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19.08.2026 | 05:30

Milliarden-Chance Stahlwende: thyssenkrupp, Strategic Resources und Siemens Energy im Fokus

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Bildquelle: Pixabay

Die europäische Stahlindustrie steht vor großen Veränderungen. Die EU-Klimapolitik zwingt die traditionsreichen Konzerne zu einer radikalen CO2-Wende, während die globale Konkurrenz längst günstiger produziert. Der Umstieg erfordert passende Rohstoffe und viel grüne Energie. Langfristig könnte die Transformation zum Wettbewerbsvorteil werden. Die Branche muss die richtigen Entscheidungen treffen, schließlich hängen viele Arbeitsplätze und auch Europas Stahlunabhängigkeit daran. Wir sehen uns daher heute thyssenkrupp als größten deutschen Stahlkonzern, Strategic Resources als möglichen Rohstofflieferanten und Siemens Energy als potentiellen Technologiepartner genauer an.

Lesezeit: ca. 5 Min. | Autor: Armin Schulz
ISIN: THYSSENKRUPP AG O.N. | DE0007500001 , STRATEGIC RESOURCES INC | CA86277X4093 | TSXV: SR , SIEMENS ENERGY AG NA O.N. | DE000ENER6Y0

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Inhaltsverzeichnis:


    thyssenkrupp - im Umbruch

    thyssenkrupp treibt seinen Wandel weiter voran mit einem klaren Ziel. Während die außerordentliche Hauptversammlung die Abspaltung von tk accelis freimachte und das Stahlgeschäft von schärferen EU-Importregeln profitiert, bleiben andere Sparten eine Belastung. Die Zustimmung der Aktionäre zur Verselbstständigung von tk accelis markiert einen weiteren Meilenstein auf dem Weg zur Finanzholding. Das ehemalige Materials-Services-Geschäft mit rund 11 Mrd. EUR Umsatz soll noch dieses Jahr an die Börse. Die thyssenkrupp AG behält 51 %, während 49 % an die Aktionäre verteilt werden.

    Die Stahlsparte verbesserte ihr bereinigtes EBIT im dritten Quartal auf 73 Mio. EUR, unterstützt von niedrigeren Rohstoffkosten und dem Performanceprogramm APEX. Rückenwind für die europäischen Stahlproduzenten kommt von den seit April geltenden verschärften EU-Importregeln mit einem um 47 % gesenkten zollfreien Kontingent. Aktuell sorgt das anhaltende Niedrigwasser am Rhein für eine erschwerte Rohstoffversorgung des Duisburger Werks. Die Hochofenproduktion wurde vorsichtig gedrosselt, während das Unternehmen auf externe Schiffe mit geringerem Tiefgang ausweicht. Die geplante Direktreduktionsanlage für grünen Stahl bleibt mit einem Volumen von 3 Mrd. EUR ein Langfristprojekt.

    Die Tochter TKMS bleibt mit einem Auftragsbestand von über 20 Mrd. EUR und der Auswahl als bevorzugter Lieferant für das kanadische U-Boot-Programm ein zuverlässiger Wachstumspfeiler. Gleichzeitig belasten Automotive Technology und Decarbon Technologies das Gesamtergebnis. Die schwache Autonachfrage und verschobene Großprojekte im Chemieanlagenbau ließen die Umsätze dort schrumpfen. Der Konzern grenzte daher seine Ergebnisprognose auf 600 bis 900 Mio. EUR ein. Für Anleger ergibt sich ein gemischtes Bild mit strategischen Fortschritten bei tk accelis und TKMS und operativen Baustellen auf der anderen Seite.

    Strategic Resources - setzt auf grünen Stahl und Energiespeicher

    Die Dekarbonisierung der Stahlindustrie verlangt nach neuen Herstellungswegen und erzeugt bisher eine Nachfrage nach spezifischen Rohstoffen. In diesem Umfeld positioniert sich Strategic Resources als ein ernstzunehmender Akteur in der Versorgung mit hochreinem Eisen für die grüne Stahlproduktion. Das kanadische Unternehmen adressiert mit seinen Projekten das Kernproblem der Branche. Während die Nachfrage nach emissionsarmen Direktreduktionsanlagen (DRI) steigt, ist die dafür notwendige Infrastruktur an hochwertigen Rohstoffen begrenzt. Mit einem vollständig genehmigten Minenprojekt in Québec und einem geplanten Pelletierwerk am Tiefwasserhafen von Port Saguenay besitzt das Unternehmen die seltene Kombination aus vorhandenen Genehmigungen und strategischer Infrastruktur. Derzeit wartet das Unternehmen auf die Genehmigung, die Pelletanlage von 1,5 Mio. t auf 4 Mio. t aufzustocken.

    Das Flaggschiff-Projekt BlackRock in Québec überzeugt nicht nur durch seine Langlebigkeit mit einer geplanten Grubenlebensdauer von 39 Jahren. Das Projekt hat einen Nettobarwert von 1,9 Mrd. CAD, was einer internen Rendite von 18,2 % entspricht. Die Anbindung an das Stromnetz und die Verfügbarkeit von Erdgas verschaffen dem Vorhaben einen strukturellen Kostenvorteil gegenüber bestehenden Anlagen. Zeitgleich erweitert das Unternehmen mit dem Mustavaara-Projekt in Finnland seine geografische Reichweite. Die Auswahl des vanadiumreichen Magnetit-Konzentrats für das 17 Mio. EUR schwere FutSteel-Forschungsprojekt in Zusammenarbeit mit der Universität Oulu und SSAB ist ein Beleg für die Qualität des Materials, das für die wasserstoffbasierte Stahlproduktion der nächsten Generation prädestiniert ist.

    Die Produktion von Eisenerzpellets ist nicht der alleinige Geschäftsbereich. Das kanadische Erzvorkommen liefert mit Vanadium und Titan gleich zwei weitere strategische Metalle, die die Wertschöpfungskette erheblich erweitern. In einer Zeit, in der Nordamerika keine primäre Vanadiumförderung besitzt, wird das Projekt durch das Vorkommen deutlich aufgewertet. Es könnte ein potenzieller Grundpfeiler dieser kritischen Lieferkette sein. Das Unternehmen adressiert mit einer Partnerschaft mit Tyfast Energy zudem den boomenden Markt für Energiespeicher. Vanadium-Redox-Flow-Batterien gelten für die stationäre Speicherung erneuerbarer Energien als vielversprechende Lösung. Diese Diversifikation über die reine Stahlherstellung hinaus könnte sich als entscheidendes Element für die langfristige Bewertung des Unternehmens erweisen.

    Siemens Energy - Rekordquartal und ungebrochene Nachfrage

    Siemens Energy hat im 3. Quartal Zahlen vorgelegt, die aufhorchen lassen. Der Auftragseingang kletterte auf 17,9 Mrd. EUR nach oben, der Umsatz legte um 18,5 % auf 11,45 Mrd. EUR zu. Der Gewinn vor Sondereffekten konnte sich mit 1,62 Mrd. EUR mehr als verdreifachen. Der Auftragsbestand erreichte mit 162 Mrd. EUR wieder einen neuen Höchststand. Die Windtochter Siemens Gamesa schrieb erstmals seit 2022 wieder schwarze Zahlen. Das ist ein Befreiungsschlag, nachdem die Tochter jahrelang die Konzernbilanz belastet hat. Das Management erwartet für das laufende Jahr, dass die Margen am oberen Ende der Spanne von 10-12 % liegen.

    Am 14. Juli kündigte das Unternehmen die Umbenennung in Omterra an. Es ist ein Kunstwort aus Omega und Terra, das die Bündelung von Energieinfrastruktur und Erneuerbaren symbolisieren soll. Dadurch spart der Konzern jährliche Lizenzgebühren in Höhe von 300 Mio. EUR, die an die Siemens AG fällig waren. Zeitgleich geriet die geplante Abspaltung der Industriesparte ins Wanken. Der Aufsichtsrat forderte Vorstandschef Christian Bruch auf, bis zum 25. August Alternativen vorzulegen, die einen Verbleib der Sparte ermöglichen. Diese Diskussion sorgt bei Investoren für Unsicherheit, was die Aktie unter Druck setzte, obwohl die operative Stärke unbestritten ist.

    Parallel treibt Siemens Energy die Wasserstoff-Strategie voran. Ende Juli unterzeichnete der Konzern mit dem algerischen Staatskonzern Sonatrach eine Absichtserklärung für einen Wasserstoff-Hub. Ab der zweiten Jahreshälfte 2027 soll dort ein 100 MW Elektrolyseur jährlich rund 10.000 t grünen Wasserstoff erzeugen. Außerdem setzt der Hamburg Green Hydrogen Hub auf die Technologie von Siemens Energy. Das mittelfristige Ziel lautet, dass man bis 2030 das Gasturbinen-Portfolio für einen Wasserstoffbetrieb fitmachen will. Ob die strukturellen Weichenstellungen und das Rebranding den Kurs nachhaltig stützen, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.


    Die Stahlwende bleibt eine Milliarden-Chance. thyssenkrupp kämpft mit einer gespaltenen Bilanz aus Fortschritten bei TKMS und der Stahlsparte auf der einen und operativen Baustellen auf der anderen Seite. Strategic Resources überzeugt durch die bereits genehmigte Mine, das geplante Pelletwerk und die kritischen Rohstoffe Vanadium sowie Titan. Siemens Energy liefert mit Rekordzahlen und der Wasserstoff-Offensive die Beweise für technologische Führerschaft, während die Meinungsverschiedenheit zwischen Vorstand und Aufsichtsrat kurzfristig verunsichert. Die Weichen für die grüne Transformation sind gestellt und der Wettlauf um die besten Konzepte und langfristigen Partner hat begonnen.


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    Der Autor

    Armin Schulz

    Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.

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