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07.10.2026 | 05:00

Aspermont, S&P Global und Alphabet: Fachdaten fordern selbst Tech-Giganten

  • Rohstoffe
  • Daten
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Bildquelle: Nano Banana KI

Generative Künstliche Intelligenz verändert die Informationsbeschaffung grundlegend und entzieht traditionellen Medienplattformen den organischen Webtraffic. Da Suchmaschinen KI-generierte Antworten wie die AI Overviews nutzen, verliert das klassische Anzeigengeschäft von Webseiten seine Grundlage. Verlage geraten in Abhängigkeiten, doch spezialisierte B2B-Informationsanbieter schaffen sich selbst eine lukrative Nische. Historisch gewachsenes, tiefes Branchenwissen bietet noch immer Mehrwert, da es für verlässliche Industrieanwendungen unverzichtbar und nicht leicht ersetzbar ist. Wir beleuchten den Trend und stellen spannende Unternehmen vor.

Lesezeit: ca. 4 Min. | Autor: Nico Popp
ISIN: ASPERMONT LTD. | AU000000ASP3 | ASX: ASP , ALPHABET INC.CL C DL-_001 | US02079K1079 , S&P GLOBAL INC | US78409V1044 | NASDAQ: SPGI

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Inhaltsverzeichnis:


    Alphabet hat für Content-Creator nur noch Almosen übrig

    Die Google-Mutter Alphabet versucht, der wachsenden Kritik an ihren generativen Antwortsystemen mit Ausgleichszahlungen zu begegnen: Wie die Fachmedien The Information und Digiday berichten, testet der Konzern das Pilotprojekt AI Contribution Pilot, an dem rund 100 ausgewählte Verlage teilnehmen. Die Vergütungsspanne fällt extrem weit aus. Während Alphabet einzelne große Medienhäuser mit über 1 Mio. USD im Jahr vergütet, speist der Konzern kleinere Fachportale mit Beträgen von unter 1.000 USD für mehrere Monate ab. Mehrere renommierte Verlage lehnen die Teilnahme an dem Testlauf daher ab. Auch juristisch wächst der Druck: Das Landgericht München I entschied Ende Mai im Eilverfahren, dass der Konzern für falsche KI-Zusammenfassungen als unmittelbarer Störer haftet. Nach Googles Berufung legten die Parteien den Streit mit zwei Münchner Verlagen per Vergleich bei, womit das Urteil gegenstandslos wurde. Die Begründung der Kammer wird in der Fachliteratur dennoch breit diskutiert. Auch Wettbewerbshüter schauen genauer hin: Die britische CMA verpflichtete Google zu einem Opt-out aus den KI-Übersichten. Die EU-Kommission prüft in einem laufenden Kartellverfahren, ob Verlage damit eine echte Wahl beim Daten-Scraping erhalten.

    S&P Global: Daten für Milliarden

    Wie profitabel die systematische Aufbereitung von Branchenwissen abseits volatiler Werbemärkte funktioniert, zeigt der US-Konzern S&P Global. Dessen Sparte Market Intelligence speist verifizierte Kennzahlen direkt über Schnittstellen in die Risikomodelle internationaler Banken, Fonds und Rohstoffkonzerne ein. Im zweiten Quartal 2026 steigerte die Sparte ihren bereinigten Umsatz auf 1,24 Mrd. USD, wobei 97 % der Erlöse aus wiederkehrenden Verträgen stammten. Der bereinigte operative Gewinn des Segments kletterte parallel auf 445 Mio. USD, die operative Marge lag bei 36 %. Ein Baustein im Rohstoffbereich ist das Modul Mine Economics mit Kosten- und Produktionsmodellen auf Minenebene. Der zugrunde liegende Datensatz umfasst über 35.000 Minen, Projekte und Verarbeitungsanlagen weltweit. Wegen der geopolitischen Entkopplung von Lieferketten und des Aufbaus stromintensiver KI-Rechenzentren erwarten Analysten in den kommenden Jahren Angebotsdefizite bei kritischen Rohstoffen. Entsprechend gefragt sind belastbare Daten zu Produktionskosten und Projekten. Skalierbare Datenanbieter werden am Kapitalmarkt deutlich höher bewertet als klassische Verlage.

    Aspermont: Historisches Archiv wandelt sich zur KI-Intelligence

    Auf einem vergleichbaren Datenschatz sitzt Aspermont. Das Medienhaus publiziert seit 1835 das traditionsreiche Mining Journal und verfügt über ein rund 190 Jahre umfassendes Archiv der weltweiten Rohstoffindustrie. Zusammen mit weiteren Fachmarken wie Mining Magazine greift das Unternehmen auf redaktionelle Analysen von 150 Branchenjournalisten und ein Netzwerk von 4.000 Firmenkunden zurück. Statt Texte ungeschützt an Suchmaschinenbetreiber abzugeben, veredelt Aspermont seinen Fundus über Wissensgraphen und domänenspezifische Ontologien zur KI-Plattform Mining-IQ. Für die Implementierung dieser KI-gestützten Such- und Analyseplattform zahlte der Bergbaukonzern Rio Tinto 2025 rund 550.000 AUD. Mining-IQ kombiniert historische Primärdaten mit Echtzeitparametern von über 12.000 Projekten weltweit, um Prognosen zu Minenlebenszyklen und Länderrisiken zu generieren. Die Plattform soll Antworten über kuratierte Primärdaten absichern und so das Risiko technischer Fehlaussagen deutlich senken. Damit liefert Aspermont präzise Schnittstellen für Bergbaukonzerne. Dieser Durchbruch belegt klar, dass globale Rohstoffförderer bereit sind, beträchtliche Budgets für kuratierte Fachdaten bereitzustellen. Ein reines KI-Startup kann 190 Jahre Branchenerfahrung und Primärdaten schlichtweg nicht per Web-Scraping rekonstruieren.

    Die Aktie von Aspermont schwankte in den vergangenen sechs Monaten bei dünnen Handelsumsätzen deutlich.

    Aspermont: Bereinigte Kapitalstruktur und Wachstum seit 40 Quartalen

    Die operative Transformation schlägt sich deutlich in den Finanzkennzahlen von Aspermont nieder. Für das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2026 (April bis Juni) meldet das Unternehmen einen Rekordumsatz von 4,5 Mio. AUD, was einem Zuwachs von 25 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Das Segment der Abonnements steuerte 2,6 Mio. AUD bei und verzeichnete das 40. Wachstumsquartal in Folge. Die annualisierten wiederkehrenden Erlöse stiegen seit 2016 im Schnitt um 11 % pro Jahr und lagen Ende Juni 2026 bei rund 11 Mio. AUD. Bei einer Netto-Kundenbindungsrate von 100 % wuchs der Umsatz pro Kunde im selben Zeitraum um 17 % pro Jahr. Parallel dazu bereinigte das Management die Kapitalstruktur. Eine im März 2026 wirksam gewordene Aktienzusammenlegung im Verhältnis 250 zu 1 reduzierte die Zahl der Papiere von rund 2,9 Mrd. auf rund 11,6 Mio. Stück. Damit überwand das Wertpapier sein Pennystock-Stigma und öffnete sich für Fonds, die gezielt nach skalierbaren Data-as-a-Service-Anbietern suchen.

    Die Investment-Story von Aspermont stützt sich auf Wachstum im Datengeschäft und den weiteren Rollout von Mining-IQ bei Premiumkunden der Rohstoffbranche. Wesentliche Risiken liegen in den noch begrenzten Liquiditätsreserven von 0,9 Mio. AUD per Ende Juni und in der Herausforderung, den Erfolg bei Rio Tinto zügig auf weitere große Adressen der Industrie zu übertragen. Einen nachhaltig positiven operativen Cashflow erwartet das Management inzwischen erst für das zweite Halbjahr des Geschäftsjahres 2027. Scheitert die Skalierung der Plattform oder verlangsamt sich das Kundenwachstum, drohen Verzögerungen. Gelingt es Aspermont dagegen, die Datenplattform fest in den Planungsabläufen der Minenbetreiber zu verankern, winkt eine nachhaltige Annäherung an die margenstarken Bewertungsmultiplikatoren spezialisierter Datendienstleister wie S&P Global. Die Aktie von Aspermont ist nicht ohne Risiken, in die Zeit passt der Wert aber allemal.


    Interessenskonflikt

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    Der Autor

    Nico Popp

    In Süddeutschland zuhause, begleitet der leidenschaftliche Börsianer die Kapitalmärkte seit rund zwanzig Jahren. Mit einem Faible für kleinere Unternehmen ausgestattet, ist er ständig auf der Suche nach spannenden Investmentstorys

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