08.06.2026 | 04:00
Lässt die NASDAQ Schock-Welle die bunten KI-Träume platzen? Große Bewegungen bei Nel ASA, Oklo, dynaCERT, SpaceX und ITM Power
Nun ist es passiert. 7,5 % Minus an den Technologiebörsen in nur 3 Handelstagen. Dabei hatte der NASDAQ 100-Index noch am letzten Dienstag ein neues Allzeithoch bei 30730 Punkten erreicht. Wie ein Abriss realisierten die Börsianer, dass die nächste Maßnahme der Notenbank eine „Zinserhöhung“ sein wird. Denn der neue FED-Chef Kevin Warsh macht keinen Hehl daraus, dass knapp 4 % Inflation ein Desaster für den US-Dollar und die Stabilität der Wirtschaft ist. Obwohl Donald Trump mehrfach auf eine Zinssenkung medial hingewiesen hat, tendieren die Notenbank-Direktoren – unter ihnen auch der ehemalige Fed-Chef Jerome Powell – unisono zu Anhebungen, um die hohe Teuerung zu stoppen. Neben der wirtschaftlich messbaren Inflation mehren sich auch die Stimmen, dass die maßlosen Kurssteigerungen an der Wall Street ein anderes Bild der Wirtschaft zeigen, als es der Realität entspricht. Denn die täglichen Zuwächse von Milliardenvermögen in Aktien sowie die extremen Anstiege in den Long-Positionierungen bergen Enttäuschungspotenzial für die nahe Zukunft. Ob die Initialbewegung einer Korrektur in der letzten Woche in Gang gesetzt wurde, ist daher genau zu analysieren.
Lesezeit: ca. 5 Min.
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Autor:
André Will-Laudien
ISIN:
DYNACERT INC. | CA26780A1084 | TSX: DYA , OTCQB: DYFSF , OKLO INC | US02156V1098 , ITM POWER PLC LS-_05 | GB00B0130H42 , NEL ASA NK-_20 | NO0010081235 , SPACE EXPLORATION TECHNOLOGIES CORP | US000SPACEX0
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Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
André Will-Laudien
Der gebürtige Münchner studierte zuerst Volkswirtschaftslehre und diplomierte 1995 in Betriebswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität. Da er sich schon sehr frühzeitig mit der Börse beschäftigte, verfügt er heute über mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten.
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Oklo – Die Wette auf die Energieversorgung des KI-Zeitalters
Donald Trump will den Anteil der Kernkraft in den USA in den nächsten 20 Jahren verdoppeln. Seine Administration sieht wegen des hohen Energiebedarfs des KI-Zeitalters keine Alternativen zum Ausbau der Atomkraft, auch wenn andere Länder wie z. B. Deutschland bereits zu über 50 % ihres Strombedarf aus regenerativen Energien decken. Einer der Top-Shooter im Bereich zukünftigen Energie-Erzeugung in den USA ist Oklo. Die Aktie war einer der Senkrechtstarter an der NASDAQ in 2025 und erreichte als umsatzloses Unternehmen Bewertungen von knapp 30 Mrd. USD. Die Anfangs-Euphorie löste sich jedoch seit Oktober in Luft auf, die Aktie verlor bis März wieder 78 % ihres Kurswerts.
Für risikobereite Investoren könnte das Unternehmen aber nach wie vor eine interessante Zukunftswette auf die nächste Generation der Kernenergie sein. Denn der neuartige Aurora-Reaktor steht im Fokus sogenannter Hyperscaler. Mit den neuen kompakten Nuklearanlagen, die ab 2030 tatsächlich in Serie gehen könnten, ließe sich über viele Jahre hinweg CO2-freier Strom liefern und insbesondere den stark wachsenden Energiebedarf von Rechenzentren, KI-Infrastruktur, Militärstandorten oder abgelegenen Industriestandorten adressieren. Statt Reaktoren zu verkaufen, verfolgt Oklo ein Modell mit langfristigen Stromlieferverträgen, was bei erfolgreicher Umsetzung wiederkehrende und planbare Einnahmen ermöglichen würde. Spannend ist auch das Entsorgungskonzept, denn es kombiniert moderne Reaktortechnologien mit der Wiederaufbereitung der Kernbrennstoffe, Atommüll wäre dann eine Last von gestern. Oklo profitiert vom weltweiten Trend hin zu sicherer Grundlastenergie und möchte ab 2030 in die Gewinnzone kommen. Dennoch bleibt das Investment spekulativ, da regulatorische Genehmigungen, die Verfügbarkeit von HALEU-Brennstoff und der wirtschaftliche Nachweis des Geschäftsmodells erst noch erbracht werden müssen.
dynaCERT – Was in Asien Schule macht, funktioniert auch in der westlichen Welt
Mit Blick auf alternative Energien richtet sich der Blick auch auf die kanadische dynaCERT. Nach einer längeren Seitwärtsbewegung macht die Aktie mit 70 % Kurszuwachs in nur 6 Wochen Furore. Was war passiert? dynaCERT hat sich nach Jahren intensiver Entwicklungsarbeit als Cleantech-Unternehmen auf eine Marktnische spezialisiert, die in Zeiten verschärfter Klimavorgaben und hoher Energiekosten stark an Bedeutung gewinnt. Denn entgegen des Stroms verzichten die Kanadier auf die Abschaffung von Verbrennungsmotoren, sie machen sie deutlich ökonomischer und sauberer! Herzstück des Geschäftsmodells ist die HydraGEN-Technologie, welche Wasserstoff und Sauerstoff während des laufenden Betriebs direkt an Bord erzeugt und dem Verbrennungsprozess zuführt. Dadurch kann die Kraftstoffverbrennung optimiert werden, was sowohl den Dieselverbrauch als auch die Emissionen reduziert. Der adressierbare Markt ist enorm, denn weltweit sind 75 Millionen Lastkraftwagen, Baumaschinen, Bergbaufahrzeuge, Generatoren und Nutzfahrzeuge weiterhin auf Dieselantriebe angewiesen. Gerade in einer Phase geopolitischer Unsicherheiten und volatiler Energiepreise suchen Unternehmen nach Lösungen, die sofort wirken und die Kostenrechnung entlasten ohne Milliarden-Investitionen vorauszusetzen. Wichtig für Betreiber ist die kurze Amortisationsdauer: Unter typischen Einsatzbedingungen kann sich die Investition bereits nach rund sieben Monaten beziehungsweise nach etwa 126.000 gefahrenen Kilometern rechnen. In einer Branche, in der Margen häufig im niedrigen einstelligen Prozentbereich liegen, sind derartige Effizienzgewinne Gold wert.
Auf dem letzten International Investment Forum erklärten President Bernd Krüper und CEO Kevin Unrath die außerordentliche Positionierung des Unternehmens. Hier geht´s zum Video.
Operativ mehren sich die Hinweise darauf, dass dynaCERT nach einer langen Entwicklungsphase in eine neue Wachstumsperiode eintritt. Das Unternehmen verfügt mittlerweile über Produktionskapazitäten von bis zu 36.000 HydraGEN-Einheiten pro Jahr und besitzt damit die industrielle Grundlage für eine deutlich höhere Marktdurchdringung. Im Fokus steht Vietnam, einem Markt mit mehr als 3,5 Millionen schweren Nutzfahrzeugen und Baumaschinen. Das Land verfolgt ehrgeizige Klimaziele und arbeitet an regulatorischen Rahmenbedingungen, welche Emissionsreduzierungen künftig stärker wirtschaftlich honorieren könnten. Vor diesem Hintergrund hat dynaCERT strategische Vereinbarungen mit einer führenden technischen Universität in Ho-Chi-Minh-Stadt sowie mit einem bedeutenden staatlich geprägten Energieunternehmen geschlossen. Erste Pilotprojekte laufen bereits in den wichtigen Wirtschaftsregionen Ho-Chi-Minh-Stadt, Hanoi und Hai Phong. Kurz vor dem großen Roll-Out in Vietnam wurde die finanzielle Flexibilität durch eine Kapitalmaßnahme von rund 2 Mio. CAD gestärkt. Die zusätzlichen Mittel sollen vor allem den internationalen Vertrieb beflügeln. Im laufenden Jahr dürfte eine signifikante Menge an Systemen neu installiert werden. Damit kann die internationale Expansion starten. Das Researchhaus GBC errechnet ein Kursziel von 0,75 CAD, gut 500 % Potenzial auf 12 Monate. Der aktuelle Rücksetzer stellt eine gute Nachkauf-Möglichkeit dar.

ITM Power und Nel ASA – Wieder auf den Zetteln flexibler Investoren
Der Wasserstoffsektor bleibt ein Paradebeispiel für hohe Erwartungen, teils schmerzhafter Korrekturen und erste, vorsichtige Stabilisierungstendenzen. Wer im Sektor investiert, sollte einen Blick auf ITM Power und Nel ASA werfen. ITM Power hat nach einer langen Phase der Enttäuschung zuletzt mit einem 300 % Kursanstieg auf 2,58 EUR überrascht, bevor kurzfristige Gewinnmitnahmen bis in den Bereich 1,60 bis 1,70 EUR einsetzten. Auf Sicht der größeren Bewegung liegt der Kurs weiterhin deutlich unter den Hochpunkten der Wasserstoff-Euphorie der Jahre 2021/22. Damals hatte man der noch jungen Technologie hohe Stellenwerte im Bereich Green Energy beigemessen, die Erzeugung von grünem Wasserstoff stellte sich jedoch im Wettbewerb zu fossilen Brennstoffen als deutlich zu teuer heraus. In der Folge hatten ITM Power als auch Nel ASA in der Spitze rund 80 – 90 % ihres früheren Marktwerts eingebüßt. Zuletzt sorgte ITM Power mit operativen Fortschritten im Bereich Kostenreduktion und einer stärker fokussierten Projektpipeline für Aufmerksamkeit, nachdem das Management den Übergang von einer expansiven zu einer selektiveren Wachstumsstrategie betont hat. Die Auftragsabwicklung im leicht wachsenden Elektrolyseurgeschäft hat sich nun stabilisiert und könnte laut Analysten auf der Plattform LSEG zu einem Umsatzanstieg von rund 25 auf immerhin 100 Mio. GBP in 2028 führen. Gewinne werden in den nächsten Jahren allerdings noch nicht erwartet.
In der Grunddynamik ähnlich, präsentiert sich Nel ASA. Der norwegische Elektrolyse-Pionier hat in seinen jüngsten Unternehmensmeldungen erneut auf die Herausforderungen eines schwachen Auftragseingangs und verzögerter Investitionsentscheidungen im Großanlagenbau hingewiesen. Gleichzeitig wurden Maßnahmen zur Anpassung der Produktions- und Kostenstruktur kommuniziert, um die Kapitalbindung zu reduzieren und die Effizienz zu erhöhen. Nach einer fulminanten Rally von 0,18 auf 0,36 EUR fiel der Kurs wieder steil auf die Zone 0,26 bis 0,27 EUR zurück. Entscheidend für die kommenden Quartale wird sein, ob aus der gezeigten Stabilisierung tatsächlich wieder verlässliches Wachstum entsteht oder ob die aktuelle Bewegung lediglich eine Zwischenphase innerhalb eines längeren Konsolidierungszyklus darstellt. Die Experten auf der Plattform LSEG trauen Nel ASA nur wenig zu, die Spekulanten sind hingegen schon generöser unterwegs!
Die Wachstumsbörsen gönnten sich in der letzten Woche eine erste Pause. Das ist kein Beinbruch, da viele Bewertungen bereits zur Sorge Anlass bieten. Nun kommt auch noch Elon Musks SpaceX mit einer IPO-Bewertung von 2 Billionen USD an den Markt. Das muss erst mal verdaut werden, dann kann die Rally weitergehen. Eine gute Streuung über Themen und Regionen schützt das Portfolio vor größeren Schwankungen.
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