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21.10.2026 | 05:25

Nel, dynaCERT, Daimler Truck – Wasserstoff, Strom und Diesel im Lkw sollen den Schwerlasttransport emissionsärmer machen

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Bildquelle: Pixabay

Die Dekarbonisierung des Lastwagens läuft in verschiedenen Geschwindigkeiten. Daimler Truck hat im 3. Quartal 2026 insgesamt 91.260 Fahrzeuge abgesetzt, batterieelektrisch waren davon lediglich 1.207. Der Umstieg kommt also langsamer voran als der Absatz wächst. Für einen Wasserstoffantrieb braucht es zuerst eine günstige Wasserstofferzeugung. Daneben suchen Flottenbetreiber nach Wegen, vorhandene Dieselmotoren schon heute sauberer zu machen, um ihre Klimabilanz aufzubessern. Am Ende müssen Hersteller Fahrzeuge liefern, die im Alltag bestehen. Gelingt es, alles zusammenzubringen, könnte das dem Wasserstoff langfristig Beine machen. Wir sehen uns daher Nel, dynaCERT und Daimler Truck genauer an.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Armin Schulz
ISIN: dynaCERT Inc | CA26780A1084 , Nel ASA | NO0010081235 , Daimler Truck Holding AG | DE000DTR0013

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Inhaltsverzeichnis:


    Nel – PEM-Elektrolyseure wachsen, die Konzernverluste auch

    Nel hat am 15. Oktober die Zahlen zum 3. Quartal vorgelegt. Der Umsatz aus Kundenverträgen sank auf 112 Mio. NOK, nach 303 Mio. NOK im Vorjahr. Schuld ist vor allem die alkalische Sparte, deren Umsatz um 91 % auf 23 Mio. NOK einbrach. Bei den Elektrolyseuren der Bauart PEM sieht es anders aus. Dort stieg der Umsatz um 65 % auf 89 Mio. NOK, der Auftragseingang um 473 % auf 245 Mio. NOK. Das EBITDA des Konzerns lag bei minus 93 Mio. NOK, nach minus 37 Mio. NOK. Bei PEM verbesserte es sich um 10 Mio. NOK auf minus 24 Mio. NOK.

    Dafür füllen sich die Auftragsbücher. Am 13. Oktober meldeten die Osloer einen Kaufauftrag über etwa 12 Mio. USD für Elektrolyseure der MC Series, bestellt von einem Technologiekonzern aus den USA. Geliefert wird 2027. Collins Aerospace orderte am 29. September Stacks für Sauerstoffsysteme in Unterseebooten über etwa 12 Mio. USD, am 30. September folgten weitere Bestellungen über etwa 7 Mio. USD, jeweils mit Lieferung 2027 und 2028. Insgesamt sind es bei Collins etwa 20 Mio. USD. Mit Rheinmetall hat Nel zudem eine Absichtserklärung zu synthetischen Kraftstoffen unterzeichnet. Bindend ist sie aktuell noch nicht.

    Auch die Lieferkette wächst mit. Am 10. September schloss der Konzern eine Rahmenvereinbarung mit Hydrasun, das im schottischen Aberdeen Montage und Integration der containerisierten Anlagen für Europa aufbaut. Konzernchef Håkon Volldal, der nach seinem im Juni angekündigten Rücktritt zum letzten Mal die Quartalszahlen präsentierte, erwartet, dass sich das Wachstum bei PEM im 4. Quartal fortsetzt. Der Auftragsbestand lag Ende September bei 1.314 Mio. NOK. Wer Wasserstoff für Lastwagen will, braucht Elektrolyseure. Das spielt Nel prinzipiell in die Karten, doch die Verluste müssen sinken. 

    dynaCERT – Wasserstoff direkt im Betrieb statt von der Tankstelle

    Wer Dieselmotoren sauberer machen will, muss nicht gleich neue Lastwagen kaufen. Hier setzt dynaCERT an, ein Unternehmen mit mehr als 20 Jahren Firmengeschichte. Es rüstet vorhandene Verbrennungsmotoren mit seiner Technologie HydraGEN™ nach. Sie erzeugt Wasserstoff und Sauerstoff erst im Betrieb und führt beides der Ansaugluft zu. Ein Tankstellennetz braucht es dafür nicht, einen Wasserstofftank an Bord auch nicht. Nach Angaben des Unternehmens verbrennt der Kraftstoff dadurch vollständiger, was sowohl den Verbrauch als auch die Emissionen senken soll. Der Kraftstoff bleibt, er wird ergänzt. HydraGEN™ soll dem Diesel auf die Sprünge helfen.

    Was heißt das für den Betreiber? Laut dynaCERT sind Einsparungen von bis zu 10 % möglich, abhängig von Einheit, Motorgröße und Anwendung. Es braucht keinen neuen Motor und kein neues Fahrzeug, nur das Nachrüstsystem samt Einbau. Deshalb fällt die Investition deutlich geringer aus als bei einem neuen Motor, ganz zu schweigen von einem Neufahrzeug. Bei Standardanwendungen wie Lkw der Klasse 8 ist der Einbau überschaubar. Zeiträume von 1,5 bis 2 Jahren bis zur Amortisation sind je nach Nutzungsprofil möglich. dynaCERT versteht sich als Anbieter für das Gesamtsystem, zu dem neben der Elektrolyse die Thermodynamik im Motor und die jeweilige Anwendung gehören.

    Am 6. Oktober meldete das Unternehmen, dass ein Bestandskunde in Frankreich über den Vertriebspartner IPMD im September nachbestellt hat. Chef Kevin Unrath nannte das ein ermutigendes Zeichen für anhaltendes Kundeninteresse. Beim Branchentreff 24 Heures Camions in Le Mans zog ein Rennlastwagen der Rallye Dakar mit HydraGEN™ viel Interesse auf sich. Auch in Asien läuft es. In Vietnam kam im Juni nach einem erfolgreichen Pilotprojekt der erste Serienauftrag eines Logistikunternehmens, inzwischen gibt es dort laut CEO Kevin Unrath zusätzliche Folgeaufträge. Einbau und Service laufen über einen Partner vor Ort. Gelingt es, die Folgeaufträge zu steigern, könnte das Geschäft weiter an Fahrt gewinnen.

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    Daimler Truck – Absatz wächst, Wasserstoff beginnt mit einer Kleinserie

    Daimler Truck wächst kräftig. Im 3. Quartal legte der Absatz in Nordamerika um 51 % auf 45.629 Fahrzeuge zu, bei Mercedes-Benz Trucks um 13 % auf 40.362. Die Busse gaben um 16 % auf 5.394 nach. Seit Jahresbeginn kommt der Konzern auf 246.816 Einheiten, 8 % mehr als im Vorjahr. Wegen der Eingliederung von Mitsubishi Fuso in ARCHION am 1. April 2026 enthalten die Zahlen nur die fortgeführten Geschäfte. Die vollständigen Zahlen zum 3. Quartal folgen am 6. November. Beim Absatz läuft es also gut, nur der Batterieantrieb schwächelt.

    Beim Wasserstoff geht es von der Erprobung in die Praxis. Ab Ende 2026 geht das erste Fahrzeug der Kleinserie des Mercedes-Benz NextGenH2 Truck in den Kundeneinsatz, ausgelegt ist sie auf 100 Lkw. Bei Dachser in Karlsruhe läuft zunächst ein Fahrzeug, zwei weitere folgen bis Mitte 2027. Fast die Hälfte der Kleinserie ist vergeben. Am 3. September kündigte Daimler Truck mit der Volvo Group, Toyota, Bosch, Air Liquide, TotalEnergies, TEAL Mobility und MB Energy eine Allianz an, am 15. September stellten die Partner ihre Pläne vor. Wasserstoff soll den Batterie-Antrieb ergänzen.

    Politisch bleibt es schwierig. Zur IAA forderten am 14. September sieben Chefs europäischer Lkw und Busbauer, darunter Karin Rådström von Daimler Truck, drei Jahre Aufschub bei den Klimavorgaben für 2030. Um die Vorgabe der EU zu erfüllen, müssten nach Berechnung des Konzerns bis dahin rund 35 % der neuen Lkw in Europa batterieelektrisch oder mit Wasserstoff fahren. 2025 lag der Marktanteil schwerer batterieelektrischer Lkw bei 2 %. Verfehlt Mercedes-Benz Trucks die Ziele, kostet jeder Prozentpunkt nach eigener Rechnung rund 120 Mio. EUR Strafe. Der große Wurf ist die Kleinserie der Wasserstoff-LKW noch nicht, aber ein Anfang. 

    Fazit

    Die Dekarbonisierung des Lastwagens läuft mit verschiedenen Geschwindigkeiten. Nel ASA baut mit Elektrolyseuren die Erzeugung von Wasserstoff aus und sammelt Aufträge, vor allem bei der Bauart PEM. Damit daraus Gewinn wird, müssen die Verluste schrumpfen. dynaCERT bringt Wasserstoff schon heute in vorhandene Dieselmotoren und reduziert damit den Kraftstoffverbrauch und die Emissionen. Fortschritte in Asien und die Nachbestellung eines Bestandskunden in Frankreich sind als positives Zeichen zu werten. Daimler Truck wächst beim Absatz, startet ab Ende 2026 den Kundeneinsatz einer Kleinserie mit 100 Wasserstofflastwagen und fordert mehr Zeit bei den Klimavorgaben. Alle drei liefern, jeder in seinem Bereich.


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    Der Autor

    Armin Schulz

    Armin Schulz

    Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.

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