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10.07.2026 | 05:30

Emissionsfreie Nutzfahrzeuge 2026: Warum Daimler Truck, Pure One und Plug Power vom Logistik-Umbruch profitieren

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Bildquelle: pixabay.com

Seit Juli 2025 schreibt die EU eine schrittweise Dekarbonisierung des Schwerlastverkehrs vor und die Logistikbranche ringt um die richtige Technologie. Batterie oder Wasserstoff? Die Antwort lautet: beide. Denn die Komplexität der Langstrecke erfordert einen Mix aus Antrieben und einer leistungsfähigen Infrastruktur. Während Batterien im Kurzstreckenbereich punkten, bietet Wasserstoff das Potenzial für schwere Lasten und schnelle Betankung. Drei zentrale Akteure stehen exemplarisch für diese Transformation: der Fahrzeugriese Daimler Truck, der Cleantech-Spezialist Pure One und der Infrastruktur-Pionier Plug Power.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Armin Schulz
ISIN: Daimler Truck Holding AG | DE000DTR0013 , PURE ONE CORPORATION LIMITED | AU0000442865 | ASX: P1E , PLUG POWER INC. DL-_01 | US72919P2020

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Inhaltsverzeichnis:


    Daimler Truck – mit Trendwende im 2. Quartal

    Daimler Truck hat im zweiten Quartal die Kurve gekriegt. Nach einem durchwachsenen Jahresauftakt mit spürbaren Einbußen zogen die Verkäufe von April bis Juni um 8 % auf 86.707 Einheiten an. Das Nordamerika-Geschäft, das zu Jahresbeginn noch unter den Auswirkungen der US-Zölle litt, stabilisierte sich mit einem Plus von ebenfalls 8 %. Die europäisch-lateinamerikanische Marke Mercedes-Benz Trucks legte sogar um 10 % zu. Die absolute Schwachstelle bleibt das Bussegment, das ein Minus von 13 % hinnehmen musste. Auf Halbjahressicht liegt der Konzern nun fast wieder auf Vorjahresniveau. Die detaillierten Finanzkennzahlen werden am 7. August erwartet.

    Die strategische Neuausrichtung gewinnt Konturen. Mit der neuen Dachmarke "Daimler Truck Defence" baut der Konzern sein Militärgeschäft aus. Bis 2028 peilt man einen Umsatz von 1 Mrd. EUR an, unterstützt durch Partnerschaften mit Roshel und ARQUUS sowie einer Personalaufstockung am Standort Wörth. Parallel dazu treibt man die Wasserstoff-Offensive voran. Gemeinsam mit KEYOU sollen ab 2027 Lkw mit Wasserstoff-Verbrennern vom Band laufen. Die Technologie soll die Batterie-Lkw ergänzen, nicht ersetzen. Realistisch betrachtet sind die Stückzahlen im E-Segment mit 1.405 Einheiten zwar um 21 % gestiegen, bleiben aber ein Nischenphänomen. Der Markt fordert weiterhin den Verbrenner.

    Die Analysten sind sich uneins, wie es weitergeht. Barclays hat die Aktie zuletzt auf "Overweight" hochgestuft mit einem Kursziel von 55 EUR und sieht Erholungspotenzial bis 2028. Goldman Sachs bleibt skeptisch, nennt lediglich 46 EUR als Ziel und verweist auf die hohen Hürden nach dem starken Vorjahresquartal. Der Konsens pendelt zwischen 45-52 EUR. Wer hier einsteigt, spekuliert auf eine Trendwende in Europa und konstante US-Nachfrage. Die Bewertung erscheint fair, aber mehr auch nicht. Derzeit ist die Aktie für 41,97 EUR zu haben.

    Pure One - der Clean-Tech-Kandidat mit verstecktem Wertpotenzial

    Die Transformation des kommerziellen Transportsektors gewinnt an Fahrt, und Pure One Corporation positioniert sich als agiler Anbieter für die Elektrifizierung schwerer Nutzfahrzeuge. Das Unternehmen hat sein Portfolio strategisch breit aufgestellt, von batterieelektrischen Lösungen über Wasserstoff-Brennstoffzellen bis hin zu Hybridantrieben. Besonders hervorzuheben ist die Battery-Wechsel-Technologie, die das Problem langer Ladezeiten bei Flottenbetreibern adressiert. Die Alpha-Series-Demonstrationsfahrzeuge werden im September-Quartal erwartet und sollen den Praxistest unter realen Bedingungen bestehen. Das kapitalextensive Outsourcing-Modell ermöglicht es dem Management, sich auf Vertrieb und Kundenservice zu konzentrieren, während Fertigungspartner die Skalierung übernehmen. Das ist ein Ansatz, der bei steigenden Stückzahlen eine hohe operative Hebelwirkung verspricht.

    Die jüngsten Aktivitäten belegen, dass Pure One von der Entwicklungs- in die Kommerzialisierungsphase übergeht. Die Fertigstellung zweier Wasserstoff-Betonmischer für Heidelberg Materials und die Auslieferung eines EV70-Elektrobusses an South West Community Transport zeigen, dass die Technologie den Praxistest besteht. Der erfolgreiche Börsengang der Eastern Gas Corporation im Februar brachte nicht nur strategische Klarheit, sondern schuf durch den Spin-off zusätzlichen Wert für die Aktionäre. Die jüngste Teilzahlung von 3,5 Mio. AUD aus dem Verkauf der Turquoise-Group-Beteiligung stärkt die Bilanz spürbar und erhöht die finanzielle Flexibilität. Bei einer Marktkapitalisierung von rund 14 Mio. AUD erscheint das operative Geschäft aktuell deutlich unterbewertet, insbesondere angesichts des wachsenden Vertriebsnetzes in den USA, ASEAN und Lateinamerika.

    Die unabhängige Analyse von TRIM Capital Research sieht ein Kursziel von 0,557 AUD, basierend auf einer DCF-Bewertung. Die zentralen Treiber für eine Neubewertung sind die geplanten BEV-Truck-Auslieferungen, erste Nordamerika-Verkäufe und die zunehmende Anerkennung der strategischen Beteiligungen als versteckte Wertkomponente. Mit der Stärkung der Bilanz durch den Turquoise-Erlös und dem nachgewiesenen Momentum bei Kundenaufträgen verfügt Pure One über die wesentlichen Zutaten für einen substanziellen Bewertungsanstieg. Die anhaltende Nachfrage nach emissionsfreien Nutzfahrzeuglösungen und das skalierbare Geschäftsmodell untermauern das Potenzial für eine signifikante Neubewertung. Aktuell notiert die Aktie bei 0,035 AUD.

    Plug Power - Fundament gestärkt, Perspektive aufgehellt

    Die jüngsten Projekte in Dänemark und Australien belegen, dass Plug Power seine Elektrolyseure nun serienreif und termingerecht installiert. Die Bruttomarge verbesserte sich binnen eines Jahres um 42 % auf minus 13 %. Der Trend zeigt klar nach oben. Die Elektrolyseur-Erlöse vervierfachten sich auf 40,8 Mio. USD, während das etablierte Material-Handling-Geschäft mit über 74.000 Brennstoffzellen in nordamerikanischen Logistikzentren stabile Serviceerträge liefert. Die Wartungskosten pro Gabelstapler-Einheit sanken um mehr als 30 %, was die Marge zusätzlich entlastet. Diese Mischung aus wachsendem Zukunftsgeschäft und solider Basis macht das Unternehmen zunehmend krisenfester.

    Das Kerngeschäft mit wasserstoffbetriebenen Gabelstaplern bei Amazon und Walmart läuft planmäßig. Die anstehenden Flottenerneuerungen von rund 20.000 Einheiten sichern die Auslastung. Darüber hinaus treibt Plug Power den Aufbau einer öffentlichen Wasserstoffinfrastruktur für schwere Lkw voran, um Logistikflotten entlang der Hauptverkehrsrouten zu versorgen. Da es hier und da bei einzelnen Kooperationen gehakt hat, will man verstärkt auf die direkte Zusammenarbeit mit Speditionen und Flottenbetreibern setzen. Die Nachfrage nach emissionsfreien Antrieben steigt, und auch die Zahl der Tankstellenprojekte nimmt zu. Wasserstoff bleibt damit im Transportsektor ein Thema.

    Das Management hat die Kostenstruktur deutlich verschlankt und peilt für das 4. Quartal 2026 ein positives EBITDAS an, ein Meilenstein, den viele Beobachter für erreichbar halten. Die operative Cash-Burn-Rate sinkt kontinuierlich, unterstützt durch niedrigere Investitionsausgaben und schrittweise Margenverbesserungen. Analysten sehen im Konsens Kurspotenzial, während das Unternehmen selbst an seinen Zielen für 2028 festhält. Dann soll unter dem Strich ein Gewinn stehen. Mit einer wachsenden Installationsbasis und standardisierten Prozessen ist Plug Power besser positioniert denn je, um von der grünen Transformation zu profitieren. Momentan kostet die Aktie 2,46 USD.


    Der Logistik-Umbruch ist in der entscheidenden Phase angekommen – die Diversifikation der Antriebstechniken wird sich auszahlen. Daimler Truck fängt sich operativ, bleibt aber mit seiner Aktie ein Geduldsspiel. Pure One bietet als Clean-Tech-Kandidat das größte prozentuale Aufholpotenzial, sofern die Kommerzialisierung gelingt. Plug Power hingegen liefert einen langsamen Turnaround mit greifbaren Margenverbesserungen. Anleger sollten den Technologiemix ernst nehmen. Die Zukunft gehört den Unternehmen, die sowohl Batterie- als auch Wasserstofflösungen beherrschen.


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    Der Autor

    Armin Schulz

    Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.

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