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11.06.2026 | 05:40

Tourmaline Oil, Montauk Renewables und Zefiro Methane: Wer verdient am unsichtbaren Klimakiller?

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Bildquelle: Pixabay

Methan ist deutlich klimaschädlicher als CO2. Weltweit reagiert die Politik mit immer strengeren Vorgaben für die Industrie. Drei Unternehmen haben den unsichtbaren Klimakiller ins Visier genommen: Tourmaline Oil verwandelt Emissionseinsparungen in klingende Münze, Montauk Renewables macht aus Deponie-Gas saubere Energie und Zefiro Methane versiegelt vergessene Bohrlöcher. Wer es schafft, den Ausstoß des aggressiven Treibhausgases zu stoppen oder zu verhindern, wird vom Staat und vom Markt mit CO2-Gutschriften belohnt. Diese Zertifikate sind bares Geld wert. Klassische Industrie- und Ölkonzerne reißen sich darum, um eigene Emissionsstrafen zu vermeiden.

Lesezeit: ca. 8 Min. | Autor: Jens Castner
ISIN: MONTAUK RENEWABLES INC | US61218C1036 | NASDAQ: MNTK , ZEFIRO METHANE CORP | CA98926D1069 | NEO: ZEFI , TOURMALINE OIL CORP. | CA89156V1067

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Inhaltsverzeichnis:


    Tourmaline Oil: Schluss mit dem Abfackeln von Gas

    Wer verstehen will, wie das Spiel um Methan und CO2-Zertifikate in der Praxis funktioniert, muss zunächst in die klassische Energiewelt blicken – und damit auf Tourmaline Oil. Der Name suggeriert zwar einen Ölförderer, aber wesentlich wichtiger ist das Geschäft mit Erdgas. Hier ist das Unternehmen Marktführer in Kanada. Ein gewaltiges Netz an eigenen Pipelines und Verarbeitungsanlagen senkt die operativen Kosten. Zudem versetzt es Tourmaline in die Lage, direkt in die USA zu liefern, beispielsweise nach Chicago und Kalifornien. Zum Teil wird das Gas auch direkt zu Terminals am Golf von Mexiko gepumpt, um es als verflüssigtes Erdgas (LNG) nach Europa und Asien zu verschiffen – Regionen, in denen deutlich bessere Preise zu erzielen sind als in Nordamerika.

    Emissionsmanagement bedeutet für Tourmaline kein grünes Beiwerk, sondern schlicht Risikovermeidung, um im modernen regulatorischen Umfeld profitabel wachsen zu können. Im Unterschied zu traditionellen Öl- und Gasförderern setzt das Management um Vorstandschef Mike Rose auf modernste Technologien, die Treibhausgasemissionen so weit wie möglich reduzieren sollen. Die Strategie ist mehrgleisig: Mit ausgefeilter Infrarotsensorik und optischer Gasüberwachung spürt das Unternehmen unkontrollierte, unsichtbare Lecks an Pipelines und Ventilen auf und schließt sie umgehend. Statt das bei der Ölförderung anfallende Begleitgas nutzlos abzufackeln, fängt Tourmaline es auf, reinigt es und nutzt es entweder zur eigenen Energieversorgung oder für den Verkauf. Darüber hinaus investiert der in Calgary ansässige Konzern in Projekte wie Carbon Capture (CO2-Abscheidung) an Erdgaskompressoren, die oft durch staatliche Fonds wie Emissions Reduction Alberta gefördert werden. Zudem werden die Bohranlagen und Fracking-Flotten schrittweise auf eigenes, sauberer verbrennendes Erdgas umgestellt. Seit 2017 wurden so 240 Mio. Liter Diesel eingespart, was direkt 160.000 Tonnen CO2-Emissionen vermieden hat. Und seit 2020 hat Tourmaline Oil seine Treibhausgasemissionen um mehr als 25 % gesenkt und verspricht bis 2027 erhebliche weitere Einsparungen.

    Stetige Expansion, ungeklärte Nachfolge

    Diese Vorreiterrolle zahlt sich unmittelbar in der Gewinn- und Verlustrechnung aus. Da Tourmaline die strengen kanadischen Emissionsobergrenzen deutlich unterbietet, generiert das Unternehmen zertifizierte CO2-Gutschriften. Erstens durch direkte Kosteneinsparung: Kanada erhebt eine stetig steigende CO2-Steuer. Durch die Absenkung der Treibhausgasemissionen spart das Unternehmen Jahr für Jahr Millionen an Steuer- und Strafzahlungen. Zweitens können überschüssige Gutschriften gewinnbringend an andere Konzerne verkauft werden, die ihre eigenen Klimaziele verfehlen – was allerdings nur eine geringe Rolle spielt, da das Unternehmen sein CO2-Kontingent für die eigene Expansion nutzt, wie die strategischen Übernahmen von Bonavista Energy (2023) und Crew Energy (2024) beweisen. Damit kräftigte das Unternehmen seine Vormachtstellung im sogenannten Deep Basin in Alberta und sicherte sich über 700 neue, hochwertige Bohrstellen im Montney-Gebiet von British Columbia.

    Da die Übernahmen weitgehend durch eigene Aktien finanziert werden, gilt CEO Rose als Meister der Konsolidierung. Die Verschuldung ist gering, regelmäßig werden Sonderdividenden bezahlt, was in Jahren mit hohen Gaspreisen zu außergewöhnlich hohen Ausschüttungsrenditen führt. Einziger Wermutstropfen: Der Konzernlenker ist seit 2008 im Amt und die Nachfolge bislang ungeklärt. Das sorgt bei seiner Fangemeinde für Verunsicherung, weshalb die Aktie in einem Seitwärtstrend zwischen 57 und 68 CAD gefangen ist. Aktuell notiert das Papier in Toronto bei 63 CAD, in Deutschland bei knapp 40 EUR. Das entspricht einem Börsenwert von gut 15 Mrd. EUR und einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von etwa 12 fürs laufende Jahr, was durchaus moderat erscheint. Große Kurssprünge sind hier zwar nicht zu erwarten, dafür stetig steigende Dividenden. Für defensiv orientierte Value-Anleger bleibt der kanadische Cashflow-König ein erstklassiges Basisinvestment im Energiesektor.

    Montauk Renewables: Wie aus Gestank saubere Energie wird

    Wer das Methan-Problem lieber an der Quelle anpackt, statt im Boden danach zu bohren, findet in Montauk Renewables den passenden Gegenentwurf. Während klassische Gasförderer Emissionen aufwendig eindämmen müssen, hat das US-Unternehmen das Auffangen des Klimakillers zum alleinigen Geschäftsmodell gemacht. Die Firma mit Sitz in Pittsburgh im Bundesstaat Pennsylvania fängt schädliche Methangase dort ab, wo sie täglich in großen Mengen entstehen: auf riesigen Mülldeponien und in der industriellen Landwirtschaft. Anstatt das aggressive Treibhausgas ungenutzt in die Atmosphäre entweichen zu lassen, saugt Montauk das Rohgas über komplexe Absauganlagen ab. In modernen Filteranlagen wird es so weit gereinigt, dass daraus erneuerbares Erdgas in fossiler Qualität entsteht. Dieses grüne Gas speist Montauk direkt in das US-Erdgasnetz ein. Darüber hinaus hat das Unternehmen ein patentiertes Verfahren entwickelt, um Gülle und organische Reststoffe emissionsarm in alternative, flüssige Treibstoffe umzuwandeln. Dieses flüssige Methanol wird als sauberer Biokraftstoff an die Schifffahrt, den Logistik- und Transportsektor, aber auch an die chemische Industrie vermarktet.

    Wie dieses Geschäft belohnt wird, zeigt das Erlösmodell, das fast vollständig auf staatlich regulierten Zertifikaten beruht. Für jede Einheit erneuerbaren Erdgases generiert das Unternehmen sogenannte RINs (Renewable Identification Numbers) – handelbare Nachweise über den Einsatz erneuerbarer Kraftstoffe. Die finanzielle Hebelwirkung ist beträchtlich: US-Raffinerien und Kraftstoffimporteure sind gesetzlich verpflichtet, diese Zertifikate am freien Markt zu erwerben, um ihre eigenen Umweltquoten zu erfüllen – andernfalls drohen empfindliche Strafen. Da Montauk das Gas ohnehin produziert, ist der Verkauf dieser RINs ein enormer Gewinnhebel: Steigen die Zertifikatepreise, schießt der Gewinn ohne nennenswerte Mehrkosten in die Höhe.

    Operativer Gegenwind und Hoffnung durch Gülle

    Dass auch dieses Geschäft nicht frei von Rückschlägen ist, zeigen die Zahlen zum ersten Quartal. Sie spiegeln den harten operativen Gegenwind wider, mit dem Montauk Renewables derzeit zu kämpfen hat. Zwar stieg der Gesamtumsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 42,6 auf 46,4 Mio. USD, doch explodierende Betriebskosten ließen das operative Ergebnis mit 1,6 Mio. USD in den roten Bereich rutschen. Nur dank der Erträge aus einem neuen Joint Venture konnte unterm Strich mit Ach und Krach eine schwarze Null gerettet werden. Da ein lokaler Energieversorger überraschend mitgeteilt hatte, dass er das grüne Gas nicht mehr in sein Pipelinenetz einspeisen werde, kam es zu Sonderabschreibungen auf stillgelegte Anlagen. Jetzt lastet ein enormer Investitionsdruck auf dem Konzern: Allein im ersten Quartal flossen 33,1 Mio. USD in das Großprojekt Montauk Ag Renewables in North Carolina, das erste kommerzielle Erlöse aus erneuerbarer Stromerzeugung auf Basis landwirtschaftlicher Abfälle – insbesondere Gülle – liefern soll.

    Der kommerzielle Erfolg dieses Projekts ist deshalb die große Wette für Anleger. Beim aktuellen Kurs von 1,68 USD weist die an der Nasdaq gehandelte Aktie fürs laufende Jahr ein KGV von 15 auf, das 2027 in den einstelligen Bereich absinkt, wenn die Schätzungen der Analysten erfüllt werden – sprich: das Gülleprojekt die erhofften Erträge einspielt. Immerhin: Seit dem historischen Tief im März bei 1,08 USD ist die Aktie aus charttechnischer Sicht auf Erholungskurs. Der Börsenwert von rund 236 Mio. USD lässt im Erfolgsfall einiges an Luft nach oben. Montauk verfügt über ein nahezu reines Kreislauf-Geschäftsmodell im Sinne nachhaltigen Wirtschaftens – aber eben auch mit spezifischen Risiken.

    Zefiro Methane: Die Jagd nach den verwaisten Millionen

    Ganz anders ist die Ausgangslage bei Zefiro Methane. Das kanadische Unternehmen agiert als Sanierer einer ökologischen Zeitbombe: Millionen von stillgelegten, sogenannten verwaisten Öl- und Gasbohrlöchern in den USA blasen unkontrolliert Methan in die Atmosphäre. Zefiro besitzt keine eigenen Energieanlagen. Das Geschäftsmodell basiert auf reinem Umweltservice. Über die US-Tochtergesellschaft Plants & Goodwin (P&G), einen Traditionsbetrieb mit über 50 Jahren Erfahrung im Versiegeln von Bohrlöchern, verfügt Zefiro über die nötige operative Schlagkraft. Der entscheidende Rückenwind kommt vom Staat: Die US-Regierung hat über ihr Infrastrukturprogramm (IIJA) 4,7 Mrd. USD bereitgestellt, um verwaiste Bohrlöcher zu schließen. Zefiro respektive P&G sichert sich in seinen Kernregionen bereits rund 25 % dieser staatlichen Aufträge – ein stabiles, planbares Fundament.

    Der große Kurshebel liegt jedoch auch hier im Markt für freiwillige CO2-Zertifikate. Zefiro misst den Methanausstoß vor und nach der Versiegelung eines Bohrlochs. Die verhinderte Klimaschädigung wird über das renommierte American Carbon Registry (ACR) zertifiziert und über Vorverträge an internationale Handelshäuser wie Mercuria Energy und EDF Trading verkauft. Da dieser Markt gerade erst entsteht, sitzt Zefiro auf einer potenziellen Goldmine. Das Gesamtvolumen des US-Marktes für verwaiste Bohrlöcher wird auf 400 bis 600 Mrd. USD geschätzt. Wie dynamisch das operative Wachstum verläuft, zeigten die jüngsten Zahlen: In den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres 2026 erzielte Zefiro einen Rekordumsatz von 33,2 Mio. USD – ein Anstieg von 36 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Zudem wies das Unternehmen zum dritten Mal in Folge ein positives bereinigtes EBITDA aus – bemerkenswert, da das Winterhalbjahr witterungsbedingt traditionell schwach ausfällt.

    Neue Märkte, neue Führung, neue Kursfantasie

    Die Expansion ist voll auf Kurs. Mit der Übernahme der Gerätschaft und Bohranlagen von Viking Well Service hat Zefiro seine operative Präsenz ausgeweitet und damit fünf neue US-Bundesstaaten als Märkte erschlossen. Zudem kann die P&G zwei zusätzliche mobile Bohranlagen für einen Großkunden aus der US-Erdgasindustrie einsetzen. Ein drittes Gerät, das in West Virginia und Kentucky zum Einsatz kommen soll, war nur dank der Viking-Akquisition verfügbar, da die bisherige Flotte bereits vollständig ausgelastet war. Die erweiterte Flotte trägt bereits erste Früchte: Soeben hat Zefiro vier neue Großkunden aus der Energiewirtschaft gewonnen, darunter drei börsennotierte Konzerne mit einer Marktkapitalisierung von zusammen mehr als 140 Mrd. USD. Die Arbeiten – Versiegelung von Förder-, Gasspeicher-, Injektions- und Salzwasserbohrlöchern – finden vorwiegend in Ohio statt, wo P&G soeben einen Dreijahresvertrag mit dem Department of Natural Resources über 19,6 Mio. USD geschlossen hat. Darüber hinaus dehnt Zefiro seine Aktivitäten erstmals auf Indiana aus und ist damit in insgesamt 13 US-Bundesstaaten aktiv. Für die neuen Aufträge hat P&G bereits 20 Mitarbeiter eingestellt, mindestens 20 weitere Stellen sollen folgen. Das Management erwartet, dass die Viking-Akquisition und die daraus resultierende Erweiterung der Kundenbasis rund 10 Mio. USD zusätzlichen Jahresumsatz einbringen wird.

    Gemessen am Kurspotenzial ist Zefiro Methane sicher die chancenreichste Aktie des Trios – allerdings wegen des geringen Börsenwerts von nur etwas mehr als 60 Mio. CAD keineswegs frei von Risiken. Das operative Geschäft steht dank staatlicher Mittel und neuer Aufträge auf solidem Fundament. Und der eigentliche Werthebel, das Geschäft mit den freiwilligen CO2-Zertifikaten ist ausbaufähig. Wann die zuletzt bei etwa 0,70 CAD ins Stocken geratene Kursrally wieder Fahrt aufnimmt, wird vom Nachrichtenfluss abhängen – zuletzt jedenfalls herrschte kein Mangel an Erfolgsmeldungen. Der Kurs (in Deutschland derzeit 0,42 EUR) lässt jedenfalls einigen Spielraum nach oben, zumal der künftige Milliardenmarkt gerade erst erwacht.


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    Der Autor

    Jens Castner

    Der gebürtige Nürnberger ist seit mehr als 30 Jahren im Finanzjournalismus und am Kapitalmarkt aktiv, zuletzt als Chefredakteur von Börse Online. Seit April 2026 ist er selbstständig tätig, um sich voll und ganz seiner großen Leidenschaft zu widmen: der Identifikation unterbewerteter Aktien, mit besonderem Fokus auf das Nebenwertesegment.

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