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20.03.2026 | 05:00

Dekarbonisierung der Schwerindustrie: Herausforderungen für thyssenkrupp und BASF – CHAR Technologies als Lösungsanbieter

  • Schwerindustrie
  • Gas
  • Biokohle
Bildquelle: KI

Die Schwerindustrie steht beim Wettlauf um die Klimaziele vor technologischen Hürden. Die vollständige Einführung des EU-Grenzausgleichssystems (CBAM) im Januar dieses Jahres verschärft die ökonomischen Rahmenbedingungen. Die Dekarbonisierung der Stahl- und Chemieindustrie erweist sich als komplex, da diese Sektoren Kohlenstoff nicht nur als Energieträger, sondern als essenzielles Reduktionsmittel und Grundstoff benötigen. Während europäische Konzerne wie thyssenkrupp auf wasserstoffbasierte Direktreduktionsanlagen setzen, bleibt die Abhängigkeit von Koks in bestehenden Hochöfen bestehen. BASF treibt parallel zwar das chemische Recycling durch Pyrolyseöle voran, steht jedoch vor Skalierungshürden. Dieser Flaschenhals rückt den Anfang der Verwertungskette in den Fokus: Ohne den massenhaften Einsatz von Biokohle als Ersatzstoff für metallurgische Kohle lassen sich die Ziele kaum erreichen. Das Unternehmen CHAR Technologies schließt diese Versorgungslücke mit seiner Hochtemperatur-Pyrolyse, hat ArcelorMittal als Investor gewonnen und positioniert sich als Lieferant für die Industrie.

Lesezeit: ca. 3 Min. | Autor: Nico Popp
ISIN: CHAR Technologies Ltd. | CA15957L1040 | TSXV: YES , THYSSENKRUPP AG O.N. | DE0007500001 , BASF SE NA O.N. | DE000BASF111

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Inhaltsverzeichnis:


    thyssenkrupp stößt an technologische Grenzen

    thyssenkrupp befindet sich im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2025/2026 in einer operativen Neuausrichtung. Der Konzern verzeichnete zwar einen Anstieg des bereinigten EBIT auf 211 Mio. EUR, doch das Segment Steel Europe wies zeitgleich einen bereinigten EBIT-Verlust von 187 Mio. EUR auf. Der Auftragseingang der Gruppe fiel um 38 % auf 7,7 Mrd. EUR. Ein Kernproblem der Stahlsparte liegt in den Hochöfen. Die Strategie sieht den Bau wasserstoffbasierter Anlagen zur Produktion von Eisenschwamm vor. Koks dient im klassischen Hochofen jedoch nicht nur als Brennstoff, sondern übernimmt auch eine Art Stützfunktion für das Erzgestein und ermöglicht die Durchgasung. Wasserstoff kann im Bereich der chemischen Reduktion eingesetzt werden, besitzt aber keine mechanische Stabilität. Die Injektionsraten von Wasserstoff sind daher technisch limitiert. Ohne einen festen, biogenen Kohlenstoffersatz, der die physikalischen Eigenschaften von Koks imitiert, bleibt thyssenkrupp auf fossile Kohle angewiesen.

    BASF forciert Kreislaufwirtschaft – mit Skalierungshürden

    BASF verfolgt mit dem Projekt ChemCycling das Ziel, Kunststoffabfälle durch Pyrolyse in Pyrolyseöl umzuwandeln und dieses als Rohstoff im eigenen Produktionsverbund zu nutzen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2025 verzeichnete der Chemiekonzern einen Umsatzrückgang von 2,8 % auf 59,7 Mrd. EUR und ein EBITDA vor Sondereinflüssen von 6,6 Mrd. EUR. Ein operatives Ziel ist es, ab dem Jahr 2025 jährlich 250.000 t recycelte und abfallbasierte Rohstoffe in den Anlagen zu verarbeiten. Um dieses Volumen zu erreichen, bedarf es einer dezentralen Infrastruktur von Pyrolyseanlagen, da der Transport von voluminösem Kunststoffabfall über lange Strecken unwirtschaftlich ist. Die Herausforderung besteht darin, dass diese dezentralen Anlagen energetisch autark betrieben werden müssen, um die CO2-Vorteile nicht durch den Einsatz externer Energiequellen zu verlieren. Die aufwendige Reinigung des Pyrolyseöls von Verunreinigungen bleibt zudem ein kostenintensiver Prozess, der den großflächigen Einsatz der Technologie von BASF in der Industrie aktuell noch ausbremst.

    CHAR Technologies liefert die Lösung für die Schwerindustrie

    An dieser Stelle kommt ein innovatives Unternehmen aus Kanada ins Spiel: Char Technologies positioniert sich als Entwickler und Betreiber von Anlagen, die diese technologische Lücke schließen. Das Unternehmen nutzt eine proprietäre Hochtemperatur-Pyrolyse, die bei über 800 °C in einer sauerstofffreien Umgebung arbeitet. Dieser Prozess wandelt organische Abfälle wie Restholz in ein wasserstoffreiches Synthesegas sowie in die Biokohle CleanFyre um, die einen konstanten Kohlenstoffgehalt von über 85 % und eine hohe mechanische Festigkeit aufweist. Diese Biokohle dient als direkter Ersatz für metallurgische Kohle. Im Januar dieses Jahres begann Char die Projektphase in der Produktionsstätte Thorold, die eine Kapazität von 5.000 t Biokohle pro Jahr bietet. Parallel plant das Unternehmen im Projekt Espanola den Bau einer Anlage mit einer Kapazität von 50.000 t pro Jahr. Die strategische Relevanz der Technologie zeigt sich in der Beteiligung von ArcelorMittal. Der Stahlkonzern investierte 2023 6,6 Mio. CAD für einen Anteil von 12,5 % an CHAR Technologies, um sich Rechte für Versuche im Werk in Dofasco zu sichern.

    Konsolidierung beendet? CHAR Technologies Geschäftsmodell klingt vielversprechend.

    CHAR Technologies: Regulatorischer Druck schafft Investorenperspektiven

    Für Investoren verschiebt sich der Fokus von den reinen Großkonzernen hin zu den Zulieferern kritischer Roh- und Grundstoffe. Die Einführung des europäischen CBAM und Preise für EU-Emissionszertifikate von über 100 EUR / t machen den Einsatz von biogenem Kohlenstoff für Produzenten in Europa zu einer ökonomischen Notwendigkeit. CHAR Technologies liefert mit seinem System eine Anlage, die sich durch die Nutzung eines Teils des produzierten Synthesegases zur Reaktorbeheizung energetisch autark betreiben lässt und damit die Anforderungen der Branche erfüllt. Im Geschäftsjahr 2025 verbesserte CHAR den Bruttogewinn um 34,6 % auf über 850.000 CAD und verzeichnete einen Gewinn aus Joint-Venture-Beteiligungen von 4,1 Mio. CAD. Plattformen wie Tradingview.com taxieren das mittlere Kursziel für die Aktie auf 0,55 CAD, was beim aktuellen Niveau von rund 0,25 CAD einer rechnerischen Verdopplung entspricht. Die geringe Marktkapitalisierung von rund 33 Mio. CAD spiegelt das Potenzial des Unternehmens nicht wider. Anleger finden hier einen Wert, der vom steigenden Kostendruck der CO2-Emissionen profitieren dürfte.


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    Der Autor

    Nico Popp

    In Süddeutschland zuhause, begleitet der leidenschaftliche Börsianer die Kapitalmärkte seit rund zwanzig Jahren. Mit einem Faible für kleinere Unternehmen ausgestattet, ist er ständig auf der Suche nach spannenden Investmentstorys

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