22.06.2026 | 04:05
Boom am Gasmarkt: Die Aktien von EQT, Zefiro Methane und Kinder Morgan im Check!
Das Gasgeschäft in Nordamerika boomt. Zum einen ist die Nachfrage aufgrund des Ausbaus von KI-Rechenzentren in den USA ungebrochen. Zum anderen müssen Länder wie Deutschland Gas auch aus den Vereinigten Staaten importieren, was eine Folge des Kriegs in der Ukraine ist. Die Lieferungen aus Russland wurden sanktioniert. Nicht zuletzt sorgen auch die Angebotsausfälle in Nahost für viel Nachfrage und steigende Preise, was ebenfalls eine Kriegsfolge ist. Und trotz der aktuellen Verhandlungen dürfte es noch eine Weile dauern, bis die Produktionsanlagen und Lieferketten wieder optimal funktionieren. Wir blicken heute deshalb auf den nordamerikanischen Gasmarkt. Die EQT Corporation ist der größte, reine Erdgasproduzent in den USA mit riesigen Vorkommen im Nordosten des Landes. Zum anderen blicken wir auf Kinder Morgan, die das größte Erdgaspipelinenetz der USA kontrollieren. Nicht zuletzt lohnt sich auch ein Blick auf die Aktien von Zefiro Methane, die die Aufräumarbeiten hinter den kleinen und großen Unternehmen übernehmen.
Lesezeit: ca. 5 Min.
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Autor:
Tarik Dede
ISIN:
KINDER MORGAN P DL-_01 | US49456B1017 , ZEFIRO METHANE CORP | CA98926D1069 | NEO: ZEFI , EQT CORP. | US26884L1098
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Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Tarik Dede
Schon als Primaner in Norddeutschland entwickelte sich seine Begeisterung für den Neuen Markt. Small- und Midcaps standen dabei von Beginn an im Mittelpunkt. Der gelernte Bankkaufmann vertiefte sein Wirtschaftswissen später im Volkswirtschaftsstudium und in verschiedenen Stationen der Frankfurter Finanzbranche. Heute ist er seit über 25 Jahren privat wie beruflich an der Börse aktiv.
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EQT Corporation: Der Gasriese aus Pittsburgh!
Im 19. Jahrhundert dominierten Industriebarone die Geschäftswelt in den USA. 1884 stießen die Brüder Michael und Obediah Haymaker außerhalb von Pittsburgh auf Gas. Nur vier Jahre später wurde offiziell die Equitable Gas Company mit Beteiligung des berühmten Erfinders und Unternehmers George Westinghouse gegründet. Eigentlich wollte man nur die Straßenbeleuchtung in Pittsburgh mit Gas versorgen. Heute ist die EQT Corporation mit einem Börsenwert von rund 32 Mrd. USD einer der größten Spieler in dieser Branche.
Das unterstreichen auch die Zahlen zum ersten Quartal. So profitierte man von den deutlich gestiegenen Gaspreisen und konnte 5,08 USD/Mcfe realisieren. Das sind etwa ein Drittel mehr als im Vorjahresquartal (3,77 USD/Mcfe). Da es nur so aus den Quellen sprudelte, wurde ein Produktionsvolumen von 618 Bcfe (Billion Cubic Feet Equivalent) erreicht, was am oberen Ende der eigenen Prognose lag. Unterm Strich fuhr EQT einen Gewinn von 1,487 Mrd. USD ein, das entspricht 2,33 USD pro Aktie. Aufgrund der hohe Überschüsse und einem sehr hohen Free Cashflow von 1,83 Mrd. USD wurde die Quartalsdividende von 0,165 USD pro Aktie bestätigt. Annualisiert wird am Markt mit ca. 0,66 USD kalkuliert. Aktienrückkäufe wird es vorerst keine geben. Das Management des Pittsburgher Konzerns will die Verbindlichkeiten weiter reduzieren. Aktuell liegt Nettoverschuldung bei rund 5,7 Mrd. USD.
Das Wachstum von EQT stammt vor allem aus den Akquisitionen von Equitrans Midstream sowie Olympus Energy in den vergangenen zwei Jahren. Die Synergien und die vollständige vertikale Integration mit eigenen Pipelines senken die Kosten enorm. KI-Rechenzentren und die sukzessive Inbetriebnahme neuer LNG-Terminals treiben derzeit das Wachstum von EQT an. Die Aktie von EQT ist eigentlich ein klassischer Zykliker. Doch die globalen Konflikte der vergangenen Jahre schaffen ein derzeit sehr solides Businessumfeld. Seit Anfang 2022 konnte sich das Papier in der Spitze verdreifachen. Aktuell notiert es rund ein Viertel unter dem Top. Wer auf EQT setzt, setzt auf das künftige Nachfragewachstum im US-Gasmarkt.
Zefiro Methane: Der Aufräumtrupp der Gas-Branche
Die lange Geschichte Nordamerikas im Gas- und Ölgeschäft hat aber auch jede Menge Rückstände hinterlassen. So gibt es allein in den USA laut Schätzungen etwa 2,2 Million verlassene Öl- und Gasquellen. Unternehmen wurden gegründet, förderten Gas, gingen pleite und hinterließen eine Umweltsauerei. Oder aber die Löcher dieser Wells wurden nach dem Ende der Produktion nicht fachmännisch abgedichtet. Durch immer noch entweichendes Gas ist die Belastung für die Umwelt enorm, vor allem durch Methan, dass als eines der schädlichsten Klimagase gilt.
Doch in den USA ist man inzwischen auf diese Umweltproblematik aufmerksam geworden. Die Regierung in Washington sowie die einzelnen Bundesstaaten haben ein Programm initiiert, um diese Quellen wieder zu verschließen. Im Großen und Ganzen wurden etwa 4,7 Mrd. USD für diese Aufgaben zur Verfügung gestellt. Das Marktvolumen selbst wird auf mehr als 400 Mrd. USD geschätzt. Einer der größten Profiteure ist die Zefiro Methane Corp. Die Kanadier haben sich auf die Schließung dieser alten Öl- und Gasquellen fokussiert – mit eigener Technologie. Bei den Ausschreibungen ist man sehr erfolgreich. Das Unternehmen aus Vancouver in British Columbia heimste bisher etwa ein Viertel aller Projekte ein, für die man sich beworben hatte. Zefiro Methane ist in mehr als einem Dutzend US-Bundesstaaten aktiv. Der Schwerpunkt liegt im Osten, im Gebirgszug der Appalachen, wo sich besonders viele dieser verlasseenen Quellen befinden. Im vergangenen Jahr hat Zefiro über 200 Wells versiegelt.
Mit diesem Ansatz befindet man sich stramm auf Wachstumskurs. Nach neun Monaten im laufenden Geschäftsjahr (gebrochenes Geschäftsjahr) wurden Einnahmen von rund 33,2 Mio. USD erzielt. Zudem konnte Zefiro ein EBITDA von 4,25 Mio. USD einfahren. Im laufenden Quartal meldete das Unternehmen bereits weitere Erfolge. Im Mai konnte man Folgeaufträge von einem Gas-Major gewinnen. Mitte Juni erfolgte dann bei vier weiteren, neuen Kunden das Onboarding. Kurz darauf meldete man weitere 2,4 Mio. USD an Aufträgen zur Schließung von Gasquellen in Ohio.
Aufgrund der enormen Marktgröße, der geringen Anzahl von Konkurrenten und des niedrigen Börsenwerts von umgerechnet rund 40 Mio. EUR bietet die Aktie jede Menge Potenzial nach oben. Finanziell ist Zefiro Methane zudem gut aufgestellt, um das Wachstum zu finanzieren. Jüngst konnte man 3,3 Mio. CAD bei Investoren einsammeln, der Platzierungspreis lag bei 0,65 CAD. Mit den Mitteln will Zefiro vor allem neues Equipment finanzieren. Die Aktie befindet sich seit Jahresanfang im Aufwind. Der Wert von Zefiro konnte sich in diesem Zeitraum mehr als verdoppeln. Für Anleger bietet sich hier die Chance, langfristig an den Aufräumarbeiten im US-amerikanischen Gas-Sektor zu partizipieren! Zumal CEO Catherine Flax noch ein Ass im Ärmel hat: Zefiro ist in den CO2-Zertifikatehandel gestartet, schließlich leistet man durch seine Arbeit einen Beitrag zur Reduzierung von Emissionen.
Kinder Morgan: Der Netz-Gigant!
Der Name mag unbedarfte Anleger verwirren: Bei Kinder Morgan geht es nicht um Kinderschokolade – die kommt aus Italien – sondern um einen der größten Energie-Infrastrukturkonzerne der USA. Der Börsenwert des Konzerns aus Houston liegt bei rund 70 Mrd. USD. Gegründet wurde das Unternehmen erst 1997, und zwar von Richard D. Kinder (bis heute Executive Chairman) und William V. Morgan. Kinder stammt aus der Managerriege des Pleitekonzerns Enron, hatte mit dem Untergang des Unternehmens aber nichts zu tun.
Seit 1997 baute das Management von Kinder Morgan das Geschäft vor allem durch eine aggressive Akquisitionspolitik aus. Der Konzern befindet sich weiter auf Wachstumskurs. So legte der Umsatz im ersten Quartal um 13,8 % auf 4,83 Mrd. USD zu. Der Nettogewinn konnte um rund ein Drittel auf 976 Mio. USD erhöht werden. Bei Umsatz und Gewinn lag man über den Konsensschätzungen der Analysten.
Der kalte US-Winter und die heftigen Winterstürme waren die größten Treiber des Konzerns zu Jahresanfang. Kinder Morgan verfolgt eine zuverlässige Dividendenpolitik. Im Q1 wurde 0,2975 USD pro Aktie ausgeschüttet, im Gesamtjahr sollen es 1,19 USD sein. Die Dividendenrendite liegt somit bei etwa 3,7 %. Zudem läuft ein Aktienrückkaufprogramm. Kinder Morgan profitiert wie EQT vom Ausbau der KI-Infrastruktur in den USA. Schätzungsweise sollen in den kommenden Jahren 153 Gigawatt an neuen Gaskraftwerken zugebaut werden. Als Eigentümer des größten Gasnetz des Landes profitiert das Unternehmen direkt davon. Die Solidität zeigt sich auch in den Aufträgen: So betrug der Projekt-Backlog zuletzt rund 10 Mrd. USD. Diese Infrastrukturprojekte werden sukzessive umgesetzt und führen daher zu vertraglich abgesicherten Cashflows.
Fazit: Mit EQT und Kinder Morgan setzen Anleger auf den Gasboom in den USA in Folge des Ausbaus von KI-Rechenzentren und aufgrund der starken globalen Nachfrage durch die Angebotsengpässe in Europa und Nahost. Kinder überzeugt durch hohe Solidität und eine ordentliche Dividendenrendite. EQT ist zyklischer und arbeitet noch am Schuldenabbau. Zefiro Methane wiederum übernimmt die Aufräumarbeiten hinter verlassenen Gasquellen und befindet sich derzeit im Aufwärtstrend.
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