23.04.2026 | 05:30
Öl-Gewinne sprudeln, aber auch das Methan der Bohrlöcher wird zur Gelddruckmaschine: Shell, Zefiro Methane und Occidental Petroleum
Als im Nahen Osten die Kampfhandlungen aufflammten, schoss der Ölpreis sprunghaft nach oben. Die Industrie frohlockt über Supergewinne. Doch im Schatten des Booms liegt ein schleichendes Risiko: Millionen verlassener Bohrlöcher, aus denen ungehindert Methan entweicht – ein Gas, das die Erde weit stärker aufheizt als CO2. Während die Ölmultis die hohen Preise genießen, bietet sich Dienstleistungsunternehmen, die sich den aufgegebenen Bohrlöchern annehmen, ein riesiges Geschäft. Drei Akteure mit unterschiedlichen Strategien wollen die aktuelle Situation nutzen: Shell, Zefiro Methane und Occidental Petroleum.
Lesezeit: ca. 5 Min.
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Autor:
Armin Schulz
ISIN:
Shell PLC | GB00BP6MXD84 , ZEFIRO METHANE CORP | CA98926D1069 | NEO: ZEFI , OCCIDENTAL PET. DL-_20 | US6745991058
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Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Armin Schulz
Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.
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Shell - zwischen Ölpreis-Rally und Milliarden-Risiko
Die extremen Rohstoffpreisausschläge im ersten Quartal 2026 hinterlassen tiefe Spuren in Shells Bilanz. Das Management warnt vor einem negativen Working-Capital-Effekt von 10 - 15 Mrd. USD, eine direkte Folge der explodierten Inventarwerte. Zusätzlich blähen langfristige Schiffsleasings die ausgewiesene Nettoverschuldung auf bis zu 4. Mrd. USD auf, auch wenn kein Geld abfließt. Operativ dämpfen geringere Volumina aus Katar und der langsame Hochlauf des kanadischen LNG-Projekts die Gasproduktion auf rund 890.000 Barrel Öläquivalent pro Tag. Positiv stechen das Öl-Trading und die auf 17 USD je Barrel gestiegenen Raffineriemargen hervor.
Dividenden-Anleger bleiben dennoch im Fokus. Ende März floss die Quartalsdividende von 0,372 USD je Aktie, ein Plus von 4 %. Das laufende Aktienrückkaufprogramm über 3,5 Mrd. USD läuft bis Mai über mehrere Handelsplätze. Es markiert bereits das 17. Quartal in Folge mit mindestens 3 Mrd. USD an Käufen. Analysten zeigen sich trotz der Risiken mehrheitlich zuversichtlich. Goldman Sachs hob das Kursziel auf 45 EUR an, J.P. Morgan bleibt bei Overweight. Lediglich Morgan Stanley stimmt vorsichtiger und stuft auf Equalweight herab mit Verweis auf begrenztes Aufwärtspotenzial im Vergleich zu Wettbewerbern.
Shell treibt seine Neuausrichtung auf LNG voran. In Venezuela rückt die finale Investitionsentscheidung für das Dragon-Gasfeld näher, erste Produktion aus dem grenzüberschreitenden Loran-Manatee-Feld wird für Mitte 2027 erwartet. Parallel dazu steht der Verkauf von rund 600 Tankstellen in Südafrika an Adnoc für 1 Mrd. USD bevor. Allerdings formiert sich neuer Gegenwind: Klimaaktivisten haben in den Niederlanden eine Klage eingereicht, die Shell die Entwicklung neuer Öl- und Gasprojekte verbieten soll. Ein Verhandlungstermin steht noch aus. Die Quartalszahlen am 7. Mai und die Hauptversammlung am 19. Mai rücken damit in den Fokus. Derzeit ist die Aktie für 37,85 EUR zu haben.
Zefiro Methane – skaliert sein Business
Während die großen Ölproduzenten vor allem auf neue Förderung setzen hat sich Zefiro Methane auf das Gegenteil spezialisiert, das dauerhafte Verschließen alter Bohrlöcher. Das vergangene Winterquartal von Januar bis März, normalerweise eine ruhige Zeit, brachte der Tochter Plants & Goodwin gut 11 Mio. USD Umsatz, ein Plus von über 50 %. Ein Grund war, dass der erste Auftrag in Louisiana drei Wochen früher fertig wurde als geplant. Parallel dazu stemmte das Team bereits über ein Drittel des 4,5 Mio. USD Projekts Wood 12F in Ohio. Und auch der Frühlingsfahrplan ist voll. Ein 19,6 Mio. USD Vertrag des Bundesstaates Ohio beginnt im Juni. Hinzu kommen neue Aufträge für Abwasser-Entsorgungsbohrungen sowie die Expansion des Methan-Monitorings nach Pennsylvania.
Die politische Unterstützung für die Sanierung verlassener Bohrlöcher ist bemerkenswert stabil. Sowohl Demokraten als auch Republikaner fördern das Geschäft, die einen aus Umweltschutzgründen, die anderen als Wirtschaftsförderung. Die bereitgestellten 4,7 Mrd. USD sind nur ein Vorgeschmack. Die tatsächlichen Kosten werden auf 400 bis 600 Mrd. USD geschätzt bei 2 - 4 Mio. aufgegebenen Bohrlöchern. Zefiro hat sich eine Nische geschaffen, in der kaum jemand mithalten kann. Das Unternehmen bietet eigene Schulungen für Fachkräfte, eine integrierte Flotte von Bohrtürmen bis zu Baggern und eine Erfolgsquote bei Ausschreibungen, die zuletzt auf über 30 % stieg.
Finanziell steht das Unternehmen besser da als vor einem Jahr. In den ersten beiden Quartalen des Geschäftsjahres 2026 erwirtschaftete die Firma ein bereinigtes EBITDA von 3,8 Mio. USD und einen kleinen positiven Nettogewinn. Gleichzeitig wurden hochverzinsliche Schulden um fast 2,8 Mio. USD abgebaut. Die Bruttomargen sollen künftig zwischen 30 - 35 % liegen. Neben dem Kerngeschäft läuft der Verkauf von Carbon Credits, also CO2-Zertifikaten. Zuletzt wurden über 92.000 t CO2-Äquivalente an vier Abnehmer geliefert. Das lässt sich leichter skalieren als die Bohrarbeit, bleibt aber vorerst ein zweites Nebenstandbein mit guten Margen. Die Aktie notiert aktuell bei 0,37 CAD und kommt damit auf eine Marktkapitalisierung von etwa 51 Mio. CAD. Angesichts des Marktes und des immer besser laufenden Geschäfts erscheint das günstig.

Occidental Petroleum - der schlanke Tanker kommt in Fahrt
Nach über 4 Jahrzehnten bei Occidental bereitet sich CEO Vicki Hollub auf ihren Abgang vor. Als designierter Nachfolger gilt COO Richard Jackson, der erst im Herbst 2025 befördert wurde. Ein geordneter Übergang ist geplant, Hollub könnte im Verwaltungsrat bleiben. Die Nachricht kam Ende März gut an, die Investoren zeigten sich gelassen. Ein Führungswechsel ist immer ein sensibler Moment, doch Occidental hat eine Tradition starker Spitzenkräfte. Die eigentliche Frage lautet, ob Jackson die laufende Transformation konsequent weitertreibt, weniger Wachstum um jeden Preis, dafür mehr Cashflow und Kapitaldisziplin? Berkshire Hathaway als Großaktionär wird genau hinschauen.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Seit dem Verkauf der Chemiesparte OxyChem an Berkshire Hathaway flossen 6,5 Mrd. USD in den Schuldenabbau. Der verbleibende Schuldenstand sank auf rund 15 Mrd. USD, so niedrig wie seit zehn Jahren nicht. Gleichzeitig drückte das Management die Betriebskosten um 2 Mrd. USD seit 2023. Die Investitionsausgaben für 2026 wurden um 8 % gekürzt, die Förderung soll dennoch stabil bleiben. Das ist keine Zauberei, sondern das Ergebnis einer konsequenten Effizienzstrategie. Der Free Cashflow könnte in diesem Jahr auf über 6 Mrd. USD steigen, falls die Ölpreise mitspielen.
Zwei aktuelle Meldungen unterfüttern den positiven Trend. Erstens eine Ölentdeckung im Golf von Mexiko mit guter Förderqualität. Occidental besitzt eine 45 % Beteiligung. Zweitens die Trump-Administration bestätigte Finanzierungszusagen für 2 Direct Air Capture-Projekte, darunter Occidentals „Stratos“-Anlage. Das Carbon-Management-Geschäft bleibt strategisch relevant, auch wenn die Investitionen 2026 etwas zurückgefahren werden. Zusammen mit den Effizienzgewinnen und der gesäuberten Bilanz hat das Unternehmen mehrere Hebel in der Hand, unabhängig von kurzfristigen Ölpreisschwankungen. Die nächsten Quartalszahlen am 5. Mai werden zeigen, ob der Fahrplan aufgeht. Momentan kostet die Aktie 51,43 USD.
Der Ölpreisschock beschert der Branche sprudelnde Gewinne, doch das schleichende Methanrisiko aus Millionen alter Bohrlöcher eröffnet ein paralleles Milliardengeschäft. Shell kämpft zwischen hohen Raffineriemargen und milliardenschweren Working-Capital-Effekten durch explodierte Inventarwerte. Zefiro Methane skaliert sein Nischenmodell erfolgreich, steigert den Umsatz um über 50 % und baut Schulden ab. Occidental Petroleum fokussiert auf Effizienz, senkt die Verschuldung auf ein Jahrzehnttief und treibt Carbon Management voran. Während die Ölriesen die Rally genießen wird die Sanierung alter Bohrlöcher zur Gelddruckmaschine.
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