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06.05.2025 | 06:00

Almonty: Warum Wolfram das kritischste aller Metalle ist

  • Wolfram
  • China
Bildquelle: pexels.com

Die Aktie des Wolfram-Produzenten Almonty Industries gehört zu den Überfliegern im laufenden Jahr - von 0,61 bis 1,56 EUR legte der Wert zu. Die Gründe sind vielfältig: Die bevorstehende Eröffnung von Almontys Sangdong-Mine in Südkorea trifft auf eine äußerst volatile geopolitische Situation, inklusive eines Zoll- und Rohstoffkriegs und des schleichenden Endes der NATO. Doch es gibt weitere Gründe, wieso Wolfram aktuell derart gefragt ist. Was China damit zu tun hat und ob bei Aktien wie Almonty noch weitere Chancen bestehen.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Nico Popp
ISIN: ALMONTY INDUSTRIES INC. | CA0203981034

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Inhaltsverzeichnis:


    Wie sich China die Dominanz auf dem Wolfram-Markt sicherte

    Wolfram gehört zu den Metallen, über die bislang in der Öffentlichkeit wenig gesprochen wurde. Trotzdem sind sie für die Industrie nahezu unersetzlich: Wolfram steckt in Halbleitern, in medizinischen Geräten, in Maschinen, Bohrköpfen, Raketenspitzen, Panzerungen und in jeder zweiten Produktionskette der Hightech-Industrie. Oft benötigt die Industrie nur sehr wenig Wolfram. Bleiben Lieferungen allerdings aus, stehen die Bänder komplett still.

    Noch während der 2010er Jahre war Wolfram preiswert und überall verfügbar. China sorgte mit einem langfristigen Plan und hohen Subventionen für seine Minen dafür, dass die ausländische Konkurrenz den Markt verlassen musste. Wie Almonty-CEO Lewis Black weiß, existierten noch in den 1970er Jahren etwa einhundert aktive Wolfram-Minen außerhalb Chinas. Ende der 1990er Jahre waren es nur noch zwei.

    Industrie denkt bei Wolfram um, kommt aber zu spät

    Die westliche Industrie nahm diese Entwicklung allerdings hin – schließlich lieferte China zuverlässig und günstig. Nur wenige Beobachter, wie Black selbst, sahen in der Konzentration des weltweiten Wolfram-Angebots ein Risiko. Schon 2015 investierte Almonty in die stillgelegte Sangdong-Mine in Südkorea und trieb die Revitalisierung auch dank der Unterstützung von wichtigen Anker-Aktionären wie der österreichischen Plansee Gruppe und der Deutsche Rohstoff AG voran. Noch in diesem Sommer geht das Projekt, das für bis zu zehn Prozent des Wolfram-Angebots außerhalb Chinas stehen kann, in den Regelbetrieb.

    Inzwischen haben auch viele Kunden aus der Industrie umgedacht und priorisieren das Thema Versorgungssicherheit. China hat die Ausfuhr strategischer Metalle wie Seltene Erden und auch Wolfram zuletzt mehrmals stark eingeschränkt. Zugleich tritt das Land verstärkt selbst als Importeur auf und hat die Subventionen für die eigene Wolfram-Industrie gestrichen. „Chinas Strategie ist es, die Konkurrenten zu ersticken, anstatt über den Preis zu konkurrieren", sagt Black. Doch Industrie-Kunden aus westlichen Industrieländern nutzt die späte Einsicht wenig – selbst nachdem die Sangdong-Mine, für die Almonty Industries bereits Abnahmeverträge mit der Industrie geschlossen hat, in Betrieb ist, bleibt das Angebot knapp. „Mir ist klar, dass ich vielen Interessenten sagen muss, dass ich sie leider nicht sofort beliefern kann“, brachte Black die Situation kürzlich in einem Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) über Chinas Exportpolitik bei kritischen Rohstoffen auf den Punkt.

    Die Produktion von Wolfram ist hochkomplex – Wissen entscheidet

    An dieser Situation wird sich so viel auch nicht ändern. Zwar hat die Sangdong-Mine nach Produktionsstart im Sommer noch Potenzial zur Erweiterung, doch scheinen die Kapazitäten bei Wolfram in jeder Hinsicht begrenzt zu sein. Black, der mit Almonty auch Wolfram-Projekte innerhalb der EU verantwortet, verweist auf langwierige Genehmigungsverfahren für neue Rohstoffprojekte und weitere Fallstricke, die Wolfram zu einem komplizierten Rohstoff machen: Das technische Know-how zur wirtschaftlichen Verarbeitung von Wolfram ist in vielen westlichen Ländern verloren gegangen. Die Produktion ist hochkomplex, das Material abrasiv, spröde und anspruchsvoll zu verarbeiten. Almonty setzt im Zerkleinerungsbereich in Sangdong auf zwei Gusswalzen-Zerkleinerer, die 1926 in Birmingham gebaut wurden. „Unsere Kunden konnten zunächst nicht verstehen, warum ein Unternehmen des 21. Jahrhunderts solche Maschinen einsetzt, aber sie funktionieren perfekt“, freut sich Black, der beim Aufbau der Mine in Südkorea auch vom Wissen profitiert, das etwa in Almontys Panasqueira-Mine in Portugal konserviert wurde, die zu den ältesten Wolfram-Minen der Welt zählt. Black weiß, dass Wolfram-Projekte schnell unrentabel werden, wenn bei Abbau und Verarbeitung vor Ort unerfahrene Teams zum Einsatz kommen. In der Vergangenheit hätten Subventionen zudem oft dazu geführt, dass vor allem Produzenten aus China keine Anreize hatten, dieses spezifische Knowhow aufzubauen.

    Markt bietet Wolfram-Produzenten gute Konditionen

    Dass die Sangdong-Mine im Sommer in den Regelbetrieb geht, ist für Black klar. Nach acht Jahren der Vorbereitung inklusive Pilotanlagen in Korea und Portugal, eigenen technologischen Entwicklungen und dem Rückgriff auf Technik, die heute einhundert Jahre alt ist, kann das Team nichts mehr aufhalten. Für Investoren könnte die Eröffnung der Sangdong-Mine ein Wendepunkt sein. Denn erstmals seit Jahrzehnten entsteht eine verlässliche, westlich kontrollierte Quelle für ein Metall, das für die militärische, industrielle und digitale Souveränität essenziell ist. Da inzwischen auch Einkäufer aus der Industrie verstanden haben, dass die Versorgungssicherheit entscheidend ist, stimmen für Produzenten wie Almonty auch die Konditionen. Wie Black erklärt, würden Einkäufer heute verstärkt langfristige Lieferverträge unterschreiben, die Produzenten zwar Mindestpreise garantieren, nach oben aber nicht gedeckelt sind. Wer verlässlich liefern kann, profitiert also ohne Einschränkung von der wachsenden Knappheit des Rüstungs- und Hightech-Metalls.

    Almonty ist mit seiner Sangdong-Mine, dem über Jahre aufgebauten Wissen rund um Produktion und Verarbeitung von Wolfram sowie den bereits etablierten Partnerschaften zu Unternehmen wie der österreichischen Plansee Gruppe oder dem südkoreanischen Konzern SeAH bestens positioniert, um die westliche Welt mit Wolfram zu versorgen. Analysten, wie Matthias Greiffenberger von GBC Research oder Peter Thilo Hassler von Sphene Capital sehen selbst nach dem jüngsten Anstieg des Aktienkurses von Almonty noch weiteres Potenzial.


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    Der Autor

    Nico Popp

    In Süddeutschland zuhause, begleitet der leidenschaftliche Börsianer die Kapitalmärkte seit rund zwanzig Jahren. Mit einem Faible für kleinere Unternehmen ausgestattet, ist er ständig auf der Suche nach spannenden Investmentstorys

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    • westliche Lieferketten

    Kriege und die Verschiebung der Machtblöcke sorgen für große Veränderungen in vielen Branchen. Auch technologische Quantensprünge und Visionen werfen ihre Schatten voraus. Das Element Wolfram gewinnt in diesem Zusammenhang immer mehr an Bedeutung. Mit dem höchsten Schmelzpunkt aller Metalle von 3.422 °C, einer Dichte, die nahezu jener von Gold entspricht und einer außergewöhnlichen Härte ist dieses Material in der Metallverarbeitung, der Rüstungsindustrie, der Halbleiterfertigung und neuerdings auch in der Kernfusion weitgehend unersetzlich. Lange Zeit war der Weltmarkt für Wolfram durch die Dominanz Chinas geprägt, das über 80 % der Minenproduktion und knapp 70 % der Weiterverarbeitungskapazitäten kontrollierte. Doch diese Ära endete abrupt, als das chinesische Handelsministerium im Februar des vergangenen Jahres strikte Exportkontrollen für 25 strategische Metalle, darunter Wolfram, ankündigte. Zeitgleich trat in den USA der sogenannte REEShore Act in Kraft, der die Verwendung von chinesischem Wolfram in militärischer Ausrüstung ab dem Jahr 2027 strikt untersagt. Im Bericht „Global Critical Minerals Outlook 2025“ betont die Internationale Energieagentur (IEA) folgerichtig, dass es entscheidend ist, derart konzentrierte Lieferketten für die globale Sicherheit und die Verteidigungsfähigkeit engmaschig im Blick zu haben.

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    • Wolfram
    • Sangdong
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