14.10.2026 | 05:00
Frist statt Freibrief: Was der EU-Pestizidbeschluss für Bayer, BASF und MustGrow Biologics bedeutet
Erstellt und veröffentlicht im Auftrag von MustGrow Biologics.
Der Rat der Europäischen Union positionierte sich am 30. September 2026 gegen unbefristete Zulassungen für synthetische Pflanzenschutzmittel und legte eine Frist von maximal 15 Jahren für Erstzulassungen sowie 25 Jahren für Verlängerungen fest. Unbefristete Genehmigungen sollen nach dem Willen der Staaten künftig Substanzen mit nachgewiesen geringem Risiko vorbehalten bleiben. Eine vorläufige Einigung mit dem Europäischen Parlament streben die Staaten bis Ende 2026 an. Für die Agrarchemie bleibt damit die regelmäßige Neubewertung ihrer Wirkstoffe bestehen, während biologische Alternativen an Bedeutung gewinnen. Wir analysieren die Entwicklung und stellen drei Unternehmen vor.
Lesezeit: ca. 3 Min.
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Autor:
Nico Popp
ISIN:
MUSTGROW BIOLOGICS CORP. | CA62822A1030 | TSXV: MGRO , OTCQB: MGROF , BAYER AG NA O.N. | DE000BAY0017 , BASF SE NA O.N. | DE000BASF111
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Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Nico Popp
In Süddeutschland zuhause, begleitet der leidenschaftliche Börsianer die Kapitalmärkte seit rund zwanzig Jahren. Mit einem Faible für kleinere Unternehmen ausgestattet, ist er ständig auf der Suche nach spannenden Investmentstorys
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Bayer: Starkes Agrarquartal, aber Regulatorik und Rechtsrisiken belasten
Bayer bekommt den regulatorischen Gegenwind am Kapitalmarkt zu spüren. Nach dem Votum der EU-Staaten verlor die Aktie binnen sieben Handelstagen rund 10 % an Wert. Zeitgleich belasteten ein Verfahren in Missouri und vorsichtige Erwartungen an das dritte Quartal. Dabei steigerte die Agrarsparte Crop Science im zweiten Quartal 2026 laut Unternehmenszahlen ihr EBITDA vor Sondereinflüssen um 30,2 % auf 902 Mio. EUR bei Erlösen von 4,91 Mrd. EUR. Die Marge kletterte auf 18,4 %. Anhaltende Rechtsstreitigkeiten belasten die Bewertung jedoch weiter. Bayer finanziert die behördliche Registrierung und Entwicklung des biologischen Pflanzenschutzmittels TerraMG™ von MustGrow Biologics für Europa, Afrika und den Nahen Osten. Vorab- und Meilensteinzahlungen sowie Entwicklungsarbeit können laut MustGrow über mehrere Jahre zusammen 35 bis 40 Mio. USD erreichen. Diese Kooperation senkt Risiken für den Junior-Partner und sichert dem Konzern frühzeitig den Zugang zu einer möglichen Alternative gegen Nematoden und Krankheitserreger im Boden.
BASF: Ausgliederung und Börsengang
Der Ludwigshafener Rivale BASF setzt auf Zukäufe, um seine Abhängigkeit von synthetischen Wirkstoffen zu reduzieren. Bereits Ende März 2026 schloss der Konzern die Übernahme des Spezialisten für biologische Insektenbekämpfung AgBiTech ab. AgBiTech nutzt natürlich vorkommende Baculoviren, die nach europäischem Recht grundsätzlich als risikoarme Wirkstoffe gelten und damit von den geplanten Befristungen ausgenommen wären. Mit dem Zukauf von AgBiTech sichert sich BASF biobasierte Technologien. Gleichzeitig macht BASF die Sparte Agricultural Solutions bis Mitte 2027 fit für die Börse.
MustGrow: Natürlicher Senfsaat-Wirkstoff stößt auf Nachfrage
Ein Beispiel für die Neuausrichtung der Branche ist MustGrow Biologics. Das Unternehmen nutzt die scharfe Essenz aus Senfsaat zur Bekämpfung von Fadenwürmern und Pilzkrankheiten im Boden sowie Pflanzenextrakte aus Senf, um das Bodenmikrobiom zu ernähren. Laut begutachteten Fachzeitschriften verursachen diese Nematoden und Erreger weltweit jährlich Ernteausfälle im Wert von rund 500 Mrd. USD. Der natürliche Wirkstoff AITC des im Zulassungsverfahren befindlichen Pflanzenschutzmittels TerraMG™ baut sich laut Studien im Boden innerhalb weniger Tage ab und hinterlässt keine messbaren Rückstände im späteren Erntegut. Wie MustGrow am 7. Oktober 2026 auf einer Investorenkonferenz mitteilte, ist das organische Bodenfruchtbarkeitsprodukt TerraSante™ seit Juni 2025 weitgehend ausverkauft. Bis Mitte August 2026 setzte das Unternehmen damit rund 0,9 Mio. CAD um, gut 46 % mehr als im gesamten Jahr 2025.
Das Nadelöhr ist derzeit die Produktion bei den Lohnfertigern: Sie liefern aktuell rund 800 Säcke pro Monat, die Nennkapazität liegt bei 2.000 Säcken. TerraSante™ richtet sich vor allem an hochpreisige Kulturen wie Erdbeeren, Kartoffeln, Blattgemüse und Tomaten. Laut Praxisversuchen bei Landwirten sieht das Unternehmen dort Ertrags- und Qualitätsvorteile. In Kanada strebt MustGrow den Markteintritt für das im Zulassungsverfahren befindliche Biopestizid TerraMG™ zur Bekämpfung der Kohlhernie an. Die Krankheit betrifft laut MustGrow allein in Kanada etwa 10 % der rund 9 Millionen Hektar Canola-Anbaufläche. Wirksame chemische Gegenmaßnahmen gibt es laut Unternehmen bislang nicht. TerraMG™ hat bislang noch nirgends die vollständige kommerzielle Zulassung erhalten; in den USA und Kanada laufen die Verfahren bei EPA und PMRA.

MustGrow: Profitabel dank Lizenzerträgen?
Die Zahlen bestätigen die positive operative Entwicklung: MustGrow erzielte laut Quartalsbericht im zweiten Jahresviertel 2026 einen Nettogewinn aus fortgeführten Geschäftsbereichen von 0,4 Mio. CAD nach einem Verlust von 0,9 Mio. CAD im Vorjahreszeitraum. Maßgeblich für den Sprung in die Gewinnzone war ein Lizenzerlös von 1,4 Mio. CAD aus dem ersten Entwicklungsmeilenstein der Bayer-Partnerschaft. Den Zahlungseingang meldete MustGrow im August. Der Produktumsatz mit TerraSante™ sank im Quartal dagegen auf 75.000 CAD, wegen Umstellungen bei den Lohnfertigern. Ende Juni beliefen sich die Barmittel auf 4,4 Mio. CAD, während das Management für das Jahr 2027 einen nachhaltig positiven Cashflow anstrebt. Ein Portfolio von rund 110 erteilten und angemeldeten Patenten schützt die Technologie.
Der Beschluss der EU-Staaten gegen unbefristete Zulassungen für synthetische Pflanzenschutzmittel verschiebt die Margenpotenziale in Richtung biologischer Wirkstoffe. Während Bayer Millionen in die europäische Zulassung von TerraMG™ investiert und BASF sein Portfolio auf biologische Lösungen trimmt, profitiert MustGrow von der weiter wachsenden Nachfrage am Markt. Verbleibende operationelle Risiken sind die Skalierung der Lohnfertigung. Offen bleibt zudem, ob der MustGrow-Wirkstoff in der EU als Mittel mit geringem Risiko eingestuft werden kann. Gelingt das, wäre er von der Befristung ausgenommen, und für MustGrow würde sich ein Milliardenmarkt öffnen. Die Aktie ist daher spannend.
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