter CEO Wael Sawan einen bemerkenswerten Kurswechsel. Der Konzern verabschiedet sich von kostspieligen Renewables-Projekten. Der Verkauf des indischen Sprng-Energy-Portfolios an Aditya Birla bringt 1,8 Mrd. USD, während der Ausstieg aus der südafrikanischen Fuel-Retail-Sparte an ADNOC weitere Milliarden in die Kasse spült. Parallel dazu wird der Zukauf des kanadischen Gasproduzenten ARC Resources durch die Aktionäre gebilligt. Das ist ein klares Bekenntnis zum Gasgeschäft. Die CO2-Ziele wurden angepasst. Statt 20 % Reduktion der Netto-Kohlenstoffintensität bis 2030 strebt Shell nun 15-20 % an.
Das 2. Quartal zeigt ein zwiespältiges Bild. Die Förderung der integrierten Gas-Sparte bricht aufgrund des Angriffs auf Ras Laffan in Katar auf 610.000 bis 650.000 Barrel Öläquivalent pro Tag ein. Das ist ein massiver Rückgang gegenüber 909.000 boe/d im 1. Quartal. Die Reparaturen der Pearl-Gas-to-Liquids-Anlage in Katar könnten sich über ein Jahr hinziehen. Dem gegenüber stehen exzellente Handelsergebnisse. Die Volatilität infolge des Nahostkonflikts beschert dem Trading-Geschäft deutliche Zugewinne. Die indikativen Raffineriemargen steigen auf 20 USD pro Fass, die Chemiemargen auf 240 USD pro Tonne. Die operative Cashflow-Generierung kehrt mit einem erwarteten Working-Capital-Zufluss von 1 - 6 Mrd. USD auf den Wachstumspfad zurück.
Der jährliche LNG-Ausblick von Shell zeichnet ein beeindruckendes langfristiges Bild. Die globale Nachfrage soll bis 2050 um rund 65 % auf fast 700 Mio. t pro Jahr steigen, angetrieben durch Asien. Doch die Gegenwart zeigt sich angespannt. Der europäische TTF-Gaspreis notierte im 2. Quartal bei durchschnittlich 46 EUR pro Megawattstunde, ein deutlicher Anstieg gegenüber den Vorquartalen. Mit dem Projekt auf den Bahamas und den Plänen für die Dragon-Offshore-Gasförderung in Venezuela positioniert sich Shell strategisch für zukünftiges Wachstum. Die Aktionäre dürfen sich über eine erhöhte Dividende von 0,3381 EUR pro Aktie freuen, während der Aktienrückkauf planmäßig fortgesetzt wird. Momentan kostet die Aktie 38,79 EUR.
Die erneute Eskalation im Nahen Osten treibt die Risikoprämie am Ölmarkt und belohnt Anleger, die die unterschiedlichen Geschäftsmodelle der Branche richtig deuten. BP setzt auf operative Straffung und profitiert von höheren Raffineriemargen, kämpft jedoch mit rückläufiger Förderung. Zefiro Methane präsentiert sich als krisenfester Nischenplayer, der von der milliardenschweren Altlastensanierung in den USA unabhängig vom Ölpreis profitiert. Shell wiederum nutzt die geopolitischen Verwerfungen für sein Trading-Geschäft und fokussiert sich konsequent auf Gas, während die Förderung in Katar leidet.
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