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30.10.2026 | 05:33

DEUTZ, dynaCERT, Cummins – Der Dieselmotor ist noch lange nicht tot

  • Wasserstoff
  • Verbrennermotoren
  • Diesel
Bildquelle: ChatGPT KI generiert

Der Diesel sollte längst auf dem Rückzug sein. Doch auf Baustellen, in Bergwerken und im internationalen Güterverkehr sieht die Realität anders aus. Schwere Maschinen müssen zuverlässig laufen, auch dort, wo Ladeinfrastruktur fehlt und Stillstand Tausende Euro kostet. Deshalb investieren Motorenhersteller weiter in effizientere Verbrenner, während Nachrüstspezialisten versuchen, den Verbrauch bestehender Flotten zu senken. Für Anleger entsteht dabei ein Gegensatz. Milliardenkonzerne entwickeln neue Motorengenerationen, kleinere Technologieanbieter wollen aus Millionen bereits installierter Dieselmotoren ein Geschäft machen.

Lesezeit: ca. 3 Min. | Autor: Stefan Feulner
ISIN: dynaCERT Inc | CA26780A1084 , DE0006305006 , CUMMINS INC. | US2310211063

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Inhaltsverzeichnis:


    DEUTZ – 100 Stunden statt Stillstand: Neue Technik für Millionen Dieselmotoren

    Ein technisches Problem mit erheblichen wirtschaftlichen Folgen nimmt DEUTZ ins Visier. Vergangene Woche stellte der Kölner Motorenhersteller eine überarbeitete Steuerungsstrategie für die Abgasnachbehandlung seiner Off-Highway-Motoren vor. Sie soll verhindern, dass Baumaschinen oder andere Arbeitsgeräte bei Problemen mit der Abgasreinigung unnötig lange ausfallen.

    Hintergrund ist das sogenannte SCR-Inducement. Erkennt das System beispielsweise eine unzureichende Qualität der Harnstofflösung, kann die Motorleistung reduziert werden. Bislang mussten Betreiber unter bestimmten Bedingungen bereits nach vier Stunden mit erheblichen Einschränkungen rechnen. Die neue Software kann diese Frist in entsprechenden Anwendungsfällen auf bis zu 100 Stunden verlängern. Die geltenden Emissionsvorschriften in Europa und den USA sollen weiterhin eingehalten werden.

    Für Betreiber von Bau- und Landmaschinen zählt dabei vor allem die Verfügbarkeit. Jeder ungeplante Stillstand verursacht Kosten. DEUTZ will deshalb nicht nur neue Motoren ausliefern, sondern auch bereits installierte Aggregate per Software aktualisieren.

    Der Konzern setzt zudem auf ein breiteres Geschäft mit Antriebstechnik, Service und dezentraler Energieversorgung. Damit soll die Abhängigkeit vom zyklischen Geschäft mit klassischen Verbrennungsmotoren sinken.

    An der Börse gehen die Einschätzungen auseinander. Warburg Research sieht mit einem Kursziel von 19 EUR erhebliches Potenzial, Bernstein Research setzt dagegen lediglich 12,40 EUR an.

    dynaCERT – Frankreich bestellt nach, Vietnam öffnet neue Türen

    Millionen Dieselmotoren werden noch über Jahre im Einsatz bleiben. Für Speditionen, Bergbauunternehmen und Hafenbetreiber stellt sich deshalb die drängende Frage, wie sich Kraftstoffkosten und Emissionen senken lassen, ohne ganze Fahrzeugflotten auszutauschen.

    Eine Lösung bietet das Nachrüstsystem von dynaCERT, das mithilfe von Elektrolyse Wasserstoff und Sauerstoff erzeugt, die dem Ansaugtrakt des Motors zugeführt werden. Dadurch sollen Verbrennung und Kraftstoffeffizienz verbessert werden. Wie hoch die tatsächlichen Einsparungen ausfallen, hängt dabei vom jeweiligen Motor und den Einsatzbedingungen ab.

    Zu Beginn des Monats meldete dynaCERT Fortschritte in Frankreich. Vertriebspartner IPMD erhielt im zurückliegenden Quartal einen Folgeauftrag eines bestehenden Kunden. Weitere Pilotprojekte laufen unter anderem im Straßentransport, bei Hafenbetrieben und in industriellen Anwendungen. Auch auf der Nutzfahrzeugmesse „24 Heures Camions“ in Le Mans präsentierte das Unternehmen seine Technologie.

    In Vietnam gelang bereits im Juni ein wichtiger Schritt. Nach erfolgreichen Praxistests bestellte ein Logistikunternehmen erstmals HydraGEN-Systeme für den Serieneinsatz. Zusätzlich wurden mehrere Anlagen auf Lastwagen und Containerumschlaggeräten eines international tätigen Hafenbetreibers installiert. Auftragsvolumen und Stückzahlen wurden nicht veröffentlicht.

    Zusätzliche Perspektiven eröffnet HydraLytica. Die Telematikplattform erfasst Verbrauchs- und Emissionsdaten. Seit Oktober 2024 ist zudem eine unter Beteiligung von dynaCERT entwickelte Methodik zur Berechnung von Emissionsminderungen durch Verra anerkannt. Ob daraus handelbare CO₂-Zertifikate entstehen, muss für einzelne Projekte separat nachgewiesen werden.

    Finanziell bleibt die Kommerzialisierung weiter anspruchsvoll. Eine Wandelanleihe über 1 Mio. CAD soll vorbehaltlich der Börsengenehmigung bis Oktober 2027 verlängert werden. Entscheidend wird in den nächsten Monaten sein, ob aus ersten Serien- und Folgeaufträgen ein Geschäft mit dauerhaft steigenden Stückzahlen entsteht.

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    Cummins – Neuer 29-Liter-Motor: Der Diesel bekommt eine Zukunft

    Ausgerechnet während Politik und Industrie über emissionsfreie Antriebe diskutieren, investiert Cummins in eine völlig neue Generation schwerer Dieselmotoren. Am 28. Oktober präsentierte der amerikanische Motorenhersteller im chinesischen Chongqing den S29. Das Aggregat wurde speziell für den Einsatz in großen Bergbaumaschinen entwickelt.

    Mit 29 l Hubraum und bis zu 1.300 PS richtet sich der Motor an Muldenkipper mit 90 bis 120 t Nutzlast sowie Bagger der Gewichtsklasse 150 bis 220 t. Cummins verspricht eine hohe Leistungsdichte und niedrige Betriebskosten. Der geplante spezifische Bestwert beim Kraftstoffverbrauch liegt bei 180 g je kWh. Dabei handelt es sich um ein Entwicklungsziel, nicht um einen bereits nachgewiesenen Serienwert.

    Neben Diesel soll der S29 bei seiner Markteinführung auch mit HVO und Biodieselmischungen bis B50 betrieben werden können. Perspektivisch werden Varianten für Erdgas, Wasserstoff und kombinierte Kraftstoffsysteme untersucht.

    Die weltweite Verfügbarkeit in geeigneten Märkten ist für Ende 2027 vorgesehen. Cummins will damit eine Kundengruppe bedienen, für die Reichweite, Maschinenverfügbarkeit und Kraftstoffkosten entscheidend sind.

    Die wirtschaftliche Ausgangsbasis ist solide. Im Geschäftsjahr 2025 erzielte Cummins einen Umsatz von 33,7 Mrd. USD und einen Gewinn von 2,8 Mrd. USD. Neben Motoren produziert der Konzern Komponenten, Stromerzeugungssysteme und Technologien für alternative Antriebe.

    Analysten beurteilen die Aktie überwiegend positiv, haben ihre Erwartungen zuletzt aber zurückgenommen. Wells Fargo senkte das Kursziel von 760 auf 608 USD. Auch Barclays reduzierte seine Zielmarke von 760 auf 675 USD. Beide Häuser bleiben grundsätzlich positiv eingestellt.

    Fazit

    DEUTZ verringert das Risiko kostspieliger Maschinenstillstände durch eine intelligente Motorsteuerung. Cummins entwickelt neue Großmotoren für den Bergbau und legt dabei den Schwerpunkt auf höhere Effizienz und alternative Kraftstoffe. dynaCERT verfolgt einen anderen Ansatz: die Nachrüstung bestehender Dieselaggregate, um deren Kraftstoffeffizienz zu steigern. Erste Folgeaufträge in Frankreich und der Markteintritt in Vietnam bieten potenzielle Ansatzpunkte für weiteres Wachstum. Es sind jedoch steigende Umsatzzahlen erforderlich, um zu zeigen, dass sich dieser Ansatz zu einem nachhaltigen Geschäft entwickeln kann.


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    Der Autor

    Stefan Feulner

    Stefan Feulner

    Stefan Feulner besitzt rund 30 Jahre Kapitalmarkterfahrung, war mehr als drei Jahre CEO eines börsennotierten VC-Unternehmens und lange im Beteiligungs- und Fondsmanagement tätig.

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