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17.07.2026 | 05:30

So sichern Sie sich Ihr Wasserstoff-Plus: Nel ASA, dynaCERT und Plug Power jetzt im Fokus

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Die Ära des grünen Wasserstoffs hat ihre viel gescholtene Phase der Ankündigungen und Übertreibungen endgültig hinter sich gelassen. Konkrete Milliarden-Investitionen in Elektrolyseure, Pipelines und Speicher katapultieren den Sektor 2026 in die Realwirtschaft und damit auch in den Fokus von Anlegern, die mehr als nur politische Absichtserklärungen sehen wollen. Während sich die Produktionskosten für grünen Wasserstoff verbessern und die Nachfrage aus der Industrie massiv anzieht, stehen nun jene Unternehmen im Mittelpunkt, die diese Wertschöpfungskette technologisch beherrschen. Wir sehen uns daher heute den norwegischen Elektrolyse-Spezialist Nel ASA, den kanadischen Emissionsreduzierer dynaCERT und den US-amerikanischen Systemintegrator Plug Power an.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Armin Schulz
ISIN: NEL ASA NK-_20 | NO0010081235 , DYNACERT INC. | CA26780A1084 | TSX: DYA , OTCQB: DYFSF , PLUG POWER INC. DL-_01 | US72919P2020

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Inhaltsverzeichnis:


    Nel ASA - zwischen Technologieversprechen und operativer Realität

    Der norwegische Elektrolyseur-Hersteller durchlebt eine Phase der Neuausrichtung. Während die Auftragsbücher mit rund 1,2 Mrd. NOK gut gefüllt sind und die Kasse mit etwa 1,3 Mrd. NOK reichlich bestückt bleibt, zeigt sich das operative Geschäft angespannt. Die Erlöse sackten im 2. Quartal um 12 % auf 153 Mio. NOK ab, ein klarer Dämpfer. Das EBITDA von minus 155 Mio. NOK wirft Fragen auf, wird allerdings durch eine Einmalzahlung von ca. 73 Mio. NOK aus dem Iwatani-Rechtsstreit verzerrt. Bereinigt zeigt sich kein weiterer Verfall. Die Kostenseite wurde mit einem Personalabbau von 430 auf 313 Stellen bereits deutlich verschlankt.

    Der eigentliche strategische Hebel liegt in der neuen druckbeaufschlagten Alkalinen-Plattform. Nach acht Jahren Entwicklung wurde sie im Mai als kommerzielles Produkt angekündigt und soll die Wasserstoff-Gestehungskosten von 7,80 auf 4,50 USD pro Kilogramm drücken. Das ist ein Unterschied, der viele bislang stockende Projekte wirtschaftlich machen könnte. Der Flächenbedarf sinkt um 80 %, die Investitionskosten für Kunden um bis zu 60 %. Die EU fördert die Industrialisierung mit 135 Mio. EUR, die Fertigungskapazität in Herøya soll bis Ende 2026 auf 500 Megawatt anwachsen. Ein entscheidender, aber noch nicht abgeschlossener Schritt.

    Die Konkurrenz aus China wird bei reinen Hardwarekosten im Vorteil sein. Nel setzt dagegen auf höhere Effizienz, Langlebigkeit und automatisierte Fertigung. Die Partnerschaften mit Samsung E&A, Saipem und Reliance in Indien schaffen ein stabiles Ökosystem für Großprojekte. Der überraschende Abgang von CEO Håkon Volldal Mitte Juni wirft jedoch Fragen auf. Zwar betont der Verwaltungsrat, dass die Strategie unverändert bleibt, doch ein Führungswechsel mitten in der Markteinführung einer Schlüsseltechnologie ist ein Risiko, das Anleger nicht ignorieren sollten. Die kommenden Quartale werden zeigen, ob die PA-Series tatsächlich den erhofften Auftrieb bringt. Derzeit ist die Aktie für 2,19 NOK zu haben.

    dynaCERT - der pragmatische Wasserstoff-Ansatz für die Übergangsökonomie

    Die Energiewende verläuft in der Realität weniger spektakulär als oft dargestellt. Während Politiker über Wasserstoffautobahnen diskutieren und Industriekonzerne Milliarden in neue Infrastrukturen investieren, kämpfen Transportunternehmen mit explodierenden Dieselkosten und strengeren Emissionsvorgaben. Genau hier setzt dynaCERT mit seinem pragmatischen Ansatz an. Das HydraGEN™ System wird an bestehende Dieselmotoren nachgerüstet, erzeugt Wasserstoff und Sauerstoff direkt im Fahrzeug und verbessert so die Verbrennungseffizienz. Mit der neuen Führung um CEO Kevin Unrath, der im Frühjahr 2026 die operative Verantwortung übernahm, hat das Unternehmen den Schwerpunkt klar auf Skalierung und Vertrieb gelegt. Die Phase der reinen Technologieentwicklung geht endgültig zu Ende.

    Vietnam dient als strategischer Testmarkt für die internationale Expansion. Nach erfolgreichen Pilotprojekten in Logistikzentren und Häfen konnte sich dynaCERT erste Serienaufträge von einem lokalen Lkw-Logistiker sichern. Das ist ein entscheidender Schritt über den Pilotstatus hinaus. Die Partnerschaft mit der Technischen Universität HCMUT und einem führenden Ölkonzern des Landes verankert die Technologie vor Ort und schafft Vertrauen bei weiteren Kunden. Parallel laufen die Vorbereitungen für Mexiko, wo ein neuer Distributor die Marktpräsenz ausbauen soll. Die jüngsten Installationen bei einem globalen Hafenbetreiber in Vietnam könnten zudem als Referenz für weitere Standorte in der ASEAN-Region dienen.

    Die jüngste Platzierung von Wandelanleihen über 5 Mio. CAD sichert die Finanzierung des Vertriebsausbaus in den Fokusmärkten. Der zweite strategische Hebel ist die HydraLytica™-Plattform, die Einsparungen dokumentiert und mit Verra-Zertifizierung den Zugang zum Carbon-Credit-Markt öffnet. Die eigentliche Bewährungsprobe kommt in den nächsten Quartalen. Dann sollen die Pilotprojekte in Serienaufträge überführt werden. Die technologische Basis steht, das Management hat klare Ziele formuliert. Jetzt geht es um die konsequente kommerzielle Umsetzung. Aktuell notiert die Aktie bei 0,115 CAD.

    Plug Power - Liquiditätssicherung und operativer Fortschritt

    Die jüngsten Transaktionen mit Stream US Data Centers zeigen, wo Plug Power aktuell den Hebel ansetzt. Für das Graham-Projekt in Texas fließen bis zu 76,5 Mio. USD, davon 50 Mio. bei Abschluss Ende Juli. Zusätzlich werden rund 14 Mio. USD gebundene Barsicherheiten freigegeben. Beim New Yorker Gateway-Projekt wurde der Verkauf in Stufen aufgeteilt. Eine frühere Kaution von 6,5 Mio. USD wird freigegeben, eine neue Anzahlung von 10 Mio. USD folgt. Der finale Abschluss für die Anlagen wurde auf März 2027 verschoben, um Genehmigungen in New York abzuwarten. Insgesamt bringen die Deals kurzfristig über 80 Mio. USD zusätzliche Liquidität. Sie sind Teil eines Programms, das insgesamt mehr als 275 Mio. USD an Liquiditätsverbesserung anstrebt.

    Das 1. Quartal 2026 lieferte ermutigende Zahlen. Der Umsatz stieg um 22 % auf 163,5 Mio. USD, getrieben durch ein starkes Elektrolyseur-Segment. Die GAAP-Bruttomarge verbesserte sich von minus 55 auf minus 13 %. Im Juni ging in Dänemark eine 5-MW-Anlage in Betrieb, die jährlich 550 t grünen Wasserstoff produzieren soll. Kurz darauf folgte die finale Investitionsentscheidung für den 50 MW Hunter-Valley-Hub in Australien. Es ist das größte grüne Wasserstoffprojekt des Landes, das nun in die Umsetzung geht. Die globale Projektpipeline umfasst mittlerweile über 8 Mrd. USD, mit Großaufträgen in Portugal, Spanien und Kanada.

    Die operative Verbesserung ist sichtbar, doch die Liquiditätsreserven bleiben knapp. Ende Juni waren nur 162 Mio. USD frei verfügbar, vor den Erlösen aus den Verkäufen. Das Management peilt für das 4. Quartal 2026 ein positives EBITDAS an, aber der Weg dorthin hängt von weiter sinkenden Kosten, besserer Anlagenverfügbarkeit und höheren Servicemargen ab. Die Analystenmeinungen sind gespalten. Die Spanne der Kursziele reicht von 1,65 bis über 3 USD. Der nächste Quartalsbericht am 10. August wird zeigen, ob der operative Schwung ausreicht, um die Finanzierungslücke zu schließen, bevor das Geld ausgeht. Momentan kostet die Aktie 2,21 USD.


    Das Jahr 2026 markiert für den Wasserstoffsektor den Übergang von der Vision zur kommerziellen Bewährungsprobe. Nel ASA muss nun beweisen, dass ihre neue Alkalinen-Plattform die versprochenen Kostensenkungen tatsächlich liefert, während der Führungswechsel ein Unsicherheitsfaktor bleibt. dynaCERT fokussiert sich mit pragmatischen Nachrüstlösungen auf Dieselmotoren und muss die Serienaufträge nun skalieren. Plug Power sichert kurzfristig Liquidität durch Anlagenverkäufe, doch der operative Turnaround bleibt angesichts knapper Kassen das größte Risiko.


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    Der Autor

    Armin Schulz

    Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.

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