26.02.2026 | 05:00
Chancen dank Industriewende: Die geschlossene Wertschöpfungskette von CHAR Technologies, PyroGenesis und BASF
Wenn es um die klimaneutrale Wende der Industrie geht, markiert die aktuelle Phase für viele Unternehmen den Übergang von der strategischen Planung in die operative Umsetzung. Laut aktuellen Publikationen von McKinsey und der Internationalen Energieagentur (IEA) hängt etwa die Hälfte der erforderlichen Reduktion von CO2-Emissionen bis zum Jahr 2050 von der Bereitstellung alternativer Wärmequellen für die Produktion grundlegender Industriematerialien wie Stahl, Zement und Chemikalien ab. Der regulatorische Rahmen wird in Europa und Nordamerika durch das Emissionshandelssystem (ETS) und verschärfte Standards für die Kreislaufwirtschaft definiert, was den finanziellen Druck auf CO2-intensive Verfahren erhöht. In diesem Umfeld setzt sich die thermische Zersetzung organischer Stoffe unter Sauerstoffabschluss, bekannt als Pyrolyse, um Abfallströme energetisch zu verwerten und als Kohlenstoffsenken nutzbar zu machen, immer mehr durch. CHAR Technologies, PyroGenesis und BASF spielen in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle, die von der dezentralen Abfallverwertung über spezialisierte Anlagentechnik bis hin zur industriellen Anwendung reicht.
Lesezeit: ca. 3 Min.
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Autor:
Nico Popp
ISIN:
CHAR Technologies Ltd. | CA15957L1040 , PYROGENESIS CANADA INC. | CA74734T1049 , BASF SE NA O.N. | DE000BASF111
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Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Nico Popp
In Süddeutschland zuhause, begleitet der leidenschaftliche Börsianer die Kapitalmärkte seit rund zwanzig Jahren. Mit einem Faible für kleinere Unternehmen ausgestattet, ist er ständig auf der Suche nach spannenden Investmentstorys
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CHAR Technologies und die dezentrale Ressourcengewinnung
CHAR Technologies fokussiert sich auf die dezentrale Gewinnung von Ressourcen und wandelt forstwirtschaftliche Abfälle, Biosolide und Klärschlamm in erneuerbares Erdgas, grünen Wasserstoff und feste Biokohle um. Die Thorold Renewable Energy Facility in der kanadischen Provinz Ontario hat zuletzt ihren kommerziellen Betrieb aufgenommen und belegt die Anwendbarkeit der Technologie. In der ersten Phase ist die Anlage auf eine jährliche Produktion von 5.000 t Biokohle ausgelegt, wobei in einer zweiten Phase die Erweiterung auf 10.000 t sowie die Erzeugung von erneuerbarem Erdgas geplant ist. Die in Thorold produzierte Biokohle dient als kohlenstoffneutraler Ersatz für fossile Kohle in der Stahlindustrie, was für die industriellen Abnehmer angesichts steigender CO2-Preise einen messbaren operativen Kostenvorteil darstellt.
Die technologische Basis bildet die Hochtemperatur-Pyrolyse (HTP), die im Vergleich zu langsamen Verfahren bei höheren Temperaturen arbeitet, die Effizienz der Energieausbeute steigert und ein sauberes Synthesegas erzeugt. Ein abgeschlossenes Demonstrations-Projekt in Baltimore validierte zudem die Fähigkeit der HTP-Technologie, langkettige fluorierte Verbindungen (PFAS), also sogenannte „Ewigkeits-Chemikalien“, in kommunalen Biosoliden durch Hitze vollständig zu zerstören. Finanziell verzeichnete das Unternehmen im Geschäftsjahr 2025 einen Gewinn aus einem Joint-Venture-Beitrag in Höhe von 4,13 Mio. CAD, der maßgeblich durch die Kooperation mit der BMI Group getragen wurde. Durch Investitionen von zunächst 8 Mio. CAD in das Thorold-Projekt und einer weiteren Zusage über 10 Mio. CAD für das Espanola-Projekt festigt die BMI Group die Kapitalbasis von CHAR Technologies für den anstehenden Ausbau der Kapazität.
PyroGenesis elektrifiziert die Schwerindustrie
Während Char Technologies primär organische Abfälle verarbeitet, adressiert PyroGenesis die direkten Emissionen industrieller Großprozesse durch den Einsatz von Plasmatechnologie. Elektrische Plasmabrenner ersetzen fossile Brennstoffe und erreichen die notwendigen Temperaturen für energieintensive Vorgänge wie die Entsäuerung bei der Zementherstellung oder die Produktion von Metall. Im Bereich der Zementindustrie, wo rund 40 % der Gesamtemissionen aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe stammen, unterzeichnete das Unternehmen im Dezember 2025 einen Vertrag über 1,3 Mio. CAD mit einem europäischen Kunden zur Lieferung eines Plasmabrenners für einen Drehrohrofen. Parallel dazu lieferte PyroGenesis im Januar 2026 einen 4,5 MW starken Plasmabrenner an einen Kunden aus dem US-Verteidigungssektor aus, was als technologische Grundlage für die geplante Skalierung auf ein 20 MW System dienen soll.
BASF skaliert und integriert globale Stoffströme
Der weltgrößte Chemiekonzern BASF setzt das Pyrolyse-Verfahren für die groß-industrielle Kreislaufwirtschaft und die Produktion von CO2-armem Wasserstoff ein. In einer Partnerschaft mit ExxonMobil treibt BASF die Methanpyrolyse zur Marktreife, bei der Erdgas direkt in Wasserstoff und festen Kohlenstoff gespalten wird, ohne dass dabei prozessbedingte CO2-Emissionen anfallen. Die Demonstrationsanlage am ExxonMobil-Standort in Baytown, Texas, ist auf die jährliche Produktion von 2.000 Tonnen CO2-armen Wasserstoff sowie 6.000 Tonnen festen Kohlenstoff ausgelegt. Da dieses Verfahren die bestehende Erdgasinfrastruktur nutzt und einen rund fünfmal geringeren Energiebedarf als die konventionelle Wasserelektrolyse aufweist, lässt es sich im industriellen Maßstab zügiger und wirtschaftlicher skalieren.
Marktdynamik – CHAR Technologies besonders interessant
Die Marktbeobachter von Wood Mackenzie beschreiben das Jahr 2026 als eine Konsolidierungsphase für den Wasserstoffsektor, in der vor allem Projekte mit gesicherten Abnahmeverträgen zur Umsetzung gelangen. Eine Analyse von PwC zeigt zudem, dass 93 % der befragten CEOs die Regionalisierung von Lieferketten vorantreiben, was den Bedarf an lokaler Energieerzeugung erhöht. Die dezentralen Pyrolyse-Anlagen von Char Technologies bedienen diesen Trend des Nearshorings, da sie lokale Abfallstoffe verwerten, um regionale Industriebetriebe unabhängiger von Energieimporten zu machen. Im Wasserstoffsektor generieren Konzerne wie BASF als sogenannte Anchor-Offtaker die notwendige Basisnachfrage, um den Bau von Produktionskapazitäten für neue Verfahren überhaupt zu rechtfertigen. Aus Investoren-Sicht erscheint vor allem CHAR Technologies interessant – das Unternehmen kommt operativ voran und hat einen starken Partner. Angesichts der Marktkapitalisierung von etwas mehr als 30 Mio. CAD dürfte der Wert im Erfolgsfall weiteres Potenzial haben.

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