13.10.2026 | 05:30
Almonty Industries, Rheinmetall, Lockheed Martin – Wolfram, Rüstung und ein Kursrückgang, der Chancen eröffnen könnte
In Sangdong wird erstmals seit 1993 wieder Wolfram produziert. Das südkoreanische Bergwerk von Almonty liefert damit einen Rohstoff außerhalb Chinas, der in der Rüstung dringend gebraucht wird und darüber hinaus in immer mehr High-Tech-Geräten steckt. Chinas Ausfuhrbeschränkungen haben das Metall im Westen teuer gemacht, die Nachfrage ist hoch. Das gilt auch für die Rüstung. Rheinmetall hat am 14. September einen Auftrag über mehrere zehntausend Artilleriegeschosse gebucht, Lockheed Martin meldete am 21. September einen Rahmenvertrag über bis zu 1,2 Mrd. USD für taktische Raketen. Die Börse lässt das aktuell kalt. Alle drei Aktien stehen unter Druck. Wir sehen uns daher Almonty Industries, Rheinmetall und Lockheed Martin genauer an.
Lesezeit: ca. 4 Min.
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Autor:
Armin Schulz
ISIN:
ALMONTY INDUSTRIES INC. | CA0203987072 | NASDAQ: ALM , RHEINMETALL AG | DE0007030009 , LOCKHEED MARTIN DL 1 | US5398301094
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Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Armin Schulz
Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.
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Almonty Industries – Wolfram aus Sangdong rollt an
Am 21. September erhielt die Aufbereitungsanlage in Sangdong ihre finalen Betriebszertifikate, ausgestellt am 17. September. Damit ist Phase I auch offiziell kommerziell einsatzbereit. Zwei Tage später meldete Almonty Industries die erste Wolframproduktion am Standort seit 1993, nach 33 Jahren. Am 29. September erklärte der Konzern in einem Aktionärsbrief, dass die Phase II voranschreitet. Phase II soll noch 2027 abgeschlossen werden und die Kapazität auf bis zu 1,2 Mio. t Erz pro Jahr heben, mit einem Output von rund 460.000 MTU jährlich. Die Mühle lief zu Beginn 13 Stunden täglich, inzwischen sind es nach Angaben des CEO Lewis Black auf dem International Investment Forum bereits 16.
Parallel baut Almonty die Zahl der Rohstoffquellen aus. Am 14. September unterzeichnete das Unternehmen eine bindende Vereinbarung mit der Regierung Ruandas, die 25 % an Almonty Rwanda erhält, während Almonty 75 % behält. Die Regierung bringt die Explorationskonzession Shyorongi mit 32 qkm und eine Verarbeitungslizenz ein. Am 17. September folgte ein Liefervertrag mit Wolfram Bergbau und Hütten AG, einer Tochter der Sandvik-Gruppe, über Konzentrat aus den Halden der spanischen Mine Los Santos, mit einer Abnahmeverpflichtung für mindestens ca. 1.720 t enthaltenes Wolframtrioxid. Ab 1. Januar 2027 gelten zudem Beschränkungen der USA für Wolfram aus China, Russland, Nordkorea und Iran.
An der Börse steht die Aktie trotz der positiven Nachrichten unter Druck. Am 9. Oktober schloss sie bei 11,87 USD an der NASDAQ, am 1. September notierte die Aktie noch bei 17,64 USD, ein Minus von 32,71 %. Bis Ende September kaufte Almonty 2.914.739 Aktien für rund 48 Mio. USD zurück. Jefferies nahm die Aktie am 2. September mit Kaufen und einem Kursziel von 26,25 USD auf, Stifel folgte am 24. September mit 25,00 USD. DA Davidson bestätigte am 18. September seine Kaufempfehlung mit einem Ziel von 33,00 USD. Kritischer ist Goldman Sachs, die ihr Kursziel auf 13,00 USD festgesetzt haben, da sie von einem sinkenden Wolframpreis und langsameren Hochlauf in Sangdong ausgehen. Gelingt der Hochlauf, könnte das der Aktie auf die Sprünge helfen. Das Schiff für die erste Verladung vom produzierten Wolframkonzentrat ist laut CEO für den 24. Oktober gebucht.
Rheinmetall – Munition, Satelliten und mehr Spielraum
Produkte von Rheinmetall bleiben weiter gefragt. Am 14. September meldete der Düsseldorfer Konzern einen Auftrag über mehrere zehntausend Artilleriegeschosse vom Kaliber 155 mm für einen internationalen Kunden. Der Wert liegt im niedrigen dreistelligen Millionenbereich in EUR, die Produktion läuft, der Abschluss ist für 2027 geplant. Erfasst wurde der Auftrag laut Mitteilung im 3. Quartal 2026. Am 30. September folgte ein Auftrag der amerikanischen Armee über MK93 Halterungen im Wert von 20,7 Mio. USD, bestehend aus 3.104 neuen Halterungen und der Aufrüstung von 245 bestehenden. Geliefert wird bis Oktober 2027.
Auch abseits der Munition kommt Bewegung in das Geschäft. Am 6. Oktober teilte der Konzern mit, dass die Bundeswehr über die Tochter Rheinmetall ICEYE Space Solutions exklusiven Zugang zu Radarsatelliten erhält. Die Produktion in Neuss ist angelaufen, geplant sind mehrere Dutzend Satelliten pro Jahr. Bereits am 2. Oktober war der erste Satellit gemeinsam mit Argotec in den Orbit gestartet. Am 8. Oktober verdoppelte Rheinmetall vorzeitig die syndizierte Kreditlinie von 750 Mio. EUR auf 1,5 Mrd. EUR. Laut Medienberichten bestätigte der Konzern am 5. Oktober zudem seine Ziele für 2026.
Der Börse reicht das nicht. Am 9. Oktober endete der Xetra-Handel der Aktie bei 939,10 EUR, am 1. September lag sie noch bei 1.079,80 EUR, ein Minus von 13,03 %. Die Kursziele der Analysten liegen dennoch darüber. Die Deutsche Bank bestätigte am 6. Oktober ein Kursziel von 1.800,00 EUR, RBC nennt am 9. Oktober 1.600,00 EUR und rät ebenfalls zum Kaufen. Bernstein senkte am selben Tag sein Ziel auf 1.200,00 EUR, Berenberg stufte wegen unsicherer Aussichten nach 2030 auf Halten ab, mit einem Ziel von 1.020,00 EUR. Platzt beim Panzerbeschaffungsprogramm Arminius bis Ende 2026 der Knoten, wie Medien berichten, könnte sich der Rücksetzer als Einstiegsgelegenheit erweisen. Bleibt der Vertrag aus, fehlt der Rückenwind.
Lockheed Martin – Raketen gefragt, Dividende erhöht
Die Nachfrage nach Raketen ist hoch, und Lockheed Martin liefert. Am 21. September meldete der amerikanische Rüstungskonzern einen Rahmenvertrag der Armee über bis zu 1,2 Mrd. USD für die Präzisionsrakete PrSM Increment 2. Ein zweiter Flugtest im August hatte gezeigt, dass sie bewegliche Seeziele treffen kann. Lockheed will die Produktion vervierfachen. Am 9. Oktober stellte der Konzern mit PAC-3 Edge einen neuen Abfangflugkörper für ein Armeeprogramm vor. Die Erprobung beginnt 2027, die Einsatzbereitschaft ist bis 2031 geplant. In das Strigo Product Center investierte Lockheed 250 Mio. USD.
Auch die Aktionäre profitieren. Am 9. Oktober erhöhte der Verwaltungsrat die Dividende für das 4. Quartal auf 3,60 USD je Aktie, 0,15 USD mehr als im Vorquartal. Stichtag ist der 1. Dezember, gezahlt wird am 31. Dezember. Zugleich wächst der Konzern durch Zukäufe. Am 6. Juli vereinbarte Lockheed die Übernahme von Ultra Maritime für 3,45 Mrd. USD. Der Spezialist für Unterwasserkriegsführung soll nach dem Abschluss in den Bereich Rotary and Mission Systems wandern. Der Auftragsbestand lag laut den Zahlen zum 2. Quartal bei 230,4 Mrd. USD zum 28. Juni.
Doch die Aktie gibt nach. Am 9. Oktober schloss sie bei 509,59 USD, am 1. September waren es 544,50 USD, ein Minus von 6,41 %. Vom Hoch bei 608,68 USD am 14. August fehlen 16,28 %. Rothschild & Co Redburn sieht das Kursziel der Aktie bei 650,00 USD und empfiehlt den Kauf, Barclays ist verhaltener und sieht 554,00 USD als Ziel. TD Cowen senkte sein Kursziel am 9. Oktober von 600,00 USD auf 570,00 USD und bleibt ebenfalls bei Halten. Am 22. Oktober legt der Konzern die Zahlen zum 3. Quartal vor. Bestätigt Lockheed dabei die Prognose, könnte das der Aktie Beine machen.
Wolfram und Rüstung sind gefragt, doch die Aktien stehen unter Druck. Almonty Industries fährt die Mine in Sangdong hoch, Phase II geht voran, und mit Ruanda und Spanien kommen weitere Quellen hinzu. Gelingt der Hochlauf in Sangdong, könnte der Rücksetzer übertrieben gewesen sein. Rheinmetall liefert Munition und Satelliten und hat mehr Finanzspielraum, auch wenn Bernstein und Berenberg ihre Kursziele gesenkt haben. Lockheed Martin erhöht die Dividende und setzt auf Raketen, am 22. Oktober folgen die Zahlen. Die Nachfrage ist da, die Börse zögert aber noch.
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