04.11.2026 | 05:32
Stahlbranche im Wandel: Vale, Champion Iron und Strategic Resources und der Wettlauf um die Pellet-Prämie
Die Eisen- und Stahlindustrie steckt mitten in einem technologischen Umbruch. Weil die Branche ihren CO2-Ausstoß senken muss, gewinnt die Direktreduktion gegenüber dem klassischen Hochofen an Bedeutung. Auf den Rohstoffmärkten zeigt sich das als wachsende Preisschere: Der Referenzpreis für Eisenerz fiel im Oktober zeitweise unter 90 USD / t, die Preise für hochwertige Eisenerzpellets halten sich dagegen deutlich besser. Genau auf dieses Segment setzt das Entwicklungsunternehmen Strategic Resources. Anders als der etablierte Konzern Vale und der Umrüster Champion Iron will es von Beginn an eine Lieferkette für die Stahlherstellung ohne Kokskohle aufbauen.
Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Nico Popp
ISIN: Strategic Resources Inc | CA86277X4093 , CHAMPION IRON | AU000000CIA2 , VALE S.A. | BRVALEACNOR0
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Der Autor
Nico Popp
In Süddeutschland zuhause, begleitet der leidenschaftliche Börsianer die Kapitalmärkte seit rund zwanzig Jahren. Mit einem Faible für kleinere Unternehmen ausgestattet, ist er ständig auf der Suche nach spannenden Investmentstorys
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Vale spürt die Preisdivergenz
Der brasilianische Bergbaukonzern Vale zeigt mit seinen jüngsten Quartalszahlen, wie weit Basis- und Premiumprodukte auseinanderlaufen. Ende Oktober meldete das Unternehmen für Feinerz einen Durchschnittspreis von 85,10 USD / t, 10 % weniger als im Vorjahresquartal. Für Eisenerzpellets erzielte Vale dagegen 134 USD / t, ein Plus von 2 %. Im Quartal verkaufte der Konzern 8,72 Mio. t Pellets. Für das Gesamtjahr erwartet das Management eine Pelletproduktion in der Mitte seiner Spanne von 30 bis 34 Mio. t. Der Nettogewinn sank trotzdem um 53 % auf 1,275 Mrd. USD. Der Umsatz stieg zwar leicht um 2 %, die Produktionskosten aber um 20 %, vor allem wegen höherer Diesel-, Treibstoff- und Frachtkosten.
Champion Iron und die Kosten der Transformation
Der Weg zur grünen Stahlerzeugung ist auch für etablierte Produzenten kein Selbstläufer. Das zeigen die jüngsten Quartalszahlen von Champion Iron. Im Quartal bis Ende September verschiffte das Unternehmen seine erste kommerzielle Ladung Erz für die Direktreduktion. Bei diesem Verfahren wird Eisen mit Gas oder Wasserstoff statt mit Koks gewonnen. Trotz eines Rekordabsatzes von 4,49 Mio. t verbuchte das Unternehmen aus Québec einen Nettoverlust von 48,4 Mio. CAD. Belastet haben vor allem deutlich niedrigere Erzpreise (der realisierte Verkaufspreis fiel um 30 %) sowie höhere Fracht- und Treibstoffkosten. Hinzu kamen Anlaufkosten und Effizienzverluste bei der Inbetriebnahme der neuen Qualitätsstufe.
Strategic Resources plant die direkte Premium-Lieferkette
Anders als die etablierten Produzenten richtet sich Strategic Resources von Beginn an auf das Segment der Direktreduktion aus. Eine Vor-Machbarkeitsstudie aus dem Jahr 2024 sieht für den Tiefseehafen Port Saguenay eine Pelletanlage vor. Sie soll jährlich 4 Mio. t Pellets für die Direktreduktion produzieren. Damit zielt das Unternehmen auf genau die Nische, die eine Stahlherstellung ohne Hochofen erst möglich macht. Bislang ist der Standort für 1,5 Mio. t genehmigt. Für die größere Anlage braucht Strategic Resources eine Änderung der Umweltgenehmigung. Ende Mai hat das Unternehmen die noch offenen Fragen des Umweltministeriums von Québec beantwortet. Das Management rechnete damals mit einer positiven Entscheidung „in den kommenden Monaten“. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass das Projekt in die Bauphase gehen kann.

BlackRock soll auch Batteriemetalle liefern
Das Vorhaben beschränkt sich nicht auf Eisen. Das zugehörige BlackRock-Projekt bei Chibougamau umfasst zusätzlich Vanadium und Titan. Für die Mine und die Aufbereitungsanlage liegt die Umweltgenehmigung von Québec bereits vor. Im April unterzeichnete Strategic Resources eine Absichtserklärung mit dem US-Batterieentwickler Tyfast Energy. Gemeinsam wollen beide prüfen, ob sich Vanadium aus BlackRock zu Batteriematerial verarbeiten lässt. Tyfast entwickelt Anoden aus Lithium-Vanadium-Oxid, die schnelles Laden, eine lange Lebensdauer und hohe Leistung bei Kälte ermöglichen sollen. Gedacht sind sie für Bergbaumaschinen, Spezialfahrzeuge und Rüstungsanwendungen, also für Einsätze mit hoher Dauerbelastung. Strategic Resources bewertet dafür Rohstoff und Verarbeitungswege aus seinen Vanadiumvorkommen, Tyfast übernimmt die Qualifizierung des Materials und die Tests in der Anwendung. Geplant sind zunächst Versuche im Labor- und Pilotmaßstab. CEO Sean Cleary sieht das Unternehmen damit auf dem Weg, in Kanada weiter nach oben in der Wertschöpfungskette zu rücken. Gelingt das, könnte sich Strategic Resources langfristig ein zweites Standbein neben dem Stahlmarkt erschließen.
Fazit: Zwischen Genehmigung und Kapitalbedarf
Die Preisagentur Fastmarkets erwartet, dass sich der Preisaufschlag für Erz in Direktreduktionsqualität weiter ausweitet, unter anderem durch die CO2-Grenzabgabe der EU. Erz mit mehr als rund 67 % Eisengehalt macht nach ihren Angaben nur etwa 4 % des weltweiten Angebots aus. Gleichzeitig soll die Kapazität europäischer Elektrostahlwerke für Warmband von 5 Mio. t im Jahr 2025 auf mehr als 19 Mio. t bis 2030 steigen. Wer statt Pellets mit 67,5 % Eisengehalt solche mit 65 % einsetzt, zahlt laut einer Modellrechnung von Fastmarkets schon 2026 rund 41 EUR / t Warmband mehr. Der Grund: Mehr Eisen geht in der Schlacke verloren, zudem braucht das Stahlwerk zusätzlichen Kalk und Strom. Bis 2035 soll dieser Nachteil auf etwa 85 EUR / t steigen. Auch das neue Erz aus dem Großprojekt Simandou entlastet nur den Markt für Hochofenqualität, da es die Anforderungen der Direktreduktion nicht erfüllt.
Ob Strategic Resources von dieser Knappheit profitieren kann, hängt nun an zwei Hürden. Zum einen steht die Entscheidung der Behörden in Québec über die Genehmigungsänderung noch aus. Zum anderen muss das Unternehmen die Baukosten von rund 470 Mio. USD finanzieren, wobei die Société Générale als federführende Bank den Fremdkapitalanteil von rund 300 Mio. USD organisieren soll. Eine Grundlage dafür sind die Verträge mit dem Rohstoffhändler Javelin Global Commodities aus dem Jahr 2024: Javelin soll über zehn Jahre das Erzkonzentrat für die Anlage beschaffen und bis zu 4 Mio. t Pellets pro Jahr vermarkten. Zudem hat Javelin eine Kreditlinie für das Betriebskapital von bis zu 150 Mio. USD in Aussicht gestellt. Zum 30. Juni verfügte Strategic Resources über Barmittel von 1,7 Mio. CAD. Das Projekt ist damit noch nicht durchfinanziert. Das Unternehmen befindet sich aktuell in einer spannenden Phase und ist eine detaillierte Analyse wert.
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