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11.08.2026 | 05:00

Almonty Industries, Deutz und GFT: Viel Kursfantasie durch Wolfram, Rüstung und KI – 3 spannende Aktien im Check

  • Almonty Industries
  • Wolfram
  • Rüstung
  • Deutz
  • Motoren
  • GFT
  • Software
Bildquelle: Pixabay

Rohstoffe, Rüstung und Künstliche Intelligenz zählen zu den großen Börsenthemen unserer Zeit. Drei Unternehmen liefern dazu gerade frische Nachrichten. Almonty Industries ist mit seiner neuen Wolframmine in Südkorea vom Projektentwickler zum Produzenten aufgestiegen. Der Motorenbauer Deutz baut sich mit einer milliardenschweren Übernahme ein zweites Standbein in der Rüstung auf. Und der Softwarespezialist GFT zeigt erstmals in größerem Umfang, dass sich mit eigenen KI-Lösungen auch Geld verdienen lässt. Drei Aktien mit starken Kurstreibern – aber sehr unterschiedlichen Risiken.

Lesezeit: ca. 7 Min. | Autor: Lars Winter
ISIN: ALMONTY INDUSTRIES INC. | CA0203987072 | TSX: AII , NASDAQ: ALM , ASX: AII , DEUTZ AG O.N. | DE0006305006 , GFT TECHNOLOGIES SE | DE0005800601

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Inhaltsverzeichnis:


    Der Autor

    Lars Winter

    Der gebürtige Nordhesse blickt auf eine über 25-jährige Laufbahn im Finanzjournalismus und aktiven Portfoliomanagement zurück und gilt als ausgewiesener Experte für deutsche Nebenwerte und Special Situations.

    Nach dem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Göttingen mit Schwerpunkt Bank- und Kapitalmarktrecht startete er zur Jahrtausendwende seine Karriere in der Frankfurter Finanzszene. Als Börsen- und Wirtschaftsjournalist schrieb der passionierte Hobbygolfer für führende Börsenbriefe, Finanzzeitungen und Wirtschaftsmagazine wie die Platow Börse, Capital Depesche, BÖRSE ONLINE, Capital und die Financial Times Deutschland.

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    Almonty: Auf dem Weg zum wichtigsten Wolframproduzenten der westlichen Welt

    Auf diesen Moment haben die Aktionäre lange gewartet. Almonty Industries hat im Juni damit begonnen, in der neuen Aufbereitungsanlage der Sangdong-Mine Wolframerz zu verarbeiten und verkaufsfähiges Konzentrat herzustellen. Aus einer jahrelangen Bau- und Finanzierungsgeschichte wird damit ein operatives Geschäft.

    Der Zeitpunkt könnte kaum besser sein. China beherrscht mehr als 80 % der weltweiten Wolframproduktion und hat die Ausfuhr des strategischen Metalls eingeschränkt. Die USA wollen ab 2027 kein chinesisches Wolfram mehr für Rüstungszwecke beschaffen. Benötigt wird das extrem harte und hitzebeständige Metall unter anderem für Munition, Panzerungen, Werkzeuge, Halbleiter und Elektronik.

    Für den Hochlauf liegt bereits ein Vorrat von rund 139.700 Tonnen Erz mit durchschnittlich 0,25 % Wolframtrioxid bereit. Das entspricht etwa 2,6 Monaten Produktion in Phase I. Almonty beziffert den darin enthaltenen Bruttowert bei den aktuellen Preisen auf rund 68 Mio. USD. Das ist noch kein Umsatz und erst recht kein Gewinn, unterstreicht aber die Dimension des unmittelbar verfügbaren Materials. Auch der bestehende Betrieb in Portugal liefert Rückenwind. Im ersten Quartal sprang der Umsatz um 221 % auf 25,4 Mio. USD. Das bereinigte EBITDA drehte von minus 2,4 Mio. auf plus 6,1 Mio. USD, der operative Cashflow erreichte 9,7 Mio. USD. Diese Zahlen stammen noch überwiegend aus der Panasqueira-Mine und zeigen, welchen Hebel die hohen Wolframpreise entfalten können.

    Die Börse hat zwar einen großen Teil der neuen Dimension bereits vorweggenommen. Beim aktuellen Kurs von rund 14 USD bringt es Almonty immerhin auf einen Börsenwert von über 4 Mrd. USD. Seit Jahresbeginn liegt die Aktie dennoch über 60 % im Plus. Vom im April erreichten 52-Wochen-Hoch bei 24,41 USD notiert der Titel aber noch über 40 % entfernt. Das lässt Spielraum nach oben, zumal im Jahr 2025 fast die kompletten Erlöse aus der Panasqueira-Mine stammten und Sangdong in den rückwärtsgerichteten Kennzahlen praktisch noch nicht enthalten ist.

    Zusätzliche Planungssicherheit bringt der erweiterte Abnahmevertrag mit Global Tungsten & Powders, einem Unternehmen der österreichischen Plansee-Gruppe. Die Laufzeit wurde von 15 auf 21 Jahre verlängert, das Volumen um 40 % auf 4,41 Mio. MTU erhöht. Gleichzeitig verbessern sich die Preise für Almonty um rund 6,3 %. Der Vertrag deckt etwa 90 % der geplanten Phase-I-Produktion ab. Bei heutigen Wolframpreisen entspräche die Mindestabnahme laut Unternehmen einem jährlichen Vertragsumsatz von rund 490 Mio. USD. Die geplante Verdopplung der Kapazität in Phase II ist darin noch nicht enthalten.

    Finanziell besitzt Almonty nach der Platzierung einer Wandelanleihe im Volumen von 800 Mio. USD reichlich Spielraum. Der Kupon von 2,25 % ist günstig, der anfängliche Wandlungspreis liegt bei 27,40 USD. Im aktuellen Video „Almonty Industries: The 800 Million USD Bet on Tungsten“ erläutert Vorstandschef Lewis Black, wie das frische Kapital genutzt werden soll. Neben dem Hochlauf und der Erweiterung von Sangdong geht es um den Ausbau der Panasqueira-Mine in Portugal, das Gentung-Projekt in Montana und mögliche weitere strategische Assets. Zugleich ordnet Black die 800-Mio.-USD-Wandelanleihe und den geopolitischen Wettlauf um eine von China unabhängige Wolframversorgung ein. Hier geht es zum neuen Video-Interview mit Firmenchef Lewis Black:

    https://youtu.be/H89AmF0rjfA

    Schon am 12. August folgt mit den Q2-Zahlen der nächste Test. Analysten rechnen im Mittel mit 35,3 Mio. USD Umsatz und 0,05 USD Gewinn je Aktie. Für das Gesamtjahr stehen 244 Mio. USD Umsatz und ein Ergebnis je Aktie von 0,39 USD im Konsens. Alle vier Analysten, die das Unternehmen aktuell covern, raten zum Kauf. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 24,63 USD, ein Gewinnpotenzial von über 70 %. Die Gewinnschätzungen setzen jedoch voraus, dass Sangdong die Erlöse im zweiten Halbjahr kräftig beschleunigt. Der nächste nachhaltige Kursschub muss daher aus Produktionsmengen, Lieferungen und Cashflow kommen. Bleibt die Gesellschaft auf Kurs, besitzt Sangdong das Potenzial, Almonty zu einem der strategisch wichtigsten Wolframproduzenten der westlichen Welt zu machen. Almonty bleibt unter dem Strich eine spekulative Aktie mit hohem Kurspotenzial, die risikobereiten Anlegern das spannendste und direkteste Investment in eine westliche Wolframversorgung bietet. Neue Positionen sollten wegen der hohen Schwankungen am besten gestaffelt aufgebaut werden.

    DEUTZ mit Militärjoker zu neuen Höhen

    Der Kölner Motorenbauer Deutz hat im zweiten Quartal beim Wachstum einen Gang zugelegt. Der Umsatz kletterte um 13 % auf 585 Mio. EUR, der Auftragseingang um knapp 15 % auf 560 Mio. EUR. Noch stärker entwickelte sich das bereinigte EBIT, das um 41 % auf 42,4 Mio. EUR sprang. Die Jahresprognose mit 2,3 bis 2,5 Mrd. EUR Umsatz und einer bereinigten EBIT-Marge von 6,5 bis 8 % wurde bestätigt. Für 2026 erwarten Analysten 2,41 Mrd. EUR Umsatz und 0,94 EUR Gewinn je Aktie.

    Für zusätzliche Fantasie sorgt die geplante Milliardenübernahme von FFG. Der Militärfahrzeugbauer soll 2027 bereits mehr als 1 Mrd. EUR Umsatz bei einer operativen Marge von über 20 % beisteuern. Deutz dürfte damit seine für 2030 gesteckten Ziele von 4 Mrd. EUR Umsatz und 10 % Marge „deutlich früher“ erreichen. Die Übernahme ist allerdings nicht billig. Deutz lässt sich den Zukauf 1,6 Mrd. EUR kosten und will rund 1 Mrd. EUR in bar berappen – kein Pappenstiel. Der freie Cashflow der vergangenen zwölf Monate von 71,4 Mio. EUR war zwar solide, reicht für eine große Akquisition aber nicht aus.

    Am 24. August stimmen die Aktionäre deshalb über eine Kapitalmaßnahme ab, mit der die Rheinländer den Deal teilweise finanzieren wollen. Die Aktienanzahl wird sich dadurch erhöhen und Altaktionäre verwässern. Zudem wird die Verschuldung massiv steigen. Bereits jetzt stehen Schulden in Höhe von 450 Mio. EUR nur 65 Mio. EUR liquide Mittel gegenüber. Stellt das Unternehmen die Finanzierung aber auf die Beine und bringt den Deal erfolgreich unter Dach und Fach, wird FFG operativ kräftigen Aufwind bringen. Schon 2027 soll die neue Tochter mehr als 1 Mrd. EUR Umsatz bei einer Marge von über 20 % beisteuern.

    Bemerkenswert waren zuletzt auch die Insiderkäufe von Vorstand und Aufsichtsrat im Volumen von rund 1,7 Mio. EUR. Vorstandschef Sebastian Schulte investierte allein gut 1 Mio. EUR in DEUTZ-Aktien. Ein starkes Vertrauenssignal. Fundamental ist die Deutz-Aktie trotz der starken Gewinndynamik noch moderat bewertet. Das KGV liegt auf Basis der kommenden zwölf Monate bei knapp 9 gegenüber rund 15 im Branchenmedian. Auch beim erwarteten EV/EBITDA von 5,6 wird Deutz mit Abschlag gehandelt. Alle sieben erfassten Analysten, die Deutz aktuell covern, raten zum Kauf des Titels. Bernstein stufte den Titel nach den Halbjahreszahlen auf „Outperform“ hoch. Die Konsensschätzungen für Umsatz und Gewinn wurden zuletzt allerdings geringfügig gesenkt. Wird FFG wie geplant übernommen, erhält die Aktie zudem einen gewichtigen Rüstungsjoker. Deutz ist ein spannender deutscher Small Cap mit Potenzial.

    GFT: KI-Profiteur mit Comeback-Potenzial

    Beim Softwarespezialisten GFT wächst die KI-Fantasie in die Zahlen hinein. Der Halbjahresumsatz stieg um 5 % auf 462,6 Mio. EUR, das bereinigte EBIT um 8 % auf 32,6 Mio. EUR und das Vorsteuerergebnis um 26 % auf 24,0 Mio. EUR. Der Auftragsbestand lag 18 % über dem Vorjahr. GFT profitiert zunehmend auch von der hauseigenen KI-Plattform Wynxx, die inzwischen von 113 Unternehmen in zwölf Ländern eingesetzt wird.

    Die breite regionale Aufstellung senkt die Abhängigkeit von Deutschland. 2025 entfielen knapp 59 % des Umsatzes auf Amerika, Großbritannien und den asiatisch-pazifischen Raum, 41 % auf Kontinentaleuropa. Brasilien war mit gut 20 % der größte einzelne Ländermarkt, Deutschland kam auf knapp 13 %. Die Bruttomarge erreichte 84,9 %. Bei der operativen Marge von 7,9 % und der Nettomarge von 3,7 % lag GFT jedoch unter dem jeweiligen Branchenmedian – das zusätzliche KI-Geschäft muss seinen Ergebnishebel noch beweisen.

    Für das Gesamtjahr peilt GFT weiterhin Erlöse von rund 930 Mio. EUR und ein bereinigtes EBIT von 71 Mio. EUR an. Zum Halbjahr erwirtschaftete der Konzern bei Umsätzen von 463 Mio. EUR ein EBIT von 33 Mio. EUR. In puncto Ergebnisdynamik muss die Firma im zweiten Halbjahr also noch eine Schippe drauflegen. Die Bewertung indes ist moderat. Das KGV von rund 13 liegt leicht über dem Branchenmedian. Beim EV/Umsatz von 0,68 gegenüber 0,89 für die Branche ist GFT günstiger. Die Bilanz ist allerdings nicht frei von Schulden: Liquiden Mitteln in Höhe von 42 Mio. EUR standen zuletzt 143 Mio. EUR Finanzverbindlichkeiten gegenüber.

    Der aktuelle Aktienkurs von 23,65 EUR liegt knapp 25 % über dem Jahresanfang und nahe am 52-Wochen-Hoch von 24,95 EUR. Alle sieben Analysten, die das Unternehmen bewerten, raten zum Kauf des Titels. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 29 EUR. Die Experten von NuWays halten sogar ein Kursziel von 32 EUR für erreichbar – ein Potenzial von rund 35 % zum aktuellen Niveau. Gelingt es, den Auftragsbestand in profitables Wachstum zu verwandeln und durch das KI-Wachstum auch die bislang unterdurchschnittlichen Margen nachhaltig zu verbessern, besitzt die Aktie von GFT weiteres Aufholpotenzial. Auch charttechnisch sieht das Papier vielversprechend aus.


    Fazit: Drei spannende Aktien mit unterschiedlichen Risikoprofilen

    Alle drei Unternehmen bedienen große Börsentrends, stehen aber vor sehr unterschiedlichen Aufgaben. Almonty bietet mit dem Hochlauf von Sangdong den größten Hebel auf mögliche Kursgewinne, bleibt aber auch die spekulativste Aktie. Bei Deutz müssen Finanzierung und Integration der FFG-Übernahme gelingen, damit die Aktie ihr volles Potenzial nach oben entfalten kann. GFT bietet als moderat bewerteter KI-Profiteur das ausgewogenste Chance-Risiko-Profil des Trios.


    Interessenskonflikt

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    Lars Winter

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