20.10.2026 | 05:39
Volkswagen, Strategic Resources, Infineon – Elektroautos, Rohstoffe und Chips, drei Blickwinkel auf den Umbau der Autoindustrie
Im September war in Deutschland mehr als jeder dritte Neuwagen ein reines Elektroauto. Laut Kraftfahrt-Bundesamt lag der Anteil reiner Elektroautos an den Neuzulassungen bei 34,5 %. Die Autobauer müssen ihre Modelle in kurzer Zeit umstellen, und das kostet viel Geld. Doch der Umbau hört nicht am Werkstor auf. Wer Elektroautos baut, braucht verlässliche Quellen für Rohstoffe wie Vanadium, das in hochfestem, im Idealfall grünem Stahl und in Batterien steckt. Dazu kommen Leistungshalbleiter, die den Strom im Auto schalten und wandeln. Wer hier liefern kann, dem dürfte das in die Karten spielen. Wir sehen uns deshalb Volkswagen, Strategic Resources und Infineon genauer an.
Lesezeit: ca. 5 Min. | Autor: Armin Schulz
ISIN: Strategic Resources Inc | CA86277X4093 , Volkswagen AG | DE0007664039 , INFINEON TECH.AG NA | DE0006231004
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Inhaltsverzeichnis:
Der Autor
Armin Schulz
Der gebürtige Mönchengladbacher studierte Betriebswirtschaftslehre in den Niederlanden. Im Zuge des Studiums kam er erstmals mit der Börse in Kontakt. Er hat mehr als 25 Jahre Erfahrung bei Börsengeschäften.
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Volkswagen – Elektroautos gefragt, Gewinn unter Druck
Die Elektroautos von Volkswagen kommen in Europa inzwischen gut an. In den ersten neun Monaten hat der Konzern hier 586.100 Stromer ausgeliefert, das sind 12,1 % mehr als im Vorjahr, als es 522.700 waren. Und es dürfte so weitergehen, denn im europäischen Auftragsbestand machen Elektroautos mittlerweile rund 40 % aus. Neue Modelle stehen schon in den Startlöchern. Am Vorabend des Pariser Autosalons hat Volkswagen die Electric Urban Car Family gezeigt, vier kleine Elektroautos von VW, Škoda und CUPRA, die in Martorell und Pamplona gebaut werden und sich mehr als 80 % ihrer Bauteile teilen. Fast 150.000 Vorbestellungen gibt es bereits.
Beim Gewinn sieht man davon noch nichts. Mitte September musste Volkswagen die Prognose für das laufende Jahr zurücknehmen. Bei der operativen Umsatzrendite rechnet man jetzt nur noch mit bis zu rund 1 %, vorher waren 4,0 bis 5,5 % eingeplant. Rund 10 Mrd. EUR an Sondereffekten schlagen zu Buche, allein die Abschreibung auf den Firmenwert von Porsche macht rund 6 Mrd. EUR aus. Hinzu kommt das schwache China-Geschäft, wo die Auslieferungen bis September um 30,2 % auf 1.378.800 Fahrzeuge eingebrochen sind, und die schwachen Ergebnisse bei Audi und der Marke VW. Die schnelle Verschiebung hin zum Elektroauto drückt ebenfalls auf die Marge.
Wie will man da wieder herauskommen? Mit dem Zukunftsplan 2030, den der Aufsichtsrat Anfang September abgesegnet hat. Bis 2030 soll die operative Marge auf 9 % steigen, gleichzeitig sollen konzernweit rund 50.000 Stellen wegfallen. In Europa hat Volkswagen Kapazitäten für mehr als 500.000 Autos zu viel. Ende September hat der Konzern mehrere Tarifverträge zum Jahresende gekündigt, der Zukunftstarifvertrag mit der Beschäftigungssicherung bleibt aber außen vor. Die IG Metall fordert 5 % mehr Lohn, was Volkswagen für nicht vereinbar mit der Lage hält. Mehr weiß man am 29. Oktober, wenn die Wolfsburger die Zahlen für die ersten neun Monate vorlegen.
Strategic Resources – Rohstoff für den grünen Stahl
Wer Stahl im Elektroofen schmilzt, spart laut Experten rund 75 % der Emissionen. Doch diese Öfen brauchen hochwertiges metallisches Eisen, und genau daran fehlt es. Kanada fördert jährlich 70 Mio. t Eisenerz, das sich pelletieren ließe, verfügt aber nur über Pelletwerke für 23 Mio. t. Wer diese Lücke schließen will, braucht Erdgas, billigen Strom und einen Hafen. Das alles gibt es in Port Saguenay. Dort entwickelt ein kanadisches Unternehmen mit dem Namen Strategic Resources ein Zentrum für Eisen, Vanadium und Titan. Gerade Vanadium und Titan zählen zu den kritischen Mineralen, aber auch die hochwertigen Eisenpellets sind begehrt.
Das Unternehmen hat die Erweiterung seines genehmigten Pelletwerks von 1,5 Mio. t auf 4 Mio. t bereits geplant und alle Unterlagen eingereicht. Für die erste Phase, den Bau des Werks mit einer Kapazität von 4 Mio. t in Port Saguenay, rechnen die Kanadier mit 500 Mio. USD. Die Betriebskosten liegen bei gerade einmal 16 USD je Tonne, und bei aktuellen Spotpreisen blieben rund 40 USD Marge pro Tonne übrig. Hilfe kommt vom Staat. Er finanziert Förderband und Versorgungsanlagen für zusammen 280 Mio. CAD. Um Einkauf und Verkauf kümmert sich Javelin Global Commodities, mit einem Vertrag über 10 Jahre und einer Betriebsmittellinie von 150 Mio. USD im Rücken. Laut Unternehmensangaben befindet sich die Genehmigung des Pelletwerks in fortgeschrittener Prüfung.
Mine und metallurgische Anlage haben bereits alle Baugenehmigungen. In der zweiten Phase soll die eigene Lagerstätte BlackRock angebunden werden. Ihre Reserven von 127,8 Mio. t Erz reichen für 39 Jahre. Geplant sind dann jährlich rund 550.000 t Roheisen, rund 4.400 t Ferrovanadium und rund 120.000 t Titanschlacke. Auch in Finnland ist man aktiv. Das Forschungsprojekt FutSteel der Universität Oulu, an dem der Stahlkonzern SSAB beteiligt ist, hat sich für vanadiumreiches Konzentrat aus dem Projekt Mustavaara entschieden. Mit Tyfast prüft man zudem einen Weg vom Vanadium zur Batterie. Mit dem Pelletwerk könnte für die Kanadier eine neue Zeitrechnung beginnen.
Infineon – Siliziumkarbid für den Strom von morgen
Ohne Leistungshalbleiter fährt kein Elektroauto. Sie sorgen dafür, dass der Strom aus der Batterie im Motor ankommt, und Infineon liefert solche Chips. Ein wichtiger Werkstoff dafür ist Siliziumkarbid. Am 15. Oktober haben die Neubiberger ihren Liefervertrag mit Wolfspeed verlängert und neben Wafern mit 150 mm Durchmesser auf solche mit 200 mm ausgeweitet. Die Lieferbeziehung der beiden besteht seit mehr als 20 Jahren. Laut der Mitteilung, die sich auf das Marktforschungshaus Yole beruft, dürfte der Markt für Leistungshalbleiter aus Siliziumkarbid von 3,4 Mrd. USD im Jahr 2024 auf 11,1 Mrd. USD im Jahr 2031 wachsen.
Gleichzeitig baut Infineon das Portfolio um. Das Geschäft mit den Speicherchips NOR Flash und F-RAM geht für 1,12 Mrd. USD in bar an Winbond aus Taiwan, vereinbart wurde das am 16. September. Das Geld soll dorthin fließen, wo die Neubiberger das meiste Wachstum erwarten. Dazu gehören Rechenzentren für künstliche Intelligenz. Passend dazu hat man sich am 5. Oktober C2i Semiconductors aus Bengaluru einverleibt. Die Inder entwickeln Steuerungen und Leistungsstufen für die Stromversorgung solcher Rechenzentren. Ihr Team verstärkt die Entwicklung in Indien. Dort beschäftigt Infineon schon rund 2.800 Mitarbeiter.
Ganz ohne Haken ist der Umbau nicht. Der Verkauf an Winbond soll erst im zweiten Halbjahr 2027 abgeschlossen werden, vorher müssen die Behörden zustimmen. Bis dahin gehört das Speichergeschäft weiter zu Infineon. Auch die Übernahme von C2i muss sich erst im Alltag bewähren. Wie gut die Neubiberger insgesamt laufen, zeigen die Zahlen zum 4. Quartal und zum Geschäftsjahr, die nach vorläufiger Planung am 10. November kommen sollen. Gelingt es Infineon, Elektroautos und Rechenzentren gleichermaßen zu bedienen, steht der Konzern auf zwei kräftigen Standbeinen. Die Richtung stimmt.
Fazit
Das Elektroauto verändert die ganze Lieferkette, vom Erz bis zum Chip. Volkswagen liefert in Europa deutlich mehr Elektroautos aus, verdient aber zu wenig. Der Zukunftsplan 2030 muss jetzt liefern. Strategic Resources hat in Québec die Baugenehmigungen für Mine und metallurgische Anlage, staatlich finanzierte Infrastruktur und mit Javelin einen festen Partner für Einkauf und Absatz beisammen. Gelingt die Erweiterung der Genehmigung für das Pelletwerk, wäre ein wichtiger Meilenstein erreicht. Infineon sichert sich mit Wolfspeed den Nachschub an Siliziumkarbid und richtet das Portfolio auf Elektroautos und Rechenzentren aus. Am Elektroauto hängt mehr als der Hersteller.
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