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29.09.2026 | 05:00

Daimler Truck, Deutz und dynaCERT: Nachrüst-Technologie als Brückenlösung

  • Wasserstoff
  • Umrüstkits
Bildquelle: Nano Banana KI

Wer jeden Morgen auf deutschen Autobahnen unterwegs ist, erkennt sofort, wie wichtig Lastwagen für unseren Alltag sind. Die Lkw-Fahrer halten die Wirtschaft am Laufen. Doch auf den ersten Blick sieht man nicht, dass die Logistikbranche in einem Zielkonflikt steckt: Der Ruf nach Klimaschutz prallt auf die hohen Kosten im Speditionsgeschäft. Emissionsfreie Lkw sind teuer, und die Infrastruktur fehlt weitgehend. Das zwingt die Transportunternehmen, pragmatische Zwischenlösungen zu finden. Das eröffnet Chancen für agile Unternehmen und weitsichtige Investoren.

Lesezeit: ca. 3 Min. | Autor: Nico Popp
ISIN: DYNACERT INC. | CA26780A1084 | TSX: DYA , OTCQB: DYFSF , Daimler Truck Holding AG | DE000DTR0013 , DEUTZ AG O.N. | DE0006305006

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Inhaltsverzeichnis:


    Daimler Truck: Wasserstoffoffensive trifft auf effiziente Verbrenner

    Einer der größten Nutzfahrzeughersteller der Welt setzt verstärkt auf Wasserstoff. Gemeinsam mit Partnern wie Volvo, Toyota und Bosch stellte Daimler Truck am 15. September 2026 auf der IAA Transportation eine Allianz vor. Sie soll Wasserstoff-Lkw in Europa bis 2030 wirtschaftlich tragfähig machen, mit Deutschland als Vorbild. Bis Ende des Jahrzehnts investiert der Konzern einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag in Wasserstoff-Lkw. Ab Ende 2026 sollen 100 Brennstoffzellen-Trucks der nächsten Generation in den Kundeneinsatz gehen. Über das Joint Venture cellcentric plant Daimler Truck zudem eine Großserienfertigung von Brennstoffzellensystemen im schwäbischen Weilheim. Der Start ist um 2030 vorgesehen. Die endgültige Bauentscheidung hängt von Marktentwicklung und Infrastruktur ab.

    Gleichzeitig ignoriert das Management die kurzfristigen Nöte der Speditionen nicht. Weil der Wandel Zeit braucht, schärft der Konzern bei seiner klassischen Flotte nach. Mercedes-Benz Trucks bringt ab April 2027 die neue Diesel-Antriebsgeneration Powerliner in Actros und Arocs. Sie soll den Kraftstoffverbrauch gegenüber einem vergleichbaren Vorgängerfahrzeug um bis zu 4 % senken. Auch am Kapitalmarkt findet Daimler Truck Rückhalt: RBC Capital Markets hob das Kursziel am 10. September 2026 von 58 auf 63 EUR an und bestätigte das Outperform-Rating. Die Analysten begründen dies vor allem mit der Erholung des nordamerikanischen Lkw-Markts, der Dividende und den laufenden Aktienrückkäufen.

    Deutz und der Brückenschlag mit Wasserstoffmotoren

    Einen pragmatischen Weg zur Dekarbonisierung wählt der Kölner Motorenbauer Deutz. Bereits 2021 stellte das Unternehmen einen Wasserstoff-Verbrennungsmotor vor. Er basiert auf einem bewährten Dieselmotor, arbeitet aber mit Zündkerzen und angepasster Gemischbildung. Eingesetzt wird er zunächst vor allem in stationären Anlagen und im Off-Highway-Bereich. Nach Unternehmensangaben verkraftet der Motor Staub, Schmutz und starke Erschütterungen gut und kommt mit weniger reinem Wasserstoff aus als eine Brennstoffzelle. Das hält die Kosten niedrig und nutzt bestehende Produktionsanlagen.

    Im ersten Halbjahr 2026 kletterte der Konzernumsatz bei Deutz um 10,7 % auf 1,115 Mrd. EUR, während das bereinigte EBIT um 43 % auf 79,7 Mio. EUR stieg. Getragen wurde das Wachstum vor allem vom Energie- und Servicegeschäft. Die Neubewertung der Aktie treibt zudem die geplante Übernahme des Militärfahrzeugherstellers FFG. Warburg Research sieht das Kursziel bei 19,00 EUR, im Durchschnitt liegen die Analystenziele bei rund 15 EUR. Doch auch beim Wasserstoffmotor bleibt das Problem der fehlenden Wasserstofftankstellen akut.

    dynaCERT: Nachrüstlösung für die Bestandsflotte

    Genau in diese Lücke stößt das kanadische Cleantech-Unternehmen dynaCERT und adressiert ein großes Marktpotenzial. Laut der European Automobile Manufacturers' Association rollen rund 6,2 Mio. Lkw über die Straßen der EU. Davon tanken über 96 % klassischen Diesel. Das Durchschnittsalter dieser Bestandsflotte liegt bei rund 14 Jahren. Angesichts von europaweit lediglich 187 Wasserstofftankstellen, von denen die meisten für schwere Nutzfahrzeuge nicht geeignet sind, brauchen Spediteure eine Sofortlösung, um die steigenden Kosten abzufedern. dynaCERT bietet mit seinem HydraGEN-System eine Nachrüstlösung für diese Flotte an. Die kompakte Anlage erzeugt direkt an Bord aus destilliertem Wasser kleine Mengen Wasserstoff und Sauerstoff und leitet diese in den Ansaugtrakt des Motors. Nach Unternehmensangaben wirkt der Wasserstoff dabei als Verbrennungsbeschleuniger und senkt so Verbrauch und Emissionen. Das Kraftfahrt-Bundesamt erteilte dem System bereits 2019 eine Allgemeine Betriebserlaubnis – eine Einzelabnahme entfällt damit.

    Spannende Aktie: dynaCERT am Verlaufstief.

    dynaCERT: Globale Expansion und neue Erlösquellen

    Um die Lösung auszurollen, setzt das Managementteam um CEO Kevin Unrath und President Bernd Krüper auf eine weltweite Vertriebsoffensive. Beim 24-Stunden-Lkw-Rennen in Le Mans präsentierte dynaCERT gemeinsam mit dem französischen Vertriebspartner IPMD und dem Dakar-Team NRS mit HydraGEN ausgerüstete Rallye-Trucks. Gleichzeitig will das Unternehmen die Abhängigkeit vom reinen Logistikmarkt auf der Straße verringern. Auf der Breakbulk Americas in Houston war dynaCERT im September vertreten, im Oktober folgt die TOC Americas in Cartagena. Beide Messen richten sich an Hafen- und Projektlogistiker. In Vietnam folgte auf einen Pilottest ein erster Serienauftrag eines Lkw-Logistikers. Pilotinstallationen an Feuerwehrfahrzeugen, Gabelstaplern und Mobilkranen eines Öl- und Gaskonzerns sollen folgen.

    Der eigentliche strategische Hebel liegt jedoch abseits der reinen Hardware in einem Softwaremodell. dynaCERT erfasst die eingesparten Emissionen über die hauseigene Telematik-Plattform HydraLytica, nach Unternehmensangaben manipulationssicher. Verra genehmigte bereits 2024 eine von dynaCERT mitentwickelte Methodik. Sie soll es ermöglichen, eingesparte Emissionen künftig als freiwillige CO2-Gutschriften zu vermarkten und die Erlöse mit den Flottenbetreibern zu teilen. Im aktuellen Stadium ist dynaCERT nicht frei von Risiken, doch scheint das Unternehmen jetzt an einem entscheidenden Punkt zu stehen: Die kommenden Unternehmensmeldungen, etwa zu weiteren Serienaufträgen und ersten ausgegebenen CO2-Gutschriften, könnten zeigen, wohin sich Unternehmen und Aktie entwickeln.

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    Der Autor

    Nico Popp

    Nico Popp

    In Süddeutschland zuhause, begleitet der leidenschaftliche Börsianer die Kapitalmärkte seit rund zwanzig Jahren. Mit einem Faible für kleinere Unternehmen ausgestattet, ist er ständig auf der Suche nach spannenden Investmentstorys

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