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21.10.2026 | 05:20

Ihre Formel für Gewinne: So viel sind die Schnäppchen Paypal, Citigroup und Almonty wirklich wert

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Bildquelle: Pixabay

Der US-Aktienmarkt gilt als teuer. Schnäppchen sind dort rar geworden. Doch auf Basis der Gewinnschätzungen für 2027 finden sich durchaus Werte mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 10 oder sogar darunter. Ob das allein schon ein Kaufsignal ist, lässt sich mit einer Formel von Investorenlegende Benjamin Graham prüfen. Sie kommt mit wenigen Zutaten aus und berücksichtigt, was das reine KGV übersieht: das Wachstum. Angewandt auf Unternehmen wie Paypal, Citigroup und Almonty Industries, liefert sie erstaunliche Ergebnisse – Vervielfachungspotenzial inklusive.

Lesezeit: ca. 6 Min. | Autor: Jens Castner
ISIN: Almonty Industries Inc | CA0203987072 , US70450Y1038 , US1729674242

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Inhaltsverzeichnis:


    Der Autor

    Jens Castner

    Jens Castner

    Der gebürtige Nürnberger ist seit mehr als 30 Jahren im Finanzjournalismus und am Kapitalmarkt aktiv, zuletzt als Chefredakteur von Börse Online. Seit April 2026 ist er selbstständig tätig, um sich voll und ganz seiner großen Leidenschaft zu widmen: der Identifikation unterbewerteter Aktien, mit besonderem Fokus auf das Nebenwertesegment.

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    Einfache Formel zur Bewertung von Unternehmen

    Benjamin Graham gilt als Urvater des wertorientierten Investierens. Einem Unternehmen ohne Wachstum billigte er ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 8,5 zu. Steigt der Gewinn kontinuierlich, kommt für jeden Prozentpunkt langfristiger Wachstumsrate das Doppelte hinzu. Die Summe ergibt das angemessene KGV. Multipliziert mit dem Gewinn je Aktie, erhält man den fairen Wert. Im Endeffekt sieht die Formel so aus:

    Fairer Wert = Gewinn je Aktie x (2 x Wachstumsrate + 8,5)

    Eine Firma, die jährlich 5 % mehr verdient, wäre demnach ein KGV von 18,5 wert. Später ergänzte Graham eine Zinskomponente. Dafür setzte er den langfristigen Durchschnittszins von 4,4 % ins Verhältnis zur aktuellen Rendite erstklassiger Unternehmensanleihen mit AAA-Rating. Diese liegt derzeit bei 5,64 %. Das ergibt einen Faktor von 0,78, der das Basis-KGV für Unternehmen ohne Wachstum von 8,5 auf 6,6 drückt. Die Logik dahinter: Wer mit sicheren Anleihen schon ordentlich verdient, sollte für Aktien weniger bezahlen.

    Paypal: So geht es nach der geplatzten Übernahme weiter

    Wo das KGV unter 10 liegt, stößt man mit Grahams Methode immer wieder auf Titel, die tatsächlich auf Schnäppchenniveau notieren. Ein Beispiel ist Paypal mit einem für 2027 geschätzten KGV von etwa 9,8. Das Unternehmen wickelt Zahlungen im Internet ab, betreibt die Bezahl-App Venmo und verdient an jeder Transaktion mit. Im Sommer schien der Konzern kurz vor einem Eigentümerwechsel zu stehen. Ein Konsortium aus dem Zahlungsdienstleister Stripe und dem Finanzinvestor Advent bot Berichten zufolge 60,50 USD je Aktie, insgesamt mehr als 53 Mrd. USD. Ende August zogen sich die Interessenten jedoch zurück. Die Aktie fiel von 62 auf 52 USD. Inzwischen hat sie sich bei rund 57 USD gefangen. Der Markt hält es offenbar für möglich, dass weitere Bieter auftauchen.

    Unabhängig davon arbeitet das Management an der eigenen Ertragskraft. Seit März führt Enrique Lores, zuvor Chef des Computerkonzerns HP, das Unternehmen. Er will in den nächsten Jahren rund ein Fünftel der Stellen streichen und so mindestens 1,5 Mrd. USD einsparen. Sorgenkind ist der klassische Paypal-Bezahlknopf in Onlineshops, der kaum noch wächst. Venmo legt dagegen kräftig zu. „Wir müssen wieder ein Technologieunternehmen werden, das durch Innovation führend ist“, gibt Lores die Richtung vor.

    Analysten erwarten in den kommenden Jahren ein stabiles Gewinnwachstum von rund 8 %. Nach Grahams ursprünglicher Formel rechtfertigt das ein KGV von 24,5 (8,5 + doppelte Wachstumsrate, also 16). Multipliziert mit dem für 2027 erwarteten Gewinn je Aktie von 5,78 USD ergäbe sich ein fairer Wert von 141,61 USD. Mit Grahams Zinskomponente sinkt das angemessene KGV auf 22,6 und der faire Wert auf 130,63 USD. So oder so liegt beides meilenweit selbst über den optimistischsten Kurszielen der Analysten von 80 bis 85 USD.

    Citigroup: Der lange Umbau trägt Früchte

    Ein Neuanfang ist auch bei Citigroup das große Thema, allerdings schon deutlich länger. Jane Fraser steht seit 2021 an der Spitze der US-Großbank und hat sie seither gründlich umgekrempelt. Citi hat sich aus 12 von 14 Privatkundenmärkten im Ausland zurückgezogen und die Zahl der Hierarchieebenen von 13 auf 8 verringert. Die mexikanische Tochter Banamex soll Anfang 2027 aus der Konzernbilanz verschwinden und später an die Börse gebracht werden. Die Ergebnisse können sich sehen lassen. Im dritten Quartal stieg der Gewinn um 40 % auf 5,25 Mrd. USD. Fraser sieht darin „die disziplinierte und konsequente Umsetzung unserer Strategie“.

    Für die nahe Zukunft erwarten Analysten ein Gewinnwachstum von 19,9 %. Nach Graham ergäbe das ein KGV von 48,3 statt aktuell 9,5. Beim erwarteten Gewinn je Aktie von 12,83 USD für 2027 kämen fantastische 619,69 USD heraus, mehr als das Fünffache des aktuellen Kurses von 122 USD. Für eine Großbank ist ein solches Tempo auf Dauer allerdings kaum darstellbar. Realistischer wäre das Basiswachstum des US-Bankensektors von 6 % jährlich. Damit sinkt das angemessene KGV auf 20,5 und der faire Wert auf 263,02 USD. Auch das verspricht noch eine Verdopplung und liegt weit über dem durchschnittlichen Kursziel der Analysten von rund 150 USD. Unter Berücksichtigung der Zinskomponente kommt man auf 238,64 USD, gut 80 % über dem aktuellen Kurs.

    Almonty: Selbst konservativ gerechnet weit unter Wert

    Manchmal reicht eine einzige Analystenstudie, um eine Aktie aus der Bahn zu werfen. Ende September nahm Goldman Sachs den Wolframproduzenten Almonty Industries erstmals unter die Lupe. Das Urteil fiel nüchtern aus: „Neutral“, Kursziel 13 USD. Der Markt las daraus offenbar ein Verkaufssignal. Inzwischen notiert die Aktie an der Nasdaq bei 8,70 USD. Selbst bis zum Goldman-Kursziel wäre damit Luft von rund 50 %. Wie groß die Lücke zum fairen Wert tatsächlich ist, zeigt ein Blick durch die Brille von Benjamin Graham.

    Analysten trauen dem Unternehmen ein Gewinnwachstum von 40 bis 60 % pro Jahr zu. Selbst am unteren Ende und mit Zinskomponente wäre ein KGV von 86,6 angemessen. Bei einem erwarteten Gewinn je Aktie von 1,32 USD für 2027 entspräche das einem fairen Wert von 114,31 USD, mehr als dem 13-Fachen des aktuellen Kurses. Diese Zahl ist allerdings mit Vorsicht zu genießen. Almonty überschreitet gerade erst die Gewinnschwelle. Von einer so niedrigen Basis aus sehen Wachstumsraten zwangsläufig sehr groß aus, was zeigt, wo Grahams Methode an Grenzen stößt.

    Realistischer ist es deshalb, statt der erwarteten Gewinnsteigerungen das langfristige Wachstum der weltweiten Wolframnachfrage von 6,3 % anzusetzen (auch wenn dieser Wert wegen der verstärkten Nachfrage aus der Rüstungs- und Raumfahrtindustrie inzwischen überholt sein dürfte). Mit Zinskomponente ergibt sich daraus ein KGV von 19,2 und ein fairer Wert von 25,34 USD. Das deckt sich fast exakt mit dem durchschnittlichen Kursziel der Analysten von 24,35 USD. Denn nicht alle Häuser sind so skeptisch wie Goldman Sachs. Stifel sieht den fairen Wert bei 25 USD, D.A. Davidson sogar bei 33 USD.

    Wolfram – das unverzichtbare Schwermetall 

    Wolfram hat den höchsten Schmelzpunkt aller Metalle und ist extrem hart. Ohne den Rohstoff gäbe es keine Hartmetallwerkzeuge, keine panzerbrechende Munition und keine hitzebeständigen Triebwerksteile. Rund 80 % der Weltproduktion stammen aus China. Seit Peking die Ausfuhr Anfang 2025 drastisch beschränkt hat, ist der Preis für das Zwischenprodukt Ammoniumparawolframat um rund 775 % gestiegen. Andere Förderländer ziehen nach. Simbabwe hat die Ausfuhr von Wolframerz verboten, in Vietnam liegt ein ähnlicher Vorschlag auf dem Tisch. Ab dem 1. Januar 2027 ist zudem Wolfram aus China, Russland, Iran oder Nordkorea in US-Rüstungsaufträgen tabu, egal wo es weiterverarbeitet wurde. Das Risiko der Abhängigkeit vom Wolframpreis dürfte sich daher für Almonty in Grenzen halten. Vorstandschef Lewis Black sieht die Lage gelassen. Die Nachfrage breche nicht wegen hoher Preise weg, sondern nur, wenn das Material fehle.

    Neben der bereits seit Jahren produzierenden Panasqueira-Mine in Portugal besitzt das Unternehmen mit Sangdong in Südkorea eine der künftig wichtigsten Wolfram-Produktionsstätten außerhalb Chinas. In der ersten Ausbaustufe soll sie rund 230.000 Tonneneinheiten Konzentrat pro Jahr liefern. Eine solche Einheit entspricht 10 kg Wolframtrioxid. Mit der zweiten Stufe soll sich die Menge ab 2027 etwa verdoppeln. Mehr als 90 % der Produktion aus Phase I sind über einen Liefervertrag für 21 Jahre verkauft, mit Mindestpreis, aber ohne Obergrenze. Ende September waren die ersten Säcke mit Konzentrat versandfertig. „Sangdong ist kein Zukunftsversprechen mehr“, unterstreicht CEO Black.

    Stifel rechnet für 2027 mit einem Umsatz von 926 Mio. CAD, nach 33 Mio. CAD im Jahr 2025. Weitere Projekte in Spanien und Ruanda sowie die geplante Förderung im US-Bundesstaat Montana sollen den Nachschub zusätzlich sichern. Dorthin hat das ursprünglich kanadische Unternehmen im Frühjahr auch seinen Firmensitz verlegt. Der Standort in den Vereinigten Staaten erleichtert Geschäfte mit der dortigen Rüstungsindustrie deutlich. Finanziell ist der Ausbau abgesichert. Eine Wandelanleihe über 800 Mio. USD hat genug Geld in die Kasse gespült, um sogar eigene Aktien zurückzukaufen. Rund 2,9 Mio. Stück hat Almonty bisher für etwa 48 Mio. USD erworben.

    Drei Sonderangebote im teuren US-Markt

    Ob man der Graham-Formel folgt oder den Analysten: Die Almonty-Aktie hat ein Kurspotenzial zwischen 50 % und weit über 100 % – und das ist vorsichtig gerechnet. Die starke Nachfrage aus der Rüstungsindustrie dürfte die langfristige Wachstumsrate erhöhen und damit auch den fairen Wert. Ein einstelliges KGV ist für ein Unternehmen, das als Hoffnungsträger des Westens gilt, schlicht nicht angemessen. Ähnliches gilt für Citigroup. Der Konzern hat den Umbau weitgehend hinter sich, die Gewinne steigen bereits kräftig. Ein KGV von unter 10 trägt dem kaum Rechnung, zumal schon die vorsichtige Graham-Rechnung eine Verdopplung verspricht. Auch Paypal ist zu billig. Schon das höchste Analystenziel von 85 USD liegt rund 50 % über dem aktuellen Kurs. Bleibt die Übernahmefantasie lebendig, kommt eine zusätzliche Chance hinzu.


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    Jens Castner

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    Der gebürtige Nürnberger ist seit mehr als 30 Jahren im Finanzjournalismus und am Kapitalmarkt aktiv, zuletzt als Chefredakteur von Börse Online. Seit April 2026 ist er selbstständig tätig, um sich voll und ganz seiner großen Leidenschaft zu widmen: der Identifikation unterbewerteter Aktien, mit besonderem Fokus auf das Nebenwertesegment.

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