06.08.2026 | 05:30
RENK Group, Volatus Aerospace und TKMS: Rüstungsboom – jetzt die drei Hebel Land, Luft und Wasser nutzen
Der Westen muss seine Sicherheitsarchitektur grundlegend neu aufbauen. Nachdem man über Jahre dem Frieden vertraut hat, müssen nun die Budgets teilweise deutlich nach oben geschraubt werden. Aktuell profitieren alle Unternehmen, die den strukturellen Wandel der Verteidigungsindustrie tragen. Es zählt nicht mehr allein die Masse der Systeme, sondern die Vernetzung von Mobilität, Aufklärung und maritimer Schlagkraft. Diese Veränderungen an Land, in der Luft und auf dem Wasser bringen die RENK Group, Volatus Aerospace und TKMS zusammen. Sie bieten unterschiedliche Hebel, um vom anhaltenden Rüstungstrend zu profitieren.
Lesezeit: ca. 4 Min.
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Autor:
Armin Schulz
ISIN:
RENK Group AG | DE000RENK730 , VOLATUS AEROSPACE INC | CA92865M1023 | TSXV: FLT , OTCQB: TAKOF , TKMS AG & CO KGAA | DE000TKMS001
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Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Armin Schulz
Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.
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RENK Group - schließt Refinanzierung erfolgreich ab
Die RENK Group hat ihre alte Leveraged Buyout-Finanzierung aus alten IPO-Zeiten abgelöst und sich mit einem unbesicherten Kreditpaket von insgesamt 1,05 Mrd. EUR neu versorgt. Das Geld verteilt sich auf ein langfristiges Konsortialdarlehen über 450 Mio. EUR, eine revolvierende Fazilität von 225 Mio. EUR sowie eine Kreditlinie von 375 Mio. EUR. Alle sind mit einer fünfjährigen Laufzeit und einer zweimaligen Verlängerungsoption ausgestattet. Durch den Wegfall der Besicherungen hat das Management nun mehr unternehmerische Freiheit für Akquisition und Investitionen. Die Banken haben die Finanzierung deutlich überzeichnet, was für Vertrauen in das Unternehmen spricht. Die Finanzchefin Mänz-Siebje sieht die neue Finanzierung als Basis, um die Ziele bis 2030 zu erreichen.
Mit der bindenden Übernahme von David Brown Defence sichert sich Renk den Zugang zu den zentralen Marineprogrammen der Five-Eyes-Staaten. Der britische Getriebespezialist bringt einen Auftragsbestand von über 700 Mio. Pfund bis 2030 sowie Know-how für geräuscharme U-Boot-Antriebe ein. Der Abschluss der Transaktion wird für das 4. Quartal erwartet und erweitert das Portfolio um Überwasser- und Unterwasserlösungen und erschließt zeitgleich langfristige Aftermarket-Erlöse. Außerdem ergänzen britische Landprogramme wie Challenger 2 und Boxer das bestehende Geschäft. Diese Integration stärkt RENKs Position im internationalen Verteidigungsmarkt deutlich.
Für das 2. Quartal zeichnet sich ein Rekordauftragseingang ab, vor allem durch die Großverträge wie den THOR4-Rahmenvertrag mit der US-Armee über 691 Mio. USD und die Erweiterung der Rheinmetall-Kooperation im Lynx-Programm. Das Management geht davon aus, dass die Jahresprognose von über 1,5 Mrd. EUR Umsatz und einer EBIT-Marge im oberen Zielkorridor erreicht wird. Die Analysten warnen vor möglichen Budgetrisiken im deutschen Verteidigungshaushalt ab 2027, die möglicherweise die Landsysteme treffen könnten. Der Halbjahresbericht am 6. August wird zeigen, wie die operative Dynamik aussieht.
Volatus Aerospace – erweitert sein Geschäftsfeld
Volatus Aerospace hat sich vom reinen Drohnenproduzenten zu einem Dienstleister im Bereich der autonomen Luftfahrtsysteme entwickelt. Mit 28 bemannten Flugzeugen und über 100 Drohnen ist das Unternehmen in Kanada, den USA, Großbritannien und Südamerika aktiv. Bei den jährlichen Pipeline-Inspektionen werden rund 1,7 Mio. km zurückgelegt und liefern Daten für die Weiterentwicklung. Im Juni eröffnete das Unternehmen die Mirabel-Fertigung mit 53.000 Quadratfuß. Dort werden bereits in Serie Docking-Stationen produziert. Die V-Series Flugzeuge sollen später folgen. Das Management ist vom Unternehmen überzeugt und hält rund 21 % der Anteile.
Am 4. August verkündete das Unternehmen die Partnerschaft mit Singular Aircraft und eröffnet Volatus damit ein neues Geschäftsfeld. Der FlyOx 1 ist ein autonomes Schwerlastflugzeug mit amphibischen Fähigkeiten. Es hat ein Startgewicht von rund 4.000 kg und kann 1.560 Liter Löschmittel transportieren. Es operiert auf unbefestigten Landebahnen und Wasserflächen vollautomatisch. Insgesamt fünf Luftfahrtbehörden auf vier verschiedenen Kontinenten haben bereits den Flugbetrieb dokumentiert. Da Kanada mit Rekordwaldbränden kämpft, die riesige Schäden verursachen und die Flotte von rund 100 Wasserbombern zunehmend altert, gleichzeitig neue Maschinen etwa 80 Mio. CAD kosten, aber Lieferzeiten von vier Jahren haben, ist das ein Ansatz mit viel Potenzial.
Der FlyOx 1 schließt diese Lücke mit einer autonomen Alternative, die schnell eingreifen kann. In einem beispielhaften Szenario mit 3 Flugzeugen in einer staatseigenen, von Volatus betriebenen Struktur liegt die Umsatzchance bei mindestens 15 bis 20 Mio. CAD, mit wiederkehrenden Erträgen aus Betrieb und Wartung. Die Zulassung für BVLOS-Flüge und die Forschungspartnerschaft mit Concordia unterstreichen die technologische Tiefe des Unternehmens. Der Verteidigungsumsatz kommt bisher aus europäischen NATO-Staaten, aber Kanadas neue Rüstungsstrategie, die in den nächsten Jahren Milliarden in die heimische Rüstungsindustrie pumpen will, eröffnet zusätzliches Potenzial. Die Weichen für eine skalierbare Plattform mit wachsenden Erlösen sind gestellt.
TKMS - Rekordaufträge und operative Herausforderungen
TKMS hat sich innerhalb kürzester Zeit zwei milliardenschwere Projekte gesichert, wodurch der Auftragsbestand auf ein Rekordhoch nach oben schnellte. Die kanadische Regierung wählte das deutsch-norwegische Konsortium um TKMS für ihr U-Boot-Programm CPSP aus. Bis zu 12 U-Boote der 212CD-Klasse sollen ab 2033 ausgeliefert werden. Parallel dazu erhielt TKMS von der Bundesregierung den Zuschlag für den Bau von 8 Fregatten des Typs MEKO A-200 DEU, nachdem das F126-Projekt gestoppt wurde. Die erste Fregatte will der Konzern bereits 2029 übergeben. Des Weiteren ist ein kurz vor dem Abschluss stehender Deal mit Indien in der Pipeline. Hier geht es um rund 8 Mrd. EUR.
Die Zahlen für das erste Halbjahr 2025/2026 zeigen ein solides Wachstum. Der Umsatz stieg um 10 % auf 1,168 Mrd. EUR und das bereinigte EBIT legte um 14 % auf 60 Mio. EUR zu. Die Marge konnte sich leicht von 5,0 auf 5,1 % verbessern. Lediglich der Free Cashflow rutschte aufgrund von Investitionen zur Projektabwicklung auf minus 72 Mio. EUR. Besonders die U-Boot-Sparte verbesserte ihre Marge dank des Auslaufens alter Verträge. Die Tochter Atlas Elektronik konnte den Umsatz um 25 % steigern bei einer Marge von 10,9 %. Lediglich der Surface Vessels Bereich belastete das Ergebnis aufgrund von Währungseffekten.
Mit Navantia geht man eine Partnerschaft im U-Boot-Segment ein, was die industriellen Kapazitäten bündeln soll und langfristig die Wettbewerbsfähigkeit stärken soll. Schwieriger verlief der Rückzug vom Kaufangebot für die Werft German Naval Yards Kiel. Man konnte sich mit dem Besitzer nicht auf die Konditionen einigen und so blieb Rheinmetall als letzter Bieter übrig. Anfang August blockierten Aktivisten die Zugänge zum Kieler Werftgelände aus Protest gegen die Kriegswaffenproduktion, speziell gegen die U-Boot-Lieferungen nach Israel. Die Aktie reagierte auf die Auftragsflut verhalten. Die wahre Wertschöpfung wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen.
Der Westen ist dazu gezwungen, seine Verteidigungsfähigkeit fundamental neu zu gestalten, und zwar an Land, in der Luft und auf See. Die RENK Group sichert sich mit der Übernahme von David Brown Defence den Zugang zu Marineprogrammen und stärkt ihr Landgeschäft, während Volatus Aerospace mit dem autonomen FlyOx 1 eine kostengünstige, skalierbare Lösung für die Luftaufklärung und Brandbekämpfung bietet. TKMS wiederum profitiert von milliardenschweren U-Boot- und Fregattenaufträgen und festigt seine maritime Spitzenposition. Der Rüstungstrend bleibt intakt.
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